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Herrfel-er Armblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 90.

Donnerstag, den 3. August

1905.

Amtlicher CeiL

Bekanntmachung, betreffend die Entwertung der Marken und die Einrichtung der Quittungskarren für die Invalidenversicherung.

Vom 3. Juli 1905.

Auf Grund von § 132 Abs. 1, §§ 141, 144 beS Jn- validenversicherungSgesktzeS hat der Bundesrat über die Entwertung der Marken und die Einrichtung der Quittungs- karten für die Invalidenversicherung nachstehende Vorschriften beschlossen:

I. An Stelle der in der Bekanntmachung, betreffend die Entwertung und Vernichtung der Marken bei der Invalidenversicherung, vom 9. November 1899 (ReichS- Gesetzbl. S, 665) unter Ziffer I, 4, 5 veröffentlich­ten Vorschriften treten folgende Bestimmungen:

1. Arbeitgeber und Versicherte, welche Marken in die QuittungSkarten einkleben, sind zur Entwertung sämtlicher Marken verpflichtet.

4. Diejenigen Organe der Versicherungsanstalten, Behörden oder Beamten, welche die Kontrolle der Beitragsentrichtung ausüben, sind verpflich­tet, alle in den QuittungSkarten befindlichen Marken zu entwerten, welche noch nicht ent­wertet sind.

5. Die Entwertung der Marken liegt in den Fällen zu 1 und 2 demjenigen ob, welcher die Marken einzukleben hat; sie muß alsbald nach der Ein- klebung erfolgen.

II. Die durch die Bekanntmachung betreffend die Ein­richtung der QuittungSkarten für die Invalidenver­sicherung, vom 10. November 1899 (ReichS-Gesetzbl. S. 66?) vorgeschriebenen Formulare der Quillungs- karten für versicherungspflichtige Personen (Formular A) und für die Selbstversicherung und deren Fort­setzung (Formular B) werden dahin abgeändert, daß die QuittungSkarten A und B den aus den an­liegenden Formularen ersichtlichen Vordruck erhalten müssen.

III. Die vorstehenden Bestimmungen treten mit dem 1. Oktober 1905 in Kraft.

QuittungSkarten alten Musters dürfen nach diesem Zeitpunkte nicht mehr ausgegeben oder verlängert werden.

Berlin, den 3. Juli 1905.

Der Reichskanzler.

In Vertretung:

Graf von Posadowsky.

Hersfeld, den 29. Juli 1905.

Nach der vorstehend abgedruckten Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 3. Juli d. Js, welche die Herren Ortsvorstände des Kreises tunlichst wiederholt zur Kenntnis der Beteiligten zu bringen haben, treten mit dem 1. Okto­

Cebenskrisen.

.Roman von Freifrau G. v. Schlippenbach.

(Fortsetzung.)

Der Weg führte durch den schönen Buchenwald und an dem schmucken Häuschen des Försters vorbei. Er selbst stand, von seinen Hunden umgeben, vor der Tür. Hedda zog die Zügel der Ponys an und rief ihm einenGuten Tag" zu.

Ach bitte, Herr Schmitt", sagte sie,lassen sie doch einige Birkhühner schießen und nach Bnchenau schicken."

Der Förster hatte seine grüne Kappe gezogen und stand regungslos da. Das Sonnenlicht streifte seine breitschultrige Gestalt und fiel auf sein Haar, durch das sich schon viele weiße Fäden zogen, und doch mußte der Mann noch nicht dreißig sein. Seine tiefliegenden Augen unter den buschigen Brauen richten auf Margaretens Gesicht.

Hedda bemerkte es und sagte:Liebe Margarete, erlaube, daß ich dir Herrn Förster Schmitt vorstelle. Da ich deine Liebe für den Wald kenne, wirst du vielleicht einen Führer brauchen. Nicht wahr, Herr Schmitt, Sie werden meiner Schwester, Frau Roden, Wege und Stege zeigen?

Erst jetzt erhob Margarete den Kopf. Als große Tier- freundin hatte sie mit dem braungefleckten Jagdhunde des Försters Bekanntschaft gemacht. Eine jähe Röte schoß in das braune Gesicht des Mannes, und die kräftige Hand spannte sich fest um den Sauf der Flinte, auf die er sich stützte. Er murmelte etwas in den blonden Bollbart.

Das ist ein sonderbarer Mensch", sagte Margarete, als sie weitersuhrcn. '

«Er ist ein Sonderling, aber ein tüchtiger Beamter, der die großen Waldungen von Buchenan verwaltet. Wir laden ihn manches Mal zur Tafel ein. Er ist sehr gebildet und macht den Eindruck, als hätte er etwas Trauriges erlebt."

Ist er verheiratet?"

Nein; er haust ganz allein mit einer alten, lahmen Magd in seinen vier Wänden."

Das Gespräch berührte ivieber andere Dinge, und Mar garcle dachte nicht mehr an den Förster.

ber b. Js. Aenderungen in den Bestimmungen über die Entwertung der Marken und die Einrichtung der Quittung»- kalten für die Invalidenversicherung ein.

Da hiernach von dem obigen Zeitpunkte ab QuittungS­karten alten Musters nicht mehr ausgegeben .oder ver­längert werden dürfen, so werden in der nächsten Zeit die sämmtlichen Quittungskarten-AuSgabestellen mit neuen Formularen zu QuittungSkarten zu versehen sein.

Um dabei jeden Bedarf noch zeitig decken und jede Stockung im Umtausch-Geschäft vermeiden zu können, haben mir die Herren Ortsvorstände des Kreises bis spätestens zum 10. August d. Ja zu berichten:

1) wie viel neue Quittungskarten-Formulare, und zwar a. wieviel von Formular A (gelb) und

b. wie viel von Formular B (grau) für die Zeit vom 1. Oktober d. Jr. bis 31. Dezember 1906 voraussichtlich erforderlich fein werden.

Der Bedarf an neuen Karten ist dabei so reichlich zu bemessen, daß im Laufe des Jahres 1906 Ersatz voraus­sichtlich nicht nachzuschicken sein wird.

Zugleich wird hierbei noch speziell darauf hingewiesen, daß das Formular B nur für solche freiwillig Ver­sicherte auszustellen ist, für welche früher noch niemals auf Grund versicherungsp f l i ch t i g e r Tätigkeit Beitrags­marken verwendet worden sind und daß diejenigen Perso­nen, welche einmal dem VersicherungSz wange unterlegen haben, QuittungSkarten nach Formular A weiter gebrauchen müssen, auch für den Fall, daß sie sich später freiwil - l i g weiter versichern wollen.

V. 478. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierung« Rat.

Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 5. Juni d. Js. A. II. 5279 (abgedruckt in Nr. 24 des Amts­blatts vom 14. Juni b. Js.) bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten durch Erlaß vom 28. Juni b. Js. III. B. 31351. M. b. ö. A. _ _ ----lla 4578. M. b. '" Kennzeichnung von Kraft,

fohrzeugen für den Regierungsbezirk Erfurt die weiteren Nummern 2501 bis 3000 überwiesen haben. (A. II. 6383.)

Gaffel am 15. Juli 1905.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: M e j e r. *

Hersfeld, den 25. Juli 1905.

Wird veröffentlicht.

I. 5149. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rat.

HerSfeld, den 31. Juli 1905.

Die unter den Schweinen des Schuhmachers Heinrich

Schon am ersten Tage bemerkte Frau Roden, daß sich das Ehepaar fremd stand, daß sie vor der ahnungslosen alten Frau eine Posse spielten, die sie täuschen sollte. Sowohl Horst als Hedda hatten ihre Rolle so dnrchgeführt, daß die Blinde sie für ein zwar ruhiges, aber glückliches Ehepaar hielt. Fräulein Marnitz, die Gesellschafterin, sah allerdings mit ihren beiden gesunden Augen mehr, aber sie war ihrer Gebieterin treu ergeben und besaß den echten HerzenStakt, der zu schweigen versteht.

Horst begrüßte seine Schwägerin sehr herzlich. Wenn eine Ehe nicht glücklich ist, sind Mittelspersonen immer willkommen, wohingegen sie im umgekehrten Falle störend wirken.

Margarete war entzückt von dem schönen alten Hause und dem großen daranstoßenden Parke und Garten, um den sich Hedda eifrig kümmerte. Ueberhaupt war Frau Roden erstaunt, zu sehen, mit welcher Sicherheit ihre junge Schwester sich als Herrin in Bnchenau bewegte, wie fest und sicher sie die Zügel des Haushaltes in bci> kleinen Händen hielt. Aber mit Aus­nahme deS Gartens tat sie es ohne Freudigkeit wie eine Pflicht, der sie gerecht werden mußte. Neben Heddas Zimmer waren die ihres GasteS eingerichtet worden. Margarete sagte nichts dazu; erst als sie und ihre Schwester spät abends allein blieben, da umschlang sie die junge Frau und fragte:Wa§ hat daS alles zu bedeuten, Liebling? Es ist ein Schatten auf eure Ehe gefallen, bu bist nicht glücklich?"

Nein", lautete die Antwort,bitte, forsche nicht weiter, ich kann nicht davon sprechen. Frage nie nach dem Grunde, ich müßte schweigen."

Margarete erschrak. So war es mehr als eine vorüber­gehende Verstimmung, der Riß war tiefer, ihre fröhliche, kleine Hedda trug ein stolz verborgenes Leid in der Brust.

Gott helfe dir", sagte Margarete innig,suche im Gebete Trost und Stütze."

DaS tue ich!" rief Hedda mit fluchten Augen,ich will von dir lernen, wie man sein Kreuz trägt. Glaube mir, daS meine ist kaum leichter alS das, das. dir auferlegt ward."

Drei Tage nach Margaretens Ankunst reiste Baron Horst in das Berner Oberland. Der Arzt hatte für sein sich in letztcr'Zcit öfter cinslellendes Kopsweh die reine Höhenlust ver­

Faulstich in Friedewald ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.

I. 5313. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 1. August 1905.

Im Monat Juli b. Js. sind dahier für die nachbezeich- neten Herren Jagdscheine ausgestellt worden:

A. Jahresjagdscheine:

*. entgeltliche:

am 3/7. für Gastwirt Georg Bock in Heimboldshausen, Maurer Konrad Herrmann daselbst,

10/7. Kaufmann Adam Hrch.Wiegand in Röhrigshöfe, , 31/7. Assistenzarzt Andrse in Hersfeld,

Schornsteinfeger Johanne» Raacke in Friede, wald,

Kaufmann Heinrich Volkenand daselbst, Professor Dr. Stamm in Hersfeld.

b. unentgeltliche:

, 29/7. Königl. Hilssförster Bernhardt in Bengendorf.

B. Tagesjagdscheine: Keine.

Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

nichtamtlicher teil.

WM in der Lsisee.

Die Nachricht von der Entsendung einer britischen Flotte zu UebungSzwecken nach der Ostsee ist in der Londoner Presse bereits im Frühjahr aufgetaucht. Damals blieb sie ohne Beachtung, jetzt wirken englische Jingoes, französische Chauvinisten und aufgeregte deutsche Patrioten zusammen, um für die öffentliche Meinung Großbritanniens, Frank, reichs und Deutschlands eine Herausforderung, ja Be­drohung unseres Vaterlandes aus dem Umstände zu machen, daß englische Kriegsschiffe vorübergehend in den baltischen Gewässern anwesend sein werden. Unserem internationalen Ansehen aber ist nicht gedient mit diesen sachlich ungerecht, fertigten und politisch schädlichen Versuchen, eine künstliche Panik hervorzurufen. Gerade wer die englische Geschwader- fahrt ernster ausfaßt, als sie es nach ihrer wirklichen Be­deutung ist, hat die Pflicht, gegenüber einer vermeintlichen nahen Gefahr kaltes Blut zu bewahren.

Man hat sich, wohl weil der Union Jack viele Jahre in der Ostsee nicht gezeigt worden ist, in den Gedanken hineingelebt, die Engländer hätten dort nichts zu suchen. Da» ist aber nur der Ausdruck eines Wunsches. Rechtlich sind der britischen Flagge die Zugänge zur Ostsee nicht ver.

ordnet. Horst hatte seine Frau gefragt, ob sie ihn begleiten wolle; Hedda verneinte heftig. Der Gedanke, wochenlang mit ihrem Gatten allein zu sein, war ihr entsetzlich.

Der Abschied des Ehepaares war äußerst kühl. Der dunkle Schnurrbart Horst's streifte flüchtig die Hand seiner Frau. Sie ließ es geschehen, ohne einen wärmeren Druck der Finger, ohne ein herzliches Wort. ES lag in HeddaS Wesen ein häß­licher Trotz, der sich oft gegen ihre bessere Ueberzeugung auf- lehnte und sie mit Blindheit schlug. Seit sie in Buchenau lebte, waren jetzt drei Monate vergangen.

Gottlob", dachte sie,die Hälfte deS JahreS ist vorbei, bald werde ich frei sein."

Sie bestrebte sich, sowohl als Schwiegertochter wie als Re­präsentantin deS Hauses ihre Pflicht zu tun, ihr Mann sollte ihr keinen Vorwurf machen dürfen.

Es war unmöglich, unter demselben Dache mit Horst zu leben, ohne den Zauber seiner Persönlichkeit zu suhlen, ohne an seiner Gesellschaft Gefallen zu finden. Er war voller Interesse und geistig anregend, seine Belcsenhcit war groß, und er erzählte wunderhübsch. Je mehr Hedda das alles cinsah, desto schroffer und abwchrender war ihr Bcncinnen gegen ihren Mann. Der Zwang, den sie sich vor der Blinden aufcrlegtc, rächte sich nachher, die Bitterkeit ihrer Seele wallte auf. Sie war oft empört über die ihr aufgezwungene Rolle, die ihrer offenen Natur widerstrebte.

Als der Wagen, der den Baron zur Bahn brächte, hinter den Bäumen des Packes verschwand, atmete Hedda er­leichtert auf.

Nun brauche ich nicht mehr die MaSke zu tragen", dachte sie,ich bin für viele Wochen von seiner Gegenwart erlöst."

Aber schon nach einigen Tagen ertappte sie sich daraus. Horst zu vermissen. Sie lauschte auf seinen Schritt, auf seine Stimme und erwartete die ersten Nachrichten voll Ungeduld, denn er hatte sie gebeten, mit ihm zu korrespondieren.

Er verlangte auch daS, um die Menschen zu täuschen", dachte die junge Frau bitter,Lug und Trug scheinen ihm geläufig zu sein, ich verachte ihn!"

Sprach aber nicht vieles gegen dieses harte Urteil ? War doch sein Wesen schlicht und ehrenhaft. Er ging stets den