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Herrselder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 83. Dienstag, den 18. Juli 1905.

Amtlicher teil.

Lasset, den 6. Juli 1905.

Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts vergl. u. A. Entscheidungen in Strafsachen Band II. S. 390 ff. stellt die Herausgabe und der Vertrieb einer Wochenschrift, bei welcher Lose preußischer Lotterien nach dem Verhältnis der Abonnentenzahl angekauft und die darauf fallenden Ge­winne an die Abonnenten verteilt werden, die genehmigungs­pflichtige Veranstaltung einer Lotterie dar.

Indem ich dies zur gefälligen Beachtung mitteile, ersuche ich die Herren Landräte, auch die Ortspolizeibehörden mit entsprechender Weisung zu versehen. (A. II. 6051.)

Der Regierungs-Präfldent. Graf von Bernstorf f.

An die Herren Polizeidirektoren und Landräte des Bezirks. * * *

Hersfeld, den 14. Juli 1905.

Vorflehendes wird den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Nachachtung mitgeteilt.

I 4857. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 14. Juli 1905.

Für den am 27. Januar 1889 zu AllmerShaufen ge­borenen Johannes Euler ist um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nach­gesucht worden.

1. 4917. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Hersfeld, den 13. Juli 1905.

Die unter dem Schweinebestande des Karl Volkmar zu Hersfeld ausgebrochene Notlausseuche ist erloschen. I. 4849, Der Königliche Lanbrot

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 14. Juli 1905.

Unter den Schweinen des Kaufmanns Wilhelm Otto zu Hersfeld ist die Rotlausseuche ausgebrochen. ! 4870. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h m e r.

Bekanntmachung des Kreisziegenzuchtvereins Alsfeld.

Auf vielseitigen Wunsch wird der KreiSziegenzuchtverein Alsfeld gelegentlich des am 31. d. MtS. in Alsfeld flatt- findenden Prämienmarktes wieder einen Zuchtviehmarkt für die mit Recht so beliebten Sanenziegen abhalten.

Kebenskrisen.

Roman von Freifrau G. v. Schlippenbach.

(Fortsetzung.)

Was wollen Sie?" fuhr ihre Herrin sie zornig an.Was stören Sie mich? Ich hasse das!"

Es ist die höchste Zeit, zum Theater zu fahren", sagte das junge Mädchen, schüchtern an der Tür stehen bleibend.

Ich will heute nicht spielen!" schrie die Sternau,sagen Sie es dem Intendanten."

Das feine Batisttuch in den weißen Händen Violas wurde in Fetzen zerrissen. Ungeduldig schleuderte sie sie in eine Ecke des Zimmers; wie ein ungezogenes Kind gebärdete sie sich.

Viola!"

Horst sagte nur dieses eine Wort, aber es genügte, um die Erregte zur Vernunft zu bringen. Sie wurde sehr blaß und taumelte, sich an die Lehne eines Stuhles haltend. Das wilde Feuer ihrer Augen erlosch, und sie winkte der Zose, sich zn entfernen.

Ich komme gleich", fiel es vorher von ihren bebenden Lippen, die sich kaum bei den drei Worten bewegten.

Als sie mit Horst allein blieb Warf sie sich mit einem wilden Anfschlnchzen an seine Brust.

Du verniagst alles über mich!" rief sie.Ein Wort von dir ist mir maßgebend, mein Max."

In fester Umschlingung hielt sie ihn an sich gepreßt.

Für dich allein werde ich heute spiele», für dich werbe ich heute mich selbst übertreffen. Du sollst meine Kunst be­wundern und deinen stolzen Nacken vor derjenigen beugen, der das Genie als seiner AvSerwählten seinen Weihckuß auf die Stirn gedrückt hat."

Sie selbst geleitete ihn znr Tür.Geh' jetzt; auf der Bühne siehst du mich als Magda wieder. Ich will deine Blnmcn tragen, die weißen Blüten, die du mir heute geschickt hast. Dicht an meinem Herzen sollen sie rnhen, während ich spiele."

Etwa eine Stunde später saß Baron Horst in der kleinen Profccniumsloge, deren Vorhang ihn den Blicken des Publi­

Der Verein wird mit 600 Vereinstieren, die zum Teil direkt aus der Schweiz importiert sind, sehr wohl in der Lage sein, erstklassiges Zuchtmaterial an Interessenten ab­geben zu können; insbesondere wird stch den Gemeinden eine selten günstige Gelegenheit zum Ankäufe guter Zuchtböcke von nachweislich rassereinerAb- flammung bieten. Indem wir hierauf besonders auf­merksam machen, laden wir zu recht zahlreichem Besuche höfl. ein.

Der Vorstand des Kreisziegenzuchtvereins Alsfeld.

Aonigliches Landratsamt.

Sprechstunve: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

WfuMrchig Zahre.

Zum 19. Juli.

An diesem Mittwoch sind 35 Jahre verstrichen seit dem denkwürdigen Tage, wo die französische Kriegserklärung In Berlin überreicht wurde. Der sofort einberufene norddeutsche Reichstag gab durch die unbeschränkte Bewilligung der er­forderlichen Kriegsmittel der nationalen Begeisterung des Volkes Ausdruck. König Wilhelm ging zur stillen Einkehr in sich selbst in das Mausoleum zu Charlottenburg, um an dem Grabe der vielgeprüften und einst unter französischer Anmaßung schwer duldenden Eltern im Gebete sich zu stärken zu dem schweren Kampfe mit dem Neffen des Mannes, der im SiegeSübermute einst das Herz der Königin Luise tödlich getroffen hatte. Und an demselben Tage ward auch das Ehrenzeichen der Freiheitskriege erneuert; das eiserne Kreuz sollte wiederum für Tapferkeit gegen Frankreich verliehen werden.

Das ist gerade wie 1813 hatte König Wilhelm bei dem jubelnden Empfange in Berlin geäußert. Ja, es war eine große Zeit wie 1813, und wem es vergönnt war, sie mittätig zu durchleben, dem wird das Herz wieder jung werden bei der Erinnerung an die großen, herrlichen Tage. E i n Wille, eine Begeisterung, e i n todesmutiger Entschluß durch alle Gauen unseres Vaterlandes, ein Pulsschlag durch das ganze deutsche Volk von der Sennhütte der bayrischen Alp bis zum Fischerhaus am Nord- und Ostsee­strand, von dem Rheinstrom bis zur Memel.

Jugendlicher Feuer der Begeisterung in dem ermatten­den Auge des Veteranen der Befreiungskriege, männliche Entschlossenheit und heiliger Kampfesmut in dem kaum dem

kums entzog. Er hatte Viola schon früher in S»derma»»s Heimat" auftreten gesehen, heute übertraf sie sich in ihrem Können. Sie hielt Wort. So vollendet war die Heldin des Dichters wohl noch nie interpretiert worden. Man vergaß, daß es bloß Spiel war, man hatte die Wirklichkeit vor Augen, diese Mazda lebte und litt wahrhaft. Mehr noch als sonst huldigte man der Sternau, Blumcnspendc» wurden ihr in verschwenderischer Fülle zu Füßen gelegt. Sie verneigte sich dankend, aber sie trug keine der köstlichen Rosen oder Orchi­deen: nur die keuschen, schneeigen Blüren, die Horst ihr ge­schenkt hatte, neigten verwelkend die Kelche an dem heißen Herzen Violas.

Du bringst mir immer nur weiße Blumen", sagte sie einmal,mein Herzblut färbt sie doch purpurrot."

Daran dachte Hvrst heute. Ja, sie war voll Feuer und Leidenschaft, ihr slavisches Teperament brach immer wieder durch; mehr als je hatte er es heute gefühlt.

Und der weite Raum des Theaters versank vor ihm, er war allein mit dem geliebten Weibe. Sie blickte verstohlen zn ihm hinüber, und ihr Genie begeisterte ihn wie nie zuvor.

Die Vorstellung ist zu Ende. Horst sitzt neben Viola in einem eleganten kleinen Zimmer des feinsten Restaurants. Sie hat einige ihrer Kollegen und Kolleginnen eingeladen, um ihnen ein Abschiedssonper zu geben. Das Gastspiel hat mit dem heutigen Abende sein Ende erreicht. Das Essen ist auserlesen. In den hohen Kelchen perlt der Champagner, und die Stimmung ist überlaut und fröhlich. Horst bedauert fast, den drängenden Bitten Violas nachgegeben zn haben, es ist ihm neu unb peinlich, sie außerhalb der Bühne int. freien Verkehre mit den andern Schauspielern und den Damen vom Theater zu sehen. Obgleich die Sternau die Stellung einer Königin unter ihnen behauptet, ist der Ton recht frei, und versteckte, aber deshalb nicht weniger leichte Witze fliegen hin und her. Das feine Gefühl Hvrsts wird dadurch verletzt, und doch ist das alles so subtil, daß er es kaum bezeichnen könnte. Der Gedanke:Legt meine Gegenwart ihr Zwang auf, ist sie anders, wenn ich nicht da bin?" drängt sich ihm auf und peinigt ihn dann unerträglich, so daß er immer einsilbiger und verstimmter wird.

Knabenalter erwachsenen Jüngling! Wer da» sah, der konnte es wohl verstehen, warum immer und immer wieder das markige Lied von derWacht am Rhein" erklang. E» war richtig, was ahnend Max Schneckenburger bereits im Jahre 1840 gesungen hatte:

Es braust ein Ruf wie Donnerhall,

Wie Schwertgeklirr und Wogenprall

Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein!

Wer will des Stromes Hüter sein?

Lieb Vaterland, magst ruhig sein,

Fest steht und treu die Wacht am Rhein!

Alldeutschland trat an zur Wacht am Rhein. So hoch aber auch die Wogen der Begeisterung und der Kampses- freude gehen mochten, ein heiliger, weihevoller Ernst lag über der ganzen Nation. Kein übermütiges Prahlen, kein vorzeitiges Frohlocken wurde laut alle traten mit dem Gefühle in den Kampf, daß er schwer und ernst sein werde. Mutig drangen unsere Herre über den Rhein, und wo sie mit dem Feinde handgemein wurden, da heftete sich der Sieg an ihre Fahnen. Der herrliche Siegerpreis aber war die deutsche Kaiserkrone.

An diesem Gedenktage wollen wir auch derer nicht ver­gessen, die todesmutig ihr junges Leben für des Vaterlandes Ehre zum Opfer brachten. Die Erinnerung an sie über, dauert ihren Tod. Ihr Beispiel redet zu uns eindringlicher, als irdische Stimmen es vermögen. Die zahlreichen Grab­hügel in den Reichslanden und jenseits der Vogesen im Herzen Frankreichs richten die stumme Frage an uns und an da» Heranwachsende Geschlecht, ob wir das Unsrige getan haben, um den mit teuerm Blute erkauften Siegerpreis sicherzustellen gegen einen etwaigen neuen Angriff von außen, sowie um das Reich innerlich zu stärken, damit deutsche Ehre und deutsche Waffen jederzeit so hell erglänzen wie damal».

Freilich hat das große Jahr im deutschen Fühlen und Denken einen gewaltigen Umschwung herbeigeführt. In neuem Glänze steht das Deutsche Reich unter den Völkern der Erde da, festgefügt und wohl bewacht durch die Sorge des Kaisers und das deutsche Schwert; aber der Geist der nationalen Zwietracht macht sich wieder bemerkbar. Um ihn zu bannen, dazu soll uns helfen neben der Erinnerung an die große Zeit vor fünfunddreißig Jahren der Hinweis auf das Erbe unserer Väter, das in uns fortlebt, und für da­zu kämpfen die heiligste Pflicht jeder deutschen Manne» ist.

Der russisch-japanische Krieg.

Der bis zum Bajonettkampf durchgeführte neue Zu­sammenstoß zwischen Russen und Japanern auf der Insel Sachalin, von dem General Lenewitsch kurz berichtete, hat, wie vorauszusehen war, mit einem japanischen Siege ge­endet. Doch hat die russische Abteilung unter den obwalten­den ungünstigen Umständen sich wenigsten» tapfer gewehrt. Eine amtliche Mitteilung besagt:

Viola durchschaut ihn und bricht zeitig auf. Sie verläßt die Gesellschaft, die immer lauter und ungenierter wird.

?km in Arm gehen die Verlobten durch die schon nächtlich verödeten Straßen. Sie sprechen wenig, das Herz ist beiden schwer. Morgen schlägt die Abschiedsstunde; um diese Zeit sind sie weit getrennt. Viola geht nach Paris, Horst reist nach Bnchenan zu seiner Mutter, zu dem alten, streng denkenden Onkel, der sein Schicksal in Händen hält.

Im letzten Augenblicke bittet Viola:Schreibe mir bald, mein Max, ich bin in Paris nur so lange, bis du mich als deine Braut zu dir rufest."

Sie sind vor dem Hotel angelangt. Mit krampfhaftem Drucke hält die lange, schmale Frauenhand die des Mannes umfangen. Die Laterne vor dem Gasthanse fällt auf Violas Gesicht, Tränen schimmern in ihren Angen, die sich noch ein­mal dürstend an den Zügen des Geliebten festsaugen.

Ja, ich werde schreiben", sagt Horst,und nun, lebe wohl!"

Lebe wohl, Max", sagt auch sie leise, dann entschwindet sie seinen Blicken.

Langsam und sinnend geht Horst durch die Werderstraße. Er hat den Hut abgenommen; der Nachtwind streicht um seine heiße Stirn, er rüstet sich zum Kampfe. Der Preis ist Viola.

Viertes Kapitel.

Du bleibst also trotz aller meiner Bitten und Vorstellungen bei deinem Entschlüsse, die Schauspielerin zu heiraten?" sagt« der weißhaarige Oberst von Horst, dem man sofort den pen­sionierten Militär ansieht.

Ja, lieber Onkel", lautet deS Neffen Entgegnung, als er hocherhobenen Hauptes vor dem alten Herrn bastelst,' und es kampffreudig in den braunen Augen blitzt.

Gut, dann zwingst du mich, an deiner kindlichen Liebe zu zweifeln. Ich werde an meinen RechtSanwalt schreiben, mein Testament wirb umgeworseu, dein Entschluß macht cS null und nichtig, Du weißt, daß du mein alleiniger Erbe werden solltest. Sobald bit diese Bühnenprinzessin zur Frau nimmst, setze ich den Sohn eines entfernten Vetters zu meinem starb