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herssel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Sernsprech-Nnschlutz Nr. 8
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Nr. 81. Donnerstag, den 13. Juli 1905.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 5. Juli 1905.
Ich habe den Königlichen Förster Kohl in Niederaula mit der aushülssweisen Ausübung des Jagdschutzes in den Gemarkungen Beiershausen und Kirchheim bis auf Weiteres beauftragt; desgleichen den Königlichen Förster Kühnemuth zu Foillhaus Falkenbach in den Gemarkungen Beiershausen, Reckerode, Kirchheim und Asbach. I. 4518. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 11. Juli 1905.
Diejenigen Herrn OrtSvorsiände des Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 8. April 1879 — Kreisblatt No. 29 — betreffend das Weißen von Schul- täumen noch im Rückstände sind, werden hiermit an die Einsendung des diesbezüglichen Berichte« mit Frist bis zum 20. d. MtS. erinnert.
I. 4795. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 10. Juli 1905.
Diejenigen Herrn Ortsvorstände des Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 5. November 1892 — Kreisblatt Nr. 133 — betreffend Herabminderung von Strafen noch im Rückstände sind, werden hiermit an die Einsendung des diesbezüglichen Berichtes mit Frist bis zum 20. d. MlS. erinnert.
I. 4794. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 8. Juli 1905.
Die unter dem Schweinebestande des Zieglers Heinrich Roth zu Heimboldshausen ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
I. 4731. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Asnigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Nhr an den Wochentagen vormittags.
Zugelaufen: Ein langhaariger mittelgroßer brauner
Lebenskrisen.
Roman von Freifrau G. v. S ch l i p p e n b a ch.
(Fortsetzung.)
Mutter sagt, ich sei noch ein ganzes Kind und sehe auch noch gar nicht nach sechzehn Jahren aus. Mein blonder Zops hängt arg zerzaust über meinen Rücken, die krausen Haare lassen sich nicht bändigen. Vor einem Jahre spielte ich noch mit meiner großen Puppe, wenn niemand es sah; jetzt habe ich sie meiner Schwester Jlsa geschenkt. Es ist herrlich in Wendenberg, Vater und Muttchen sind einzig lieb und gut. Oft möchte ich fast nicht erwachsen sein. Es ist im Salon gar nicht so luftig wie in in der lieben, alten Schulstube, wo wir abwechselnd lernten und tollten.
ES ist herrlich in
Ich könnte den ganzen Tag lachen und jubeln.
Nur wenn ich an unser armes Gretchen denke, kann ich es nicht. Es sind bald zwei Jahre her, seit sie Witwe ist, Roden verunglückte aus einer Entenjagd, zu der er mit Papa suhr. Ich war damals noch ein Kind, aber ich werde nie vergessen, wie surchtbar es war, als Papa nach Wendenberg mit dem Verwundeten zurückkam, als meine Schivester mit einem markerschütternden Schrei niedersank.
Sie ließen sich trauen, damit Margarete Albert besser pflegen konnte. Wie anders war die Hochzeit geplant worden.
sehe noch das Zimmer des Kranken vor mir. Er lag lehr bleich und kraftlos da. Meine Schivester hatte ein weißes, cmsacheZ Kleid angczogen, Schleier und Myrtenkranz schmückten M Haupt. Sie war fast ebenso blaß wie der todwunde
""s feinem Schmerzenslager. Viele, viele Wochen hatte Margarete ihren Gatten gepflegt; sie hat seine Qualen ansehen umsicii unb hat ihm die Augen zugedrückt. —
Der Unglückliche, der Alberts Unfall verschuldete, war ein Fremder, ein Herr Frankcnstcin, der zufällig die Jagd mit- machte. Er soll verzweifelt gewesen sein und stellte sich gleich dem Gerichte, das ihn wegen „fahrlässiger Tötung" zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilte. Margarete hat den Mörder ihres Glücks nicht gesehen. Niemand weiß, wo Frankenstein geblieben ist, er ist verschollen.
Hund. Meldung der Eigentümers bei dem Ortsvorstand in Kalkobes.
nichtamtlicher Ceil.
Sie WLMgW in her mnkkmsche» Angelegenheit.
Nach monatelangem Hin« und Herverhandeln zwischen Deutschland und Frankreich behusS Beseitigung der zwischen beiden Mächten Marokkos wegen entstandenen Schwierigkeiten haben nunmehr die beiderseitigen Regierungen ein Einvernehmen mit einander getroffen, wonach Frankreich der von Deutschland gewünschten Marokko-Konferenz zustimmt. Der französische Ministerpräsident Rouvier hat diesen wichtigen Entschluß seiner Regierung in einem amtlichen Schreiben an den deutschen Botschafter Fürsten Radolin ausgesprochen, das sofort von dem Botschafter in der verbindlichsten Weise erwidert worden ist. Gleichzeitig werden in dem Schriftwechsel zwischen Rouvier und Radolin eine Reihe von Grundsätzen hinsichtlich Marokkos niedergelegt; dem Schriftwechsel ist eine gemeinsame Erklärung Radolins und Rouvier« auf dem Fuße nachgefolgt. Weiter hat dann Ministerpräsident Rouvier in der Montagssitzung der Deputiertenkammer eine Erklärung über Marokko, sowie den Wortlaut der gewechselten diplomatischen Schriftstücke verlesen und sehr versöhnlich klingende Erläuterungen hinzu« gefügt; die Kammer nahm die Erklärungen und Ausführungen Rouviers mit lebhaftem Beifall auf.
In der öffentlichen Meinung Deutschlands wie Frankreichs gibt sich unverhohlene Befriedigung darüber kund, daß jetzt zwischen beiden Ländern die so wünschenswerte Verständigung in der marokkanischen Frage erzielt worden ist, und die« mit vollem Recht. Denn bei den zu Tage getretenen Differenzen lag die Möglichkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung Deutschlands mit Frankreich gar nicht so sehr entfernt, und e« ist ja heute ein offenes Geheimnis, daß die deutsch-französischen Schwierigkeiten eine Zeit lang sich ungemein kritisch zugespitzt hatten. Die Gewandtheit Rouviers und da« gewandte und loyale Auftreten der deutschen Diplomatie haben indessen die Verhandlungen nun doch zu einem glücklichen Ausgange geführt und somit den Boden für die Besprechungen auf der künftigen marokkanischen Konferenz günstig beeinflußt. Allerdings ist durch die jetzige Einigung zwischen Deutschland und Frankreich noch nicht alles erreicht, denn man wird nun noch die Konferenz selbst zu hören haben, aber man darf wohl sagen, daß der schwierigste und vor allem gefährlichste Teil der Arbeit erledigt ist. Von den Verhandlungen, die in Paris zwischen Herrn Rouvier und dem Fürsten Radolin geführt wurden, war sowohl von deutscher wie von französischer
Nachdem der arme Albert gestorben war, verfiel seine Witwe in eine schwere Krankheit und schwebte lange in Lebensgefahr. Sdit ihrer Genesung lebt unsere liebe Aclteste bei einer Schwester von Mama in der Schweiz. In Montreux sollte sich die junge Kreuzträgerin in dem guten Klima erholen ; die Aerzte fürchteten die rauhe Lust Schlesiens für die zarten Lungen Margaretens.
Als wir sie endlich wiedersahen, war sie sehr verändert. Das einst blühende Mädchen war eine blasse, stille Frau geworden, in deren Gesicht etwas Rührendes lag, eine tiefe Traurigkeit, die mir die Tränen in die Augen trieb. Hier erinnerte alles sie an ihren kurzen Brautstand, an Rodens Leiden und Sterben, deshalb lebt sie nur immer kurze Zeit in Wenden- berg und begleitet Tante auf ihren Reisen.
Ach, warum muß es soviel Trauriges geben? Warum ist das Schicksal unserer Margarete ein so schweres? Ich habe so namenloses Mitleid mit ihr. —
Jetzt lebt Margarete wieder bei uns, aber nur im Sommer, die übrige Zeit ist sie mit Taute Amalie auf Reiseu. In Wendenberg erinnert sie alles an den kurzen Brautstand, Margarete leidet darunter. Sie spricht nie von Roden; die Wunde blutet weiter und wird wohl nie ausharschen. —
Ich bewohne jetzt Margaretens Zimmer, dasselbe, in dem sie ihre glücklichsten Brautträume an sich vorüberziehen sah. — Werde ich auch einst den Mann finden, dem sich mein Herz jubelnd zu eigen gibt als meinem Könige und Meister?
„Liebe bringt Leid," las ich in einem Buche.
Ich will die Liebe nicht kennen lernen! —
3. Mai.
Ich schreibe kein Tagebuch; ich muß mich nur dazwischen mit mir selbst «uSsprecheu, dann greife ich zur Feder.
Gestern war ein Fremder bei Papa, ein Baron Horst; er hatte Geschäfte in Wendenberg.
„Hcdda," sagte meine liebe Mutter, „beaufsichtige das Decken des Tisches unb schneide im Garten frische Blumen für die Vasen."
Dieser Auftrag war mir sehr lieb. Ich habe eine wahre Leidenschaft für Blumen, sie kommen mir wie Märchenwesen vor, die eine Seele haben.
Seite, namentlich aber von letzterer wiederholt ganz besonder« versichert worden, daß sie sich nicht nur in korrektestem, sondern sogar in einem sehr freundschaftlichen Tone abgewickelt haben. Es ist anzunehmen, daß diese Tonart vor« bildlich sein wird für die Verhandlungen auf der Konferenz. Durchaus grundlos war es, wenn einzelne Franzosen zu befürchten schienen, daß man sie auf die Konferenz locken wolle, um Frankreich dort wie aus einem Hinterhalte zu Überfällen. Von einer solchen Politik kann und darf keine Rede sein, und man hat ganz im Gegenteil auf deutscher Seite die Absicht, den Franzosen durchaus ehrlich entgegen- zukommen. Nicht um Frankreich zu kränken oder zu demütigen gehen wir auf die Konferenz, sondern mit dem festen Vorsätze, die getroffenen Abmachungen loyal zu halten. Nicht gegen Frankreich sondern soweit als irgend möglich Hand in Hand mit ihm wollen wir zusammen arbeiten, um die Beratungen gut und nützlich zu gestalten, nützlich für Marokko und auch für Deutschland und Frankreich, die hier ein Feld zu gemeinschaftlicher und freundschaftlicher Arbeit finden können. Die Konferenz wird eröffnet unter durchaus günstigen Aussichten; zwei große Kulturvölker haben, von friedlichem Sinne beseelt, anscheinend schwer zu beseitigende Schwierigkeiten gütlich aus dem Wege geräumt, und damit eine neue Lage geschaffen, die nicht nur die Gegenwart beruhige, sondern befruchtend auf die Zukunft wirken kann. Mit Genugtuung können daher beide Regierungen auf den 8. Juli zurückblicken, der dem diplomatischen Zwist ein Ende machte und auch dem englischen Jntriguenspiel ein Ziel setzte, das nur den Zweck verfolgte, zwei Mächte des Fest, landes in einen Krieg zu verwickeln, während dessen Dauer England feine Ernte in aller Ruhe hätte in die Scheuern sammeln können.
Sie Per-mse in Rußland.
Wieder ist ein hoher politischer Beamter in Rußland einem Attentat zum Opfer gefallen. Moskau war diesmal der Schauplatz des Verbrechen«; über die Motive wird noch nicht« gemeldet, sicherlich aber hängt auch diese Tat mit der revolutionären Bewegung zusammen.
Moskau, 11. Juli. Während des Empfange» von Bittstellern beim Stadthavptmann Schuwalow feuerte einer von ihnen drei Schüsse ab, welche den Stadthauptmann löteten; der Mörder wurde verhaftet.
Petersburg, II. Juli. In Elisjawetpol (Kaukasus) nahm das Alifchanskische Regiment wegen der Kost eine drohende Haltung an. Es desertierten zwei Unteroffiziere und 14 Gemeine unter Mitnahme von Gewehren und Patronen. In Batum herrscht vollste Revolution.
Petersburg, 11. Juli. Die Situation in Tifli» wird immer bedrohlicher. Unter der Arbeiterschaft gährt es, die revolutionäre Bewegung nimmt an Ausdehnung zu. Gestern Abend wurden zwei Bomben geworfen, welche
Flugs eilte ich in den Garten und schnitt und pflückte, bis ich einen großen Strauß köstlich duftender Blütenzweige und Blumen im Arme hielt, blaue und weiße Fliederdolden, Goldregen, Schneeball und Jelängerjelieber im bunten Durcheinander. Mein Gesicht glühte, und mein Haar war zerzaust, mein helles Kleid zerknüllt und nicht eben sauber. Plötzlich hörte ich Stimmen. Da versteckte ich mich und lugte neugierig durch die Büsche. Ich sah meinen Vater und seinen Gast gerade auf mich zusammen.
„Wie fatal", dachte ich, „hoffentlich sehen sie mich nicht."
„Welch schöner Mann", war mein zweiter Gedanke, als ich Baron Horst musterte, „er sieht wie ein König aus, so sind sie in meinen Märchenbüchern beschrieben."
Mein kleiner Dachshund Männe war mit Vater mitge- laufen, er stürzte jetzt laut bellend auf mich zu und zerrte mich am Bleibe hervor. Ich fühlte, daß ich blutrot wurde, als ich vor dem Fremden stand. Der abscheuliche Hund, ich hätte ihn prügeln können!
„Meine Tochter Hedwig", sagte Papa, und ich knickste recht wie ein dummes Schulmüdcheu.
Der Fremde verneigte sich, wobei ein leises Lächeln um seinen ernsten Mund zuckte; ich aber lief, so schnell ich konnte, davon, die Blumen int Arme, von Männe gefolgt, der kläffend nach meinen Beinen schnappte.
Mir pochte das Herz zum Zerspringen; atemlos erreichte ich das Haus.
Nachdem ich die Blumen in die Vasen und auf der Tafel verteilt hatte, eilte ich in mein Zimmer. Ich ordnete mein Haar und steckte es zu einem dicken Knoten am Hinterkopse auf, dann zog ich mein neues rosa Musselinkleid an, auf das ich sehr stolz bin, denn es ist mein erstes wirklich langes Kleid. Ich lief in den Salon unb stellte mich vor den großen Spiegel, der meine ganze Gestalt zurückwirst. Ich übte mich in graziöser Verbeugung, wie die Großen sie machten; ich wollte Baron Horst beim Abschiede einen tiefen Courknicks mache».
„Er wirb mich vielleicht nicht erkennen", dachte ich, „da ich fast wie eine erwachsene Dame auSsehe."
Ein leises Geräusch an der Verandatür lies mich erschreckt den Kops wenden. Herr von Horst stand dort.