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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 80* Dienstag, den 11. Juli 1905»

Amtlicher Ceil.

Infolge Neuregelung des Kolleklenwesens in der Pro- vinz Hessen-Nassau sind alle Anträge auf Bestattung von Haussammlungen für das Jahr 1906 mit dem vorgeschric- benen Kollekten-Organisationsplan bis zum 1. Augusi d. 3 bei dem Herrn Oberpräsidenten hier einzureichen. Bei Kollekten, die sich auf beide Regierungsbezirke Caffel und Wiesbaden erstrecken sollen, sind für jeden Bezirk getrennte Anträge vorzulegen.

Kollektenanträge, die nach dem 1. August b. J. eingehen, können nur dann berücksichtigt werden, wenn sie zur Beseitigung eines Notstandes dienen sollen und nicht vorher eingereicht werden konnten. (A. II. 5828.)

Cassel, den 26. Juni 1905.

Der Regierungs-Präsident. Graf v. B e r n st o r f f.

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Hersseld, den 7, Juli 1905.

Borstehende Bekanntmachung wird hierdurch veröffentlicht.

I. 4721. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer RegierungS-Rat.

Herrfeld, den 7. Juli 1905.

Die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises wollen die Einwohner ihrer Gemeinden darauf aufmertfam machen, daß in der Zeit vom 1. Juli bis Ende September d. Js. dteWettervorausfagen des Wetterdienstes der Landwirtschaft«' schule zu Weilburg a. b. L. täglich bis vormittags 11 Uhr durch die im Kreise befindlichen Postanstalten am Postgebäude angeschlagen werden.

A, 2127. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Hersseld, den 5. Juli 1905.

Es find Klagen darüber laut geworden, daß die nach § 8 Abs. 2 des Wildschongesetzes vom 14 Juli 1904 aus- zustellenden befristeten Bescheinigungen in denseltenstenFällen den Bestimmungen zu Nr. 6 der Anweisung zur Ausführung dieses Gesetzes vom 30 desselben Monats entsprechen und daß infolgedessen häufig Wild beschlagnahmt wird, welches nicht mit einer ordnungsmäßigen Bescheinigung versehen ist.

Um die Wiederholung solcher Fälle nach Möglichkeit einzuschränken, werden die Oitepolizeibehörden auf die Wichtig­keit dieser Bestimmungen hingewiesen und wird ihnen die strengste Jnnehaltung derselben zur Pflicht gemacht.

^- 4663. Der Königliche Landrat.

J. B.:

T h a m e r.

übenskrisen.

Roman von Freifrau G. v. S ch l i p p e n b a ch.

Der Helle Pfiff der Lokomotive klang weit vernehmbar durch den frühlingssrischen Wald.

Es war ein köstlicher Tag im Mai, einer jener Tage, die wie ein Märchen über die Erde ziehen^ nachdem sie den Grimm des Winters siegreich abgeschüttelt hat; überall Knospen trieb es in üppiger Pracht.

Das schlanke junge Mädchen, das leichten Schrittes durch das Birkenwäldchen eilte, paßte durch ihre liebliche Erscheinung in den Rahmen des Holden Lenzes. Eine freubige Erregung malte sich in dem hübschen Gesichte, ein frohes Lächeln teilte ihre Lippen, als der Pfiff der Lokomotive an ihr Ohr schlug.

Er kommt!" rief sie leise, und das reinste Glück strahlte aus ihren dunkelblauen Augen, sie beflügelte den Schritt und flog fast laufend über den schmalen Feldweg. Lauschend und schneller atmend blieb sie stehen und neigte den blonden Kopf zur Seite. Die Gestalt eines jungen Mannes näherte sich ihr.

Albert, willkommen!" rief die helle Mädchenstimmine. Ihre Arme umschlangen den Geliebten, und ihre leuchtenden Augen schauten voll inniger Liebe zu ihm aus.

Er neigte sich über sie und küßte sie. Eng aneinander- iicfchmiegt schritten sie durch den Wald. Sie haben sich so zu sagen und schweigen doch, um sie her knospet der Lenz. Südlich fängt er an zu sprechen. Er erzählt seiner Braut, r ,ct .^kommen sei, um ihre Verlobung zn veröffentlichen, er ein Jahr sind die beiden heimlich verlobt gewesen, nur Wissen der Eltern. Jetzt hatte Albert eine gute Stelle ms Ingenieur bei einem Werke in Westfalen erhalten, jetzt Durfte er an die Erfüllung seines heißen Wunsches denken und seine Margarete heimführen.

_ »Es ist nur ein bescheidenes Los, das ich dir als meine Frau bieten kann," sagte der junge Mann,aber wir sind beide iling, wir lieben uns. Ist das nicht genug, um manche Ent­behrung leicht zu ertragen?"

Margarete stimmt freudig bei, sie schildert ihm ihr zuküns-

Hersseld, den 5. Juli 1905.

Infolge Kanalisierung und Reupflasterung eines Teiles der Hönebach Friedewalder Landwegestrecke im Ortsbereiche Friedewald von Stat. Nr. 8,5 + 64 bis 8,7 -P 18,5 muß dieser Wegeteil bis zum 5. August 1905 für den öffentlichen Verkehr gesperrt werden.

Als Ersatzweg hierfür ist mit Zustimmung der Gemeinde­behörden von Friedewald, der Feldwirtschaftsweg am Riffel- rod zu benutzen.

1. 4652. Der Königliche Landrat.

J. V:

T h a m e r.

Hersfeld, den 5. Juli 1905.

Die zweite Stelle an der evangelischen Schule in Widdershausen ist frei und wollen Bewerber um dieselbe ihre Meldungsgesuche nebst Zeugniffen innerhalb 2 Wochen bei dem Königlichen Orlsschulinspektor, Herrn Pfarrer KappeS in Obersuhl, oder dem Unterzeichneten einreichen.

Das Einkommen besteht neben freier Dienstwohnung in 1000 Mark Grundgehalt und der Einheitssatz der Dienst- alterszulage beträgt 120 Mark.

I. 4661. Der Schulvorstand von Widdershausen Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Hersseld, den 6. Juli 1905.

Die unter dem Schweinebestande des Georg Reck in Bengendorf ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 4699. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersseld, den 6. Juli 1905.

Die unter dem Schweinebestande der Witwe Reinmüller zu Petersberg ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 4700. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersseld, den 5. Juli 1905.

Unter den Schweinen des Karl Volkmar zu Hersseld ist die Rotlaufseuche ausgebrochen.

I. 4651. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Königliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

tiges Heim, sie redet sich in Eifer. Wie will sie für ihn sorgen, wenn er müde von seiner Arbeit heimkehrt, wie herrlich wird ihr gemeinschaftliches Leben sein!

Znr Jagdzeit hatten sie sich kennen gelernt. Der Vater Margaretens, Herr von Wendorp, war in Schlesien angesessen; er war leidenschaftlicher Jäger, und seine großen Wälder bargen einen reichen Wildstand.

Ost fanden sich alle Nachbarn in Wendenberg ein. Die Gastfreiheit des Besitzers kannte keine Grenzen ; seine Frau war oft in Verlegenheit, wo sie die Weidgenosscu ihres Mannes unterbringen sollte, denn das Herrenhaus war klein und die Familie zahlreich. Man rückte zu den Herbstjagden zusammen, um für die Gäste Platz zu machen, die mit dem Besten aus Keller und Küche bewirtet wurden.

Margarete war das älteste Kind. Es folgten noch sieben Geschwister, frische Buben und Mägdelein in jedem Alter. Es gab für die Eltern viel Arbeit und manche Sorge, aber auch viel Glück und Freude. Herr von Wendorp war nicht reich, das Gut trug oft schlecht, da mußte der Familienvater sich tüchtig tummeln, um die acht Sprossen seiner Ehe zu erziehen.

Gretchen," sagte Frau von Wendorp eines Tages,du mußt dein Zimmer einräumen, der Nachbar auS B. kommt zur Jagd, er bringt seine Neffen mit, Papa hat sie eiiige- laden.

Gern, liebe Mutter," versetzte Margarete freundlich. Sie war neugierig, wer wohl in ihr schmuckes Mädchenstübchen ziehen würde. Sie stellte einen Strauß blühender Nelken und leuchtender Herbstblumen auf den kleinen Schreibtisch und musterte lächelnd ihr kleines Reich. Blüteuweiß wallten die Gardinen vor dem Fenster nieder, die Wände schmückten Bilder der Ihrigen, Andenken und allerlei liebe Erinnerungen aus der Kinderzeit. Ueber dem schmalen, eisernen Bette hing ihr Einsegnungsspruch:Der Herr segne deinen Ausgang und Eingang."

Die Augen Margaretens safteten daraus, und ihr nmrbe so eigen zumute, ihr Herz begann heftig zu pochen, sie fragte sich wer wohl in ihrem Zimmer wohnen würde.

Am Abend kamen die Gäste an. Wcndorps erwarteten sie

Die Königliche Maschinenbau- und Hutten-Schule zu Duisburg eröffnet am 4. Oktober b. Js. in ihren beiden Abteilungen: 1. Maschinenbauschule für Schlosser, Schmiede, Maschinenbauer, Kesselschmiede und ähnliche Gewerbetreibende;

2. Hüttenschule für Eisen- und Metallhültenleute und -Gießer, Arbeiter von Kokereien, Glashütten, Cementsabriken und der chemischen Großindustrie einen neuen Lehrgang. Das Pro­gramm der Anstalt wird auf Verlangen kostenfrei zugesandt. Die Anstalt gehört nach Ziffer 3 der Ausführungsbestimmungen zur Prüfungsordnung für die mittleren und unteren Staats- eisenbahnbeamten zu denanerkannten Fachschulen', deren Reifezeugnisse für die Annahme zum Werkmeisterdienst folgende Vergünstigungen gewähren: Nur die Reifeprüfungen der von der Staats-Eisenbahn-Verwaltung anerkannten Fach­schulen gelten als Nachweis der erforderlichen theoretischen Kenntnisse (§ 37,4 der Prüfungsordnung). Solange Be­werber mit solchen Zeugnissen vorhanden sind, dürfen andere Bewerber nicht angenommen werden. Die Letzteren haben eintretendenfalls eine besondere Prüfung abzulegen und zwar auch dann, wenn sie das Reifezeugnis einer nicht anerkannten Fachschule besitzen. Min. Erlaß vom 23. Mai 1900. Duisburg, den 1. Juli 1905.

Der Direktor B a r t h e l.

nichtamtlicher Ceil

Deutschland u. ~ \ .

Die vom Kaiser zum Negus Meuelik nach Äbessvnien ent­sandte Sondermission hat ihre Aufgabe, handelspolitische Be­ziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und Äbessvnien an- zuknüpfen und in diesem interessanten Staatswesen Östafrikas den deutschen Einfluß neben demjenigen anderer fremder Völker zur Geltung zu bringen, in vollstem Maße erfüllt. Durch die Wirksamkeit dieser Mission hat sich Deutschland einen neuen Platz an der Sonne" errungen, auf einem Boden, auf welchem europäische Mächte schon seit Jahrzehnten still, aber erbittert um den Vorrang kämpften, ohne daß es bis jetzt auch nur einer einzigen von ihnen gelungen wäre, wirklich zum Ziele zu gelangen. Menelik hat sich eben als ein geborener Diplomat erwiesen, der geschickt die bei ihm konkurrierenden fremden Staaten gegen einander auszuspielen versteht und der noch bis zur Stunde die geschicktesten Kombinationen der europäischen Diplomaten zu Schanden zu machen wußte. Am meisten mußten dies die Franzosen erfahren, welche schon glaubten, Aethiopien so gut wie in der Tasche zu haben und aus diesem Lande nach Belieben einen französischen Vasallenstaat machen zu können. Aber diese Illusionen sind durch die entschiedene Weigerung des Negus, den Franzosen die so heiß begehrte Konzession zur Wetterführung der Eisenbahn DschibutiAdis Harar in das Innere Abessyniens zu erteilen, gründlich zerstört worden, denn dies Verhalten des Negus bedeutet nichts mehr

alle auf der Treppe des Hauses. Die beiden Neffen des Nach­bar» R. wurden den Damen vorgestellt.

Wenn doch der hübsche junge Mann mit den lustigen braunen Augen mein Zimmer bekäme," dachte Margarete,ich gönne ihm die Ruhe in meiner Kemnate."

Der Wunsch sollte sich erfüllen, Albert Roden bezog das Mädchenstübchen der ältesten Tochter des Hauses. Als er über die Schwelle trat, stutzte er, sein Blick fiel auf den Wandspruch über dem Bette. Die Bibelworte berührten ihn ganz seltsam, waren sie doch zufällig auch ihm am Tage der Einsegnung zu erteilt worden. Ihm wurde förmlich feierlich um§ Herz. Durch den engen Raum wehte etwas keusch Jung­fräuliches, es benahm ihm fast den Atem; Fausts Worte fielen ihm ein, als er Gretchens Zimmer betrat:In dieser Armut welche Fülle!"

Mit leicht begreiflicher Neugier musterte Albert Roden die Bilder an den Wänden und die kleinen Andenken.

Ihrer lieben Margarete," stand darunter. Das hatten wohl die PensionSfreundinnen geschrieben.

Das hübsche Gesicht der ältesten Wendorp tauchte in der Erinnerung des Ingenieurs auf.

Ob sie Wohl Margarete heißt?" dachte er,oder ist es der niedrige Backfisch mit dem prächtigen blonden Zopfe und dein schelmischen Grübchen im Kinn?"

Noch an demselben Abende erhielt Roden darüber Gewiß heit. Wie herrlich war die frohe Jagdzeit auf den Gütern der Nachbarn! Albert war ein leidenschaftlicher Jäger, ein trefflicher Schütze, er hatte sich noch nie so gut unterhalte». Oder war es die Gesellschaft des jungen Mädchens, ihre Nähe, die ihn mit immer größerem Glücke erfüllte ? Sie waren fast drei Wochen zusammen. Wcndorps wurden ihrerseits über­all eingeladen. Margarete stand neben Roden im Walde und lauschte mit Herzklopfen auf den Verlauf der Jagd; sie und Albert fühlten sich mächtig zueinander hingezogen; die Liebe regte sich in ihren Herzen.

Ehe der Ingenieur die Gegend verließ, verlobte er sich mit Herrn von Wendorps ältester Tochter. Die Eltern hatten nichts dagegen, wünschten aber keine Veröffentlichung, bis der Bräu tigam die in Aussicht stehende Stelle erhielt. Und nun nach