Einzelbild herunterladen
 

dem leider ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich heute gegen Abend hier. An dem Neubau des Warenhauses der Firma C. A. Arnd, Eisenhandlung in der Obumstroße riß plötzlich das zum Transport von sogen. „Speis" dienende Drahtseil und der Speiskübel stürzte aus beträchtlicher Höhe einem unten stehenden ca. 17iahrigen Maurerlehrling aus Dipperz gebürtig, direkt auf den Kopf. Beim Eintreffen der sofort telephonisch requirierten Mit­glieder der Sanitätskolonne sowie eines Arztes hatte der Verunglückte bereits seinen Geist aufgegeben. ((5. ®.)

Allendorf a. d. Schwalm, 5. Juli. Dem Knechte des hiesigen Mühlenbesttzers D. scheuten beim Mähen die Pferde und eilten in wilder Flucht in die Schwalm hinein, die Mähmaschine mitziehend. Diese blieb nun in dem Fluffe hängen und die beiden Tiere ertranken in den Fluten. Der Fall ist um so mehr zu bedauern, da der Besitzer sich in der LandeSheilanstalt zu Marburg befindet. (C. T.)

Gießen, 4. Juli. Unteroffizier Minke von der 4. Komp. des hiesigen Regiments ertrank heute nachmittag 3 Uhr in der Militärschwimmanstalt beim Baden. Er leitete den Schwimmunterricht, infolge eines Kcampfanfalles ver­sank er. Der bei ihm befindliche Schüler konnte gerettet werden. Minke ist erst 20 Jahre alt und aus Halle a. d S. Die Leiche ist noch nicht geborgen.

Breitenworbis (Eichsseld), 4. Juli. Der große Brand hat im ganzen 30 Gebäude: 14 Wohnhäuser und 16 Wirtschaftsgebäude eingeäschert. Vor 4 Jahren hat ein ähnlich großes Feuer hier gewütet, das von zwei jungen Burschen lm Aller von 13 und 15 Jahren böswillig ange­legt war. Auch das gestrige Großfeuer ist, wie bestimmt angenommen wird, von ruchlosen Brandstiftern angelegt worden. Infolge der Trockenheit griff das Feuer rapide um sich und der Funkenregen verteilte sich über den ganzen Ort, sodaß auch an einer vom Brandherde entfernten Stelle Feuer entstand. Viel Vieh und bedeutende Vorräte aller Art sind verbrannt. 26 Familien sind obdachlos und durch den Brand ihrer meisten Habe beraubt worden. Zumeist sind ärmere Leute betroffen worden, die nur niedrig ver­sichert hatten.

Vom Eichsfelde, 5. Juli. In der Ruhme ertrunken ist heute morgen der Invalide Friedrich Wüstefeld aus Bils- haufen. Es ist noch unaufgeklärt, ob W. auf einem Spa- ziergange einer feiner Schwindelanfälle gehabt hat, oder ob er ousgeglilten ist. Der Ertrunkene hatte im Kriege 1870 einen Schuß in die Hand erhalten, die infolgedessen ampu­tiert worden war. — Das Geschirr des Schneidermeisters Herzberg aus Kirchworbis passierte die Eisenbahnbrücke bei Breitenbach (Kr. Worbis). Vor einem heranbrausenden Eisenbahnzuge scheute das Pferd und ging durch. Der Wagen wurde umgeworfen und alle vier Insassen heraus­geschleudert. Herzberg erlitt sehr schwere Verletzungen, während die anderen 3 Insassen des Wagens nur leichtere Verletzungen erlitten.

Göttingen, 6. Juli. Im Leinetal hat ein furchtbares Gewitter und Hagelfturm die gesamte Ernte vernichtet und tausende von Obft- und Waldbäumen entwurzelt. In der Umgegend von Northeim wurde die Telegraphen- und Telephonleitung zerstört. Der Eisenbahndamm wurde unter­spült, aus den Friedhöfen wurden Gräber blosgelegt. Eine Dienstmagd ist in den Fluten ertrunken.

Göttingen, 4. Juli. Ein schrecklicher Unglücksfall er­eignete sich gestern Abend in der Heinestraße. Die Ehefrau des Bremser Senne hatte aus Versehen eine mit Petroleum gefüllte Flasche auf den heißen Herd gestellt. Die Flasche explodierte und im Umsehen stand die Frau in hellen Ftam- men. Nachbarn löschten das Feuer und brachten die Frau nach der Klinik. Die Verletzungen sollen lebensgefähr­lich sein.

Neuern, 6. Juli. Ein furchtbares Hagelwetter, ver­bunden mit wolkenbruchartigem Regen, ging gestern nach, mittag zwischen 6 und 7 Uhr in hiesiger Gegend nieder. Selbst die ältesten Leute unseres Ortes wissen sich eines solchen Unwetters nicht zu entsinnen. Hagelftücke in der Größe eines Tauben- resp. Hühnereies prasselten zur Erde nieder und zertrümmerten eine Menge genflerfteiben. Einen traurigen Anblick gewährt die Feldstur mit ihrer vorher so viel versprechenden Ernte. Die Höhe des angerichteten Schadens läßt sich augenblicklich noch nicht sicher feftftellen, doch dürften 75 Prozent der Halmfrüchte vernichtet sein. Trostlos steht der Landwirt, der nicht versichert hat, am Grabe feiner Hoffnungen.

Vermischtes.

(U n w e t t e r f ch ä d e n.) Die ungewöhnlich große Hitze hat in den letzten Tagen in fast allen Teilen Deut- schlands heftige Gewitter mit teilweise sehr verheerenden Stürmen zur Folge gehabt, wobei mehrere Menschenleben den Elementen zum Opfer gefallen sind. Die Gegend von

Dortmund, namentlich das Ruhrgebiet, hatte in den letzten Tagen unter Hitze und Unwetter schwer zu leiden. Der Kutscher eines Bierwagens fiel infolge der Hitze vom Bock und wurde von den Rädern seines Fuhrwerks zermalmt. In der Nähe von Schwerte hatte der Regen den Eisenbahn- damm unterspült, so daß ein Teil eines GüterzugeS ent­gleiste. Auf der Henrichshütte in Hattingen zerstörte ein Blitzschlag die elektrische Zentrale. Aus den Feldern und in den Gärten hat das Unwetter, das stellenweise mit starkem Hageschlag verbunden war, bedeutenden Schaden angerichtet. — Am Rhein war das Unwetter nicht minder schwer. Nach den heute vorliegenden Meldungen wurden außer den Dörfern Forst und Brand auch Rotteerde, Eilen- dorf, Verlautenheide, Haarem, Mariadorf sowie zahlreiche Ortschaften in den Kreisen Jülich und Geilenkirchen durch Hagelschlag schwer heimgesucht. Die Häuser wurden stark beschädigt, die Feldscüchte vernichtet. In Gärten und Feldern sieht es heute trostlos aus. In Armont bet Großenbaum schlug der Blitz in eine Scheune, worin 43 dorthin zur Ar­beit abkommandierte Insassen der ArbeitSanstalt Brauweiler nächtigten. Zwei Insassen wurden vom Blitz getroffen. Der Aufseher wurde durch den Luftdruck 20 Meter fort­geschleudert. Sämtliche übrigen Personen retteten sich durch schleunige Flucht.— In Chümdchen bei Koblenz wurde eine Dienstmagd aus dem Heuwagen durch den Blitz erschlagen.

— In einer Wirtschaft in Unterliederbach ließ sich der Klavierstimmer F. ein Glas Bier geben, da» er austrank, nachdem er ein Pulver hineingeschüttet hatte. Dann setzte er sich ans Klavier und spielte den Chopinschen Trauermarsch. Nicht lange darauf starb der Mann an Morphiumvergiftung. Nahrungssorgen sollen ihn in den Tod getrieben haben.

— (Eisenbahnunglück.) Zwischen den Stationen Neanderthal und Gerresheim in der Rheinprovinz lösten sich vier Wagen eines Güterzuges los und fuhren auf eine ent­gegenkommende Lokomotive auf. Der Lokomotivheizer wurde getötet, der Lokomotivführer verletzt. Der Materielschaden ist bedeutend. Die Strecke ist einstweilen gesperrt.

— Zürich, 4. Juli. Aus Düsseldorf war der Kauf­mann Paul Deuß aus Gräshard mit einem hübschen, jungen Mädchen entflohen, weil die Eltern des Mädchens die Heirat verweigerten. Das Paar kam nach der Schweiz, fuhr an den Luganer See und stürzte sich gestern aus Ver­zweiflung, mit einem Seil zusammengebunden, in die See. Beide sind tot.

— Ferryville (Tunis), 6. Juli. Ein Unterseeboot mit einer Besatzung von 13 Mann ist gesunken. Nach weiterer Meldung wurden der Kommandeur und zwei Mann der Besatzung des gesunkenen Unterseebootes im Augenblick, wo sich bis Unglück ereignete, in die Lust geschleudert. Dreizehn Seeleute befinden sich noch in dem Unterseeboot, welches bis aus den Grund der Bucht von Biserta gesunken ist. Taucher berichten, daß die Seeleute auf ihre Rufe antworten.

— Roanoke (Virginia), 5. Juli. Infolge einer Explosion in einer Kohlenmine in Vivian (Westvirginien) wurden neun Arbeiter getötet und 80 verletzt, darunter 15 tödlich; 30 Arbeiter werden vermißt, und es besteht wenig Hoffnung sie zu retten.

— Eine ganzeRäuberfamilie hat die Polizei von Nancy in dem benachbarten Dorfe Maxeville verhaftet. Der Vater der Familie starb vor einigen Wochen. Als die Polizei kam, um zwei Söhne wegen Einbruchs zu verhaften, erlaubte sie ihnen, ein kurzes Gebet auf dem Grabe des Vaters zu sprechen. Die Söhne benutzten aber diese gute Gelegenheit zur Flucht. Kurz darauf wurden zwei Töchter im Alter von 16 und 23 Jahren verhaftet, weil sie in Männertracht in ein Haus in Nancy eingebrochen waren Die Polizei war benachrichtigt worden, daß außer den beiden im Gefängnis sitzenden Mädchen die ganze Familie zu Hause wäre; sie belagerte daher am Sonnabend die Hütte, und erst nach einem Handgemenge, in dem die Frauen schwerer als die Männer zu überwältigen waren, gelang die Ver­haftung der ganzen Familie.

— Aus einem 3 1 j ä h r i g e n S ch l a f ist, wie spanische Zeitungen berichten, eine Pächterin au» Villacienne bei Burgos erwacht. Die Frau hat die Erinnerung an die Ereignisse ihres Lebens vor 31 Jahren frisch im Gedächtnis bewahrt, als wären sie erst gestern geschehen. Zu ihrem größten Erstaunen fand sie ihre Angehörigen sehr gealtert, und sie konnte gar nicht glauben, daß ihr Leben so lange Zeit ausgesetzt haben sollte. Von allen Seiten kommen Aerzte, um Fragen zu stellen und Beobachtungen zu machen.

— NewDork, 5. Juli. Bei der gestrigen National- feier wurden in etwa 150 Städten durch Feuerwerk und Pistolenschüsse 36 Personen getötet und 1677 verletzt.

— Herren auf Rollschuhen sind das Neueste, was man in den Londoner Straßen sehen kann. Die Roll­schuhe sind durchaus modern gebaut, die Räder gehen auf

Gummireifen. Der erste Herr, der auf ihnen fuhr, wurde dieser Tage in Whitehall angetroffen. Er fuhr äußerst sicher mitten durch das Wagengewühl und erregte natürlich allgemeines Aussehen.

Letzte nachrichten.

Die Beendigung der Verhandlungen über die Teilnahme Frankreich» an der Marrokko-Konferenz steht un» mittelbar bevor, nachdem über alle streitigen Punkte eine Einigung erzielt ist. Im wesentlichen handelt e» sich nur noch um die Feststellung rein formeller Punkte. Am Sonn­abend dürfte die Redaktion der für die Oeffentlichkeit be­stimmten Mitteilungen beendet sein, und am Abend des. selben Tage» wird Frankreich sich für die Teilnahme an der Konferenz offiziell erklären.

Aus Odessa wird gemeldet, der „Potemkin" soll bei Feodossia den Dampfer „Großfürst Alexir" der Handel», schiffahrtsgesellschast gekapert und dessen Ladung an Kohle, Vieh und Nahrungsmitteln weggenommen haben. Auch bares Geld wurde geraubt.

DerfranzöstschsAbgeocdneteJaur4s die hat beabstch- tigte Reise nach Berlin aufgegeben.

F e o d - s i a , 6. Juli. Heute morgen gegen 9 Uhr näherte sich ein Boot des Schlachtschiffes „Potemkin" der Küste und wurde durch Insantertefeuer empfangen. Zwei Mann wurden getötet, 7 andere warfen sich ins Meer, wurden aber gerettet. Das Torpedoboot, da» den „Potem. tin" begleitet, feuerte einen Schuß auf die Stadt. Der Panzer entfernte sich um Mittag vom Hafen, blieb aber gleichwohl in Sicht des Hafens. Der von dem Torpedo­boot abgegebene Schuß war über die Stadt hinweggegangen. Die Stadt ist in Kriegszustand erklärt.

London, 7. Juli. Reuter meldet aus Odessa:

Um Mitternacht verlautete hier, daß der Potemkin in der Nähe von Feodosia in die Luft gesprengt worden sei.

PFEIFFERS PiLLERS

Kaffee-Essenz mit dem „Karfeeonkel“ ist u. bleibt der feinste Kaffeezusatz. Keine Kathahmung u. kein Clchorienfabriket erreicht qualitativ Jemals diese allein echte KAFFEEESSENZ

Kirchliche Nachrichten.

Sonntag den 9. Juli.

Vormittag» 9 Uhr: Herr Superintendent Schafft.

Vormittags V2II Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule).

Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Bierschenk.

Mittags V2I2 Uhr: Gottesdienst in Peteraberg.

Nachmittags VsB Uhr: Taubstummengottesdienst in der Wohnung des Herrn Sup. Schafft.

Hierzu eine Beilage und Nr. 28 des „Jllust- rieten Sonntagsblattes".

Bestellungen

auf das

Bersfelder Kreisblatt

werden

noch fsrtwährend

von allen Postanstalten, Landbriefträgern, sowie von der Ex­pedition angenommen.

Mfdiitr NWNflWtrdH

e. G. m. u. H.

Bilanz für1904.

Aktiva.

1. Kassenbestand am Jahresschlüsse . . . 1590,63 Mk.

2. Guthaben in laufender Rechnung . . . 127328,83 „

3. Ausstehende Darlehen..... 9031,21 „

4. Deponirte Gelder . 78,79 „

5. Mobilienwert . 94,00 „

138123,46 Mk.

Passiva.

1. Vorschuß am Jahresschlüsse .... —,— Mk.

2. Guthaben in laufender Rechnung . . . 12923,05 „

3. Anlehen . . . . . 118048,57 „

4. Geschäftsanteile...... 5480,00

5. Deponirte Gelder...... 290,68 "

136742,30 Mk.

Mithin Gewinn 1381,16 „

Der Rcscrvefond, welcher besonders und getrennt von Vorstehendem geführt wird, betrug am.Jahresschlusse 4800 Mk., also 600 Mk. mehr als im Vorjahr.

Mitgliederzahl Ende 1903 222. Zugang 6. Abgang 8.

Bestand 220.

Hersfeld, am 7. Juli 1905.

Der Vereiiis-Vorstand.

W. Sexauer.