Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va
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Herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-5lnschlutz tir. 8
Nr. 78.
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Donnerstag, den 6. Juli
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1905.
Bestellungen
auf das Bersfelder Kreisblatt
werden noch fortwährend
von allen Postanstalten, Landbriefträgern, sowie von der Expedition angenmümen.
Amtlicher teil.
Gaffel, den 27. Juni 1905.
Die RegierungS-Hauptkasse ist angewiesen, den Standesbeamten des Bezirks die von dem Königlich Statistischen Landesamt in Berlin festgesetzten Kopialien-Entschädigungen für die im Rechnungsjahr 1904 eingereichten Zählkarten über Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle zu zahlen.
Ich ersuche, die Standesbeamten Ihres Kreises hiervon mit dem Bemerken in Kenntnis zu setzen, daß. wenn die Abhebung der Beträge bei den betreffenden Kreiskassen nicht binnen Monatsfrist erfolge, die Zustellung durch die Post portofrei erfolgen werde, soweit die Standesbeamten nicht am Amtssitze der Kasse selbst wohnen.
Der Negierungs-Prästdent.
In Vertretung: gez. v. Kamele.
An die Herren Landräte des Bezirks und an die Magistrate hier und in Hanau. A. I. Nr. 2560.
* *
*
Hersfeld, den 3. Juli 1905.
Vorstehendes wird den Herrn Standesbeamten des Kreises zur Kenntnisnahme mitgeteilt.
I. 4553. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung» Rat.
Hersfeld, den 1. Juli 1905.
Unter den Schweinen des Sattlermeisters Carl Müller in Hersfeld ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 4503. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Ral.
Da» von der Preußischen Zentral-Genossenschaftskasse herausgegebene Adreßbuch der Erwerbs- und WirtschastS- genossenschaft im Deutschen Reiche für 1905 (2. Jahrgang) ist in Karl HymannS Verlag in Berlin erschienen und im
Goldsucher.
Roman von Edela Rüst.
(Fortsetzung.)
Coßnitz fuhr ihr nur immer wieder über das volle blonde Haar und sah ihr zärtlich in die Augen: „Hübscher bist du geworden, alte Marjell, viel hübscher — so ganz ausgewachsen!“ sagte er dann gerührt und ließ sich gern dafür ungestüm von ihr umhalsen. Und die Frau Hauptmann strahlte und tanzte mit Eva in der Stube herum, wenn sie zufällig mal allein mit ihr war, und konnte gar nicht genug loben: wie gut Papa jetzt immer sei, gar nicht mehr ausfallend und wirsch, selbst nicht mal mehr gegen Alexandra!
Wie geht es Konrad?" fragte Eva voll Interesse. Sie hatte ihn wirklich in letzter Zeit vollständig vergessen.
„O, es geht ihm natürlich gut — er steht nichts aus. Mit vollen Taschen läßt es sich überall gut sein! Braun hat sich nun schließlich in West-Australien eine große Farm getauft und ein anstoßendes ziemlich wüstes Terrain. Aus einem Terrain wird nach Gold gegraben, und Konrad beteiligt sich daran mit Kapital. Das Schachtgraben soll ja ein Heidengeld kosten! Engländer haben auch noch die Hände im Spiel — ne ganz grosse Sache. Wenn was wird, na, denn wird was! Und wenn nichts wird, na, denn ist keiner ruiniert. Konrad bleibt ww ein Jahr dort, dann geht er nach Afrika, vor allem nach Indien. In drei Jahren kommt er mieber nach Borken zn- nich Wer meib ob für immer.“
In Wiesbaden betaut Eva mehr darüber zu hören, als es sie eigentlich interessierte. Konrad schrieb bem Hauptmann E vier Wochen. Er hatte ihm auch Journale von drüben iefen t' ^™$ü$ illustriert. Die mußte nun Eva auch durch-
»Hat er mich denn niemals grüßen lassen? Ihr habt bübisch °d d"von geschrieben I“ Eva lachte etwas spitz- bn "®I ^ dich jedesmal herzlich grüßen, aber das verdienst ernst"'$ , ^"'" wird es dir nie bestellt" sagte Coßnitz sehr
Buchhandel zum Preise von 2 Mk., pofifrei 2,30 Mk, zu beziehen. (A. I. 2492.)
Casiel, am 9. Juni 1905.
Der Regierungspräsident. J. V. gez,: Meyer. * * * Hersfeld, den 17. Juni 1905.
Wird veröffentlich».
I. 4156. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Hersfeld, den 1. Juli 1905.
Der auf Donnerstag, den 13. Juli b. Js. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.
Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.
I. 4519. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Gefundene Gegenstände:
Ein Trauring auf dem Festplatz in Oberhaun. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in Sieglos.
Zugelaufen: Ein weiß und rot gefleckter Hund. Mel- dung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in Sieglos.
nichtamtlicher teil.
Die neue Lage in der marokkanischen Streitfrage und die Annäherung zwischen Deutschland nnd Frankreich.
Die nicht ungefährlichen Streitpunkte in der marokka- nifchen Frage sind bis zu einem gewissen Grade durch eine Verständigung Deutschlands und Frankreichs beseitigt wor. den. Dadurch sind die Grundlagen für die marokkanische Konferenz geschaffen, denn die Punkte, über die sich Deutschland und Frankreich verständigt haben, nehmen auch volle Rücksicht auf Marokko selbst und auf alle Mächte, die in Marokko Interessen haben. Die Souveränität des Sultans von Marokko und die Integrität seines Reiches dürfen nach der Vereinbarung zwischen Deutschland und Frankreich auf der Konferenz nicht angerührt werden, auch find alle schon bestehenden Verträge zwischen Marokko und den anderen Mächten zu respektieren, aber Frankreich soll als unmittelbarer Nachbar Marokkos durch seine afrikanische Kolonie Algier in Bezug auf die Aufrechterhaltung der Ordnung an der Grenze gewisse Sonderrechte erhalten. Die Konferenz hat sich also gewissermaßen nur mit der Regelung
„Oho — das bin ich nicht wert?!"
„Nein —■ du bist mit Konrad zu schlecht umgegangen..."
„Aber er muß das gar nicht finden, sonst würde er mich doch nicht . . ."
„Aber ich finde es!"
Eva legte ihren Kopf an des Vaters fales Gesicht: „Ich konnte doch nicht anders, sei mir nicht gram drum! Du bekommst schon noch mal ’n Schwiegersohn, nur Geduld, Herr Hauptmann!"
„Ich bin jetzt nicht happig darauf! Irgend so ein fremder, hergelaufener Mensch . . . Jetzt hast du erst mal zu zeigen, was du kannst, damit die lieben Lettaner nicht alle Ursache haben, dich weidlich auszulachen!"
„Das Vergnügen hoffe ich ihnen gründlich zu verderben! Freilich, so ganz einfach ist das nicht, ein weiblicher Wüllner zu werden, und das ist mein einziges Ziel."
„Wüllner . . .? Wer ist Wüllner?"
„Ein Sänger, Vater."
„Ja, daß er kein Milchkutscher ist, habe ich mir wohl gedacht."
„Erklären kann ich dir das nicht, Vater. Aber so einen gibt es nur einmal, wie es nur einen Niemann gegeben hat! Und du weißt ja selbst, meint ihr zu Hause auf Niemann zu reden kamt ..."
„Ja, das war einer! Und solch einer ist jetzt dieser Wüllner?"
„Ich habe Niemann leider nicht mehr hören können, aber nach allem glaube ich, daß sie die gleich starke siegende Individualität besitze».
Stuf der Heimreise hielten die alten Coßnitz' sich noch vierzehn Tage in Berlin auf und lernten auch Patric Swansen noch persönlich kennen.
Eva hatte absichtlich menig von ihm gesprochen Mutter Finchen war entzückt von seiner Schönheit und Galanterie. Den, Hauptmann gefiel er nicht sonderlich. Er mar ihm zu fremdartig, zu glänzend unb meinte: „Ich möchte wohl missen, worüber der brütet, wenn er sich unbeobachtet glaubt! Ich sage euch, der brütet allerlei! Vielleicht ist es Kunst!"
* *
der internationalen Beziehungen Marokkos zu beschäftigen und sich der Einmischung in die inneren Verhältnisse Marokkos zu enthalten. Zweifellos zeigt die Ausstellung dieses Programmes, daß die marokkanische Frage in der Richtung einer friedlichen Lösung einen wesentlichen Fortschritt gemacht hat, doch darf man nicht verkennen, daß die dauernde friedliche Beilegung der marokkanischen Frage in der Praxis von einer dauernden Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland abhängt. Man muß gestehen, daß in dieser Hinsicht sich eine große erfreuliche Umwälzung in den Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich vorzubereiten scheint. Nicht nur berufene Staatsmänner, sondern auch Fürsten und Personen von großem Einfluß im öffentlichen Leben, wiesen in Paris darauf hin, daß Frankreich und Deutschland große gemeinsame Kulturinteressen in der Welt wahrzunehmen habe. Wie man hört, haben sich in diesem Sinne der ehemalige französische Marineminister Lanessan, ferner der Fürst von Monaco, der Prinz Franz von Arnberg und der Fürst Henkel-Donner»- mard in Paris geäußert, und man glaubt, daß diese Aeußerungen sehr vielen Franzosen aus der Seele gesprochen sind. Ueberhaupt predigt die ganze Entwicklung der neuesten Weltgeschichte mit ehernen Zungen den Franzosen eine friedliche Verständigung mit Deutschland, denn ein wirklich gutes Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland ist für Frankreich mehr wert, als das bedenkliche Bündnis mit Rußland, und das noch bedenklichere Einvernehmen mit England. Rußland kann für lange Jahre hinaus seinem Bundesgenossen nur Sorgen und Verluste bereiten und England sucht nur seine nackten Interessen zu schützen und doppelt wahrzunehmen, wenn es die Hand zum Bunds bietet. Da Deutschland keinen Krieg mit Frankreich wünscht, und die deutsche Diplomatie nach dem Willen des Kaisers keine Mühe, Geduld und Nachsicht scheut, den Frieden zu erhalten und eine Verständigung mit Frankreich dauernd herzustellen, so befinden sich gegenwärtig seit dem Frankfurter Frieden von 1871 die Beziehungen Deutschlands und Frankreichs in den delikatesten Umständen, und sollten sie sich zu einem wirklichen Vertrauensverhältnisse, ja zu einem Bündnisse für die großen Fragen der Politik und der Kultur entwickeln, so ständen wir vor einem Weltereignisse von größter Bedeutung. Ein ungeheurer militärischer, politischer und wirtschaftlicher Druck würde von Europa genommen sein und ein neues goldenes Zeitalter könnte entstehen! Aber die rauhe Wirklichkeit, Ränkesucht und kleinliche Auffassung der Dinge läßt uns an diese Entwicklung noch nicht recht glauben. Hoffen wir aber, daß wir ihr wenigstens einen bedeutsamen Schritt näher gekommen sind. Dieser Schritt in der Richtung einer friedlichen Verständigung ist auch für die Lösung der marokkanischen Frage durchaus notwendig, denn die Konferenz am grünen Tische kann nur gute Grundsätze und Pläne aufstellen, aber daß sie in Marokko auch angewandt und durch«
Der Winter verging Eva in stiller Arbeit, und Patric Swausen arbeitete viel mit ihr. Das heißt, er brächte ihr jedes neue Lied, das irgend der Beachtung wert schien. Er siihrte sie in jedes Konzert, in dem sie etwas lernen konnte.
Man traf sich bei Kollmonns und zuweilen anch auf größer» Jours, die Eva in diesem Winter schon besuchte, um nach Rezept Kollmann mit dem Publikum etwas Fühlung zu gewinne». In zwei Jahre» würde sie doch ihr erstes Konzert hier geben, da mußten sich bis dahin einige Leute für sie interessieren.
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Die zwei Jahre verstrichen schnell genug. Die alten Coßnitz waren zwijchcnein noch zweimal in Berlin und Wiesbaden gewesen, und nun verbrachte Eva endlich den Sommer in Lettau, weil der Hauptmann auf lange vom Reisen genug hatte und sein Rheuma ihn auch nicht mehr zu arg belästigte.
Außer bei Stresins, die ja nicht zu umgehen waren, sah man sie eigentlich nur noch auf Barken einkehren. Ihr erster Besuch bei Frau Kauffmann hatte beiden einige Verlegenheit bereitet — sie schienen sich innerlich ganz und gar verloren zu haben. Von Konrad wurde nicht gesprochen. Und Eva lief nach einer Stunde wie gehetzt davon. Tante Julchen war sehr alt geworden in den drei Jahren nnd sehr still. Sie ging gebückt und seufzte viel und schien sich selbst immer darüber zu erschrecken. Dazu hatte ihr Blick solch einen eigenen Ausdruck angenommen, als spähe und lausche sie fortwährend auf ctivas, das immer nicht kommen wollte. Eva wußte wohl, woraus sie lauschte, auf wessen Schritt. Sie wußte auch, daß Konrad zu Weihnachten heimkehren würde, er hatte es dem Hauptmann geschrieben. Aber sie durften nichts sagen — er wollte die Mutter überraschen, sich ihr unter bem Christ, baum schenke».
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Eva hatte ihren Wohnsitz in Berlin wechseln müssen. Nun sie in ihren Beruf eintrat, genügte das schmale nette Zimmer- chcn bei Frau Suse von Wetterbusch nicht mehr. Swamen