der Stellung, die wir zum Sultan von Marokko eingenommen haben, nach unserer Berufung auf den internationalen Lharakter der Marokkofrage nicht wohl möglich. Rouvier möchte, daß die deutsche Regierung ein Programm für die in Aussicht genommene Konferenz vorlege und sich darüber im voraus mit Frankreich verständige. Das Programm ist aber Sache desjenigen Teils, der die Konferenz den an der Madrider Konvention beteiligten Mächten vor. geschlagen hat, das ist die scherifische Regierung. Erst wenn sich die französische Regierung im Prinzip für die Konferenz erklärt hat, können weitere Besprechungen über die beste Art eintrelen, wie der Konferenz ein befriedigender Erfolg zu sichern sei.
Diesen in der Konsequenz unserer bisherigen Politik liegenden Standpunkt wird wahrscheinlich auch die deutsche Antwortnote vertreten, die heule in Paris übergeben worden ist. Daß die deutsche Regierung einen Krieg betreibt, kann gor nicht schlagender widerlegt werden, als durch das Beharren auf dem Konferenzgedanken. Wer eine frieb« liche Konferenz will, will eben nicht den Krieg. Wir glauben, daß der Abg. v. Kardorff recht hat, wenn er am Schlüsse eines Artikels vom Fürsten Bülow schreibt: „Ich habe den Eindruck, daß die ruhige Festigkeit und Unerschrockenheit, mit welcher er das gute Recht der deutschen Interessen in Marokko bisher vertreten hat, im ganzen deutschen Vater, lande vollste Anerkennung gefunden hat, und das Zutrauen, daß es ihm glücken wird, auch Frankreich davon zu über, zeugen, daß wir sehr weit davon entfernt find, Händel zu suchen, aber nicht so beiseite geschoben werden durften, wie dies versucht wurde."
$tr Wufftani) in LM-ZMWfrik».
Den deutschen Kolonnen ist es gelungen, durch zielbe- wußte» Zusammenwirken die Scharen des Hottentottenführers Morenga im Süden des südwestafrikanischen Schutzge- bieten entscheidend z u schlagen. Der Kampf war äußerst hartnäckig und forderte auch auf deutscher Seite schwere Opfer; aber die Widerstandskraft dieses gefährlichen Gegners ist jetzt offenbar in der Hauptsache gebrochen; er ist in voller Flucht und wird scharf verfolgt. r
Die Kompagnie des Hauplmanns von Erckert, die schon am 6. d. M. ein erfolgreiches Gefecht am Karib- (Gamtoap) River halte, überraschte am 14. d. M. erneut eine feindliche Werft an diesem River. Der Feind verlor 25 bis 30 Tote, 250 Stück Großvieh, 40 Pferde und Esel. Diesseits wurde ein Mann verwundet. Major v. Kamptz mit der Abteilung E i e b e r t marschierte von der Ostgrenze kommend, ebenfalls längs des Karib> (Gamloap) Rivers und stieß am 17. d. M. auf die gesamte Bande Morenga», die in dem außerordentlich schwierigen Gelände verzweifelten Widerstand leistete. Die Abteilung Erckert eilte auf den Kanonendonner herbei, und nach vierzehnstündigem, schwerem Kampf gelang es, die feindliche Stellung zu nehmen. Die deutschen Truppen verloren 15 Tote, 3 Vermißte und 25 Verwundete, unter diesen Major von Kamptz. Hauptmann Siebert über, nahm das Kommando. Die Höhe der feindlichen Verluste ist noch unbekannt. Am 18. Juni verfolgte die Abteilung und vereitelte dadurch die Versuche der Hottentotten, ihr zahlreiche» versprengte» Vieh wieder zusammenzutreiben. Der Gegner flüchtete nach Naru», der wichtigsten Zuflucht- stätte der Bande Morenga», das in beherrschender, wasser- reichen Stellung am Karib- (Gamtoap)-River gelegen ist. Am 19. d. M. nahm Hauptmann Siebert Naru». Die Hottentotten flüchteten in südlicher Richtung, die Verfolgung wird, teilweise durch frische Truppen, fortgesetzt. — Der Bethanierkapitän Cornelius, den Hauptmann v. Koppy am 27. Mai bei Geiaus schlug, hat sich in der Gegend von Kochas am Fifchfluß wieder festgesetzt. Er soll sich dort mit Morris vereinigt haben, der zeitweise in der Gegend südlich von Warmbad auf englische» Gebiet geflüchtet war. Major Gräser mit drei Kompagnien, vier Geschützen und zwei Maschinengewehren ist im Vo- marsch zum Angriff gegen Cornelius. — Die Kopstädter Presse hat mehrfach falsche Nachrichten gebracht, unter anderem behauptet, Warmbad sei von den Aufständischen genommen worden. Diese Meldungen entbehren jeder tatsächlichen Grundlage.
Der russisch-japanische Krieg.
Vom Kriegsschauplatz in Ostasien berichtet heute ein Telegramm von russischer Seite aus Godfiadan, es sei am
die Welt fing aus Barken an und sollte da ihr Ende finden! Aber jetzt, so wie ich geartet bin, gibt es für mich nur zwei Dinge: eine Kugel oder suchen gehen, Gold, Diamanten suchen und langsam — Ruhe finden. Was willst du wählen, Mutter?"
„Ach Junge, Junge, du bist doch sonst in nichts so exaltiert ! Mein Gott, wegen eines törichten Mädchens geht doch ein Mann nicht von seinem schönen, schuldenfreien Hof! Es gibt doch auch noch andere Mädels hier" . . .
„Jawohl, Blücherhilde Kleistrine Jorkelinde zum Beispiel."
„Sie ist die schlimmste nicht, wenn sie für dich auch zu alt ist! Aber, es gibt doch noch andere" ....
„Für mich nicht Mutter! Hier nicht! Und ob ich sie wo anders finde, das soll die Zeit lehren."
„Danrm nun noch all die Kosten mit dem Balkon und dem neuen Salon! Für mich ist unser alter Salon mehr als schön genug."
„Laß dir das nicht leid sein! Mir ist es nicht leid, denn es hat mich noch dazu gelehrt wie ehrlich und echt Eva in all ihrer Jugend ist. Ich habe mir noch einbilden können: Kinder finge man mit buntem Plunder ein! Es gefiel ihr schon, aber innerlich kann der Flitter sie nicht berühren. Die ganzen Mädels hier herum würden sich mit so'n paar seidenen Möbeln schon verheiratet haben, namentlich da Barken mit dranhängt! Aber Eva ist ein Mensch! Für sie gibt es nur das, was sie aus innerster Nötigung heraus tun muß, sie muß wollen müssen, ihrem Alter um zehn Jahre voraus. Sie konnte nicht anders! Darum rechte nicht mit ihr. Und wenn ich fort bin, behalte sie lieb wie mein bestes Stück, das rch du vermachen konnte."
nu^^M^ ?^ "^ brauchen! Sie wird es ja denn di?Augen Smaty." " ^ fott^en' wenn Coßnitz mal selbstÄZ^^ * b°w - fi« wird sich
"Weißt du, daß sie geht?» Konrad nickte.
, "Aber - wenn fleucht, dann - - Konrad, aber dann brauchst du ja doch nicht zu gehen - dann trefft ihr ja euch hier nicht zusammen." ... 7
25. Juni bemerkt worden, daß sich bedeutende japanische Streitkräste gegen die linke russische Flanke konzentrierten. In Korea gingen die Japaner am. 22. b. M. zum Vormarsch gegen Kosakensolnien über, welche sich kämpfend in nördlicher Richtung zurückzogen. Die japanische Vorhut steht in der Linie Tschadschudigi—Pugotin.
Petersburg, 27. Juni, Bezüglich des Gerüchtes, Herr von Witte werde sich rusfischerseit» als Bevollmächtigter zu den FriedenSunterhandlungen nach Washington begeben, wird aus zuverlässiger Quelle gemeldet, daß er absolut keinen Anteil an jener Frage nimmt, und zwar schon seit Beginn der Erörterungen. Mithin entbehrt das Gerücht jeder Begründung.
Nach einem Telegramm aus Petersburg kündigt Nowoje Wremja den Rücktritt des Kriegsministers Ssacharow an; als Nachfolger wird u. a. General Rediger genannt. — In Moskau ist die morgen beginnende Einberufung der Reservisten, um einer Anhäufung und Unordnungen vorzu- beugen, auf 20 Tage ausgedehnt worden. Täglich werden gegen 1500 Mann einberufen und unverzüglich zu ihren Truppenteilen befördert. — In Kiew und Romny ist die Mobilmachung angekündigt.
Ae Vorrat in Wand.
Zu den Unruhen in Russisch-Polen wird aus Petersburg gemeldet, daß j-tzt auch im Kreis Lodz der Kriegrzu» stand erklärt und der Generalgouverneur von Warschau mit den Rechten der Militärobrigkeit bekleidet worden ist, die er auf eine andere Person nach eigener Wahl über« weisen darf. Ein heutiger Erlaß des Kaisers darüber überträgt dem Senat die hierfür nötigen Anordnungen, die Ausführung des Erlasses aber dem Polizeichef Trepow. Wie weiter gemeldet wird, ist die Stimmung in Warschau äußerlich etwas ruhiger; die Polizei fährt jedoch fort, Massen- Verhaftungen vorzunehmen. Es find gestern noch 680 Personen verhaftet worden, von denen die Mehrzahl in die Gefängnisse auf der Zitadelle gebracht wurde.
Warschau, 27. Juni. Aus Lodz wird hierher ge- meldet: Als ein Personenzug der Lodzer Bahn der letzten Station vor Lodz, Widzep, sich näherte, befahl der betrunkene Offizier einer Kosakenpatrouille in den Zug zu schießen. Unter den Fahrenden entstand eine schreckliche Panik. Nach mehreren Salven warfen sich alle Insassen der Zuges auf den Boden des Abteils. Nur eine Frau wurde schwer verletzt, während die übrigen Passagiere glücklicher Weise mit dem Schreck davonkamen. Der Schaden, den die Staatsmonopolläden während der Kämpfe erlitten, wird auf 80 000 Rubel gefchätzt. Die Lodzer Stadtfeuerwehr lehnte es ab, die Leichen ohne Begräbnis aus der Stadt abzuholen. — Bei den letzten Straßenkämpfen in Lodz wurde der Korrespondent eines Warschauer Blattes, Morawrki, durch eine Gewehrkugel am Fuß verletzt. Nach, richten aus Kowno zufolge sind die Bauernunruhen im Wachsen. Die Bauern bemächtigten sich der Weide- und Ackerflächen mit Gewalt und vertreiben die Bevollmächtigten der Großgrundbesitzer.
Odessa, 27. Juni. Im Vorort Perespy versammelten sich am 26. Juni 2000 Arbeiter, um über das Eintreten in den Ausstand zu beraten. Als Militär anrückte, wurde es aus der Menge mit Steinen beworfen. Die Truppen feuerten sofort und erschossen zwei Personen und verwundeten eine Person. Heute herrscht in Odessa allgemeiner Ausstand, die Arbeiter ziehen in großen Haufen durch die Straßen, an vielen Stellen spannen sie die Pferde der Pferdebahnwagen aus und verhindern den Verkehr. Alle Läden sind geschlossen.
Lodz, 27, Juni. An den letzten Straßenkämpfen beteiligten sich angeblich 30000 Arbeiter. In den von Arbeitern besetzten Häusern, in die da» Militär eindrang, wurden sämtliche Einwohner massakriert. Bonden Soldaten find 11 erschossen worden, ebensoviele wurden schwer verwundet.
Warschau 27. Juni. Gestern abend gegen 7 Uhr wurde von streikenden Arbeitern gegen eine Kompagnie Soldaten eine Bombe geschleudert. 51 Soldaten erlitten schwere Verwundungen. Drei wurden getötet. Die Täter entkamen.
Warschau, 27. Juni. Au» Lodz wird gemeldet: Die Offiziere bes Muromschen DragonerregimenleS erklärten dem Truppenkommandanten, sie würden nicht auf wehrlose Leute schießen. Der Generalgouverneur von Warschau befahl die sofortige Rückkehr des Regimentes in den Gar- nifonort. Ein Geheimerlaß befiehlt, alle Soldaten polnischer
„Mutter!" . . .
„Wann willst du denn fort?"
„In vierzehn Tagen dampft Braun von Hamburg ab — ich muß mich sehr eilen, und — das wird eine Wohltat für mich sein. Und nun sei mir nicht gram, daß ich dir das antun muß, aber, glaube mir, ich muß, ich kann nicht anders. Sage, daß du nicht Trübsal blasen willst, bis ich mal wieder- komme---denk immer aus Wiederkommen, nicht aus Fortgehen! Sei mein braves Mutting, das immer mein bester Freund gewesen ist und mir nie etwas in den Weg gelegt hat!"
Sie küßten sich noch einmal lang und innig.
„Du wirst deine alte Mutter nicht auf Barken sterben lassen, allein — — das wirst du nicht! Das könntest du dir ja selbst nie verzeihen, wenn ich es dir auch wirklich verzeihen wollte! Und so geh mit Gott, mein Jung! Ich will mich aufrecht halten und mit Stilter dafür sorgen, daß du hier nichts vermissest, wenn du wieder kommst. Geh mit Gott also, mein Jung, und meinem besten Segen!"
„Dank!" sagte Konrad nur leise, dann ließ er die Mutter aus den Armen. Sie zitterte nicht mehr am ganzen Leibe. Ihre Augen hatten ihren alten klaren Ausdruck und den ruhigen Glanz, und sie schritt rüstig aus, als sie jetzt das Ziinmer verließ, um Hand an die tausend Dinge zu legen, die nun eilten, getan zu werden.
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Ganz Lettau hatte auf Monate hinaus Gesprächsstoff. So wohl für die großen wie für die kleinen Gesellschaften bis auf den intimsten Austausch beim ungeladenen Kaffeebesuch, von einer Tür, von einem Gut zum andern. Das ging ja noch haushoch über Aline Stresin und die mählich verblassende Hochzeitsseier!
Konrad Kauffmann auf Barken, die beste Partie im Umkreis, ging Gold suchen! Ging aus seinem warmen Nest fort, in dem der neue Salon förmlich nach einer schnellen Heirat geschrien hatte! Zog mit Hacke und Spaten unter das zu- sammengelausenste Vagabundengesindel, um. .. Nein, menschlicher Verstand gab es auf, da Klarheit zu schaffen! Er war
Nationalität ober jüdischen Glaubens von den in Lodz tätigen Militärteilen herauszuziehen, weil sie nur in die Luft, nicht in die Volksmenge schössen.
Aus > und Ausland.
Berlin, den 27. Juni 1905.
Se. Majestät d er Kaiser sah Sich gestern nach, mittag 2Va Uhr, wie aus Kiel gemeldet wird, vom Deck der Hohenzollern aus das Wettrudern der Fähnriche zur See, Seekadelten und Schiffsjungen an und verteilte nachher selbst die Preise an die siegreichen Mannschaften. Abend» 7Va Uhr begab Sich Se. Majestät nach dem Kaiserlichen Jachtklub, wo Allerhöchstderselbe die Preisverteilung für die Wettfahrten der Kriegsschiffboote vornahm und an einem Festessen bes Kaiserlichen Jachtklubs teilnahm.
Zur Beratung der Berggesetznovellen im Herren« Hause beantragen die Konservativen eine Resolution, in der sie Maßnahmen verlangen, welche geeignet sind, den Kontraktbruch, insbesondere wo ein öffentliche» Interesse ob. waltet, unter Strafe zu stellen, der Aufforderung dazu ent« gegenzutreten und die Arbeitswilligen zu schützen.
Von amtlicher russischer Seite wird die Vereinbarung über die neuePersonentarifreform veröffentlicht. Danach wird die vierte Wagenklasse in ganz Deutschland eingeführt mit Ausnahme von Bayern. Der neue Tarif soll am 1. Oktober 1906 in Kraft treten.
Das Oldenburger Landgericht hat die Klage bes ® t a f e n Welsburg gegen den Großh erzog von Oldenburg auf Anerkennung der Thronfolgeberechtigung im Großherzogtum Oldenburg kostenpflichtig abgewiesen. Graf Welsburg, der Sohn des Herzog« Elimar von Oldenburg aus unebenbürtiger Ehe, hatte Klage erhoben auf Anerkennung seiner Zugehörigkeit zum grobherzoglich olden- burgischen Hause auf Zahlung einer jährlichen Apanage.
In den letzten Jahren haben einige Regierungen mit staatlicher Unterstützung Fortbildungsturnkurs e für Volksschullehrer und -Lehrerinnen und Wanderkurse zur Ausbildung von Lehrern in der Leitung von Volks- unb Jugendspielen Veranstalter. Der günstige Ausfall dieser Versuche veranlaßt die Regierung, ähnliche Veranstaltungen, dem vorhandenen Bedürfnisse entsprechend, auch in anderen Bezirken in» Leben zu rufen. Ein Erlaß des Kultusministers bestimmt, daß die Regierungen zunächst im laufenden Schuljahre einen entsprechenden Fortbildungskursus durch eine hierzu geeignete Persönlichkeit abhalten zu lassen haben. Für den Fall, daß die besonderen Bedürfnisse bes Bezirks die Beschränkung aitf nur einen der vorbezeichneten Zwecke erwünscht machen sollten, weist der Minister bezüglich der Anleitung zur Pflege der Jugendspiele darauf hin, daß sich in Wanderkursen mit etwa gleichem Kostenaufwande eine erheblich größere Zahl von Lehrern aurbilden läßt, als durch solche, die an demselben Orte wiederkehren. Die Staatsregierung ist geneigt, durch mäßige Beihilfe diese Kurse zu unterstützen, unter der Voraussetzung, daß auch die in Frage kommenden Gemeinden sich nach Möglichkeit finanziell beteiligen.
Ein Stockholmer Blatt brächte die Fabel von einerKandidatureinesdeutschenpreu- ßischenPrinzen für den norwegischen Thron, indem es, der „Nat.-Ztg." zufolge, eine Korre. spondenz aus London veröffentlicht, wonach ein». Reihe von Großmächten, von denen Deutschland ausdrücklich ausge« nommen wird, auf den König Oskar von Schweden ein- wirken, den Stand der Dinge in Norwegen anzuerkennen. Raschheit sei in dieser Hinsicht erwünscht, da zu befürchten stände, daß der deutsche Kaiser einer seiner Söhne für den Thron Norwegens in Vorschlag bringe. Wir sind in der Lage, zu erklären, daß das Stockholmer Blatt sich von seinem Londoner Korrespondenten einen gewaltigen Bären hat auf« binden lassen.
Die marokkanischen Rebellen machen der Regierung des jungen Sultans fortgesetzt stark zu schaffen. Der marokkanische Dampfer Turki ist mit 500 Soldaten, 100 Pferden, Munition und Lebensmitteln von Tanger nach Seida in See gegangen, um von dort nach Uöjba zu dampfen, wo die Lage der Truppen des Sultans andauernd kritisch ist.
Mit Bezug auf die Meldungen ausländischer Blätter über eine bevorstehende Verfassungsrevision in Serbien wird von maßgebender Seite versichert, die jetzige Regierung gedenke nicht eine Revision der Verfassung vorzunehmen. Eine solche Revision sei vielleicht nach einer
im Oktober gegangen, und jetzt im Januar, wo man hätte darüber weg sein sollen, wurde die Affäre wieder von neuem zur Sensation. Denn es war noch etwas hinzugekommen, etwas, das fast so aufregte, als wäre Lettau nochmal bis auf Stumpf und Stiel abgebrannt: Am 3. Januar war Frau Hauptmann von Coßnitz mit Eva abgereist, um diese persönlich nach Berlin zu bringen, wo sie in einem befreundeten Hause derer von Coßnitz fortan ernsthaften Gesangsstudien obliegen würde. Diese ernsthaften Studien hatten ein ernsthafter Ziel, d. h. kurz preußisch ausgedrückt: Eva von Coßnitz, einzige Tochter und einziges Kind des für reich bekannten Hanptmanns v. Coßnitz zu Lettau ging daraus aus, mit ihrem Gesang ganz ordinär Geld zu verdienen!
(Fortsetzung folgt.)
— (Ein dänische» Schiffsjungen? chul« schiff in den Grund gebohrt.) Eine furchtbare Schiffskatastrophe, der 22 blühende Menschenleben zum Opfer gefallen sind, hat sich in der Montag Nacht in der Holländer Tiefe in der Nähe von Kopenhagen ereignet. Das große dänische Schul- und Kadettenschiff „Georg Stage", das unter Segel gehen wollte, wurde heute nacht HVa Uhr in der Holländer-Tiefe im Sund, vor dem Nordende der Insel Saltholm, von dem englischen Dampfer „Ancona", Kapitän Nitschell, gerammt. Die Wirkung war entsetzlich. Der „Georg Stage" sank in iVa Minuten. An Bord waren 79 Personen, meistens Kadetten, die größtenteils in tiefem Schlafe lagen. 22 Personen gingen mit dem Schiffe unter. 57 wurden vom Dampfer „Ancona" ausgenommen und nach Jylland gebracht. Der Kapitän bes „George Etage", Matthebrun, war am Deck und wurde gerettet. In ganz Kopenhagen herrscht große Trauer. — Der Zu- sammenstoß erfolgte, weil die „Ancona", die keinen Lotsen hatte, dem segelführenden „Georg Stage" nicht auswich. Vom gesunkenen Schulschiff ragt nur ein Mast mit Segeln über die Wasseroberfläche, die beiden anderen Masten find zersplittert. Die Leichen werden durch Taucher gehoben; die „Ancona" liegt mit Trauerfahne auf dem Mast vor Anker.