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herchlder Kreisblatt
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Sernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 74.
Dienstag, den 27. Juni
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auf das
Bersfelder Kreisblatt
Das Hersfelder Rreisblatt bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mitteilungen über Ereignisse in der Politik, Berichte aus dem Kreise, der Provinz und Nachbargebieten. Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mitteilenswerten Ereignisse zur Kenntnis der Leser. Ferner bilden sorgfältig ausgewählte
spannende Romane,
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Amtlicher Ceii.
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 30. November v. Js — A. II. 16195 — (abgedruckt in Nr. 50 des Amtsblatts vom 14. Dezember 1904) bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Herren Minifier des Innern und der öffentlichen Arbeiten durch Erlasse vom 14. v. MtS. (III. B 3. 173. M. d. ö. A./Ilu.
Goldsucher.
Roman von Edela R ü st.
(Fortsetzung.)
„Aber wie kommen Sie zu Babyschuhchen? Ach so, es sind Ihre eigenen! Solche Füßchen haben Sie Riesenmensch wirklich mal gehabt? Die Sohlen sind übrigens tüchtig abgetreten — Sie haben also gleich ganz tüchtig ansgestampst bei den ersten Gehversuchen."
„Ich nicht."
„Sie nicht? Wer denn? Hatten Sie noch mal 'nen ganz kleinen Bruder?"
„Nein."
„Na, oder 'ne Schwester? . . .
„Auch nicht!"
„Wer ging denn also mal da drin hcrnm?"
„Eva von Coßnitz!"
„Ach so 'n Unsinn!"
„Wie und wo und wann haben Sie diesen bisher nncnt- deckt gebliebenen Diebstahl begangen ? Es ist ja gar nicht wahr aber ich will mal hören wie weit ihre Phantasie sich verirren, kann. Also: es war einmal" . .
„Also, es war einmal ein großer Schuljunge, der auf Ferien graste. Als er eines Tages seinen Kollegen Paul von Badcck besuchte, fand er die Villa Coßnitz von oben nach unten gekehrt, es war ganz großes Reinemachen. Wir kamen aus dem Garten und lümmelten uns in einem der oberen Fremdenzimmer auf dem zerschlissenen Sofa herum. Um uns stauben, aus anderen Stuben znsammengctragcn, allerhand verstaubte Kisten und Kasten, und aus einem kleinen, offenen Waschkorb lugte allerhand Kinder-Weißzeug heraus. Da sah nh auf dein Boden des Korbes eine kleine weiße Pappschachtel. Ich nahm sie heraus und öffnete sie. Es lagen darin in Sewenpapier verpackt ein paar hellblaue Babyschuhe und auf deni eingeklemmten Zettel stand:" Evchens Staatsschuhe im zweiten Jahr, als sie eben laufen konnte!"
Als Paul sich auf einen Augenblick entfernte, um etwas ;n trinken zn holen, ließ ich die kleinen Dinger in meine Tasche
3544. M. d. I.), vom 16. v. MtS. (III. B 3. 159. M. d ö. 9L/IIa. 3481. M. d. I.) upd vom 19. v. MtS. (III. B 3. 190. M. b. ö. A /lla. 3785. M. d. I.) zur Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen für den Regierungsbezirk Oppeln die weiteren Nummern 2901 bis 3200, für den Regierungsbezirk Stäbe die weiteren Nummern 2001 bis 2200 und für den Regierungsbezirk Schleswig bie weiteren Nummern 1000 bis 1999 überwiesen haben. (A. II. 5279.)
Kassel am 5. Juni 1905.
Der Regierungspräsident. J. V.: v. Kamele. *
Hersfeld, den 16. Juni 1905. Wird veröffentlicht.
I. 4057. Der Königliche Landrat.
J. B.'.
T h am e r.
Hersfeld, den 22. Juni 1905.
Nachstehend bringe ich eine Anweisung des Herrn Kriegsministers an die Militärgerichte vom 24. Februar L JS., betreffend die Benachrichtigung der Polizeibehörden über die von den Militärgerichten verfügten Beschlagnahmen von Druckschriften zur Kenntnis der Ortspolizeibehörden des Kreises behufs Beachtung in vorkommenden Fällen. I. I. 4294. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
* *
*
Berlin, den 24. Februar 1905.
Nach jeder Beschlagnahme einer nicht periodischen Druckschrift, die militärgerichtlicherseits verfügt ober bei bürgerlichen Gerichten verwirkt wird, sind ungesäumt diejenigen Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, die Durchführung der Beschlagnahme zu sichern.
Bei Beschlagnahmen, zu deren Anordnung gemäß § 238 M. St. G. O. der Gerichtrherr oder der Untersuchungsführer zuständig ist, wird es meist genügen, die berufenen militärischen Kommandostellen auf kürzestem Wege um ihre Ausführung zu ersuchen.
In anderen Fällen der Beschlagnahme — § 239 a. a. O. — empfiehlt sich dringend:
1. Die sofortige Benachrichtigung der Polizeibehörden des Orts, an dem das Preßerzeugnis erschienen ist, sowie auch derjenigen Orte, an denen es mutmaßlich in erheblichem Umfange verbreitet worden ist, oder verbreitet werden soll.
2. Die alSbaldige Veröffentlichung der Beschlagnahme in geeigneten öffentlichen Blättern behufs Kenntnisnahme durch die übrigen Polizeibehörden.
Die Benachrichtigung zu 1 hat unmittelbar auf dem kürzesten Wege, erforderlichen Falls telegraphisch, zu erfolgen, ihr ist in jedem Falle eine beglaubigte Abschrift des Be- schlagnahmebeschluffes anzufügen oder nachzusenden.
Für die Veröffentlichung zu 2 ist in Preußen das in
verschwinden. Ich saß dann wie auf Kohlen ; ich fühlte mich als ein ganz ausgelernter Dieb und verabschiedete mich, sobald es anging. Diese Schuhchen sind meine heiligsten Reliquien geworden. Mit jedem Jahr mürben sie mir teurer, je teurer mir Eva Coßnitz wurde . . . glauben Sie nun, daß es Ihre eigenen Schuhchen sind.
Eva war bei jedem Wort bestürzter geworden. So ganz allmählich zog sie einen Finger nach dem andern von den Schuhen zurück — sie stauben jetzt wie verlassen auf dem Tisch, weit voneinander entfernt.
„Nein stellen Sie sie nur wieder fort — wenn die Leute kommen — was sollen die denken! Gehen wir nun hinunter? Stellen Sie sie doch fort, Konrad!"
Konrad nahm die Schuhchen in die Hand und trug sie zum Schränk, aber ehe er sie hineinstellte, besah er sie noch einmal von allen Seiten.
„Sie sind noch so gut--die halten noch ein paar Füßchen aus, noch so ein paar kleine liebe Trampelchen — --sie warten darauf--- — ja, sie warten auf ein paar neue Füßchen......! Eva . . . .! Eva......! Wo laufen Sie denn hin — — so warten Sie doch ....!"
Die Schuhchen flogen in den Schränk, Konrad schloß ihn ab und stürmte der kleinen Coßnitz nach, bie wie behext die Treppe hinunter und durch den Flur flog, um in die freie Lust zu kommen — ihr schnürte etmad die Kehle zusammen. Konrad holte sie ein und sah noch, wie sie sich hastig mit den spitzen Fingern ein paar Tränen aus den Augen wischte — er sollte die nicht bemerken.
„Ja was haben Sie denn, Eva? Habe ich Sie verletzt? Mein Gott, mir ist das Herz so voll, unb Sie zwingen mich immer zum Schweigen. Mein ganzes Leben dreht sich nur um Sie, und Sie--Sie quälen mich, verhalten sich immer rätselvoller. So reden Sie doch--bin ich Ihnen so jumiber, daß" . . .
„Lassen Sie es heute--gerade heute wollen wir nicht dagon reden."
„Und warum nicht heute? Heut ist ein Tag wie alle Tage I Bin ich ein Schuljunge, der auf seinen Geburtstag und die Torte mit Lichtern hält? Sagen Sie, was Sie mit
Berlin wöchentlich zweimal (Mittwoch und Sonnabend) erscheinende, im Bureau des Königlichen Polizeipräsidiums redigierte „Zentral-Polizeiblatt" zu wählen.
Eine Beschränkung der Veröffentlichung und der Benachrichtigung von Polizeibehörden aus das Gebiet des Bundesstaats, dem das Gericht angehört, welches die Beschlagnahme ungeordnet hat, ist nicht notwendig, da die Beschlagnahmen eines Deutschen Gerichts nach § 161 des GerichtSversaffungsgesetzeS im ganzen Reichsgebiet vollstreckbar find.
Die Veröffentlichung zu 2 darf ausnahmsweise unterbleiben, wenn die der Beschlagnahme zu Grunde liegende Straftat von geringer Bedeutung ist und das Preßerzeugnis vermutlich nur eine lokale Verbreitung gesunden hat, endlich, wenn eine solche Verbreitung überhaupt noch nicht erfolgt sein kann.
Auf Entscheidungen, welche bie Aufhebung von Beschlagnahmen ober die Unbrauchbarmachung von Druckschriften (§ 41 Str. G. B.) betreffen, finden die vorstehenden Bestimmungen entsprechende Anwendung.
Sie find auch aus periodische Druckschriften anzuwenden, wenn und insoweit nach der Bedeutung und den Umständen des Falles anzunehmen ist, daß bei dem Anlangen der Nachricht noch eine Verbreitung der Druckschrift (§ 27 des Prozeßgesetzes) stattfinden dürfte.
Von jeder Beschlagnahme der erwähnten Art und den hiernach getroffenen Maßnahmen ist dem Kriegsministerium Anzeige zu erstatten. (Nr. 671/12. 04 C. 3)
Kriegsministerium. I. V.: gez. G a l l w i tz.
An sämtliche Königliche Generalkommandos, das Königliche Gouvernement Berlin, das Kaiserliche Gouvernement in Ulm, den Königlichen Generalleutnant und Chef der Landgendarmerie, Herrn o. Hennings, Exzellenz.
Hersfeld, den 22. Juni 1905.
Im Anschluß an mein Ausschreiben vom 16. Mai b. Js. I. Nr. 3417 (Kreisblatt Nr. 60) weise ich die Ortspolizeibehörden des Kreises noch darauf hin, daß die von dem Herrn Minister des Innern vorgeschriebenen Formulare zu Anträgen auf Unterbringung Minderjähriger in Fürsorgeerziehung von der Waisenhaus - Buchdruckerei in Gaffel bezogen werden können.
I. 3846. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
HerSfeld, den 22. Juni 1905.
Unter dem Schweinebestande des Bürgermeisters Hilde- brand zu Rohrbach ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 4285. Der Königliche Landral.
I. V.:
T h a m e r.
mir im Sinne haben — Sie wissen es längst, ich will es nun auch wissen. Hören Sie, Eva, ich will ein Ende machen! Wollen Sie mich zum Mann, oder wollen Sie nicht?"
„Sie wissen doch Konrad — ich warte von Tag zu Tag, daß Papa zu mir sagt: du darfst jetzt nach Berlin gehen, dn darfst weiter studieren."---
„Das wird nie sein — da warten Sie vergebens Eva."
„Ich weiß, was Aline mir gesagt hat, was die einsüdelt, führt sie auch durch. Woran es liegt, daß ich noch immer völlig int Dunkeln darüber bin." . . .
„Und Sie bleiben im Ernst dabei? Sie wollen mich also unter keinen Umständen--Sie sagen mir endgültig Nein?"
„Aber Konrad." . . .
„Ja oder nein, Eva — — oder nein? ! Haben Sie doch den Mut, mir das Herz zu brcchen! Sie können nicht meine Frau merben ?"
„Nein Konrad! Glauben Sie mir, ich habe so lange ge- kämpft, so viel darüber nachgedacht — — ich habe Sie ja doch so gern Konrad--- es tut mir ja selbst so weh. Soll ich Sie belügen?"
„Nein Eva, das sollen Sie nicht, nicht sich und auch nicht mich betrügen — nein 1 Aber was nun wird, das weiß ich nicht, bei Gott, das weiß ich nicht"
Ein lautes Schluchzen schien bei ihm auszubrechen — er legte einen Augenblick beide Hände auf die Brust, als wolle er den Sturm zurückdrängen, dann wandte er sich still um und ging in den einsam gewordenen Park, über dein die Sonne hoch stand, am Horizont ihren letzten Tagesflimmer langsam verglühend.
* *
*
Inzwischen hatte Frau Kanffmann nach ihrem Sohn gesucht. Man stand und saß bereits im Eßzimmer vor dem auf- gestellten Abendbüfett, einige der Gäste drängten zum Anspannen.
Frau Kauffmann stellte sich in die Gartentür, um noch einmal Ausschau zu halten. In dem Augenblick trat Konrad von der Flurseite her inS Zimmer. Alles fuhr mit Scherzen