Bermittelung der Gendarmen zur Kenntnis des Gerichts und der Behörde gelangten. Der Angeklagte gibt an, er sei in Schenktengsfeld seitens des Amtsrichters nicht darauf aufmerksam gemacht worden, daß er, wenn er eine falsche Anzeige erstattet hätte, einen Eid nicht abzulegen brauche. Uebrigens bleibt er dabei, den Eid mit gutem Gewissen beschworen zu haben. Der Tatbestand ist kurz folgender: Am Abend des 22. Oktober 1904 gegen 7 Uhr will der Angeklagte, an seinem Fenster stehend, gesehen haben, wie der Landwirt Möller mit seinem kleinen Kutschwagen die Dorfstraße herausgefahren kam und keine Laterne am Wagen hatte. Um stch zu vergewissern, daß er auch richtig sehe, rief er seine Frau und Kinder ans Fenster, welche denn auch angeblich die gleiche Wahrnehmung machten. Er will sich den Vorgang sofort niedergeschrieben haben und zwar mit der Absicht, Möller bei erster Gelegenheit anzu- zeigen, weil dieser auch seine Frau wegen ruhestörenden Straßenlärm» angezeigt hatte und sie daraushin von dem Bürgermeister ein Strafmandat von 10 Mk. erhielt, welches vom Gericht jedoch aus 3 Mk. ermäßigt wurde. Petzold hat seine Anzeige erst am 14. November nicht dem Bürgermeister, sondern dem Gendarmen Hofmann gegeben. Da Möller die Anzeige für falsch erklärte und Widerspruch erhob, so kam es zu der erwähnten Verhandlung vor dem Schöffen, gericht, in welcher Petzold und Frau als Belastungszeugen erschienen und in der Hauptsache beschworen, daß die Anzeige richtig sei, also Möller ohne Laterne durchs Dorf gefahren sei ic. Auffallend ist nun, daß gegenüberwohnende Nachbarsleute ganz bestimmt gesehen haben wollen, daß Möller an jenem Abend doch eine brennende Laterne am Wagen hatte. Auch hat Möller Zeugen angegeben, die mit ihm fuhren und bekunden, daß er wenigstens eine am Wagen hängen hatte. Nach Verlesung des Augenscheinsprotokolles und Erörterung des jedem einzelnen Geschworenen vorgelegten, lithographisch vervielfältigten Situationsplanes wird zur Zeugenvernehmung geschritten. Herr Gendarm Hefmann muß über den Ruf des Angeklagten Petzold und über alle im Dorfe obwaltenden Verhältnisse Auskunft geben. Petzold fei ein sehr streitbarer, rechthaberischer Mann, der sein Recht verfolge; auch scheine er der sozialdemokratischen Partei anzugehören. Der alte Bürgermeister Mohr sei mit dem neuen Bürgermeister Metz verfeindet. Der Angeklagte Petzold und Bürgermeister Mohr hielten aber zusammen und machten viel in Beschwerden. Landwirt Georg Möller bekundet bestimmt, daß er an jenem Abend eine Laterne am Wagen hatte. Er habe sie, als es dunkelte, noch im Dorfe angesteckt. Möller selbst hat sich in verschiedene Widersprüche verwickelt, denn einmal will er die Laterne an dieser, bald an jener Stelle angezündet haben, obschon er bald auf der eigenen Hofraithe war. Mehrere Zeugen aus dem Dorfe bekunden ferner, daß sie bei dem Geräusch des heranrollenden KutschwagenS an das Fenster herantraten und in der Dämmerung ganz genau sahen, daß der Fuhrmann Möller eine weithin sichtbare Laterne am Wagen hatte. Eine Verwechslung mit einem andern Tage fei ganz ausgeschloffen. Die Kinder der Prtzold'schen Eheleute bekundeten ebenfalls, daß Möller keine Laterne am Wagen hatte, während die Dienstmagd des Möller und andere Leute das Gegenteil bekundeten. Nach 10 Uhr abend ist die Beweisaufnahme endlich beendigt und beginnen nach einer Pause die Plaidoyers. Herr StaatS- anwaltschaftsrat Manlell begründet umfassend die Anklage und beantragt, beide Angeklagte schuldig zu erkennen, während Herr Rechtsanwalt Heldman in eingehenden Darlegungen nachdrücklichst sür Verneinung der sämtlichen Schuldfragen eintritt. Gegen 1 Uhr nachts verkünden die Geschworenen durch ihren Obmann, Major a. D. von Arnim, ihren Wahrspruch, wonach die Schuldsragen wegen falscher Anschuldigung, wegen wissentlichen Meineids und wegen fahrlässigen FalscheidS gegen beide Angeklagte verneint wurden. Der Schwurgerichtshof erkannte demgemäß auf kostenlose Freisprechung gegen Petzold und Frau, welche sich übrigens bisher auf freiem Fuße befanden.
Gaffeb 21. Juni. (Getreide-, Futter-und Düngermarkt.) Besuch mäßig. Tendenz ruhig. Wir notieren: Weizen 17,80 bis 18,00 Mk., Roggen 16,70 bis 17,00 Mk, Hafer 16,00 bis 17,00 Mk. Alles per 100 Kilo ab oder Parität hier bei Ladungen von 10 000 Kilo.
Hanau, 20. Juni. Ein zärtlicher Gatte, der Landwirt Ludwig von Löschenroth, stand heute vor der Strafkammer. Sowohl von seiner Familie wie von seinen Nachbarn ist L. wegen seiner Rohheitsexzesse gefürchtet. Im Februar d. Js. hatte er wieder seine schlimme Zeit und seine Frau war aus Angst auf den Hof ihres Bruders geflüchtet. Hier erschien Ludwig am 15. Februar morgens schon um 7 Uhr, verlangte stürmisch Lebensmittel von den Verwandten und forderte die Rückkehr seiner Frau. Der Schwager hatte den Angeklagten kommen sehen, sein Haus verschlossen und dem unwillkommenen Besucher zugerufen, er wisse doch, daß
ihm Haus und Hof verboten sei. Den Angeklagten focht das aber wenig an, er trat die Türe ein, stieß nach seinem Schwager mit einem Stock, der eine eiserne Spitze hatte und holte sich dann einen dicken Eichenknüppel, mit dem er wie besessen im Hause umherraste. Unter Schimpfreden stürmte er treppauf, treppab, schlug Türen und Fenster ein und konnte erst vom Hofe gebracht werden, nachdem man alle feine Wünsche erfüllt hatte. Das Schöffengericht zu Fulda hatte ihm 6 Monate Gefängnis zugedacht, wogegen er Berufung einlegte. Die Strafkammer zu Hanau verwarf diese in ihrer heutigen Sitzung.
Bebra, 21. Juni. Von einem hohen Hausgerüst herunter stürzte heute der Maurer Holzhauer au« Leitenbach. Nach Anlage eines Notverbandes wurde der Verunglückte in das Landkrankenhaus nach Hersfeld gebracht, doch wird an seinem Auskommen gezweifelt. (C. T.)
Fronhause«, 21. Juni. Heute nachmittag wurde in Niederwalgern ein Maurer von hier von der Eisenbahn überfahren und getötet.
Rudolstadt, 21. Juni. (EineMilchfälscherin vor dem Schwurgericht.) In dem Prozesse wegen NahrungSmittelsälschung (Verkauf gefälschter Milch) und versuchter Verleitung zum Meineid in zwei Fällen gegen die Frau Oberamtmann Peter fällte das hiesige Schwurgericht nach dreitägiger Verhandlung das Urteil. Frau Peter wurde wegen Nahrungsmittelfälschung zu 3 Wochen Gefängnis und 300 Mk. Geldstrafe verurteilt, von der Verleitung zum Meineid aber freigesprochen. Drei Mitangeklagte Frauen, die unter dem Einflüsse der Haupt- angeklagten sich der Mithilfe zur Nahrungsmittelfälschung schuldig machten, wurden bis auf eine freigesprochen.
Gladenbach, 20. Juni. Der Gastwirt in Nicolaus- stollen hat sich anscheinend aus Gram über den Tod seiner Gattin erschossen. Der Mann hinterläßt 3 kleine Kinder.
Auerbach a. B., 20. Juni. Der Fuhrknecht Rothermel fuhr mit einem Bierwagen durch die Ortsstraßen als zwei Radfahrer seinen Weg kreuzten; durch das Vorbeijagen der Radler wurden die Pferde scheu und rissen mit scharfem Ruck zur Seite. Hierdurch wurde Rothermel von dem Wagen heruntergeschleudert und stürzte mit dem Kopfe so unglücklich auf das Steinpflaster, daß er nach kurzer Zeit verstarb.
Vom Eichsfelde, 20. Juni. (Schwere Unwetterschäden.) Während eines Gewitters traf ein Blitz das Anwesen des Landwirts Martin Fege zu Wiesenseld (Kreis Heiligenstadt) und zündete. Scheune und Stallungen wurden ein Raub der Flammen, während das Wohnhaus gerettet werden konnte. Zwei Rinder und eine Sau mit neun Ferkeln kamen in den Flammen um. — Das in den Kreisen Duderstadt und Worbis niedergsgangene Unwetter dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen (ein 68jähriger Greis in Jützenbach und ein äjähriger Knabe in Duderstadt) war so schwer, wie solches seit 1856 in dortiger Gegend nicht erlebt wurde. Drei Gewitter trafen sich in der Gegend von Brehme, die nicht über den Ohmberg hinweg konnten; sie entluden sich hier nun mit ungeheurer Gewalt. Ein wolkenbruchartiger Regen drückte alles Getreide, Heu und Pflanzen platt zu Boden, alles mit Schlamm bedeckend. Auf den Straßen stand das Wasser stellenweise meterhoch und riß selbst die Chausseedecke mit sich fort. Die Bäche glichen reißenden Strömen. In Jützenbach, Fuhrbach, Brochthausen und Brehme sind die Hoffnungen aus die Ernte mit einem Schlage dahin.
Vermischtes.
— Aus dem Rittergute Schönfeld Kreis Kceuzburg O.-S., erkrankten, wie die Schles. Volksztg. berichtet, zwölf Personen, unter ihnen der Besitzer von Watzdorf und dessen Gattin, unter schweren Vergiftungssymptomen, mutmaßlich infolge des Genusses von verdorbenem Fleisch. Ein Stubenmädchen ist gestorben, alle anderen sind jedoch jetzt außer Lebensgefahr.
— N e u f a lz (Oder), 22. Juni. In der vergangenen Nacht erschlug die geschiedene Frau des Hüttenschmieds Sohle mit Beilhieben ihren siebenjährigen Sohn und die neunjährige Tochter, und ließ sich wenige Stunden später von einem Eisenbahnzug überfahren. Sie hatte die Tat aus Furcht vor Strafe wegen eines Diebstahls begangen.
— Durch eine Schlagwetter-Explosion getötet wurden auf der Zeche Dahlbusch zwei Bergleute, zwei anders erlitten Verletzungen.
— (Jugendliche Ausreißer.) Der Schief, Ztg. wird aus Glatz gemeldet: Fünf junge Burschen im Alter von 13 bis 15 Jahren, die am Donnerstag mit dem Mittagzuge auf dem hiesigen Hauptbahnhofe anlangten, erregten dadurch, daß sie teils ohne Fahrkarten waren, Verdacht. Als die Burschen dies bemerkten, versuchte einer durch einen Sprung über die Bahnsteigsperre zu entfliehen,
Doch gelang er nach und nach, alle fünf festzunehmen und auf die Polizeiwache zu bringen. Die Untersuchung förderte vier geladene sechsläufige Revolver, 200 Patronen, zwei Dolcke in Scheiden, 196 M. Geld usw. zu Tage. Das Verhör ergab, daß die .Reisenden" aus Laurahütte stammen, aus Furcht vor Strafe — sie hatten Starnester vernichtet, Wein und Käse gestohlen — ausgerissen seien, um nach der Schweiz zu entfliehen. Dazu hatten zwei ihren Eltern Sparkassenbücher entwendet, 320 M. abgehoben und sich dann auf die Reise gemacht, nachdem sie sich die Waffen getauft hatten, um sich bei Wanderungen durch große Wälder vor Räubern zu schützen. Nachdem aus telephonischem Wege in Laurahütte ungefragt worden war, wurden die Ausreißer durch zwei Beamte ihren Angehörigen wieder zurückgebracht.
— London, 22. Juni. Aus San Franzisko wird gemeldet, daß ein dort lebender Engländer namens Lobb sich in feinem Hotelzimmer verbarrikadierte und auf Fußgänger auf der Straße schoß. Der ganze Verkehr mußte unterbrochen werden, während die Polizei sich bemühte, den gefährlichen Schützen festzunehmen. Der Engländer schoß aber rücksichtslos auf die Polizisten. Nach 2stündigem Kampfe erschoß sich Lobb selbst, nachdem er eine Anzahl Personen getötet und verwundet hatte.
Letzte Nachrichten.
Sydney, 22. Juni. Laut einer Meldung des Dampfers „Sigismund" aus Friedrich > Wilhelmshafen (Bismarckarchipel) sind die Europäer jederzeit einer Erhebung der Eingeborenen gewärtig.
Petersburg, 22. Juni. Ueber die furchtbaren Zustände in Armenien veröffentlicht die Petersburger Zeitung „Nascha Shisn" folgende telegraphischen Meldungen, deren Richtigkeit hier nicht in Zweifel gezogen wird: In Nachit- schcwan dauern die Christen morde durch die Mohammedaner an, die Zahl der getöteten Christen beträgt 170, die der Verwundeten 90. Das Vieh wird geraubt, die Felder verwüstet. Achtzehn christliche Dörfer sind zerstört, elf befinden sich noch jetzt im Belagerungszustand. In allen diesen Orten wurden Kirchen geplündert, die Heiligtümer geschändet, die Heiligenbilder mit Flintenkugeln durchlöchert, die Frauen vergewaltigt. Eine größere Anzahl Christen, unter ihnen der Priester des Dorfe» Badulu, mußten den Islam annehmen, um dem Tode zu entgehen, sie wurden abrasiert und beschnitten. Bei uns herrscht der Hungertyphus, bfe persische Cholera breitet sich rapide aus. Der Schaden beträgt viele Millionen.
Schlachtbericht des städtische« Schlachthauses für den Monat Mai 1905.
Geschlachtet wurden: 43 Ochsen, 5 Bullen, 25 Kühe, 26 Rinder, 317 Schweine, 144 Kälber, 22 Hämmel, 12 Schafe, 6 Ziegen und 2 Pferde.
Tuberkulose wurde festgestellt bei: 9 Ochsen, 1 Bullen, 12 Kühen, 5 Rindern und 18 Schweinen, Finnen bei 1 Ochsen und 3 Rindern.
Wegen Tuberkulose waren:
a. untauglich: 1 Kuh,
b. minderwertig: 2 Kühe und 2 Schweine.
Hersfeld, den 20. Juni 1905.
Tierarzt Friederich, Schlachthofverwalter.
Kirchliche Nachrichten.
Sonntag den 25. Juni.
Vormittags 9 Uhr: Herr Superintendent Schafft.
Vormittags Vall Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule).
Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Biers ch enk.
Vormittags 9 Uhr; Gottesdienst in Petersberg.
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Kaffee-Essenz mit dem „Kiffeeonkel" ist u. bleibt der feinste Kaffeezusatz. Keine Nachahmung u. kein Cichorienfabrikat erreicht qualitativ jemals diese allein echte
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Hierzu eine Beilage und Nr. 26 des „Jllust- rtrten Sonntagsblattes".
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Albert Rohden, Droguen, Hersfeld.
A. & S. Katz, Schentlengsfeld.