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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Kernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 71. Dienstag, den 30. Juni 1905.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 2. Juni 1905.

Das diesjährige Ober-Ersatz Geschäft für den hiesigen

Kreis findet am

Dienstag, den 27. Juni d. Js. und

Mittwoch, den 28. Juni d. Js.

jedesmal von morgens? Uhr ab im Saale des Gastwirts Herrn B. Bolender hierselbst statt.

Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises werden hiermit angewiesen, die ihnen demnächst zugehenden Vor­ladungen den betreffenden Militärpflichtigen alsbald auszu- händigen.

Gleichzeitig erhalten Sie den Auftrag, mit den Militär­pflichtigen in den besagten Terminen pünktlich zu erscheinen und denselben zu eröffnen, daß diejenigen, welche bei Aus­rufung ihrer Namen im Musterungsraum nicht anwesend sind, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen, die im § 26 bczw. 66 der Wehrordnung bezeichneten Verlnste sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Hecrespflichtige zu gewärtigen haben.

Beim Ober-Ersatz-Geschäst werden sämtliche in Betracht kommenden Reklamationen der Ober-Ersatz-Commission zur Entscheidung vorgelegt, weshalb alle Familienglieder, auf deren Arbcits- oder Nichtarbeitsfähigkeit es bei Beurteilung der Reklamation ankommt, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamirten) im Termin mit zu er- scheiue» baben,, widrigenfalls eine Berücksichtigung der betreffen­den Reklamation nicht stattfinden kann.

Besonders wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß bei den zur Vorstellung kommenden Leuten, welche behaupten an Epilepsie zu leiden, die im § 656 der Wehrordnung vor­geschriebenen 3 Zeugen zur Stelle sein müssen, wenn der Nachweis nicht in anderer glaubwürdiger Weise geführt wer­den kann. Die von den Zeugen zu machenden Angaben müssen sich auf die in letzter Zeit vorgekommenen Anfälle beziehen und ebenso müssen auch die etwa zur Vorlage kommenden ärztlichen Atteste sich vorzugsweise über neuere Fälle aussprechen.

Außerdem sind auch bei denjenigen Reklamanten, welche sich außerhalb befinden, und welche ihre Angehörigen durch Geldsendungen unterstützt haben, die desbezüglichen Postscheiue mitzubringen, wie auch alle Krankheiten, welche sich im Termin nur mit Schwierigkeit seststellen lassen, (z. B. geistige Be­schränktheit, Bluthusten, Herzleiden usw.) durch Borlage von ärztlichen Attesten nachgewiesen werden müssen.

Die Ortsvorstände haben das Vorstehende in ihren Ge­meinden wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kennt­

Goldsucher.

Roman von Edela Rüst. (Fortsetzung.)

Nur wie sie überhaupt auf den Weg kommen sollte, das war all ihrem ernsten Grübeln noch verhüllt geblieben.

Aber es sollte auch der Tag kommen, der ihr den Weg wies.

Aline Stresin war nach Hause gekommen. In der Apo­theke stand man nicht mehr auf dem Kopf. Man hatte bald eingesehen, daß es nichts helfen würde, Aline das vorenthalten zn wollen, was sie sich zu ihrem Begriff von Glück auser­koren. Eher würde sie mit Heimat und Eltern gebrochen haben als mit ihren Anschauungen und ihren Beschlüssen. Und Vater Stresin sagte sich zuletzt auch, daß es gerade für seine Aline in den heimischen Verhältnissen fast ausgeschlossen wäre, einen Mann zn ergattern, nnd heiraten sollten seine Töchter doch nn» mal. Schon um die Sorge eines anderen zu wer­den, falls es seiner Sorge vielleicht dermaleinst nicht mehr ge- iiinge, sie über Wasser zu halten. Es gab Zeiten, wo er an große Schwankungen in seinen Finanzen glaubte es mochte al eines Tages nicht ganz so weitergehen können, wie seine Rainen es gewöhnt waren. Und Fran Stresin sah die Hei- auch mit anderen Augen an, seit sie wusste, daß der auf= "be Schwiegersohn einem reichen Bremer Kaufmanns- ic entstammen und der Vater sich entschlossen habe, dem Paare, wenn auch keine zn große, aber doch leidlich auskömmliche jährliche Rente auszusetzen.

war die Partie nicht im geringsten nach dem bct Generalstochter, die bereits einen reichen StaatS- mvalt von gutem Adel zum ersten Schwiegersohn hatte. Aber d°" sauren Apfel, zumal gerade Hildegard und ihr 2 k T /""^ beruhigende Briefe schrieben; daß sie alle doch den. W ^ "'bb^», daß Aline überhaupt solide abschloß, enn spcz,E fte in BreSlau wären bei ihr schon auf sehr " minder nnnderwertigere Dinge gefaßt gewesen.

nis der betreffenden Militärpflichtigen und deren Angehörigen bringen zu lassen, auch haben sie die Militärpflichtigen noch besonders anzuweisen, daß sie mit vollständig reinem Körper und reiner Wüsche zm erscheinen haben.

Sodann sind dieselben noch anzuweisen, die Loosungsscheine mit zur Stelle zu bringen, da andernfalls der Betrag von 50 Pfg. für Ausstellung eines Duplikatscheines gezahlt wer­den muß.

I. II. 2393. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schlei nitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 14. Juni 1905.

Unter dem Schweinebestande des Bauers Johannes Metz in Ausbach ist die Rotlaufseuche ausgebrochen.

1. 4043. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Thamer.

Schußprämie. Der Verband deutscher Brieftauben- Liebhaber-Vereine hat für da« Abschießen und Fangen von Wanderfalken,HühnerhabichtenundSper- ber Weibchen pro 1905 eine Prämie von 3000 Mark ausgesetzt, welche durch gütige Unterstützung des Königlichen Kriegsministeriums um 500 Mk. erhöht wird, so daß eine Gesamlprämie von 3500 Mk. verteilt werden kann.

Diese 3500 Mk. gelangen Anfang Dezember 1905 zur Verteilung, und zwar 2900 Mk. nach dem Verhältnis der eingelieferten Fänge, während die weiteren 600 Mk. als Sonderprämien an die höchstbeteiligten S 4 ü tz e ii verteilt werde».

FürjedesPaarWandersalkenfSngewird eine Zusatzprämie von 1 Mk. vorabgezahlt.

Zur Erhebung eines Anspruches an diese Piämien müssen diebeiden Fänge" eines Raubvogels, nicht der ganze Raubvogel, bis spätestens Ende November 1905 dem Verbands-Geschästssührer W. Dördelmann zu Hannover-Linden franko eingesandt werden.

Die Läufe sind bis kurz über dem ersten Gelenk abzu- schneiden, so daß ein kleiner Federkranz stehen bleibt.

Es wird gebeten, die Fänge zu sammeln und der Porto» Ersparnis halber zusammen einzusenden ; bei kleineren Posten empfiehlt sich Briefsendung oder Muster ohne Wert. Vor der Absendung wolle man die Fänge gut dörren.

Sendungen, die irgend welche Spur von Verwesung verraten, müssen ohne weiteres dem Feuer überwiesen werden und kommen deshalb nicht in Anrechnung.

Nur die Fänge obengenannter Raubvögel können Be­rücksichtigung finden.

Im vorigen Jahre wurden für 3074 Paar eingegangene prämiierungsfähige Fänge (128 Paar von Wanderfalken, 1101 Paar von Hühnerhabichten und 1845 Paar von

Also erhielt Aline den Konsens, und Frau Stresin fuhr nach Berlin hinüber, um die Wohnungs- und Möbelsrage zu erledigen. Die Wohnung war von dem Brautpaar bereits gemietet worden, es blieb ihr also nur noch das Geld für die auch zum Teil bereits bestellten und bestimmten Möbel herausznrücken und die Einrichtung mit Hilfe des Dekorateurs und des Herrn Bräutigams unter Oberleitung ihrer Tochter Aline zn besorgen.

Der Schwiegersohn und Künstler Artur Sollmann mißfiel ihr höchlichst. Sie hatte ihn möglichst übersehen wollen, nnd nun erlebte sie, daß er sie in einer Weise übersah, die an Jni- pertinenz grenzte, und deren Höhepunkt in dem arkastischen Lächeln gipfelte, mit dem er bei all ihren Einwendungen sein: Tjah, liebe Mama. Sie müssen hier mit anderen Verhältnissen rechnen wir sind Künstler!" begleitete. Ein­mal war ihr dabei aber doch die Galle übergelaufen, und sie hatte ihm mit unbeschreiblicher Verachtung geantwortet:Da seid ihr schon was Rechtes! Sie erlassen mir wohl, mich näher darüber anszusprechen?"

Ja, liebe Mama, das erlasse ich Ihnen !" hatte Kollmann gesagt und sich sein Glas in das linke Auge gedrückt, um seine Frau Schwiegermama mit diesem unterstrichenen Blick zu töten.

Seit dem Tage waren sie Todfeinde, und Fran Stresin dankte ihrem Gott, daß sie von diesem Sohne durch eine Tage­reise getrennt leben würde. Sie beeilte sich, mit Aline nach Hause zn kommen, um die Hochzeitsvorbereitungen in Angriff zu nehmen. Zwei Toiletten nnd etwas Staatswäsche hatte Aline sich in Berlin nnschaffcn dürfen, aber das übrige wurde nach guter alter Sitte in Lettau mit Hilfe der Fran Dewert und zweier Wächscheuäherinneii hergestellt.

Außer bei den Coßmtz und der alten Frau Kauffmann war Aline zu keinem Besuch zu bewege». Sie wolle all die Spießer nicht sehen, und sie brauchten beileibe nicht auf ihre Hochzeit zu kommen, erklärte sie.

Aber Frau Stresin wäre eher gestorben, als eine stille, prunklose Hochzeit zuzulassen. Sie fuhr desto eifriger herum und entschuldigte ihre Tochter aus tausend Gründen, und so kamen denn viele, die sich bereits fest vorgenommen hatten, der Einladung nicht zu folgen.

Sperbern) pro Paar 90 Pfg. Prämie gezahlt, für Aander« falkenfänge 1,90 Mk. Den Schützen, die 25 und mehr Paar Fänge einlieferten, wurde außerdem eine Sonderprämie von mindestens 15 URL bewilligt, die sich je nach der Höhe der Anzahl Fänge auf 20, 25, 30 und 35 Mk. steigerte.

Eine möglichst weiteVerbreitungdiefer Bekanntmachung ist dringend erwünscht.

Der Präsident: Der Geschäftsführer:

Gras v. Alten - Linsingen. W. Dördelmann.

Die vorstehende Bekanntmachung wird veröffentlicht mit dem Ersuchen an alle Beteiligten, sich das Abschießen und Fangen von Wanderfalken, Hühnerhabichten und Sperber« Weibchen im Interesse des Brieftaubenschutzes besonders an« gelegen sein zu lassen. (A. II. 5014.)

Cassel am 25. Mai 1905.

Der Regierungspräsident. J. V.: v. Kamele.

* * *

Hersfeld, den 9. Juni 1905.

Wird veröffentlicht.

I. 3996. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 16. Juni 1905.

Mit Einzahlung der 1. Rate der für da» laufende Rechnungsjahr zu entrichtenden K r e i s st e u e r sind noch mehrere Gemeinden und Gutsbezirke im Rückstände; des­gleichen auch mit der Betriebssteuer für das Jahr 1/4. 1905/6.

Die Herren Bürgermeister werden deshalb hierdurch veran­laßt, für umgehende Einzahlung dieser Rückstände, soweit solches nicht geschehen ist, Sorge zu tragen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Aonigliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr

an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

Die Marokkokonferenz.

Der französische Ministerpräsident Rouvier halte nach dem Sturze des Ministers des Auswärtigen Delcasss dessen Amt provisorisch übernommen. Ob er es definitiv behält, wird davon abhängen, welches Ergebnis seine Besprechungen

Mit Eva war Aline sehr viel zusammen. Sie gingen auf den Kirchhof und sprachen von LuiSchen und ihrem Hinsterben, und Eva suchte ihr zu erklären, wie dieser ganze Fall, der Tod und die Begegnung mit dem neuverlobten Martin bei dem Begräbnis, sie wie mit einem Schlage so ganz gewandelt habe. Auch davon, daß Konrad Kauffmann um sie freite, sprach sie, und wie es ihr doch eigentlich schwer falle, ihm all seine Hoffnung zu nehmen. Von dem Kusse sagte sie nichts.

Ach", meinte Aline,er wird nicht dran sterben! Er wird dann eben Superinteiidciits Liese oder Blücherhilde Klci- strine Jorkelinde von Jtzenan heiraten oder sonst eine Pnte, gerade wie der gute Martin!

Die Männer! Na, die sollste erst kennen lernen!" blähte sie sich.

Eva nickte verständnisinnig dazu und erlaubte sich darnach zum erstenmal direkt nach Artur Kollmann zn fragen. Ob er denn solch ein Phönix unter den Männern sei? Und ob sie denn nun auch wirklich genau wisse, warum sie diesen unter so vielen anderen erwählt? Aline blieb ein Weilchen die Ant­wort schuldig, dann, als Eva ihr forschend ins Gesicht sah, sagte sie etwas amüsiert über deren feierliche Art:Ich habe dir doch darüber so viel geschrieben, daß dn orientiert sein solltest. Du mußt dir das nicht so denken, als ob immer mehrere Dutzend Heiratskandidaten zugleich nebeneinander her- gingen! Artur bewarb sich ernstlich um mich, und wir ver­standen uns als Künstler absolut--absolut! Und da er zudem wenigstens einen reichen Vater hat, wenn er auch selbst noch nicht viel verdient--sieh mal, dazu muß einen erst die Presse hochheben, einer mindestens, dann gibt's klingende Resultate, baun kann man lachhafte Preise nehmen--- wird alles kommen Sieh mal, darum habe ich ihn denn erwählt, d. h. ich habe ihn mir zunächst näher treten lassen und ihn geprüft."

Und du liebst ihn leidenschaftlich?"

WaS du für große Worte an dir hast, Nucke daS ist so ein Ueberbleibsel von der Luise. Das mußt du dir ab« gewöhnen, eS schmeckt zu sehr nach Halbbildung, nach Pro­vinz. Leidenschaft ist unter denkenden Menschen, die einem ehrgeizige» Ziel znstrebe», ziemlich überflüssig. Sich verstehen