Einzelbild herunterladen
 

bem russisch-japanischen Kriege teilnahm, sich jetzt jedoch schon auf der Rückreise nach Deutschland befindet.

Die SicherheitSzustände in Marokko lassen fortgesetzt sehr zu wünschen übrig. So ist in der westmarokkanischen Hafenstadt Mazagan der österreichisch-ungarische Vicekonsul Madden, ein Engländer, ermordet worden. Ueber das Verbrechen berichten briefliche Meldungen aus Mazagan folgendes: Die Mörder drangen, vier an Zahl, in das Schlafzimmer Maddens, brachten ihm zahlreiche Dolchstiche bei und töteten ihn dann durch einen Schuß in die Schläfe. Sie schössen auch auf seine Frau, die aus einem anderen Zimmer herbeieilte, trafen ste aber nicht. Frau Madden flüchtete sich dann nach einem anderen Zimmer, wo sie am nächsten Tage bewußtlos aufgefunden wurde. Die Mörder entkamen unter Mitnahme von Wertgegenständen. Die Entrüstung über die Freveltat ist bei den Mohamedanern wie Fremden allgemein. Gleichzeitig ist in Tanger der Vertreter Raifulis erschoflen worden; Ratfuli wird nun­mehr einen anderen Vertreter nach Mazagan schicken, um die Mörder des österreichisch-ungarischen Vicekonsul« fest­zunehmen. Die inneren Wirren in Marokko dauern eben' falls fort. 500 Soldaten sind von Fez nach Tanger ab- gegangen; sie sollen dort denjenigen Teil der Garnison ersetzen, welcher nach Udjah abgeschickt worden ist, um die Sultanstruppen im Kampfe gegen den Prätendenten zu unterstützen.

Kaiser Wilhelm hat für einen Erweiterungsbau der deutschen Heilstätte Davos mit dem Ausdruck seiner regen Teilnahme an den Bestrebungen der Heilstätte 30 000 Mk. gespendet.

Aus Budapest, 13. Juni, wird gemeldet: Heute früh 6 Uhr 25 Minuten ist Erzherzog Joseph von Oester­reich in seiner Villa in Fiume gestorben. Der Erzherzog war schon seit längerer Zeit unrettbar krank, doch wurde mit Rücksicht darauf, daß der Erzherzog die Zeitungen laS, in den Blättern nichts davon erwähnt.

Aus Provinz u. Nachbargebiet.

* Die Besitzer Preußischer Staats - Anleihen haben bekanntlich da« Recht, ihre Forderungen in das Staatsschuld buch gegen Einreichung der Wertpapiere eintragen zu lassen. Eine solche Eintragung gewährt mannigfache Vorteile. Sie sichert unbedingt gegen den Schaden, der durch Diebstahl, Verbrennen oder sonstiges Abhandenkommen oder durch Be- schädigung der Effekten entstehen kann, sie erspart das Ab­schneiden der Zinsscheine und das Erneuern der Zinsschein­bogen. Die Zinsen werden den Inhabern eines Kontos im Staatsschuldbuch durch die Post unmittelbar zugesandt oder auf Reichsbank-Girokonto überwiesen; sie können auch bei den Regierungshauplkassen, den Kreiskassen und den ReichS- bankftellen, sowie bei einzelnen Steuerämtern abgehoben werden. Dabei werden laufende VerwaltungSkosten nicht berechnet, und neuerdings sind durch das Gesetz vom 24.

Juli 1904 auch die Gebühren für die Umwandlung von Kontos in Buch forderungen aufgehoben worden. Um die Vorteile dieser Kopitalsanlage weitesten Kreisen auf die einfachste und billigste Weise zugänglich zu machen, hat der Herr Finanzminister sämtliche Regierungshauplkassen und sämtliche Kreiskassen außerhalb Berlins angewiesen, vom Publikum StaatS-Schuldverschreibungen anzunehmen, die erforderlichen Antragsformulare ihrerseits nach den Er­klärungen der Antragsteller am Schalter auszufüllen und an das Staatsschuldbuch-Bureau zu über Mitteln. Darüber hinaus sollen aber die erwähnten Kassen von Jedermann auch bares Geld zum Ankauf Preußischer Staatsanleihen und deren sofortiger Eintragung in das Staatsschuldbuch annehmen. Die beteiligten Beamten haben über die bei dieser Gelegenheit zu ihrer Kenntnis kommenden Ver- mögensangelegenheiten gegen Jedermann, insbesondere auch gegenüber den Steuerbehörden, das unverbrüchlichste Stillschweigen zu beachten. Außer den geringfügigen Spesen an Kurtage und Stempel bei dem Ankauf der Konfols werden für die Vermittlung der Eintragung Gebühren nicht erhoben. Hierdurch ist jedem, der einen kleineren oder größeren Kapitalbetrag zinsbar anzulegen hat, die Möglich­keit gegeben, durch Einzahlung bei der ihm nächst gelegenen Königlichen Kasse ein Konto im StaalSschuldbuch ohne jede Schreiberei und Umständlichkeit und möglichst billig zu er­werben. Dieselben Geschäfte wie die Königlichen Kassen über­nehmen auch die mit Kasseneinrichtung versehenen Reichs bankstellen, jedoch gegen Erhebung einer geringen Provision. Die Billigkeit und Einfachheit dieser Kapital-anlage in Verbindung mit ihrer Sicherheit und der Kostenlosigkeit der laufenden Verwaltung erscheint geeignet, die Eintragung von Kapitalien in da« Staatsschuldbuch, und zwar beson­ders auch in den Kreisen kleinerer Kapitalisten, noch be­liebter zu machen, als sie es schon jetzt ist. Wie vielfach schon jetzt von den Vorteilen des Staatsschuldbuchs Gebrauch gemacht wird, zeigt der Umstand, daß bereits mehr als 1700 Millionen Mark dort eingetragen sind, wobei noch bemerkt fein mag, daß über 36 Prozent der Konten auf Posten bis zu 4000 Mark einschließlich lauten. Dieselben Einrichtungen wie für die Preußischen Staatsanleihen und das StaalSschuldbuch sind auch für die Reichsanleihen und da» Reichsschuldbuch getroffen.

* Aus Grund der Gewerbeordnung können die unteren Verwaltungsbehörden dagegen einschreiten, daß die Zahl der Lehrlinge im Mißverhältnisse zu dem Umfang oder zu der Art des Gewerbebetriebes des Lehrherrn steht. Dabei kann die Entlassung eines entsprechenden Teils der Lehrlinge auserlegt und die Annahme von Lehrlingen über eine bestimmte Zahl hinaus untersagt werden. Um einen Ueberblick darüber zu gewinnen, in welchem Umfange die unteren Verwaltungsbehörden mit Hülfe dieser Vorschriften bereit« mit Erfolg eingeschritten sind, hat der Minister für Handel und Gewerbe angeordnet, festzustellen, in wieviel Fällen und für welche Act von Betrieben die Herabminderung einer übermäßigen Zahl von Lehrlingen auf Grund der Gewerbeordnung herbeigeführt worden ist.

* Wie die Köln. Ztg. erfährt, ist kürzlich zwischen Preußen und Reuß jüngere Linie ein Lotterievertrag abgeschlossen wor-

Reuß jüngere Linie war bisher an der Staatslotterie "^ Königreichs Sachsen durch Vertrag beteiligt, bat aber >esen Vertrag zum Ablauf des Jahres 1906 gekündigt. Es

i von 1907 ab unter ähnlichen Bedingungen wie Meck "nburg-Etrelitz ander preußischen Staalslotterie teilnehmen. -«uch b(e Verhandlungen zur Herbeiführung der Lolterie- stemeinschast zwischen Preußen und Hessen-Thüringen sind nun soweit gefördert, daß für die nächste Zeit ihr Abschluß erwartet wird.

*Der LandeSausschuß tritt am Montag den d- M., vormittags 10 Uhr, im Ständehaus zu Cassel ru einer mehrtägigen Sitzung zusammen.

Nach der in der Statist. Korr. veröffentlichten Zu­

sammenstellung der Durchschnittspreise der wichtigsten Lebensmittel im Mai b. J. sind die Getreidepreise fast durchweg gestiegen, am meisten der bei Roggens, während der Durchschnittspreis der Gerste einen Rückgang zeigte. Eßkartoffeln sind ein wenig billiger ge. worden, im Vergleich zum Mai des vorigen Jahres aber immer noch bedeutend teurer. Die Preise der verschiedenen Fleischsorten, ebenso die für Speck und Schweineschmalz, verblieben in der AuswärtSbewegung, wobei Schweinefleisch und Speck die größten Preiserhöhungen zeigen.

):( Hersfelv, 14. Juni. Der hiesigen Polizei gelang es, zwei geriebene Schwindler unschädlich zu machen. Die beiden Gauner sammelten auf Grund eine» gefälschten Buche« Beträge für ein zu errichtende« Waisen­haus. Zwei hiesigen Schutzleuten waren die Männer ver­dächtig vorgekommen und wurden deshalb von diesen be­obachtet. Kurz vor ihrer Abreise stellten die Beamten die beiden Schwindler in der Nähe des Bahnhofs zur Rede, worauf einer derselben sein Heil in der Flucht suchte, jedoch sofort ergriffen wurde, während der andere dem Beamten tätlichen Widerstand leistete. Die beiden Gauner hatten auch hier einen ziemlichen Geldbetrag erschwindelt. Seit Januar hatten die beiden bereits 14001500 Mark ge­sammelt. Besonders reiche Ernte hatten sie in Cassel ge- halten, ohne daß man hier ihrem schwindelhaften Gebühren auf die Spur gekommen war.

);( Hersfeld, 14. Juni. Beim Holzsahren ver­unglückte gestern ein Knecht von hier. Derselbe kam im Walde so unglücklich zu Fall, daß ihm der Wagen über ein Bein ging und dasselbe schwer verletzte. Der Ver­unglückte wurde in das hiesige LandkrankenhauS gebracht.

):( Hersfeld, 14. Juni. Am 2. Pfingstfeiertage ent­stand vormittags gegen 11 Uhr in einem hiesigen Manu- faklurwarenladen ein Brand, während der Abwesenheit des Inhabers. Glücklicherweise wurde durch die starke Rauchentwicklung das Feuer rechtzeitig bemerkt und von Leuten der Nachbarschaft schnell erstickt. Mehrere Stücke Kleiderstoffe sind verbrannt bezw. beschädigt. Der Schaden, der durch Versicherung gedeckt ist, beträgt ungefähr 2000 Mark.

):( Hersfeld, 14. Juni. Das neugebaute Restaurant »Zum Zollhaus," in der Nähe des Bahnhofes Philippsthal gelegen, ging durch Kauf in den Besitz der Brauerei F. L. S t e t n w e g dahier über.

):( Hersfeld, 14. Juni. Ein Stubenbrand ent. stand in einer Wohnung in der Kaiserstraße. Jedoch ge­lang es den Hausbewohnern, das Feuer zu löschen. Der Schaden beträgt zirka 400 Mark.

):( Hersfeld, 14. Juni. In einer Wirtschaft geriet gestern abend ein junger Bursche mit einem Gast in Streitigkeiten. Als ihm der Wirt deshalb kein Bier mehr verabreichen wollte, drang er auf denselben ein und schlug ihn mit einer Literflasche über den Kopf, so daß die Flasche zersprang. Mit dem abgebrochenen Flaschen­hals« hieb er alsdann noch mehrmals aus den Kopf des Wirtes ein, so daß derselbe schwere Verletzungen erlitt. Ein Arzt mußte die Glassplitter aus dem Kops entfernen.

Cassel, 14. Juni. Gestern Vormittag wurden die hier in Garnison stehenden beiden fahrenden Abteilungen des Kurhessischen Feldartillerieregtment« Nr. 11. vom Ober­stadtbahnhose aus in 3 Sonderzügen nach Altengrabow bei Magdeburg beförbert, wo das Regiment auf dem großen Uebungsplatz feine diesjährige Schießübung abhält. Die in Fritzlar stehende reitende Abteilung des Regiment« ging in einem weiteren Sonderzuge ebendahin ab. Die Rück­kehr des Regiments soll am 18. Juli erfolgen.

Marburg, 13. Juni. Wie aus Mainz berichtet wird, hat sich dort der Techniker Richard Meyer, der hier in Stellung war, aus seiner Pfingstreise erschossen. Ueber« fahren und sofort getötet wurde gestern, wie Passagiere erzählen, auf dem Bahnhof in Gießen ein unbekannter Mann.

Efchwege, 13. Juni. In dem etwa zwanzig Minuten von hier entfernten Grebendorf brach heute Nachmittag gegen 3A 3 Uhr Großfeuer aus. E« entstand in den Hinterge­bäuden des Kaufmanns Bold und verbreitete sich infolge des anfänglichen Fehlens von tatkräftiger Hilfe in Verbin­dung mit recht fühlbarem Wassermangel bald auf die Nach­bargrundstücke und so sind denn 8 Scheunen, die dazu gehörigen Stallgebäude und da« Wohnhaus beS Landwirts Thiel ein Raub der Flammen geworden.

Bohwittkel, 13 Juni. Bei einer Automobilfahrt, die Baron von Leyen-Düsseldorf heute in Begleitung des Ehe­paares Engels und des Studenten Walter Engels Barmen unternahm, wurden die Insassen des Gefährts infolge eines Reifendefektes herausgeschleudert. Der Student Engels wurde getötet, die übrigen Personen wurden unerheblich verletzt.

Frankfurt a. M., 13. Juni. Eine Gewehrkugel im Halse hat ein Landwirt au» Buttelstädt 35 Jahre lang mit sich herumgetragen, ohne Beschwerden zu haben. Der Mann Halle den Feldzug 1870 mitgemacht und spürte vor kurzem Schmerzen im Halse. Es wurde mittelst Röntgen- strahlen ein Fremdkörper im Halse festgestellt, der sich als eine dreitgedrückte Gewehrkugel erwies. Durch eine Operation wurde die Kugel entfernt.

Frankfurt a. M., 14, Juni. Im Hause Rhönstraße 95 gab es am Samstag nachmittag große Aufregung. Daselbst wohnt die Familie Reiner; die Frau lebt seit einiger Zeit in geistiger Umnachtung und war schon wieder­holt in einer Anstalt. Der Mann beaufsichtigte feine Frau fortwährend, weil er Verdacht hatte, sie würde sich ein Leid antun; am SamStag hielt der Mann ein Mittagsschläfchen und diesen Augenblick benutzte die Unglückliche zu einem entsetzlichen Selbstmord. Sie begab sich in den Keller, über« goß ihre Kleider mit Petroleum und steckte sie in Brand. Kein Mensch bemerkte den Vorgang, bis man Rauch aus den Kellerfenstern dringen sah. Leider war Hilfe nicht mehr möglich, denn man fand nur noch einen vollständig verkohlten Leichnam.

Vom Cichsfelve, 11. Juni. Ein schrecklicher Un- glücksfall ereignete sich gestern nachmittag beim Neubau eines Hauses in Heerode. Beim Abladen von Bauholz fielen zwei schwere Balken vom Wagen herab und begruben ein gerade vorübergehende« neunjährige« Mädchen unter sich. Man zog da« bedauernswerte Geschöpf hervor und trug es tot in die Arme der entjetzten Eltern.

Arolsen, 12. Juni. In dem nahen Dorfe Mühl- Hausen wurden gestern 8 Personen und 5 Hunde von einem tollen Hunde gebissen, ehe es gelang, das Tier zu töten. Die verwundeten Menschen wurden mit dem nächsten Bahn- zuge nach Berlin gebracht, die Tiere sofort getötet.

Koblenz, 13. Juni. Ein furchtbares Gewitter hat vorgestern die Eifelgegend heimgesucht. Im Bezirk Stadt- !yU stürzte eine Brücke ein, wobei zwei Kinder ertranken. Auch in der Moselgegend, besonder« im Trierer und

Bernkasteler Gebiet richtete da» Unwetter Verwüstun­gen an.

vermischtes.

(E i narmer" Reisender.) Vor einigen Tagen hatte sich gegen Abend in ein Haus in der Post- straße zu Gnesen ein Mann auf den Boden geschlichen, um dort zu übernachten. Er wurde von dem Dienstmädchen gesehen. Als man den Fremden festnahm, erklärte er, man möge ihm doch ein Unterkommen verschaffen; schließlich brächte man ihn auf die Polizei. Dort wurde der Fremde untersucht. Bei ihm fand man ein Sparkassenbuch von 35,000 Mark und 900 Mark barer Geld vor. Nach den angestellten Recherchen ergab es sich, daß er ein in den Ruhestand getretener Gerichtssekretär war. Durch die krankhafte Sparsamkeit ist der Mann auf die einfältige Lebensweise gekommen.

Einen drolligen Alibibeweis konnte ein Bochumer Bäckergeselle vorbringen. Vor einiger Zeit wurde bei Winz aus der Ruhr die Leiche des Fuhrknechts Schulte aus Bochum gefischt. Der Leichenbefund ließ auf Raub­mord schließen. Der Verdacht der Täterschaft lenkte sich auf den Bäckergesellen Anton Müller. Dieser wurde ver­haftet. Müller konnte nun glaubhaft nachweisen, daß er zu der Zeit, in welcher der Mord mutmaßlich passiert sein sollte, im nördlichen Stadtteil von Bochum einen größeren Gelddiebstahl ausgesührt hat. Gegen Müller hat daher die StaatSanwaltschast nunmehr das Verfahren wegen Raubmordes eingestellt.

(B a k t e r i e n a u f d e m P a p i e r g e l d.) Neuer­dings ist, wie die Welt der Technik schreibt, da» freie Amerika durch einen Bericht in Angst und Schrecken versetzt worden, den der Direktor des Forfchungslaboratorium» des Willard-Parker-Hospitals auf Veranlassung eines hygienischen Kongresses über den Einfluß von Metall- und Papiergeld auf das Leben von Bakterien veröffentlicht. Er infizierte befeuchtetes Kupfer-, Silber-, Nickel- und Papiergeld mit gewöhnlichen Kolonbazillen, trocknete es dann bei Zimmer­temperatur und fand folgendes Resultat. Auf jedes Prü- fungsobjekt waren etwa 1.500,000 Baterien gekommen, und davon waren noch lebend nach drei Stunden auf Kupfer keine, auf Nickel 40,000 und auf Papiergeld 170,000. Darauf entnahm er einem Laden aufs Geratewohl eine An­zahl von Münzen und Geldscheinen und fand auf Kupfer durchschnittlich je 26 lebende Bakterien, auf Nickel je 40, auf reinen Geldscheinen 1250 und aus schmutzigen 73 000. Es steht also außer Frage, daß dem Papiergeld eine gewisse Gefahr für seinen Benutzer innewohnt, besonders wenn er gewohnt ist, seine Pfundnoten mit den Fingern zu zer­knittern und in die Beinkleid- ober Westentasche zu stecken. Er müßte ein fast immerwährender Umtausch bes Papier­geldes stattfinden, wogegen sich die Nationalbanken wegen der damit verbundenen Last und Mühe und Geld kräftig genug wehren würden. UebrigenS dürfte der Schrecken nicht allzulange dauern, denn das wäre kein richtiger Ameri­kaner, der stch durch die Bakterienfurcht abhalten ließe, eine abgegriffene Pfundnote einzustecken.

Ueber d i e S e l b st m ö r d e r hat der englische Arzt Dr. Westcott, der seit langer Zeit in einem Londoner Bezirk die Leichenschau ausübt, auf Grund zwanzigjähriger Erfahrungen interessante Statistiken angestellt. Auch er bezeichnet als die gewöhnlichsten Veranlassungen zum Selbst- mord chronische Krankheiten, Armut, Alkoholismus, un- glückliche Liebs u. dgl., glaubt aber feststellen zu können daß die Neigung jum Selbstmord mit dem Bildungsniveau der Menschen zunehme; im besonderen findet er in Ländern mit weit verbreiteter Tagespresse, die eine ständige Selbst- mordchronik führt, die Zahl der Lebensmüden höher als anderswo. Die Protestanten fcheinen ihm leichter zur Be- gehung des Selbstmordes bereit zu fein als die Katholiken, und die griechisch-katholischen wiederum mehr als die römisch- katholischen. Am seltensten kommt dagegen der freiwillige Tod unter den Juden vor. Unter den Weltstädten steht Paris an Zahl der Selbstmörder obenan; es kommen ihrer dort jährlich auf jede Million Einwohner an 400, in London dagegen nur 90. Unter Soldaten und Seeleuten ist Selbst­mord häufiger als unter Privatpersonen, unter Männern dreimal so häufig als unter Frauen. Der höchste Prozent­satz fällt auf das Lebensalter von 40 bis 50 ; nach dem 55. Jahre nehmen die Fälle sehr rasch ab. Unter dem Alter von 20 Jahren jedoch kommt der Selbstmord beim weiblichen Geschlecht öfter vor als beim männlichen. Die Kinderselbstmorde befinden sich zurzeit im Zunehmen. Unter den Männern findet man mehr Selbstmorde bei den un­verheirateten als bei den verheirateten, bei den Frauen ist dieses Verhältnis umgekehrt. Ebenso legen Witwen öfter Hand an sich als Witwer, dagegen geschiedene Männer öfter als geschiedene Frauen. Einen merkwürdigen Fall erzählt Dr. Westcolt aus feiner Praxis: Er übersandte bas Rasiermesser, mit dem sich ein junger Mann getötet hatte, an dessen Vater; zwei Monate später benutzte dieser es zu gleichem Zwecke.

Letzte Nachrichten.

König Oskar von Schweden erklärt in einem Schreiben an den Präsidenten des Storthing, daß Schweden und sein König sich die Entscheidung, ob die Union aufgehoben werden solle, vorbehalten.

Der frühere griechische Ministerpräsident D e l y a n n i s wurde vor der Kammer in Athen Überfällen und durch einen Messerstich tödlich verwundet, woran er abends verstarb.

In dem letzten Kriegsrat zu ZarskozeSselo, der unter Vorsitz deS Zaren zusammentrat, sprach sich die Mehrzahl der Großfürsten für Eintritt in Friedensverhand- lungeu ans.

In Washington ist die A n t w o r t R u ß l a n d s aus die Friedensnote Roosevelts eingetroffen; auf Wunsch Ruß­lands und Japans wird der Inhalt der Antwortnoten ge­heim gehalten.

Cassel, 10. Juli. Weizen' 17 Mk. 30 Pfg. bis 17 Mk. 80 Pfg. (Durchschnittspreis 17 Mk. 65 Pfg.) Roggen 14 Mk. 20 Pfg. bis 15 Mk. Pfg. (Durchschnitts­preis 15 Mk. 40 Pfg.) Gerste 15 Mk. Pfg. bis 16 Mk. Pfg. (Durchschnittspreis 15 Mk. 50 Pfg.) Hafer 15 Mk. 25 Pfg. bis 16 Mk. Pfg. (Durchschnittspreis 15 Mk. 63 Pfg. Alles per 100 Kilogramm.)