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Herzselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 67.
Donnerstag, den 8. Juni
1905.
Amtlicher Ceil.
Hertzfeld, den 5. Juni 1905.
Die Räude unter den Schafen des Schäfers Creß zu Hersfeld ist erloschen. Die Schafe des Schäfers Ortwein daselbst sind ebenfalls als räudefrei zu betrachten. I. 3805. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Hersfeld, den 30. Mai 1905.
Unter dem Schweinebestande des Landwirts Reinhardt Wiegand zu Röhrigshöfe ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 3735. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Hersfeld, den 5. Juni 1905.
Die unter dem Schweinebestande des Johannes Pletsch zu Mengshausen auSgebrochene Schweineseuche ist erloschen. L 3803. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
nichtamtlicher Ceil.
Eine starke Flotte
zu schaffen, ist jetzt die wichtigste Aufgabe des Deutschen Reiches. Diese Ueberzeugung bricht sich immer mehr Bahn. Deutschland hat längst die Grenzen des festländischen Staates überschritten, und die See, dieses srnchtbare Feld der Nationen, ist unserm Volke heimisch und vertraut. Deutsche Schiffe sind es, welche die Erzeugnisse unseres Landes nach auswärts führen, um deutsche Bodenarbeit so gut wie deutschen Gewerbe- fleiß, deutsche Kunst fruchtbar für uns und andere in der Welt zu machen. Deutsche Schiffe sind es auch, welche die Arbeit eines reicheren Bodens in jungfräulichen Gebieten des Erdballs uns zuleiten, unseren Wohlstand, unsere Lebenshaltung mehren.
So ist unser ganzes Erwerbsleben taufenbfä'tig in die Weltwirtschaft verschlungen. Sachgüter im Werte von mehr als 6000 Millionen werden jährlich unter deutscher Flagge
Goldsucher.
Roman von Edela Rüst.
(Fortsetzung.)
Alle waren sehr ernst geworden, einige hatten sogar Tränen aus den Augen gewischt, sogar Tante Alexandra, obwohl sie es durchaus für Eva für unpassend hielt, so 311 fingen, als verstände sie, was sie fingt. Durch und durch unpassend ! Sie wollte aus ihrer nächsten Eiukansstonr in der alten Residenz doch mal bei der Dühring vorsprechen, um ihr da Vorstel- lungen zu machen. — Sie sollte es den jungen Mädchen nicht alles so ganz plausibel machen und ihnen Leiden- schasten aufoktroiercn, von denen sie nichts wissen konnten und durften.
Wenn eine Jugend aus gutem Hause wie Eva singt: Ich liebe dich! so muh das so klingen als ob sie säuge: Sieh, wie es regnet, schneit oder friert!
Unb so hatte Eva bisher auch bei Fräulein Plantikow gesungen, das war ganz eonimo il laut! Der Dühring'sche Unterricht mußte aushöreu, wenn das so weiter ginge! Tante Alexandra war überhaupt letzthin aus den Sorgen um Eva und all ihre Verborgenheiten nicht herauskommen. Konrad Kauffmann kam ihr auch so besonders vor. Er hatte so nu- vernrerkt andere Allüren angenommen. Er sprach so viel freier dem Hauptmann, der ihn förmlich ermunterte. Aber zu- wal mit Eva stand er ans einem sicheren Fuß, unb behielt feilen eine ihrer Hände' ganz unschicklich lange in den
^nud also alles aus dem Spiel — Die letzte Coßnitz ujile gerettet werden ! Sei es mit List, sei es mit Gewalt — H mufite höheren Zwecken gerettet werden, sie durfte nicht ver-
Am Abend sollte man noch ein Trio zu hören bekommen. $ ^ Gutsbesitzer hatten Geige und Eello mitgcschlcppt. Sie waren als schlimme Krätzer bekannt und gefürchtet, und die gmizc Gesellschaft wollte nicht ins HauS zurück, aus Entsetzen über Diesen bevorstehenden Genuß. Aber der Hauptmann bc Kiiji Eva endlich, die Ausreißer hiueiuzukomplimcnticrcu. Zu
auf bem Ozean bewegt. Fleiß, Ausdauer und Betriebsamkeit unserer Landsleute haben Siedelungen über den ganzen bewohnten Erdball gegründet. An 25 Milliarden deutscher Werte arbeiten fruchtbringend in fremden Staaten. Unsere Schutzgebiete und Kolonien sind Stützpnnkte der Reichsgewalt und des deutschen Handels in fernen Zonen. Dies alles zu schützen und zu mehren, bedarf es der Seegewalt, und diese gewährt allein eine starke Kriegsflotte.
Höher noch aber steht uns die Erfüllung einer idealen Ausgabe. Millionen sprechen unsere Sprache auch jenseits der Meere, Millionen wünschen dort, den Zusammenhalt mit deutschem Wesen, deutscher Sitte und Art zu bewahren. Schiffe vor allem aber tragen die Laute unserer Sprache in die fernen Erdteile und mit ihnen den in Jahrhunderten aufgespeicherten Schatz unserer Wissenschaft, unserer Dichtung und Knust. Noch hat deutscher Geist sein letztes Wort nicht gesprochen, noch hat der Deutsche ein großes Kulturwerk aus der allen arbeitenden Völkern offenen Erde zu erfüllen. Noch wünschen die Besten unseres Volkes, wie wir vor 1870 ein hehres gemeinsames Ziel hatten, welches alle unsere Kräfte au- spannte, daß auch fernerhin der Nation große, einigende Lebens- aufgaben erwachsen, in denen die natürliche Begeisterung, weite Gesichtspunkte, sittliche Anstrengung der Kräfte unser Volk stark und frisch erhalten.
Wehrhastigkeit zur See ist heutzutage eine Lebensbedingnng für den Staat, der gedeihen und nicht bloß ein geduldetes Dasein fristen will, unb ohne Seegewalt ist ein wahrer Groß- staat nicht mehr denkbar. Mit Blitzesschnelle vollziehen sich schicksalsschwere Entscheidungen in der Geschichte. Voll Ueber- raschung und Bangen hat die Welt am Ende des vorigen Jahrhunderts gesehen, wie rasch das einst stolzeste Volk der Erde ansgestrichen warb aus dem Wettbewerb der schaffenden Völker, weil es sich im Seekriege untüchtig erwies. Was Mangel an Bereitschaft zur See bedeutet, das hat Rußland jetzt in Ostasien erfahren.
Ein Seekrieg Deutschlands, mit einer unzulänglichen Flotte geführt, bedeutet ein Stocken unseres von jeder überseeischen Zufuhr abgeschnittenen Erwerbslebens, bedroht unsere Küsten, Häfen, Seestädte mit Raub unb Braud, kann das Deutsche Reich mit einem Schlage aus der Reihe gebietender und reicher Weltmächte drängen. Eine starke Flotte >vird für Deutschland ebenso das Werkzeug des Weltfriedens werden wie sein starkes Landheer jetzt seit mehr denn einem Menschenalter den Frieden Europas geschützt hat.. Begehrt als Freund, als Gegner gefürchtet kann Deutschland in der Weltpolitik nur dnrch seine Seegeltung sein.
Aus > und Ausland.
(Fürst B ü l o w.) Unser Kaiser hat den Reichskanzler Grafen v. Bülow am 6. Juni in den Fürstenstand erhoben. Der 6. Juni ist der Tag der Vermählung des
umgehen war diese Musik nun mal heute nicht, also je eher sie vorüber, desto besser — unhöflich durfte man nicht sein, denn die beiden Musikanten hatten Güter, auf denen es gesellig und lustig herging, zudem waren sie von gutem Adel, der eine sogar Landtagsabgeordneter.
Eva ging also umher im Garten und sammelte die zerstreute Herde durch die kühusten Versprechungen bezüglich des sie erwartenden Büsetts nach überftanbenem Trio, und — man ließ sich von ihr verführen. Fräulein Plantikow hatte gutmütig das begleitende Klavier übernommen — der Doktor mußte notwendig noch einmal zu Luise Klinger hinüber. Es stand sehr schlecht mit ihr, Vater Klinger war seit dem frühen Morgen nicht wieder zurückgekommen, er hatte die ganze Nacht bei der Kranken gewacht — es mußte bald alles vorüber sein.
Eva sollte erst noch etwas Lustiges singen — sie wollte nicht. Ihre Gedanken schweiften unablässig zu Luise hin, sie hätte gern Tag unb Nacht bei ihr zu gebracht, aber sie durfte ja nicht. Luise hatte auch schon Abschied von ihr genommen, auf alle Fülle — es konnte nun jede Minute 511 Ende gehen. Eva hatte ihr versprochen, gleich noch ihrem Ableben Martin davon zn unterrichten. DaS von Luise mit zitternder schwacher Hand adressierte Kuvert lag feit zwei Tagen auf Evas Schreibtisch und harrte seiner trüben Bestimmung. Der Hauptmann, der mit Kauffmann am Schachbrett saß, zog die Brauen zusammen unb wünschte mit Nachdruck ein lustiges Lied von seiner Tochter.
Eva sang endlich die „Forelle" und als sie nach kurzer Pause zu einem „noch lustigerem" ciusctztc, hörte unb sah sie, wie Dr. Karlinsky inS Nebenzimmer trat, mit der Hand durch die Lust fuhr, und sagte: „Es ist aus!"
Eva brach ab, lies auf ihr Zimmer hinauf, stellte sich an das offene Fenster, zu dem ein Kirschbaum bineinblühte und weinte lange still vor sich hin. ES erschütterte sie so, daß Luise so jung sterben mußte, ehe sie das Leben gekannt hatte! ES zerwühlte sie, daß der Tod nach Laune vor einen Menschen eintreten durste und sagen: Du gehörst mir, komm mit, du hast genug gelebt!
Und daß es bann kein Weigern, kein Willen mehr gab!
Kronprinzen mit der Herzogin Cecilie von Mecklenburg.
Der Kaiser erschien früh morgen» selbst im Reichskanzlerpalais, um dem Grafen v. Bülow die Erhebung in den Fürstenstand milzuteilen. Das Datum charakteristert die Auszeichnung als einen Vertrauensbeweis ganz persönlicher
Art. Seine Majestät wählte den Tag eines für das Hohen- zollernhaus bedeutungsvollen Ereignisses, um dem nahen persönlichen Beziehungen, den Gefühlen der Achtung und der Freundschaft für den Grafen Bülow und seiner Dankbarkeit für die bisher geleisteten Dienste Ausdruck zu geben. Gewiß hat der Akt auch politische Bedeutung; denn es ist an und für sich von hohem Wert, wenn zwischen dem Oberhaupte der Herrscherfamilie und dem ersten Diener in Preußen und im Reiche ein persönliches Vertrauensverhältnis besteht. Es ist kein Geheimnis, daß der Kaiser schon nach Abschluß der Zolldebatten im Reichstage und der Annahme der Handelsverträge dem Grafen v. Bülow die gleiche Ehrung zugedacht, dieser aber davon Abstand zu nehmen gebeten hatte. Das Motiv, das den Grafen Bülow hierzu bestimmte, der Wunsch, die bei jenen wirtschaftlichen Streitfragen geleistete politische Arbeit nicht in Parallele mit größten nationalen Taten gebracht zu sehen, konnte natürlich nicht gelten gegenüber der Entschließung des Kaisers, an einem Freudentage sür das Kaiserliche Haus den ersten Berater der Krone persönlich auSzuzeichnen. Möge dem Fürsten Bülow noch eine lange, erfolgreiche Wirksamkeit für die Monarchie, für Kaiser und Reich beschieden sein!
Der Minister des Innern hat bis auf weiteres geneh. migt, daß, sobald der Reservefonds der kommunalen Sparkassen 5 pCt. der Passiva erreicht hat, die Betriebsüberschüsse und die Zinsen des Reservefonds vereinigt werden und von der so gebildeten Gesammtsumme nicht mehr als die Hälfte an den Reservefonds abgeführt zu werden braucht. Hat der Reservefonds 10 pCl. der Passiva erreicht, so können die Zinsen seiner Bestände ganz zu den Ueberschüssen genommen werden. Den kommunalen Sparkassen ist von diesem Erlasse des Ministers mit dem Bemerken Mitteilung gemacht worden, daß — da die Statuten die alleinige Grundlage für die Maßnahmen der Sparkassen sein sollen — nach dieser neuen Vorschrift erst verfahren werden kann, nachdem eine entsprechende Aenderung des den Reservefonds betreffenden Paragraphen der Sparkassen- statuten beschloffen und (von der Aufsichtsbehörde) genehmigt ist.
Im preußischen Herrenhause wurde die Resolution des Frhrn. von Manteuffel, in welcher die Re- gierung ersucht wird, gegen die Einführung einer Reichs- Erbschaftssteuer grundsätzlich Stellung zu nehmen und ihren Einfluß im Bundesrate dahin geltend zu machen, daß die Erbschaftssteuer der Gesetzgebung der Einzelstaaten erhalten bleibt, nach kurzer Debatte gegen die Stimmen einiger Oberbürgermeister angenommen. Finanzminister Frhr. von Rheinbaben lehnte es ab, seine Stellung zu der Sache dar.
Sie hatte noch niemand sterben sehen, auch noch keinen Toten.
Und der Gedanke, Luise tot zu sehen, erfüllte sie mit geheimem Schänder. Aber doch, sie wollte sie sehen — es war eine große Lebenserfahrung mehr — ein Blick in das starre Elend des Menschentums, mit dem also jedes Leben einmal abschließt. Sie schrieb ein paar Zeilen an Martin und steckte ben Brief selbst in den Briefkasten am Zaun neben der Villa. Dann ging sie noch ein wenig im Garten umher, um sich zu beruhigen unb die verweinten Augen abzukühlen. Als sie endlich wieder hineinging, war alle Musik glücklich vorüber, man ging eben zu Tisch.
Konrad Kanffmanu rollte ben Hauptmann mit seinem Stuhl ins Eßzimmer, Klinger war stillschweigend für heute dispensiert. Ueber den Todesfall wurde aber weiter kein Wort verloren — das war überhaupt des Hauptmanns Fall nicht. Von Kirchhof und Tod durfte in seiner Gegenwart nicht über- flüssigerweise gesprochen werden. Das machte ihn leicht für den Rest des Tages ungenießbar: Aber Eva saß da und aß nichts und konnte all diese Menschen nicht begreifen, daß sie lachten und schwatzten und es sich gut schmecken ließen. Und alle wußten doch, daß hundert Schritt von hier eben ein jungeS, hübsches Geschöpf gestorben war, das wie sie Anspruch auf Leben und Glück gehabt hatte!
Sie sprach dann nach Tisch noch mit Dr. Karlinsku ganz leise, abseits von den anderen, über die letzten Airgenblicke Luisens, und über ihr ganzes Leiden überhaupt. Er blieb sehr zurückhaltend in seinen Aeußerungen, und meinte dann schließlich: „Ueber solche Dinge müssen Sie nicht Nachdenken, gnädiges Fräulein. Solche Leute sind von vornherein verloren ! Hätte sie gleich nach dem ersten Blntsturz nach dem Süden gekonnt, lebte sie heut und vielleicht dreißig Jahre noch. Aber in der Umgebung! 3m übrigen, ihr ist wohl, und Ihnen ist es auch besser so — Sie haben ja schon Krankheit im Hause genug, warum noch von außen traurige Eindrücke sammeln! Sie müssen gesunde und frohe Gesichter suchen!"
„Wie steht es eigentlich mit Papa'?"
„Vortrefflich für feinen Zustand. Bei der Pflege, die er genießt, sann er gut noch zwanzig Jahre leben.