Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ^
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt getöäfjrt.raro^ava
Herrsel-er meirblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. €4
— -».—^
Donnerstag, den 1. Juni
1905*
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 29. Mai 1905.
Die Schulstelle in Willingshain wird vom 1. Juni d. Is. ab frei. Das Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1000 Mk- Grundgehalt und 150 Mk. Kirchendiensivergütung bei einem Dienstalterszulagen-Einheitssätze von 120 Mk.
Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen inner« halb 2 Wochen bei dem Königlichen OrtSschulinspektor Herrn Pfarrer Kühn in Frielingen oder dem Unterzeichneten einreichen.
I. 3661. Der Königliche Schulvorstand.
3- V.:
Thamer.
HerSfeld, den 26. Mai 1905.
Im Laufe dieses Sommers beabsichtigen der Direktor der landwirtschaftlichen Winterschule Herr Schoppmann sowie der LandwirtschaftSlehrer Herr Sluckmann von Fulda im hiesigen Kreise eine Reihe von Vorträgen zu halten.
Die Herren Ortsvorstände derjenigen Gemeinden, in welchen Interesse für einen derartigen Vortrag bekundet wird, haben mir solches bis z u m 8. J u n i d. I. berichtlich anzuzeigen?
Gleichzeitig wird hierbei bekannt gegeben, daß obengenannte Herren von jetzt ab bis zum 1. November d. J. mit Ausnahme der Zeit vom 15. Juni bis 13. Juli, wo Herr Stuckmann und vom 14. Juli bis zum 10. August, wo Herr Schoppmann abwesend ist, an jedem Samstage und Vi-hm-^rktstage in Fulda von Morgens 8 bis Mittags 1 Uhr Sprechstunde abhalten werden, in welcher unentgeltlich in allen landwirtschaftlichen Fragen Auskunft erteilt wird.
I. 3640. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 26. Mai 1905.
Am Sonntag, den 18. Juni, Nachmittags 3 Uhr, findet in Widdershausen bei Gastwirt George Schneider die diesjährige Abgeordneten-Versammlung des Feuerwehr- Kreisvereins statt.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben dafür zu sorgen, daß von jeder Feuerwehr mindestens ein Abgeordneter (in Uniform) an dieser Versammlung Teil nimmt. Die Reisekosten sind aus der Gemeindekasse zu ersetzen.
I. 3654. Der Königliche Landrat.
I V.:
T h a m e r.
Die unter dem Schweinebestande des Bauern Wartmann
Goldsucher.
Roman von Edela Rüst.
(Fortsetzung.)
Seltsam, sie hatten sich beide seitdem niemals versprochen, das entfremdende ,Sie' schien gar nicht störend zwischen ihnen zu stehen, aber jetzt fiel es von selbst ab, ohne daß sie eS beabsichtigten.
«3a — wie konntest Dn?“ sagte Eva und senkte die Augenlider. Da wandte er sich ganz zu ihr um, nahm ihre beiden Hände in die seinen und sagte: „Hast dn mich also nicht lieb — sagst du nein ?"
Eva sah ihn an und wurde wieder unsicher. Dann nach einer Weile tiefen Schweigens: „Laß mir etwas Zeit, Kon- rad — es ist mir so unvermutet gekommen — daran habe ich nie gedacht — du hättest warten sollen — mir geht ge- rnde jetzt so viel im Kops herum, so sehr viel — das macht mir alles so viel zu schaffen. Ich bin ja doch so kindisch erzogen — dn weißt ja — wie sollte ich wohl denken, mich zu verheiraten — ich wüßte ja garnicht was ich täte."
Kauffniann preßte ihre Hände zusammen und seufzte schwer.
, »Sei mir nicht bös, Konrad, aber ich möchte erst ein we= ”’g über das Leben Nachdenken — es liegt wie ein Druck Qul mir, und manchmal ist mir, als müßte ich so lauge bohren stoßen, bis die Decke durch ist, und ich die Dinge sehe ue sind."
. J\!.’b dann sprach sie von Lnise Klinger und von allem, .. h ?o '"^ ihr durchgeredet hatte, ehe sie hier zum Ball kam, sie llc ?m Obsten gar nicht hcrgekommcn wäre. Aber Lf J'e doch tun, was man zu Hause von ihr verlangte, und "och dem Augenblicke so sehr sehne, der sie frei "wcheu würde von all den Bevormundungen.
frei i« , nie„e Frau wärst du doch mit einem Schlage >vagte Knuffmann noch in steigender Hoffnungslosigkeit.
"^ ,"t ja so etwas ganz anderes wieder. SSic sollte a' m/"^n siebzehn Jahren eine vernünftige Frau für dich i • Atme Strcsin hat mir nur neulich geschrieben: Um
zu Wehrda (Kreis Hünfeld) ausgebrochene Notlaufseuche ist erloschen.
HerSfeld, den 27. Mai 1905
I. 3671. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Saatenstand um die Mitte des Monates Mai 1905 im Kreis e Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 — sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 =* gering, 5 = sehr gering (Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. f. L. — l b 3646 M. d. I. —)
Fruchtarten
Durchschnittsnoten für den
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
Staat
Reg.-Bez. Cassel
1
I2
3
1
6
II
ist
U
Winterweizen
2.6
2,3
2
1
2
Sommerweizen
2.5
2,6
1
Winterspelz
2,1
—
Winterroggen
2,7
2,4
1
2
3
Sommerroggen
2.7
2,9
Sommergerste
2,5
2,5
1
1
1
Hafer . .
25
2,6
4
1
Kartoffeln .
2.8
2,8
1
1
Klee . . .
3,1
2,7
2
2
1
1
Luzerne. .
2,7
2,5
1
Wiesen:
Bewässerungs
2,4
2.2
2
2
2
Andere
2,8
2,6
1
1
1
3
Königliches
kaustisches 5
Suteau.
Blenk
nichtamtlicher Ceil.
Himmelfahrt.
Das Fest der Himmelfahrt spricht zu den Herzen der Gläubigen mit einer ganz eigentümlichen Kraft. Die Welt des Jenseits, der geheimnisvolle Hintergrund, den unser Sinn hinter dem gesamten irdischen Dasein ahnt, tritt uns an diesem Feste als die greifbare Wirklichkeit machtvoll vor die Seele, und unsre Herzen werden durch die Gewißheit erhoben,
zu heiraten, muß man das Leben erst kennen, damit man auch weiß, was man tut! Und unter vielen erst einen wählen, und dann wissen, warum mau ihn wählt! Siehst du, Kou- rad, das hat einen solchen tiefen Eindruck auf mich gemacht --ich kaun es doch nicht so ausdrücken, aber ich fühle, nachdem ich die Kinderschuhe etwas lange ausgetreten haben werde, werde ich mir das Motto als Leitmotiv eigendankig uniformen--mir muß erst der Sinn dafür ganz aufge- gangen sein."
Kauffmann hielt noch immer ihre Hände fest, es würbe ihm über alle Maßen schwer, ihr etwas zu erwidern, denn mit seinen sechsundzwanzig Jahren erkannte er wohl, wie sie instinktiv das rechte Ziel ins Auge faßte, aber auch was für ein im Dunkeln tappendes Kind sie war. Daß, um sich durch ihren Jdeenkreis durchzuringen, sie einem Heer von Kümmernissen, Wirrungen und Enttäuschungen in die Arme lief.
„Ich will ja nichts gegen Aline Strcsin sagen" — ermannte er sich endlich — „ich breche nicht den Stab über sie, weil sie sich hier aus den engen Verhältnissen losgerissen hat, Aber dn darfst nicht vergessen, daß bei Stresins fünf Kinder fiubimb daß da eincsvon ihnen mal auch seinen eigenen Weg gehen darf. Doch bit als einziges Kind aus ganz besonders schmalhorizontigen Verhältnissen, wie gedenkst du das Leben denn kennen zn lernen? Und waS wird es dir nützen? Sie wird aus dem Leben wiederkommen, zerschnnden und zerbeult, unglücklich und verdorben für all den Kleinkram, der schließlich doch das Leben des Durchschnittsmenschen, und darüber, auSmacht, ohne die ersehnte Höhe gesehen, viel weniger erklommen zu haben! Ich habe dich lieb, Eva — ich will dir das Leben zeigen — dn sollst nicht hier auf der Scholle an= gebunden sein — dn kennst mich ja — ich gehe selbst gern in die Welt, um nicht zu verrosten — um wieviel lieber ginge ich mit dir. Ich lasse dir Zeit, ich dränge dich nicht — denke darüber nach, und denke, daß dich nie ein Mann lieber haben kann als ich — willst du?"
„Ich will, ja, Konrad, ich will über all das nachdenken, und glaube mir, eS tut mir sehr leid, dich zu kränken und nicht letzt Ja zu sagen, aber — du kannst es selbst nicht anders wollen, wenn du mich wirklich lieb hast."
daß wir eine himmlische Heimat haben, ein Hau» des Vaters, in dessen vielen Wohnungen auch uns die Stätte der Friedens bereitet ist. Der sinnliche Mensch mag an der äußerlichen Vorstellung Anstoß nehmen, wie der Heiland vor den Augen seiner Jünger gen Himmel aufgeschwebt ist; der Glaube erblickt in diesem Bilde nur die augenfällige Bekräftigung der geistigen Tatsache, daß unser Heiland in die Herrlichkeit zum Vater gegangen ist und die Gewalt empfangen hat über Himmel und Erde. Mit dieser-Tatsache aber ist uns die andre untrennbar verknüpft, daß wo er ist, auch seine Diener sein sollen, und daß wir alle, die w'r Christo angehören, unser Gemeinwesen im Himmel haben.
Die liebliche Jahreszeit, in der wir das Himmelfahrtsfest begehen, legt wohl dem empfänglichen Gemüte die Empfindungen von selbst nahe, die uns über den Jammer und die Be» dürstigkeit des Erdenlebens hinweg in ein Reich der Freude und der Befriedigung tragen. Scheint es nicht als stehe in dieser Zeit der Himmel offen und lasse auf die empfängliche Erde Segen über Segen strömen? Vertreibt nicht die strahlende Sonne alle Reste der winterlichen Unbilden und lockt überall neues, frisches und verheißungsvolle« Leben hervor? Wie sollte da nicht auch in unserm Innern die Hoffnung aufwachen: nun, armes Herz, nun sei nicht bang, nun muß sich alle«, alles wenden! Aber in alledem ist uns nicht mehr als ein Gleichnis des wahren Leben» gegeben, danach wir verlangen. Innerhalb unseres natürlichen Dasein» bleibt schließlich doch die Scheidung zwischen Himmel und Erde, da« Gesetz der Vergänglichkeit und die Bitterkeit des Scheiden« unausweichlich in Geltung. Ach, der Himmel über mir will die Erde nicht berühren; und das Dort ist niemals hier! Den Weg zum Himmel weist uns nicht die Natur, sondern der Geist unseres Herrn.
Wo ich hingehe, das wißt ihr; und den Weg wißt ihr auch. So spricht der Herr zu seinen Jüngern. Für uns ist das Haus des Vaters nicht ein blasser Traum, ein Gegenstand der sehnsuchtsvollen Ahnung. Wir wissen, wohin der Heiland gegangen ist, der da spricht: »Ich bin ausgegangen vom Vater und kommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater." Denn wir sehen in ihm die Kräfte der obern Welt wirksam, wir vernehmen von ihm die Worte des ewigen Lebens, wir empfangen von ihm die Wohltat der göttlichen Liebe, wir schauen durch ihn in die Tiefen der Gottheit und begreifen den Gnaden- ratschluß, in dem wir erwählt worden sind, ehe der Welt Grund gelegt war. Die Ewigkeit ist mit Christo für aller Menschen Augen sichtbar in der Zeit erschienen, und darum können wir auf den Fel» der Ewigkeit uns mit völliger Gewißheit gründen: wir wissen wohin Jesu» gegangen ist.
Und den Weg wissen wir auch. E» war der Weg des Kreuze«, der Opfers, bes Sterben«; darum war es der Weg des Sieges, des Gewinne» und des Leben». Die bittersten Gegensätze in der Wirklichkeit werden geeint und
„Auf übers Jahr denn — an deinem achtzehnten Geburtstag wirst du mir Bescheid geben?"
„Keinen Termin, bitte, wir werden ja oft genug daran denken, und dann einen Tag werde ich wissen, was ich dir sagen muß. Ist es dir so recht?"
Konrad nickte ihr ernst zn, und als er nun endlich ihre Hände freilassen mußte, war's ihm doch, als ließe er einen kleinen, noch nicht flügge gewordenen Vogel los, der int Freien nahrungSlos und allen Winden preisgegeben verkommen mußte, und den er als der Starke, Wissende nicht hätte aus dem Nest fallen lassen dürfen.
Aber am andern Morgen riß er in seinem Zimmer die Fenster vor bet dringlich werdenden Sonne auf und sah über den Hof wie ein Mann, der weiß, was er vom Leben zu fordern und zu erwarten hat und mit seinem Teil zufrieden ist, wenn er auch nicht zu gering dafür zahlt.
Frau Kauffmann fand ihren Sohn bei Tisch heiterer, als er es seit Wochen gewesen, und als er gar wieder von dem Balkonban und dem neuen Salon zu reden anfing und nun mit Macht an die Ausführung gehen wollte, damit zum Frühjahr alles fertig würde, da legte sie ganz im stillen die Trauer wieder ab, der sich ihr besorgtes Herz hiugegeben hatte. ES war' nun ein unausgesprochenes Ucbereintommen, daß alles, was fortan geschah, im Hanse immer in bezug auf Eva Coß- nib mitgeschehe. Frau Kauffmann begriff nicht, wie sie sich durch Taute Alexandra so hatte vom Wege ablenken lassen können. Wenn Eva ihren Jungen wollte, würde sie den Teufel danach fragen, was Alexandra oder sonst jemand etwa mit im Sinne hatte. Da mußte sie doch auch die.kleine Coßniß, schon besser kennen.
Und so blühten allch eines Tages die Veilchen auf Bar- keil, und in dem Garten der Villa Coßnitz hatte Eva ein Schlüsselkörbchen voll abgepflückt und trug sie der sterbenden Lnise hin. Sie war ein guter Prophet gewesen, im vollen Vcilchendust hauchte sie ihre arme Seele aus, und eS war Friede und Freude über sie gekommen, daß es nun so weit war. Aprilsonne flutete in daS weitoffene Fenster hinein, an dem Luise in ihrem hohen Lehustuhl saß und den erwartete, dein