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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 61»

Donnerstag, den 25. Mai

1905»

Amtlicher teil

Berlin, den 24. Februar 1905.

In neuerer Zeit ist vielfach über die Mißstände geklagt worden, welche sich für die durch nachfolgende Ehe legitimierten Kinder und deren Eltern daraus ergeben, daß die von den Standesbeamten gemäß §§ 15, 16 des Personenstandsgesetzes vom 6. Februar 1875 zu erteilenden Auszüge aus dem Ge­burtsregister die uneheliche Geburt der Kinder erkennen lassen. Da es wünschenswert erscheint, die Härten tunlichst zu besei­tigen, welche sich aus dem Bekanntwerden der unehelichen Ab­stammung ergeben können, werden die Standesbeamten hier­durch ermächtigt, fürSchul - und Unterrichtszwecke einschließlich desKonfirmationsUnterrichts auf ausdrücklichen Antrag der Beteiligten statt der Auszüge aus dem Geburtsregister bloßeGeburtsscheine" nach folgendem Formular auszustellen:

Geburtsschein.

Nur gültig für Schul- und Unterrichtszwecke einschließlich des Konfirmationsunterrichts.

Vor- und Zuname.

Geburtstag und Ort.

Vor- und Zuname, sowie Stand des Vaters.

Vor- und Zuname der Mutter.

(Ort). (Datum). (Siegel).

Der Standesbeamte. (Unterschrift).

Die Formulare zu den Geburtsscheinen sind den Gemein­den auf Staatskosten zu liefern.

Wird die Ausstellung von Geburtsscheinen anstatt der Registerauszüge für andere Zwecke beantragt als für Schul- und Unterrichtszwecke, fo hat der Standesbeamte die Geneh­migung Euer Exzellenz nachzusuchen.

Euere Exzellenz ersuchen wir ergebenst, hiernach gefälligst das Weitere zu veranlassen.

Der Justiz-Minister.

In Vertretung: gez. K ü n tz e l.

Der Minister

der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten.

In Vertretung: gez. W e v er.

Der Minister des Innern.

Im Auftrage: gez. K i tz i n g.

An den Herrn Ober-Präsidenten in Cassel.

I

a 2416. Just. M. I.

3311 U. III. H. I.

*

8030. M. d. g. A. U. III. B.

Cassel, am 25. März 1905.

Abschrift erhalten Sie znr Kenntnis und weiteren Mittei­lung an die Standesbeamten der Landgemeinden.

Der Regierungs-Präsident. Im Austrage: gez. L u ck e.

An die Herren Landräte des Bezirks. A. I. 14841.

Hierzu bemerken wir:

Die für die Angabe des Vaters zufüllen, wenn das Kind

1. ehelich ist iB. G. B. §§

2? durch nachfolgende Ehe §§ 1719 fg.) oder

bestimmte Rubrik ist aus-

1591 fg.), oder legitimiert ist (B. G. B.

Hersfeld, den 8. Mai 1905.

Vorstehend abgedruckten Ministerialerlaß pp. wird den Herrn Standesbeamten des Kreises zur Kenntnisnahme unb Nach- achtung mitgeteilt.

Eine Anzahl Formulare zu Geburtsscheinen werden in Kürze jedem Standesamt übersandt werden.

I. 2358.

3.

4.

b. In die

1.

2.

für ehelich erklärt ist (B. G. B. §§ 1723 fg.) oder von einem Manne an Kindesstatt angenommen ist (B. G. B. §§ 1741 fg.)

bezeichnete Rubrik ist dagegen nicht auszunehmen wer nur im Sinne der §§ 1708 bis 1716 des B. G. B. als Barer eines unehelichen Kindes gilt (B. G. B. §§ 1717, 1718),

wer nur dem unehelichen Kinde seiner Ehefrau sei-

Der Königliche Landrat.

I. B.: T h a m e r.

nichtamtlicher teil

Uhr abends, stieß die Kolonne unweit Stamprietfontein auf starken Feind. Nach mehrstündigem zähem Widerstand räumte dieser unter dem Schutze der Dunkelheit seine Stellungen.

Am 2. Januar wurde 5.30 Uhr morgens der Wetter- marsch angetreten. Es schien ein glühend heißer Tag werden zu sollen. Glücklicherweise war es möglich gewesen, vor dem Abmarsch die Waflerwagen, Wassersäcke und Feldflaschen mit frischem Wasser zu füllen. Die 4. Kompagnie mit der halben Batterie (zwei Geschütze) unter Hauptmann Richard bildete die Vorhut; ein Zug dieser Kompagnie unter Leut­

nant v. Petersdorff marschierte als Bedeckung bei mittelbar hinter der Truppe folgenden Wagen.

Gegen 6.30 Uhr morgens erhielt die Spitze Feuer auf nahe Entfernung von mehreren Klippen.

den un«

heftiges Haupt-

neu Namen erteilt hat (B. G. B. § 1706).

c. Im Falle der Annahme an Kindesstatt sind anstatt der leiblichen Eltern der Annehmende oder die Annehmenden anfzusühren und als solche zu bezeichnen. (B. G. B. § 1757.)

Für die Geburtsscheine sind dieselben Gebührensätze zu er­heben, wie solche nach dem Gebührentaris zum Personenstands­gesetze bisher für die beglaubigten Auszüge aus den Geburts­registern zu zahlen sind. Die Erteilung der Geburtsscheine ist jedoch gebührenfrei zu gewähren, insoweit sie im amtlichen In­teresse und bei Unvermögen der Beteiligten erfolgt (vergl § 16 Abs. 2 des Personenstandsgesetzes).

Ier Wanil in IM-Swest-Afrika.

General v. Fran^oiS bringt jetzt imMilitär­wochenblatt" den Schluß der Kämpfe im Auoblal, den dieD.-Ztg." auszugsweise wiedergibt:

Die Kolonne Meister halte am 31. Dezember 1904 bald

na» 4 Uhr Batterie bei zunä»si auf

Jede der

nachmittags mit drei Kompagnien und einer glühender Hitze von Kalkiontetn den Vormarsch ©tamprietfontein angetreten.

drei Kompagnien verfügte über nicht mehr als

Mann Richard entwickelte sofort die ganze Kompagnie und eröffnete mit dieser und den beiden Geschützen das Feuer. Die Ausdehnung des Gegners war von vornherein so groß, daß Major Meister, um die vereinzelt fechtende Vorhut nicht der Gefahr der Umzingelung preiszugeben, sofort die beiden anberen Kompagnien einsetzen mußte, und zwar rechts der 4. die 7., links die 5. Kompagnie. Bald darauf räumte der Feind seine Stellung. Die Kompagnien, mit ihnen die Geschütze stießen sofort nach; allein Re hatten kaum 300 Meter zurückgelegt, als ihnen auf 500 bis 600 Meter Den neuem ein äußerst heftiger Schnellfeuer ent« gegenschlug. Der Gegner hatte seine vorgeschobene Stellung nur geräumt, um in einer zweiten, wohlvorbereiteten und festungsartig verschanzten um so zäheren Widerstand zu leisten. Er hielt einen klippenreichen, in der Front fast sturmfreien Höhenzug besetzt, der sich von dem höheren Dünengelände nach dem Flußtal allmählich herabsenkte. Wie später durch Gefangenenaussagen festgestellt mürbe, standen hier der größte Teil der Witboi unter Hendrik, die Hottentotten unter Freymann und die Leute aus Hoa»« anaS; mit ihnen hatten sich noch etwa 300 Herero unter Fredrik vereinigt, alles in allem 1000 bis 1100 Gewehre mit reichlicher Munition mithin eine fünf- bis sechsfache Ueberlegenheit. Es war klar, daß es hier einen ernsten Widerstand zu brechen galt, und es war ein Kampf eröffnet, wie ihn deutsche Soldaten wohl selten härter, aber auch selten ruhmreicher zu bestehen gehabt haben.

Das feindliche Feuer war von Anfang an derart heftig, daß an ein weiteres Vorgehen gar nicht zu denken war. Die Kompagnien richteten sich, wo sie gerade logen, hinter felsigem Geröll, fogut wie sie vermochten, ein und erwiderten das Feuer. Am günstigsten lag auf dem rechten Flügel die 7 Kompagnie unter Leutnant Grüner; sie hatte mit dem

40 bis 50 Gewehre, so daß die GesamlqefechlSstärks der Abteilung einschließlich der Feldbaiterie wenig über 190 Köpfe betrug. Die vierte und fünfte Kompagnie hatten je vier Züge, die siebente Drei Züge, die Batterie zählte vier Geschütze. Nach etwa zw'istündigem Marsche, gegen 6 30

rechten Flügelzug eine das Flußtal beherrschende, vorteilhafte Stellung inne, von wo aus dieser eine Feinde stark besitzt« Klippe teilweise flankieren konnte, einiger Zeit begann der Gegner seinen rechten Flügel den Dünen zu verlängeren, allmählich erschienen

sehr

Dom

Na» na» au»

auf den Dünen iwmer jiblreicbere Feinde und versu»ten

Goldsucher.

Roman von Edela R ü st.

(Fortsetzung.)

Ach anfangs hat er es nicht gewollt. Aber als ich ihm das alles so ganz klar gesagt, als ich es als das letzte und beste Zeichen seiner Liebe von ihm erfleht da ist er dann gegangen aus voller, herzlicher Liebe heraus, um meine kleine Eitelkeit zu befriedigen. Seit dem Tag fürchte ich mein Sterben nicht mehr nur etwas schneller müßte es gehen ich hatte nicht gedacht, daß es so lange dauern wird. Nun ist ja bald alles überftanben--wenn die Veilchen hier im Garten blühen werden, dann ....... Dann kann Martin eine andere heiraten, dann tut's mir nicht mehr weh dort oben. Ich' weiß ja, daß er mich nie ver- geffen kann. Sein Gedenken an all das Schöne, das einst zwischen uns war! Das ist alles, um was ich den Herrgott noch im letzten Atemzüge bitten werde dann gehe ich mit, dann endlich gebe ich ihm die Hand, dem Knochenmann, b« sv lange, geduldig abwartend, neben mir hergegangen

Es wurde so still im Zimmer, und es schien Eva, als werde es auch um vieles dunkler, und als träte jemand zu lo 7$ ^bnmer, den sie noch nie gesehen, dessen Eisatmos- heut zum erstenmal schaudernd über ihren warmen Körper f»igeln fühlte.

haß h g'Ä Qn den Tisch und schrob die Lampe höher, s^»^n V » ^ übelriechend schwelte, und machte dann Eigen 5enftet "m die Luft wieder davon zu sie m!!«11 °ffeiibar so schwach durch die Aufregung, daß Schlaf sümpfte. Eva stand' am Tisch fnft widerwillig ""^"' ""ißen Handschuhe auf langsam, unEX. SWn? Warum sollte sie tanzen, wo hier nrr l^m Augen eine junge Seele im Vergeben war? Eine ü sie Seele---so groß und einfach, daß Eva sich klein

und arm fühlte. Ihr war, als stünde sie, ein schwaches Bänm- chen, das gedankenlos seine ersten Knospen treibt, auf starrem nacktem Felsen, und das uferlose, aufgepeitschte Meer brüllte sie zum erstenmal in schwarzer Nacht an und umtoste ihre wehrlos zarte Krone.

Das tiefe, verwundene Leid einer anderen Seele stand zum erstenmal in seiner weiten Starrheit vor ihrem Herzen, und sie ließ es eintreten aus angeborener Güte, die sie selbst an sich noch gar nicht erkannt hatte, und darum dem neuen Gast noch ungewandt und linkisch höflich das Willkommen bot.

Und während sie noch darüber uneinig mit sich war, ob sie sich nicht lieber ausziehen sollte, uni die Nacht bei der Kranken zu durchwachen, tat sich die Tür auf und Mutter Finchen trat mit glänzenden Augen ein, um endlich ihr Ball­kind zu bewundern.

Sie hatte den ganzen Nachmittag bis jetzt wieder weiche Makronen gebacken und war noch ganz erhitzt aus der Küche gestürzt.

LuiSchen schnellte pflichtschuldigst aus dem Sessel auf und hielt sich mit beiden Händen am fallen.

Was machst du denn fütii was?"

Mir nicht, aber LuiSchen ist gleich im Fremdenzimmer bleiben

Tisch fest, um nicht umzu- Gesicht, Nuckchen? Ist dir

gar nicht wohl sie könnte' unb" . . .

I bewahre, LuiSchen, was würde wohl Ihre Mittler dazu sagen! ? Gehen Sie nur rüber und legen Sie sich zu Bett, dann sind Sie morgen wieder munter."

Finchen hatte eine wahre Todesangst bekommen in dem Gedanken, noch einen Kranken zur Last haben. Wenn so ein Schwindsüchtiger sich legt, weiß man nie, wie lange das dauern kann!

Sie sah überhaupt den Verkehr zwischen den jungen Mäd­chen nicht allzu gern. Eva sollte frohe Gedanken haben, und sie wußte wohl, daß Luise der Tochter Gemüt etwas ver­düsterte mit ihren BuchweiSheiten und ihren Todesphantastereien. Auch hielt sie den Umgang aus rein phpsischm Gesundheits­rücksichten für bedenklich. Sie hatte schon des öfteren mit Eva

darüber gesprochen, aber trotz aller freundlichen Beziehungen, die zwischen Mutter unb Tochter herrschten, hatte Finchen doch keinen eigentlichen Einfluß auf ihr Kind.

In solchen Augenblicken hatte Eva immer nur den Ein­druck, daß ihre liebe, kleine Mama doch ein recht oberflächlich veranlagtes Wesen sei und daß ihr ganzer Jdeenkreis für die Mutter einer Eva Coßnitz ein doch ganz unerlaubt beschränkter wäre.

Sie gab ihr dann gewöhnlich einen Kuß, sagte zu ihr: Liebes, kleines Huhn, kakele doch nicht!" und ging ohne wei­teres zur Tagesordnung über.

Und als Mutter Finchen betreffs Luisens bei dem Gatten vorstellig wurde, hatte sich der Hauptmann merwürdig passiv verhalten und nur gemeint:Was soll ich dem armen Mädel die einzige Freude nehmen, die es noch hat! Unserer Krabbe wird es keinen Schaden tun Unkraut vergeht nicht!"

In bezug auf kranke Leute hatte der Hauptmann von jeher ein tieferes Mitgefühl gezeigt. Es hatte wohl etwas in ihm geahnt, daß er selbst mal des Mitleids sehr bedürftig werden sollte. Dann hatte er wie alle Männer eine gewisse Schwäche für hübsche weibliche Geschöpfe, und 'es rührte ihn, wie die anyq. Luise so sichtbar zugrunde ging. Zudem war sie das Kind seines alten Klingcr, und auf den hielt er große Stücke. Also blieb alles beim alten.

Eva mußte sich natürlich noch erst dem beifällig schmunzelnden Papa zeigen, dann ging's in den großen, mütter- lichen Pelzmandel hinein, in die hohen Schueegummischuhe, trotzdem längst keine Schnee mehr lag, und in die wcißwvllenen Fausthandschuhe, um die Glacss zu beschonen. So für eine gut sibirische Reise ansgestattet, schwebte die kleine Coßnitz in die Kalesche, in der Tante Alexandra, ebenso unkenntlich ver­packt, schon ihrer harrte, unb nach zehn Minuten mummelte man sich bei Stresins wieder aus und zog, teils mit Anmut, teils mit Graudezza, in die lichtüberfluteten Ballräume ein.

Hildegard, die älteste Tochter, die Frau StaatSawalt von Werder war auf Besuch, und um sie gruppierten sich eben die Spitzen des Stadt- und Land-Kreises. Sie war eine stolze blonde Schönheit, und lispelte stark, wodurch sie aber etwas liebenswürdigeres Weicheres bekam; denn es strahlte sonst nicht