fei Bestätigung aus Saigon ju erlangen war, die Ver- ficherungsprämie um 20 v. H. in die Höhe getrieben.
$tr AiisKmil in Itiitsch-SNivtst-Afrikii.
Berlin, 27. April. Nach Meldung des (Generals von Trotha aus Gibeon ist Major v. Estorff am 18. April in Gochas eingetroffen und steht jetzt mit im Ganzen 672 Kompagnien, 16 Geschützen und 4 Maschinengewehren am Auob. Er vermutet die Hottentotten unter^ Hendrik Witboi zwischen dem Elefantenflusse und Groß-Noffob südlich des 25. Breitengrades. Eine Unternehmung dorthin wird der Wassermangels und des schwierigen Dünengeländes wegen für aussichtslos gehalten. Hauptmann Mangel ist mit der 1. und 2. Kompagnie des Feldregiments 2 nach Gibeon herangezogen worden. Aus den Karasbergen liegen neue Nachrichten nicht vor. Die der Kompagnie des Hauptmanns D'Arrest am 4. April südlich von Nurudas abgenommenen Pferds wurden in einem Patrouillengefecht bei Klipdam südlich von Hasuur zurückerbeutet. Der Feind verlor dabei 12 Tote; diesseits ist ein Reiter gefallen. — In Noid- bethanien wird die Abteilung des Hauptmanns von Zwehl mit zwei Kompagnien, zwei Geschützen und zwei Maschinenkanonen den nach dem Roten Berge südlich Greotfontein gezogenen Bethanierhäuptling Cornelius Frederik angreifen. — Die unter dem Großmanne Andreas vereinigten Hereros ziehen sich von dem Koma-bergen nach dem Süden zurück und halten sich teils in der Gegend von Hornkrans auf, teils streben sie dem Naukluftgebirge zu. 2Vs Kompagnien sowie die Bastardobteilungen haben ihre Verfolgung ausgenommen. Im Norden des Schutzgebietes stürmten m der Nacht vom 18. zum 19. April die vereinigten Offiziers- Patrouillen der Leutnants Bender und Sommer eine Herero- werft am Onguendjeberge, 30 Kilometer nordwestlich von Otjihangwe. Sie nahmen dem Feinde das am 13. April beim UeterfaQe der Farm Ondeksremba erbeutete Vieh wieder ab. Es fielen 12 Hereros, 8 wurden gefangen genommen; diesseits waren keine Verluste.
Aus > und Ausland.
Im Hinblick auf die Frage einer staatlichen ZwangS- versicherung aller P r i v a l a n g e st e l l t e n hat das Reichsamt des Innern da» von der Organisation der Privatbeamlen gesammelte Material dem Kaiserlichen Statistischen Amt überwiesen. Dieses hat es einer vorläufigen Prüfung unterzogen und es als ausreichend zur Gewinnung eines UeberblickS über die einschlägigen Ver-
hältniffe der Privatbeamlen nach entsprechender Bearbeitung bezeichnet. Hinsichtlich der Art der Aufarbeitung des Materials hat das Statistische Amt Vorschläge gemacht, die kürzlich in einer Besprechung zwischen Mitgliedern des Reichstages und Regierungs-Vertretern im wesentlichen gebilligt worden sind, so daß mit den Arbeiten voraussichtlich demnächst begonnen werden wird. Eine Denkschrift über das Ergebnis der statistischen Bearbeitung des Materials wird vor Frühjahr 1906 nicht fertiggefleOt werden können.
In Breslau ist die k i r ch l i ch - s 0 z i a l e K 0 n f e r e n z zusammengetreten. Sie wurde durch den Oberpräsidenten derIProvinz Schlesien Grafen von Zedlitz und Trützschler eröffnet. Staatssrkretär Graf Posadowsky, Kultusminister Etudt und der Minister des Innern von BethmannHollweg erboten der Konferenz, an welcher über 3000 Mitglieder teilnahmen, schriftliche Grüße.
Durch Rabinettsorber vom 22. April ist dem kaiserlichen Gouverneur von Eüdwestafrika Oberst Leutwein unter Belassung 5 la suite der Schutztruppe für Südwest- afrika der Charakter als Generalmajor verliehen worden. Theodor Leutwein wurde am 9. Mai 1849 in Baden geboren. Im Jahre 1868 trat er in das damalige 5. Badijche Infanterie-Regiment ein und avancierte in der Front bis zum Major. In dieser Zeit war er auch als Lehrer an den Kriegsschulen in Neiße und HerSfeld tätig. Im November 1893 wurde der damalige Major Leutwein zum Auswärtigen Amt kommandiert. Zunächst wurden ihm die Gefräste des Landeshauptmanns in Deutsch-Südwestafrika übertragen; dazu kam zu Beginn des Jahres 1895 die Stellung eines Kommandeurs der dortigen Schutztruppe. Mit einer fehl schwierigen Aufgabe betraut, betrat damals Leutwein diesen Boden unseres Kolonialbesitzes; Hendrik Witboi kämpfte mit allen Mitteln um seine Unabhängigkeit. Mit zahlreichen Opfern und unter Mühen aller Art gelang es Leutwein den Hottentottenhäuptling zu unterwerfen und dem Lande die Ruhe wiederzugeben. Im Jahre 1899 zum Oberstleutnant ernannt, hat sich der Gouverneur als Organi- sator in der Verwaltung der Kolonie beträchtliche Verdienste erworben. Seine Beförderung zum Oberst erfolgte am 16. Juni 1901. Zu Beginn des jetzigen Feldzuges leitete Leutwein die Operationen persönlich, bis Generalleutnant von Trotha den Oberbefehl übernahm, dem er bann stets mit Rat und Tat redlich zur Seite stand. Ein schmerzhaftes Fußleiden zwang den Gouverneur, Ende vorigen Jahre» nach Deutschland zurückzukehren, um Heilung in Wiesbaden zu suchen. Zurzeit weilt General Leutwein zur Wieder, Herstellung seiner Gesundheit an der Riviera.
Wie das Dresdener Journal meldet, hat der König von Sachsen zur Anerkennung verdienstlicher Leistungen bei Mannschaften vom Feldwebel abwärts und diesen gleich- stehenden Zivilpersonen im Kriege und im Frieden eine Friedrich August Medaille gestiftet. Die Medaille wird in Silber und in Bronze ausgegeben. Sie trägt auf der Vorderseite den Namenszug des Königs auf der Rückseite die Inschrift Friedrich August-Medaille.
Zur marokkanischenAngelegenheit schreibt dis-^mische Patria: Dank der ruhigen Beurteilung der Dinge seitens Frankreichs fei die marokkanische Frage in friedliche Phase eingetreten; es würde kindisch sein, die hervorragenden Interessen Frankreichs in Marokko zu leugnen, aber Delcassö habe sicher einen politischen Fehler begangen, indem er vergaß, daß andere Mächte außer England und Spanien Interessen in Marokko haben. Man habe der Fahrt Seiner Majestät der Deutschen Kaiser» nach Tanger eine tendenziöse Bedeutung geben wollen, während doch Deutschland nicht» als die offene Tür in Marokko verlange, leanet Industrie ein gutes Aktionsfeld sichern wolle und glerchzeitrg herzliche Beziehungen zu Frankreich anstrebe. S»„3 Qfhn? und Belgien, die wichtige Interessen in Marokko ihre »JS^ tragen, '»n wirtschaftlicher Beziehung Slt? ÄÄ^ JU ",^""' °h"- die hervorragenden Rechte Frankreich» zu verkennen.
Nach einer telegraphischen Meldung aus Tanger treffen die Stämme zwischen Tanger und Fez Vorbereitungen um den Durchzug des deutschen Gesandten Grafen Tattenbach auf seiner Reise an den Hof de» Sultans festlich zu begehen
Die vom Maghzen entsandte Eskorte wird bereils in Tanger erwartet. — Die marokkanischen Stämme der Donkala, Dschiadma und Mtuga in der Nähe von Mogador sind in vollem Aufstande. Die Scheichs der beiden letzteren Stämme sind getötet worden.
Die kretische Frage, die infolge der Proklamierung der Vereinigung Kreta» mit Griechenland seitens der kretischen Nationalversammlung aufs neue aufgerollt worden ist, befindet sich einstweilen noch in der Schwebe. Die Schutzmächte Kreta» haben, wie bleS zu er- warten stand, zu diesem Beschlusse des kretischen Parlaments eine ablehnende Stellung eingenommen, doch verhalten sich die Kreter vorläufig ruhig. Unter den Schutzmächten zeichnet sich namentlich England durch Vorsichtsmaßregeln gegenüber Kreta aus. Die englische Flotte unter den Admiralen Domoile und Grenfell kreuzt in der Nähe von Suda. Die Kreuzer Diana, Jana und Leviathan sowie vier Torpedo- boote sind mit der Ordre nach Marmaritsa abgedampft.
Die Differenzen zwischen Norwegen und Schweden in bet Unionsfrage haben sich noch weiter verschärft. Der Kronprinz-Regent Gustav Adolf ist deshalb von Stockholm nach Christiania abgereist.
Aus Lütt ich, 27.'April wird gemeldet: Die W e l t - ausstellung ist heute von dem Prinzen Adalbert in Gegenwart des diplomatischen Korps, der Zivil- und Miltär- behörden sowie einer überaus großen Menge eröffnet worden. Die meisten Abteilungen sind noch nicht fertig; ihre Fertig, stellung wird noch eine längere Zeit erfordern. Bei feinem Rundgange verweilte Prinz Adalbert sehr lange vor der Ausstellung aus dem Ruhrgebiete, die fast beendet ist, und beglückwünschte die Aussteller dazu.
Aus Konstantinopel wird vom 26. April berichtet: Die Pforte hat kürzlich wegen der auf griechischem Boden betriebenen Ausrüstung einer großen für Mazedonien bestimmten Bande in Athen ernste Vorstellungen erhoben und hat in dieser Angelegenheit auch ein Rundschreiben an die Großmächte gerichtet. Die Bande soll teilweise aus Kre- tenfer bestehen. — Eine heute aus Tschidda eingetroffene Depesche meldet, daß eine ägyptische Karawane bei Janbor Überfällen und ausgeraubt worden fei. Hierbei feien siebzehn ägyptische Soldaten getötet beziehungsweise verwundet worden.
Aus Provinz u. Nachbargebiet.
* (Personal-Chronik) Ernannt: der Referendar Dr. Dellevie zum Gerichtsaff-ssor, der RechtS- kandidat Schultz zum Referendar. — Angestellt: als Postassistenten die Postanwärter Braunholz in Hess. Lichtenau, Götze in Wabern (Bez. Cassel), Jacob in Witzenhausen, Kapeller in Cassel, Maurer in Melsungen, sowie der Postassistent Meurer in Schmalkalden. Versetzt: der Amtsgerichtsrat Wagner in Fulda an das Amtsgericht in Kirch. Hain, der Gerichtsaffessor Dr. Sauer aus dem Bezirk des Oberlandesgerichts zu Naumburg a. d. S. in den Bezirk des Oberlandesgerichts zu Cassel, der Stationsvorsteher 2. Klasse Gramer zu Hofgeismar nach Coesfeld, der Stations- einnehmer Bocke von Sangerhausen nach Cassel unter Ernennung zum Stationstoffenrenbanten, der Stationsvorsteher 2. Klasse Kräuter zu Treysa nach Riestedt, der Stationsvorsteher 2. Klasse Bigge zu Herzberg a. H. nach Hofgeismar.— Zurückgezogen: die Versetzung des Hegemeisters Becker zu Wichmanshausen in der Obersörsierei Reichensachsen auf die Försterstelle Riesig in der Oberförsterei Fulda. — Ausgeschieden: der Gerichtsaffessor Prins aus dem Justizdienste infolge seiner Uebernahme zur Staats- eisenbahnoerwollung. Entlassen: der GeuchtSasssso- Löwer aus dem Justizdienste infolge seiner Zulassung zur Rechtsanwaltschast bei dem Amtsgericht in Eschwege. — Verliehen: dem Pfarrer Rnöll zu Frankfurt a. M - Seckbach der Rote Adlerorden 4. Cl. Dem Landrentmeister Heuer aus Meiskburg die Stelle des Regierungskassenin- fp-klors bei der Königlichen Regierung in Cassel, Dem im Kirchendienst angestellten Lehrer Achler zu Röhrda, Kreis Eschwege, der Kantorlitel. — Gestorben: der Rechtsanwalt und Notar, Justizrat MeinShausen in Eschwege, der Regierung-sekretär Rechnung-rat Hofmeister zu Cassel, der Oberlandmesser Weide in Rinteln.
* Die Einstellung von verabschiedeten Offizieren in denEisenbahndienst wird durch folgenden Erlaß der Eisenbahnministers an die Eisenbahndirektionen geregelt: „Verabschiedete Osfiziere, denen die Aussicht auf Anstellung im Zivildienst des betreffenden Bundesstaates verliehen ist, erhalten bei der Anstellung als Eisenbahnassistent ohne Rücksicht auf die Länge der Militär- und Zivildienstzeit von den den Militäranwärtern vorbehaltenen Stellen jede 15. Stelle, sofern sie nicht schon eher aus Grund ihres Anwärterdienstalters in der Reihenfolge der vorzugsberechtigten Militäranwärter eine etatrmäßige Stelle erhalten können."
• Major Hahn, Abteilungskommandeur im Feld- artillerie-Regiment Nr. 43 ist zum Kommandeur des 1. Kurheff. Feldartillerie-RegimentS Nr. 11 ernannt.
* Herr Landgericht« Präsident Kirchner in Allenstein, Ostpreußen, ist zum Präsidenten des Landgerichts in Cassel ernannt worden.
Hu Hersfeld, 28. April. (Himmels-Erschein- ungen im M a i.) Der Frühling hat sich eingestellt; ringe prangt in frischem Grün die Natur, die zarten Blätt- lein schießen hervor und neben ihnen leuchten die duftigen Blüten! Feld und Wald schmückt sich in reicher Farbenpracht und von den Zweigen, aus den Lüften schallen die holden Lieder der munteren Vögelein, die sich mit uns über das Ende des Winters und die Wiederkehr der guten Jahreszeit freuen! Höher steigt die Sonne am Himmel empor. Sie steht am 1. Mai 15 Grad nördlich vom Aequator, erhebt sich also am Mittage bis zu reichlich 52 Grad über unsern Horizont. Sie geht um 4Va Uhr aus und um 7Va Uhr unter, verweilt also 15 Stunden bei uns. Am 31. Mai befindet sich da« Tagesgestirn bereits 22 Grad nördlich vom Acquator und steigt daher bis zu einer Höhe von mehr als 59 Grad an unserm Himmel herauf. Sein Aufgang erfolgt um 33/4 Uhr, sein Untergang erst um 8V4 Uhr; der Tag dauert dann also I6V2 Stunden — nur 7Va Stunden währt die Nacht I Und eigentlich dunkel wird es dann überhaupt nicht mehr. Selbst um Mitternacht steht die Sonne nur 15 Grad unter dem Horizonte, und da die Dämmerung bei einer Tiefe der Sonne von 18 Grad unter dem Horizonte beginnt, so herrscht selbst um Mitternacht noch mildes Dämmerlicht. Es ist die Zeit der hellen Nächte die von Mitte Mai bis Ende Juli dauert. Unser Mond ändert seine Lichtgestalt in altgewohnter Weise. Bei Beginn des Monats steht er als schmale Sichel am Morgenhimmel, um dann bald in den Strahlen der Sonne zu verschwinden.
Am 4. Mai steht er zwischen letzterer und uns — es ist Neumond. Dann kommt er an den Abendhimmel, zuerst als schmale Sichel. Er nimmt zu, zeigt sich am 12. im ersten Viertel und steht am 18. als Vollmond der Sonne gerade gegenüber. Dann nimmt unser Trabant wieder ab und zeigt sich am 26. Mai im letzten Viertel.
Cassel, 28. April. (Es gibt doch noch ehrliche Leute!) Ein hiesiger Gasthofsbesitzer wurde in diesen Tagen nicht wenig überrascht, als er ein Schreiben aus einer der großen Handelsplätze de« amerikanischen Westen» erhielt, welchem 5 Dollars in Greenbacks (Banknoten) beigelegt waren. In dem Schreiben bekannte der Absender, dessen Name dem Empfänger völlig aus dem Gedächtnis gekommen war, daß er, als er vor 14 Jahren im schönen Cassel in Stellung gewesen, eines Tages von dem Gasthofbesitzer 20 Mark geborgt habe, bald darauf aber abgereist sei, ohne das Geld zurückzuerstatten. Lange schon habe er den Betrag dem Gasthofbesitzer übersenden wollen, aber zuerst hätte seinen pekuniären Verhältnisse e» ihm nicht erlaubt und als er dann später sich ein eigenes Geschäft gegründet und wohlhabend geworden sei, hätte er nicht Zeit gesunden, zum schreiben. Jetzt aber, wo er beabsichtigt, im bevorstehenden Sommer mit seiner Frau nach Deutschland und insbesondere nach Cassel zu kommen, und in dem Gasthof des allen Freundes Absteigequartier zu nehmen, dränge es ihn, vorher die Schuld zu begleichen.
Hanau, 24. April. Der nach Unterschlagung einer Summe von etwa 11 000 Mark flüchtig gewordene Kassierer Koch der Spar- und Darlehnskasse zu Zellhausen hat sich in Darmstadt der Staatsanwaltschaft selbst gestellt.
Aus der RHSN, 27. April. Es steht nunmehr fest, daß im Mai mit dem Umbau der Bahnstrecke Salzungen- Vacha in eine Vollbahn begonnen wird. Die Verhandlungen mit den an der Bahnlinie belegenen Ortschaften haben zu einer Einigung geführt.
Wiesbaden, 27. April. Aus Camberg wird gemeldet, daß die Unterschlagungen des in der vergangenen Woche verhafteten Direktors der dortigen Kornhausgenossenschaft Leutnant a. D. Krätzer sich nach den bisherigen Untersuchungen auf 3000 Mark belaufen, welche Krätzer durch falsche Buchungen verdeckt hat. Die Kornhausgenossen, schaft, die bereits seit Jahren mit Unterbilanz arbeitet, hat jetzt eine solche von 90 000 Mk.
Wiesbaden, 26. April. Die kaiserliche Familie trifft am 17. Mai nachmittags von Urville zu den Maifestspielen hier ein und reist am 20. Mai abends unmittelbar nach der Theatervorstellung wieder ab.
Münden, 26. April. Am gestrigen Spätnachmittage entsprang beim Rundgang im Gefängnishof der am 20. d». hier verhaftete Juwelendieb Prachardt. Er kletterte über die 2 Meter hohe Gesängnismauer und flüchtete in den Stadtwald. Auf die Ergreifung des schweren Jungen ist eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Der Entwichene ist 1,70 Meter groß. An der Stirn hat er eine drei Zentimeter lange Narbe. Er hat blonder Haar, eine Glatze und roten Schnurrbart. Bekleidet war er mit schwarzem Jucket, grau gestreiften Hosen, Knopfstiefeln und grauen Strümpfen. Er wurde am 20. hier verhaftet, als er bei einem hiesigen Händler gestohlene Goldwaren verkaufen wollte.
Göttingen, 26. April. Ein moderner Professor ist Dr. Reinst, der zu Ostern seinen Wohnsitz von hierdurch Berlin verlegte. Er trat in Begleitung seiner Familie die Reise im Automobil an.
Bom Harze, 26. April. Eine mysteriöse Entführung zweier Knaben auf offener Straße hat sich unlängst in Bad Harzburg abgespielt. Dort besteht .seit dem Jahre 1882 eine milde Stiftung, die den Mamen „Helenenstift" führt und zum Andenken an die verstorbene Frau Major von Arnsberg errichtet ist. Das Stift hat den Zweck, verwaisten Knaben eine christliche Erziehung evangelischer Konfession angedeihen zu lassen. In dieser Anstalt befinden sich 18 Knaben. Als nun dieser Tage die Knaben auf dem Wege zur Schule begriffen waren, trat zu ihnen auf der Straße eine gut gekleidete Dame und sprach die beiden Halbbrüder Hans Thime und Max Goldberg an, sagte diesen, daß sie ihre Schwester sei, und forderte schließlich die übrigen Knaben auf, ruhig nach der Schule zu gehen, „ihre beiden Kameraden würden gleich nachkommen." Die genannten Knaben sind aber weder zum Schulunterricht erschienen, noch in das Stift zurückgekehrt, sondern vermutlich von der unbekannten Dame nach auswärts entführt worden. Die Recherchen nach dem Verbleib der Verschwundenen werden mit großem Eifer betrieben, doch hat man noch feine Spur von ihnen entdeckt.
Aus Westfalen, 26. April. Vor der Kanalbrücke des Mentzel'schen Forsthauses, unweit Lippstadt, geriet ein Bauernfuhrwerk mit Insassen infolge Scheuwerdens der Pferde Jn das Kanalbett. Durch einen glücklichen Zufall wurden die in großer Gefahr Schwebenden, die sich an einem Brett des Wagens festgeklammert, das eine kurze Strecke forttrieb, gerettet. — Der Sohn eines Bahnbeamten zu Soest, Unteroffizier beim 15. Jnf.-Regt. in Minden, feit ca. 3 Wochen vermißt, wurde gestern in der Weser als Leiche aufgefunden.
Vermischtes.
— Berlin, 26. April Für die Ausschmückung der Stadt Berlin bei dem Einzüge der Herzogin Gecilie, der Braut unseres Kronprinzen, hat die Kommission einstimmig 130 000 Mk bewilligt.
— Hamburg, 27. April. Der Schoner „Andreas" mit einer Marmorladung an Bord ist auf der Fahrt von Genua nach Leith untergegangen. Die ganze Besatzung ist ertrunken.
— Nach 29 Jahren aus dem Zuchthsuse entlassen wurde der Fabrikarbeiter Julius Frauenzimmer aus Wald bei Elberfeld, der im Dezember 1876 im Alter von 32 Jahren wegen Ermordung seiner elfmonatigen Tochter vom Elberselder Schwurgericht zum Tode verurteilt, jedoch zu lebenslänglichem Zuchthause begnadigt worden war. Am ersten Ostertag wurde ihm seine völlige Begnadigung mitgeteilt.
— Zudem schweren Automobilunfall bei Köstitz, dem, wie wir berichteten, zwei Kinder zum Opfer fielen, werden aus Pößneck noch folgende Einzelheiten berichtet : An der Landstraße bei dem Dorfe Köstitz spielten unter Aussicht ihrer Großmutter die beiden fünf- bezw. dreijährigen Kinder des Webers Schröter aus Köstitz, als ein mit fünf Herren und einer Dame besetzte« Automobil im schnellsten Tempo die Stelle passierte und beide Kinder Überfuhr. Dem älteren Kinde waren die Raster über Kopf und Brust gegangen; es starb nach wenigen Minuten. Da» zweite Kind erlitt so schwere Verletzungen, daß es