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Herzfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 50
Sonnabend, den 39. April
1905.
Amtlicher Ceil.
HerSfeld, den 22. April 1905.
Dem Johann Heimeroth zu Friedewald, welcher gemäß den Vorschriften über die Ausbildung von Desinfektoren an einem AusbildungSkurfuS an der Desinfektoren- schule zu Marburg teilgenommen hat, iß die Befähigung als staatlich geprüfter Desinfektor erteilt worden.
I, 2858. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz,
, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 25. April 1905.
Die vom 1. Januar b. Js. ab erscheinenden Flugblätter der biologischen Abteilung für Land- und Forstwirtschaft am Kaiserlichen Gesundheitsamts werden mit Genehmigung des Herrn Reichskanzlers an Behörden, gemeinnützige Körperschaften und Vereine, sowie in einzelnen Abdrücken auch an Privatpersonen unentgeltlich abgegeben. Bestellungen sind an das Kaiserliche Gesundheitsamt in Berlin NW., Klopstockstraße 18, zu richten; bei Bestellungen von weniger als 100 Abdrücken sind für Porto 3 Pf. beizufügen.
1. 2839.
Der Königliche Sanbrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rat.
Saatenstand um die Mitte des Monates April 1905 im Kreise Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering (Vergleiche den Runderlatz der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B C 9476 M. f. L. — l b 3646 M. d. I. —)
Fruchtarten
Durchschnitts-
Anzahl der von den Vertrauensmännern abqeaebenen
noten
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nichtamtlicher Ceil.
Politischer Wochenbericht.
Die Osterglocken sind v-rhallt, und das Werktag-leben nimmt von neuem alle Kräfte in Anspruch. Da treten auch die Ausgaben der i n n e r e nPo l itik, die für eine kurzeWeile steruht hatten, wieder an uns heran. In einem Staate mit konstitutioneller, auf breitester demokratischer Basis ruhender Verfassung wie dem unsrigen ist jeder zur Mitwirkung an der Lösung dieser Aufgaben berufen. Ein solches Recht aber schließt auch große Verantwortung und schwere Pflichten in fich, die man in der heutigen Zeit leider vielfach nur allzu leicht zu vergessen geneigt ist. Ist das Schicksal des Staates, der Vaterlandes in unsere Hände gegeben, so müssen wir uns auch in unserm gesamten öffentlichen Handeln und Wirken von großen staatlichen und vaterländischen Gesichtspunkten leiten lassen und dürfen nicht in kleinliche Partei-, Standes- und Klassenintereffen versinken. Wie dringend notwendig es ist, das Gemeinwohl höher zu stellen als die Partei und die Wahrung des Staat-interesses als höchste Aufgabe zu erachten, konnte wiederum recht deutlich ein Blick in die Osterartikel der Umsturzpresse lehren. Welch infernalischer Haß gegenüber allem, was der bestehenden etaats. unb Gesellschaftsordnung als Stütze und Träger oreni trieb da von neuem seine Blüten! Um solche Mächte ^"winden, gilt es, die Reihen dicht zu schlie- L d„Unbelrrt QUf das große Ganze gerichtet zu hal en Es wäre viel gewonnen, wenn wir neben der Esiös-N Mahnung des Osterfestes auch diese staatliche Lehre m ? M Ur ber Feiertage in den Lärm des Alltagslebens mit hinübernehmen wollten.
. , 3" Fr° n kr ei ch hat während der letzten Tage ein Rück- trittsspiel des Ministers des Auswärtigen DelcaffS statt» gefunden. Herr Delcaff4 tat erst so, als ob er infolge Fiasko«, das er mit seiner Marokkopolitik erlitten, amtr-
müde und zum Gehen entschlossen sei, ließ sich aber hernach durch Bitten Rouviers und LoubetS dennoch wieder zum Bleiben bewegen. Das ganze Schauspiel iß insofern von lehrreichem Interesse, als es beweist, daß in den deutsch- französischen Beziehungen für Frankreich immer noch Stimmungen wirkungsvoller und ausschlaggebender sind als vernünftige staattzmännische Erwägungen. Uns kann es im Übrigen, soweit die Marokkc-Angelegenheit in Frage kommt, durchaus gleichgültig sein, wer in Frankreich das Ruder des Auswärtigen führt, ob Delcasss oder ein anderer. Der Standpunkt der deutschen Politik in dieser Angelegenheit bleibt unverrückbar der gleiche, oder deutlicher gesprochen, wir sind nach wie vor entschlossen, in keinem Falle zu dulden, daß sich in das völkerrechtliche Verhältnis zwischen uns und dem Sultan, irgend eine fremde Macht als Mittler ein« schiebe. Diesem Standpunkte Ausdruck zu geben, dient auch die Mission des Grafen Tattenbach nach Fez. Das mögen sich unsere Nachbarn jenseits der Vogesen ein für alle Mal gesagt sein lassen.
Auf dem ostasiatischen Kriegsschauplatze ist das Interesse an den maritimen Vorgängen gegenwärtig aufs höchste gesteigert. Um den Beschwerden Japans über einen angeblichen Bruch der Neutralität seitens Frankreichs den Boden zu entziehen, hat die russische Flotte die Kamranh« bucht mit südlichem Kurs verlassen. Aller Wahrscheinlichkeit nach gehl die Absicht Admirals Roschdjestwenskyr dahin, alles zu versuchen, um sich mit dem dritten russischen Geschwader zu vereinen und erst dann den entscheidenden Schlag zu führen Das hochgesteigerte Interesse, mit dem alle Welt den Dingen, die sich zurzeit in den chinesisch-japanischen Gewässern abspielen, folgt, erklärt sich zur Genüge aus ihrer außerordentlichen Wichtigkeit. Ein russischer Seesieg dürfte leicht eine entscheidende Wendung der bisherigen Kriegslage herbeiführen und insbesondere auch aus die Gesundung der inneren Verhältnisse Rußlands von günstigstem Einflüsse sein.
In Sachen Kretas hat eine Besprechung des italienischen Ministers des Auswärtigen Titloni mit den Botschaftern von Frankreich, England und Rußland stattge- funben. Es ergab sich übereinstimmend die Auffassung, daß bet der gegenwärtigen Lage der Dinge die Einverleibung Kretas in Griechenland eins Unmöglichkeit darstelle und daß es angezeigt sei, den Prinzen Georg von solcher Auffassung in Kenntnis zu setzen und ihm zugleich eine Anzahl Maßnahmen mitzuteilen, die auf Beruhigung der Gemüter abzielen. Der Prinz soll dann seinerseits diese Beschlüsse der provisorischen Regierung in Theriffo mitteilen. Hoffentlich zieht die Bevölkerung Kretas aus dieser einhelligen Kundgebung der Schutzmächte die nötigen Folgerungen und trägt dafür Sorge, daß Ruhe und Ordnung auf der Insel aufrecht erhalten bleiben.
In Transvaal endlich ist die verheißene neue Verfassung nunmehr Wirklichkeit geworden. Die neue Verfassung enthält eine gesetzgebende Versammlung, welche aus dem Gouverneurstellvertreter, 6 bis 9 von der Regierung ernannten und 30 bis 35 gewählten Mitgliedern bestehen soll. Jedermann, der Bürger der früheren Republik und für den ersten Volksrad wahlberechtigt war, ebenso jeder weiße englische Untertan, welcher Grundstücke im Werte von 10 Psund jährlicher Rente oder Kapital im Werte von 100 Pfund besitzt, ist zur Stimmabgabe berechtigt.
Sie Mittelmeerflihrt des Aiscrimres.
Aus Palermo, 26. April, wird gemeldet:
I h re M a j est ä t e n d e r Ka i s er und d i e K aiserin, die Prinzen und das Gefolge nahmen heute nachmittag den Thee bei dem Grafen und der Gräfin Mazarino und be- gaben sich dann znm B l u in e n k o r s o auf der mit schönen Platanen und Palmen bestandenen Promenade der Via bella Liberta, welche zum Giardino Jnglese hinführt. Die angrenzenden Häuser waren mit Rosenguirlanden und Teppichen geschmückt. Eine ungeheuere Menschenmenge empfing die Majestäten mit begeisterten Zurufen und Händeklatschen. Die vornehmste Gesellschaft Palermos nahm an dem Korso in zahlreichen eleganten Equipagen teil, weldje über und über mit Blumen, hauptsächlich Rosen, geziert waren. Der Kaiser in Marineuniform und die Kaiserin, welche ganz in weiß gekleidet war, saßen mit dem Generalleutnant v. Scholl und dein Militärattachü v. Chelins in dein ersten der für den Hof gestellten Wagen, im zweiten die Damen und Herren der Umgebungen, die Gesellschaftsanzug trugen; die Offiziere der deutschen Schiffe folgten in weiteren Wagen. Die Majestäten dankten in heiterster Laune für den Blumenregen, der über sie niederging. Die Prinzen sowie die Herren des Gefolges beteiligten sich besonders lebhaft an der Rosenschlacht.
Zur Abendtafel an Bord der Hohenzollern bei Ihren Majestäten waren geladen: Fiirst und Fürstin Trabia, Graf Tasca, Gras und Gräfin Mazarino und Herr Whitacker mit Gemahlin und Töchtern. Die deutschen Schiffe hatten illuminiert.
P a l e r m o, 27. April. S. M. I. H o h c n z o l l e r n,
mitIhren Majestäten dem Kaiser und der K ai serin an Bord, ist in Begleitung von Friedrich Karl und S l e i p n e r heute morgen 8V2 Uhr unter dem Salut der Forts und Italienischen Linienschiffes Sardegna von Palermo nach Bari in See gegangen.
At Vorgänge in T 7 7
Nachstehende seltsame Meldung verbreitet der Telegraph aus Petersburg vom 26. d.: „Die Birshewija Wjedomosti bespricht heute abend an leitender Stelle die in der Stadt um= laufenden Gerüchte, wonach angeblich am 1. Mai, dem zweiten russischen Osterseiertag, etwa 15 0 00 R 0 wdi e s, in Korps auf die einzelnen Stadtteile Petersbnrgs verteilt, die Straßen durchziehen und die gebildete Bevölkerung niedermachen wollen; die Bewegung, so besagen die Gerüchte weiter, sei nicht gegen die Regierung gerichtet, und die eigentliche Arbeiterbevölkerung sei an ihr nicht beteiligt. Auch die Zeitung Rufs nimmt von diesen Gerüchten Notiz."
Petersburg, 27. April. Die Befürchtungen wegen des Verlaufs der Osterfeiertage verstörten sich. Es zirkulieren Gerüchte, daß in der Ostern acht Attentate gegen die Jsaak- und Kasankathedrale beabsichtigt sind. Bankhäuser, Regierungsgebäude und die Palais der Großfürsten, sowie die Wasserleitungsstationen werden von Sonnabend ab von starken Truppenabteilungen bewacht. Zahlreiche begüterte Familien verlassen fortwährend die Stadt. Auf dem Warschauer Bahnhof wurden fünf Agitatoren verhaftet, welche versuchten, Eisenbahnbeamte auszureizen.
Warschau, 27. April. In Bialyst 0 k erschoß ein Unbekannter einen Soldaten auf offener Straße. Später wurden drei Männer verhaftet, welche mehrere Schüsse auf einen Polizeibeamten abgaben unb denselben tätlich verletzten.
Petersburg, 27. April. Bezüglich der die Stadt Petersburg durchlaufenden Gerüchte über Unruhen im April und Mai hat der Generalgonverneur eine die Bevölkerung beruhigende Bekanntmachung erlassen, wonach keine Ruhestörung zugelassen werden und jeder Versuch zur Erregung von Unruhen aufs entschiedenste unterdrückt werden wird.
Sdunskvja-Wolja (Gouvernement Kalisch), 27. April. Hier wurde heute ein Jsraelit, der einen Ballen Proklamationen bei sich hatte, verhaftet. Eine Menge Js- raeliten versuchten vergeblich unter Anwendung von Schußwaffen und Messern den Berhasteten zu befreien, wobei einige verivunbet wurden.
Der russisch-japanische Krieg.
Heute taucht wieder einmal eine neue Version über den gegenwärtigen Aufenthalt des rufsischen Geschwader« auf, dessen Hauptbestandteile am Sonnabend nachmittag die Kamranh-Bucht verlassen hatten.
Saigon, 27. April. Auch die russischen Transportschiffe und da« Hospitalschiff .Drei" haben gestern Vormittag die innere Kamranh-Bucht verlassen. Da« russische Geschwader liegt außerhalb der Kamranh-Bucht in einem großen Bogen, der sich vom Kap VarelS bi« zu der kleinen Spitze der Kamranh-Halbinsel erstreckt. Die Torpedoboote manövrieren nach allen Richtungen. Da« Geschwader scheint die Ankunft des Geschwaders bes Admirals Nebo- gatow zu erwarten.
London, 27. April. Während in Tokio anscheinend noch an eine Vereinigung Rojestwenskijs mit Rebogatow in den Gewässern von Hainan geglaubt wird, deuten alle anderen Meldungen darauf hin, daß das Groß der Haupt- flotte von ber Kamranh-Bucht zunächst wieder südwärts gedampft ist, um das dritte Geschwader unter Rebogatow bei Batavia zu treffen. Die Tatsache jedoch, daß da« Kabel zwischen der Insel Hainan und dem chinesischen Festlande zerschnitten worden ist, wird hier so ausgelegt, daß Rojestwenskij einige seiner Schiffe nordwärts detachiert hat, um diese Zerschneidung vorzunehmen. Hierin wiederum wird ein Beweis dafür erblickt, daß der russische Admiral in der Tat nach der Vereinigung der Gesamtflotte die chinesische Insel Hainan unbeirrt von Neutralität-bedenken als Basis für die bevorstehende Schlacht zu benutzen gedenkt und sich durch die Zerstörung der telegraphischen Verbindung mit Kanton eine unbequeme Berichterstattung der Jnselbehörden an die chinesische Regierung vom Leibe halten will. — Die im Hafen von Tschisu liegenden beSarmierten russischen Torpedoboote setzen nach einer Meldung bes Daily Telegraph ihre Vorbereitungen zum Entweichen fort, werden aber von japanischen Agenten eifrig bewacht. — Der deutsche Damvfer „Juliette" hat Port Louis auf Mauritius mit dem RsifezielSaigon verlassen,nachdem die aufsässige englische Besatzung durch eingeboreneManns chasten ersetzt worden und die Hafenbehörden durch das hiesige Kolonial» amt angewiesen waren, dem Kapitän die gewünschten 600 Tonnen Kohle nicht länger vorzuenthalten. Die Meldung von der Aufbringung zweier Retsschiffe durch die Russen hat, obwohl durch Lloyds zuverlässigen Agenturdienst feiner»