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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 49
Donnerstag, den 27< April
1905♦
Amtlicher Ceil.
Hersfeld, den 27. Mür, 1905.
Auf Grund des § 82 der Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885 wird in Nachstehendem das Ergebnis der am 25. d. MtS. stattgefundenen Kreis- tagSsttzung zur öffentlichen Kenntnis gebracht:
Punkt 1 der Tagesordnung:
Eine endgültige Beschlußfassung über Uebernahme der Kosten der Schweine-Jmpfung auf den Kreis wurde auf Antrag des Herrn Bürgermeisters Strauß dahier vorläufig autgefetzt, weil eine zuvorige Verhandlung mit dem Königlichen Herrn Kreistierarzte dahier über die Organisation dieser Angelegenheit bezüglich der ganzen Kreises als wünschenswert zu erachten sei.
Punkt 2 der Tagesordnung:
Der Kreishaushalts-Elat für da» Jahr 1./4. 1905/6, welcher der heutigen Nummer des Kreis. blatteS beiliegt, wurde eingehend durchberaten bezw. geprüft und, da sich Bemerkungen nicht zu machen fanden, sodann in Einnahme und Ausgabe auf den Betrag von 80 000 Mk. festgestellt, unter Genehmigung aller Einnahme- und Ausgabe.Posten.
Punkt 3 der Tagesordnung:
Mit Prüfung der Kreiskommunalkaffen Rechnung für das Jahr 1 /4. 1904/05 wurden auch diesmal wieder die Herren Apotheker L. Becker dahier und Vorschußvereins- Direktor Hettler dahier betraut.
Punkt 4 der Tagesordnung:
Als Vertrauensmänner für den Ausschuß bei den Amtsgerichten im hiesigen Kreise zur Mitwirkung bei der in 1905 stattfindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1906 wurden dieselben Personen gewählt, welche bereits im Vorjahre als solche fungirt haben, mit Ausnahme des Herrn Bürgermeisters Neuber in Beiershausen, für welchen der Herr Bürgermeister Klotzbach in Reckerode gewählt wurde.
Punkt 5 der Tagesordnung:
Mit der Benutzung der Wettervoraussagen der Weil- burger Wetterwarte für den hiesigen Kreis für die Sommermonate des Jahres 1905 erklärte sich die Kreisstandschaft einverstanden; auch wurden die dadurch entstehenden Aus- gaben bewilligt.
Außer der Tagesordnung kam noch das mittelst Schreibens des Herrn Landeshauptmanns in Hessen in Gaffel vom 17. 3. 1905 anher gelangte Projekt zum Neubau einer gewölbten Brücke über den Biedebach in Station 6 4- 51 des Landweges Fried. los-Biedebach innerhalb der Gemarkung Tann zur Vorlage und Begutachtung. Letztere gab zu Bemerkungen keinen Anlaß und wurde beschlossen, zu beantragen, die Hälfte der durch die Ausführung des Projekts entstehenden
Die Macht dev Liebe.
Roman von A. v. Liliencron.
(Fortsetzung.)
IV.
Zwei Tage vergingen, ehe Klaus sich wieder bei seiner waut sehen ließ. Am Abende nach jenem verhängnisvollen Psingsttanze waren sie einander zufällig am Bache begegnet, der sich hinter den beiden Gehöften schlängelte. Grete trug einen Korb mit Leinenzeug und war auf den Steg herausgetreten, um die Wäsche zu spülen, und der Bursche, den das gestrige Fest noch in den Gliedern lag, schlenderte langsam am Ufer entlang.
Als sie einander ansichtig wurden, mochte es wohl derselbe Gedanke sein, der beide bewegte, der entschiedene Wunsch, sich jetzt nicht zu begegnen; denn Klaus verschwand sofort hinter enien trennenden Gebüsche, unb Grete kehrte nuverrichteter Sache, aber eiligen Schrittes in den Hof zurück.
Heute nun hantierte sie aus der kleinen Wiese hinter dem Hofe umher, schlang die Trockenleine von Baum zu Baum und mühte sich eben vergeblich, den Strick um einen hohen Ast der alten Linde zu schlinge».
D" fühlte sie sich von hinten umfaßt, offenbar in der Ab- uajt, emporgehoben zu werden. Heftig warf sie den Kopf s , ^ppcu blieben stumm, aber aus deu Augen blitzte s Den Klaus vorwurfsvoll an, und das hieß so viel als — »laß mich in Ruh."
sich zu tief in ihrer Schuld, um jetzt ihr gegeu- £ I^W^ ^' wollen. Daher trat er zurück, griff ™ J Seme, bic sie in Plötzlichem Erschrecken zu Boden gewesen hatte, Md sagte: „Ich werde dir helfen." bnrnn h£eLV gellen und machte sich eifrig an hÄÄ ^e Schlinge befestigt unb trat nun wieder an das Mädchen heran, oas sich gar nicht nach ihm um= sondern mit einer gewissen Heftigkeit die Wäsche über die Seme warf und die Klammern darüberdrückte. Eine Weile
Kosten der baupflichtigen Gemeinde Tann aus communal- ständischen Mitteln als Unterstützung zu bewilligen.
Ferner beschloß die Kreisstandschaft auf Die Verfügung deS Königlichen Herrn Regierungspräsidenten in Gaffel vom 11. März 1905 A II. Nr 2612, Gesuch der Witwe Ritzer in Vacha um Entbindung von der Verpflichtung der Ausübung der Wasenmeistereigerechtsame in den Gemeinden des früheren Amtes Friedewald und der Vogtei Kreuzberg betreffend, daß der Kreis Hersfeld es ablehne, eine Kreis- Sammelwafenmeisterei einzurichten.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Freiherr von Schleinitz, g. A 1044. Geheimer Regierungs Rat.
Hersfeld, den 20. April 1905.
Die Königlichen Herren OrtSschulinspektoren des hie- sigen Kreises wollen mir gefälligst b i S spätestens zum 5. Mai d. J. mitteilen, von wieviel Kindern die ihnen unterstellten Schulen am 1. M a i d. I. besucht worden sind, wieviel Unterrichtsklassen eine jede Schule hat und (bei mehrklassigen Schulen) wie viel von diesen Kindern auf eine Lehrkraft entfallen.
I. 2780. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Königliches Lndratsanit.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher Ceil.
Ar MlelmMrt des Msiservaares.
Vom Ostersonntag in Messina liegen folgende Meldungen vor:
Vormittag fand an Bord der Hohenzollern Gottesdienst statt, an welchem sämtliche Fürstlichkeiten teilnahmen. Se. Majestät der Kaiser hielt die Liturgie ab, Militäroberpsarrer GoenS hielt die Osterpredigt. Später begaben sich Ihre Majestät die Kaiserin und der Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha an Land und machten dem in Messina erkrankten militärischen Begleiter des Herzogs Hauptmann v. Eckards im Krankenhaus einen Besuch. Das Publikum bereitete der Kaiserin lebhafte Kundgebungen. An Bord kamen zahlreiche Blumenspenden.
Der Kaiser, die Prinzen und die Herren des Gefolges
sah Klaus ihr zu, dann sagte er, „Grete, ich habe dir was zu sagen."
„Jetzt ist nicht Zeit dazu," antwortete sie, „ich muß die Wäsche aushängen."
„Na, dann werde ich dir ein bischen helfen, damit's schneller geht," erklärte er, nahm ein paar Handtücher aus dem Korbe und wollte nach den Klammern greifen, die Grete in einem Beutel am Gürtel trug.
Sie merkte seine Absicht, fürchtete dabei eine Zärtlichkeit von seiner Seile und wies ihn ab. „Unter der Linde steht der Korb mit den Klammern, da kannst zulangen, wenn du mittun willst."
Er knurrte ein paar unverständliche Worte, tat aber doch, wie sie ihm gebot, und so arbeiteten sie schweigend nebeneinander. Als er sich aber gar so ungeschickt anstcllte, wie er ein größeres Stück aus dem Korbe zog, nahm sie ihm das Ding aus der Hand, „laß nur gut sein,' ich werde schon allein fertig. Du kommst damit doch nicht zustande." Er lachte ganz vergnügt, denn jetzt schien ihm die Grete doch schon wieder zugänglicher geworden.
„Du, mit dem kleinen Zeug komme ich znrcchl," behauptete er unb griff nach einem Stoß Strümpfe. „Ich muß das doch lernen; denn wenn du erst mein Weibchen bist, dann stellst du deinen Bauer doch sicher an."
„Wollen's abwarlen, wie alles kommt," gab sie achsel- zuckend zurück.
„Na weißt, wenn die Ernte herein ist, dann machen wir Hochzeit."
Das Mädchen antwortete nicht. Das letzte Stück hing an der Trockenleine. Grete griff nach dem Korbe. „Schön Dank auch," sagte sie und wollte gehen.
Nun vertrat er ihr aber den Weg. „Nc höre, jetzt ist's genug. Wir gmei müssen miteinander verständig reden."
Sie strich gedankenverloren über die feuchte Wüsche, die ein frischer Wind blähte. „Hast recht," gab sie zu, „es wird Zeit."
Klaus drehte an seinem Westcnknopse. „Ja, was ich sagen wollte, von wegen neulich, das darfst mir nicht so übel nehmen."
hatten auf dem Oberdeck in der Takelage Ostergeschenke und zahlreiche Apfelsinen versteckt; die letzteren wurden vor Tisch von den Mannschaften der Hohenzollern, die ersteren später von den Gästen gesucht. DaS ^^ war kühler; es fiel etwas Regen.
Unter den Blumenspenden befand sich ein Korb mit künstlerisch von den Damen der deutschen Kolonie bemalten Ostereiern, der mit von den Damen selbst gepflückten wilden Zyklamen und Alpenveilchen geschmückt war, ferner ein vom Bürgermeisteramt gespendeter Blumenkorb, sowie ein riesige» Osterei aus weißen Blüten, vom Klub Girolo della Borsa. Erstere beiden wurden im Speisesaal, letztere» im Vorsaal aufgestellt. Nachmittags blieben die Majestäten an Bord.
Am Vormittag des 24. ist sodann S. M. Jacht Hohenzollern, mit Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin und den Kaiserlichen Prinzen an Bord, begleitet vom Kreuzer Friedrich Karl, dem Torpedoboot Sleipner und vier itae lienischen Torpedobooten, um 8V2 Uhr nach Palermo in See gegangen. Am User hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, die den Majestäten eine herzliche Ab. schiedskundgebung bereitete. Das Wetter war schön, wenn auch kühl.
Se. Majestät der Kaiser sandte dem Bürgermeister von Messina ein Dankestelegramm für den ihm zu teil gewor. denen Empfang und spendete 1000 Lire für wohltätige Zwecke.
Die Schiffe passierten am Mittag die Liparischen Inseln und trafen nach prächtiger Fahrt um 5Va Uhr Nachmittag» im Hafen von Palermo ein. Während der Fahrt hörte S. Majestät der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militär- kabineUs, Grafen v. Hülsen-Haeseler, und erledigte Regie. rungSgeschäste.
Palermo, 25. April. Gestern abend gaben der hiesige Grobkausmann Witacker und Gemahlin einen Ball, an welchem die Prinzen Eitel-Friedrich, Adalbert und Oskar sowie die Herren des Gefolges und die Mitglieder der Offizier- korps der drei deutschen Schiffe teilnahmen.
Heute vormittag unternahmen die Majestäten mit den Prinzen und dem Gefolge bei schönem Wetter einen Ausflug nach Monreale. Der Landungsplatz war mit riesigen Bannern in deutschen Farben und mit Laubgewinden geziert, die Feststraße m't Flaggenmasten besetzt, die ganze Stadt beflaggt. Die Bevölkerung brächte den Majestäten auf ihrer Wagenfahrt lebhafte Huldigungen dar.
Ae Vorgänge in Rußlack
Bjel 0 st 0 k, 22. April. Zwischen der Bevölkerung und hierher verlegten Kosaken kam er zu einem Zusammenstoß, bei dem die Kosaken mit Knuten schlugen. Ein alter Mann und eine Frau, die von den Kosaken verwundet wurden, sind in das Krankenhaus eingeliefert worden.
Sie wollte dazwischen sprechen, aber diesmal ließ er fie nicht zu Worte kommen, „Wenn du nicht von vornherein so kurz angebunden gewesen wärst, dann hätt' so was nicht mit mir passieren können,"
„Also meinst, ich trag' die Schuld daran," bemerkte sie bitter.
Klaus gab das Kuopfdrehen auf und schob dafür seine Mützehin und her. „Ja doch,alleweile ein gut Teil Schuld daran hast du mit deinem Trotzen und Barschsein, das andere kommt auf mein Teil. Unb weil wir's nun beide verdorben haben, da meine ich, wir ziehen einen Strich durch unb fangen von vorn an."
Mit keinem Worte versuchte das Mädchen sich zu verteidigen. Sie wußte, daß sie Klaus an jenem Abende gereizt hatte, und würde das nie abgeleugnet haben, aber sie hatte auch kein Verständnis dafür, wie er sich so weit hatte vergessen können, um in solchen Zustand zu geraten. Zu tief hatte sich ihr das Bild der furchtbaren Lage eingeprägt, aus der Hannes sie befreit hatte, als daß sie nicht noch jetzt ein Schänder ergriffen hätte, wenn sie daran dachte.
„Ich will dir sagen, Klaus, wie's werden soll," hob sie an unb sah ihm dabei fest in die Augen. „Wenn ich einen Trunkenbold zum Manne bekäme, das ertrüge ich nicht. Ich glaube, dann könnte ich ins Wasser gehen."
„Grete, ein Trunkenbold bin ich nicht," fuhr er heftig aus.
„In drei Tagen zweimal im Rausche! Wie nennst du das?" fragte sie kalten Tons, ließ ihn aber gar nicht erst antworten, sondern setzte gleich hinzu: „Ich will nicht mehr darüber reden, aber vergessen kann ich's noch nicht, und bic Bäuerin auf dem Jmmeuhose kann ich zum Herbste auch nicht werden!"
„Mädel, mach mich nicht toll," rief er außer sich, „wenn ich dich nicht krieg', dann hast du's zu verantworten, was aus mir wird."
„Hast mich nicht aussprechcu lassen, ich will den Klaus ja gar nicht laufen lassen," antwortete sie, und ein Strahl der alten Liebe traf ihn aus ihren Braunaugen.
Er griff nach ihrer Hand. „Mein Mädel, bist wieder gut?" „Hör' mich zn Ende," wehrte sie seiner Freude. „Muß