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herzselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Flnschlutz Nr. 8
Nr. 48.
Sonnabend, den 22. April
1905»
Amtlicher teil.
Hersseld, den 19. April 1905.
Damit die Gemeinden schneller, >ie dies nach dein früheren Anforderungsverfahren möglich war, in den Besitz der zuständigen Ouartierentschädignngeu gelangen, ist s. Zt. versuchsweise angeordnet worden, daß der tarifmäßige Servis für gewährte Quartiere, Stallungen u f. w. den Gemeinden un= mittelbar von den Truppenkassen, spätestens innerhalb 6 Wochen, nach Beendigung der betr. Uebung durch Baarseudung mit der Post zu zahlen ist.
Die Truppenteile haben zu diesem Zwecke die Quartier« bescheinigungen mit folgender Aufschrift in roter Tinte zu versehen:
„Diese Bescheinigung ist zur Auszahlung der Quartierentschädigung bis zum......an die Kassenverwaltung des . . . Bataillons Infanterie - Regiments Nr. . . . in ......zu senden."
Nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen haben jedoch die Gemeinden die ihnen ausgehändigten Quartierbescheinigungen, trotz der aufgedruckten Anweisung und des mündlichen Hinweises, vielfach verspätet und oft erst nach mehrmaliger Erinnerung den Kassenverwaltungen der Truppen zugestellt.
Abgesehen von der den Letzteren hierdurch erwachsenden Mehrarbeit und Geschäftserschwernis, wird auch der Eingangs beabsichtigte Zweck nicht erreicht und die Quartiergeber dadurch geschädigt. Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises werden darum hiermit angewiesen, die ihnen von Truppenteilen ausgehändigtenQuartierbescheinigungen Pünktlich zu den auf den B e s ch e i im gungen vermerkten Terminen an die betreffenden Truppen- lassen ein zu senden.
I. 2716. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 17. April 1905.
Bei Prüfung der Zählpapiere der Viehzählung vom 1. Dezember v. Js. hat das statistische Bureau zu Berlin Verschiedenes zu bemerken gefunden.
Den beteiligten Herren Ortsvorständen des Kreises werden die beanstandeten Zählpapiere in Kürze mit den bezüglichen Erinnerungen zugehen. Die letzteren sind nach Empfang alsbald zu erledigen bezw.zu erläutern und hierauf ungesäumt die Zählpapiere hierher zurückzusenden.
I. 2642. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 18. April 1905.
Die Räude unter den Schafen in Seifertshausen (Kreis Rotenburg a/F.) ist erloschen.
l. 2708. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
nichtamtlicher teil.
Ostern.
„Christi ist erstanden! Freude dem Sterblichen, Den die verderblichen, Schleichenden, erblichen Mängel umwanden!"
Dieser Osterbotschaft, welche den bei Leben« überdrüssigen Faust wieder in» Dasein zurückführte, ertönt auch heute wieder. Sie ist eine frohe Botschaft, die allen Gequälten, Mühseligen und Beladenen Freude bringt und — sie -zudem bedrückenden Alltagsleben emporzieht zu dem Ewigen! Sehen wir uns um, blicken wir aus uns selbst, auf unsere Umgebung, steigen wir in die Häuser der Armen hinab ober' in die Wohnungen der Reichen hinauf, blicken wir rückwärts in die Ueberlieferungen der Geschichte: es sind allenthalben „verderbliche, schleichende, erbliche Mängel", die den Sterblichen umgeben und die ihm zu einer erdrückenden Last werden müßten, wenn nicht der Glaube an die Erlösung der Menschheit ihn mit Hoffnung und Zuversicht erfüllte und ihn immer von neuem stärkte zu der Erfüllung der Aufgaben, die ihm aus Erden geworden sind.
Diese Botschaft ist aber auch die einzige, welche in Wahr- Wt imstande ist, den Menschen zu erheben und für den Kampf um« Dasein geschickt und fftart zu machen. Alle anderen Mittel, welche gerade in neuerer Zeit von so vielen Weltverbesserern empfohlen werden, indem sie dem Menschen durch phantastische Vorstellungen von Jdealstaaten einen Vimmel auf Erden vorgaukeln, der ihnen Wohlleben und rdische Glückseligkeit bringen soll, führen irre und verleiten ” * Unzufriedenheit, welche sich schließlich gegen Gottes Ord
nung, gegen den Staat und die Welt auflehnt und zu verbrecherischen Taten drängt. Es ist eine eigentümliche Erscheinung unserer Zeit, daß die dunklen Mächte sich allenthalben rühren, um zu zerstören, was Christentum und Sitte, Kultur und Religion, Pflichtgefühl und strenge Arbeit auf« gebaut haben; das Spiel einer Phantasie, die sich über die harte Notwendigkeit des Daseins und über die der Menschen- Vernunft gezogenen Grenzen hinwegsetzt, die sich weder an die Gesetze des Staates noch an die Gebote de» Christentums hält, führt nur zu leicht in den Abgrund des Verbrechens, zur Verzweiflung, zur Auflösung aller Ordnung. Wir haben solche Zeichen in den letzten Wochen namentlich in unserm Nachbarreiche im Osten erlebt. Der Eindruck des Schreckens, den sie überall verbreiten, gemahnt daran, sich der Wahrheiten des Christentums stärker bewußt zu werden und sich nach dem Kompaß zu richten, der sich durch die Jahrhunderte hindurch als der sicherste in dem Ozean des irdischen Lebens bewährt hat, und den das Osterfest uns wieder in der Botschaft „Christ ist erstanden!" vor die Seele führt.
Aber auch diejenigen, welche weit davon entfernt sind, auf die Abwege zu geraten, die wir soeben angedeutet haben, werden aus der Osterbotschaft von neuem Stärkung und Kraft für ihr Wirken in der Familie, in der Gemeinde, in Staat und Kirche schöpfen. Sie werden von den Zwistig. teilen, welche das politiiche Leben mit sich bringt, sich nicht durchdringen lassen dürfen, sondern bestrebt sein müssen, stets der Pflichten und Gebote des Christentums eingedenk zu sein und hiernach gegenüber ihren Nächsten, vornehmlich den Bedrängten und Leidenden, zu handeln. Die Politik des modernen Staates ist, seitdem sie sich selbst diese Aufgabe gestellt, eine echt christliche geworden: sie legt dem Stärkeren Opfer auf zu Gunsten der Schwachen, und wir haben auf diesem Wege schon große Fortschritte gemacht. Diese Staatspolitik und der christliche Gedanke, der sie durch- zieht, muß aber auch jeden Einzelnen erfassen und in jedem Einzelnen in seinem Wirkungskreise zu verwirklichen gesucht werden. Dadurch wird er nicht nur des Nächsten Los zu erleichtern vermögen, sondern vor allem sich selbst wahre innere Befriedigung verschaffen. Wird die Osterbotschaft recht verstanden und beherzigt, dann werden die „verderblichen, schleichenden, erblichen Mängel", wie sie den einzelnen Staat und Gesellschaft umwinden, überwunden und gelindert werden, dann wird sie dem Sterblichen die Freude und die Befriedigung bringen, die man auf andern Wegen vergeblich zu erstreben sucht.
Politischer Wochenbericht.
Das Osterfest macht sich wie immer so selbstverständlich auch dieses Jahr in einem Abflauen und zeitweiligen Zurücktreten der Politik bemerkbar. Ganz hört freilich bei einem so hoch entwickelten öffentlichen Leben wie dem unsrigen, die politische Erörterung niemals auf, und sie heftet sich gegenwärtig vornehmlich an die preußische Bergarbeiterschutz-Novelle. Die Berggesetz- Kommission des Abgeordnetenhauses hat bis in die Berichts- woche hinein getagt und den genannten Gesetzentwurf auch noch in zweiter Lesung erledigt. Die Novelle ist schließlich in einer von dem ursprünglichen Regierung-entwurf mehr- fach abweichenden Form von den beiden konservativen Par- teien und den Nationalliberalen gegen die Stimmen de« Zentrums und des Freisinns angenommen worden. Der erwartete Schritt zur Verständigung ist also in der Kommission von der ersten zur zweiten Lesung nicht geschehen. Das Schicksal der Vorlage ruht nunmehr im Plenum und man darf wohl an der Hoffnung festhalten, daß schließlich aus den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses über die Bergarbeiterschutz-Vorlage doch noch ein lebensfähiger Gebilde hervorgehen wird.
Weitaus bewegter und lebhafter als bei uns gingen freilich die Wogen des öffentlichen Lebens während der letzten Tage im Auslande. In Italien hatten die Eisenbahner es wiederum mit dem Generalstreik versucht, um das neue Ministerium Forti« zu bewegen, die Paragraphen der Eisenbahn-Vorlage zu entfernen, die bestimmt sind, die Autorität des Staate» gegenüber dem Eisenbahn-Personal zu wahren. Aber kläglicher noch als zuvor ist diesmal der Versuch eines Generalstreikes ge- scheitert. Fast geschlossen wandte sich die öffentliche Mein- ung gegen das Vorgehen der Eisenbahner, und so gelangte die aufrührerischeHBewegung nicht über ihre ersten Anfänge hinaus.
Noch ein anderes Land, nämlich Frankreich, ist während der letzten Tage der Schauplatz von Slretkun- ruhen gewesen. Die Ausstandsbewegung, die daselbst unter den Arbeitern der Fabritstadt L i m o g e s Platz gegriffen hatte, ist leider zu blutigem Ausruhr ausgeartet. Zwischen den Ausständigen und dem Militär ist es zu einem regelrechten Straßenkampfe gekommen. Die Ausständigen rissen da» Pflaster auf, errichteten Barrikaden und gaben zahl, reiche Revolverschüsse aus da» Militär ab. Auf beiden Seiten kam eine Reihe mehr oder minder erheblicher Ver«
wundungen vor. In Frankreich wird vielfach der schwanken, den und wankelmütigen Haltung der örtlichen Behörden ein gewichtiger Teil der Schuld an den bedauerntwerten Ausschreitungen beigemessen. E» dürfte schwer sein, zu einem sicheren Urteile über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit dieses Vorwurse» zu gelangen, soviel aber steht zweifellos ein für allemal fest, daß eine energische und entschiedene Haltung der maßgebenden Behörden bas beste Mittel ist, um ein ausgebrochenes Streikfeuer zu dämpfen.
Was den ostasiatischen Krieg betrifft, so tritt bas Interesse n den Landvorgängen in der Mandschurei zur Zeit wesentlich hinter dem Interesse an den von der russischen Flotte begonnenen Operationen zurück. Mit großem Geschick hat Admiral Roschdjestwenüky es verstanden, diese Operationen in Dunkel zu hüllen. Als sein nächstes Ziel aber läßt sich wohl die Vereinigung seiner Flotte mit den Schiffen von Wladiwostok ziemlich sicher vermuten. Es würde ihm daher die Aufgabe gestellt sein, die chine« fischen Gewässer möglichst schnell zu durcheilen, während andererseits die japanische Flotte alle» aufbieten wird, um die russische möglichst schnell zum Kampfe zu zwingen. Die Lösung dieser beiderseitigen militärischen Aufgaben erregt umso größere» Interesse, alt dieselbe sich zweifellos von großem Einflüsse aus den weiteren Verlauf bet Kriege» erweisen muß.
In Ungarn endlich scheint die Ueberzeugung Ober. Hand zu gewinnen, daß ein Ausweg aus bet verworrenen Lage gesucht werden müsse. Wenigsten» fassen in diesem Sinne Wiener Blätter den im ungarischen Parlament von der vereinigten Opposition zur Beratung gestellten Adreß- entwurf auf. Das „Fremdenblatt" sieht in dem Hinweise des Entwurfes auf die Gefährlichkeit des gesetzlosen Zu- stände» einen erfreulichen Fortschritt, bra zu der Hoffnung berechtigt, daß sich die Koalition der Pflicht bewußt werden wird, als Majorität ander« zu handeln als in den Tagen, da sie als wenig rücksichttvolle Opposition der Regierung gegenüberstand. Es ist dringend zu wünschen, daß diese hoffnungsvolle Erwartung sich bestätigen möge.
Är Äilfstmil in Ientsch-Mmst-Asrika.
Eine Meldung des Generalleutnants v. Trotha aus Kub bringt Nachrichten über verschiedene Gefechte und Vorgänge im Hottentotten- und Hererogebiet, welche zeigen, mit welchen Schwierigkeiten unsere Truppen zu kämpfen haben. Aus dem Hottentottengebiet wird gemeldet:
Major v. Esthorff, der auf feinem Südmarsch am 8. d. bis 45 Kilometer südöstlich von Kowise-Kolk am Nossob gelangt war, ohne den Gegner zu erreichen, mußte an dieser Stelle die Verfolgung der Witbois wegen Wassermangels aufgeben. Er wird das weiter nordwestwäits am Nossob gelegene Awadaob besetzt halten und vorläufig nach Gochas znrückgehen. Die Besatzung von Aminuis wird durch die 4. Kompagnie Feldregiments 1 und eine halbe 4. Batterie aus Gobabis verstärkt werden.
In den Karasbergen wurde am 7. April südlich Nurados die Pferdewache der Kompagnie des Hauptmanns d'Arrest von einer 200 Mann starken Bande überfallen. Die Kompagnie griff den Gegner an und stürmte nach schwerem siebenstündigen Gefecht seine Stellung. Diesseits sind 7 Reiter gefallen, 3 verwundet.
Patrouillengefechte fanden statt bei Gamdau, 15 Kilometer nordöstlich Bethanien, bei Thannarob südlich des Packriem. Diesseitige Verluste betragen: 1 Offizier, 1 Oberveterinär, 8 Unteroffiziere und Reiter gefallen, 5 Reiter verwundet.
Auf Hererobanden, welche sich im Westen von Windhuk aushielten. beziehen sich folgende Meldungen:
Von den Komashochland gemeldeten Hererobanden hat ein Teil die Eisenbahn zwischen Windhuk und Okahandja überschritten und sich nach Nordosten gewandt. Er wird durch die in Otjihangwe (östlich von Okahandje) stehende Kompagnie und durch starke Offizierpattouilleu aus Windhuk und Okahandja ausgesucht.
Die Bande des Großmanns Andreas, welche im März den Kuiseb abwärts zog und am 26. März von Gr. Heusis aus durch eine halbe Etappenkompagnie angegriffen wurde, wobei sie 20 Mann verlor, ist im Tale des Kuiseb-Flusscs südwärts in die Gegend von Tantus (nordwestlich von Rehoboth) gezogen. Ihm folgen Don Norden her eine Etappenkompagnie und eine zusammengestellte Abteilung von 90 Mann mit einer Revolvcrkanvuc; von Rehoboth her ist eine Ersatzkompagnie über Areb, nördlich Nauchas in Marsch gesetzt.
Generalleutnant von Trotha meldet aus Kub, daß am 13. April eine Kaffernbande von 15 Mann am Achoub südlich Nauchas durch eine Bastardpatrouille aufgehoben wurde. Der Führer der Bande war Kapitän Jack, der im Oktober 1904 den Farmer Hermann ermordet hat. Neun Koffern sind gefallen. Gewehre und einiges Vieh wurden erbeutet.