i Sonntag und nicht ebensogut auch für Montag und Mittwoch passen solle. Die Regel: „3e weiter man sieht, desto < näher der Regen" findet ihre Begründung darin, daß aus der Vorderseite eines Hochdruckkeiles ungemein durchsichtige Luft vorhanden ist und die nicht allzuweit entfernte Rückseite des Keile« schweren Regen bringt. Die Regel wird also bestätigt, wenn der Keil über uns fortzieht, sie wird versagen, wenn unser Ort statt in die Rückseite des Keiles direkt in das eigentliche Hochdruckgebiet kommt. Ferner: ,Starker Tau bedeutet anhaltend gutes Wetter"; das ist begründet, da Taubildung vorzugsweise bei antizyklonalem Strahlung-wetter eintritt, und dieses, die Tendenz zu längerem Anhalten hat. Eine Menge von Wetterregeln, namentlich die auf das Ausfliegen der Vögel bezogenen, finden dieselbe Begründung.
*Eisenbahnhygiene. Täglich kann man in Eisenbahnwgen sehen, wie Erwachsene und Kinder die bestiegenen Fensterscheiben, das heißt die niedergeschlagenen Ausatmungsdämpfe der Reisenden mit den Fingern ab. wischen. Nur zu oft muß man erleben, daß kleine Kinder unmittelbar darauf ihre Finger in den Mund stecken oder daß Schulinder und Erwachsene mit den soeben beschmutzten Händen ihr Butterbrot anfassen, um es zu verzehren. Der größte Unfug ist es jedoch, wenn Erwachsene dulden, daß ihre kleinen mitreisenden Kinder beim Hinaussehen Mund und Nase an die schmutzigen Scheiben drücken und womöglich gar mit der Zunge daran lecken. Man braucht nicht ängstlich vor Bozillen zu sein, um diese Berührungen mit den niedergeschlagenen ausgeatmeten Stoffwechselprodukten aller möglichen Menschen für höchst unappetitlich und schäd. lich zu halten. Geradezu giftig müssen aber die Ausdünstungen der Reisenden und ihrer feuchten Kleider an Regen- und Nebeltagen wirken. Auch die nassen Kokosfußmatten sind die Verbreiter übler Dünste. Bei der Luftscheu der meisten Menschen herrscht besonder» an solchen Tagen, weil man alle Fenster und Ventilationsklappen schließt, eine derartige Siicklust in den Bahnwagen, daß viele Katarrhe der Nasen- und Kehlkopfschleimhäute auf die Einatmung dieser verdorbenen Luft zurückzusühren sind. Man gebrauche nur seine Nase, und man riecht, wie unangenehm sauer und dunstig solche Luft ist. Dann aber öffne man so oft als möglich Fenster und Luftklappen gerade an feuchten und trüben Tagen.
* Verliehen: dem Waldarbeiter Konrad Nickel zu Oberg eis das Allgemeine Ehrenzeichen.
* Endgültig angestellt: Der mit Versebung der Schul- stelle beauftragte Lehrer Herzog zu Friedewald. Einstweilig angestellt: Die Schulamtsbewerber Scheid aus Schwalbach an der ev. Schule zu Obergeis, Raub aus Bonbaden sn die ev. Schule zu M o tz f e l d , Schweitzer aus Braunfels an die evang. Schule zu F r i e l i n g s n.
):( Hersfeld, 17. April. In der hiesigen Stadtkirche fand gestern die Konfirmation von 97 Knaben und 2 Mädchen, deren Brüder ebenfalls konfirmiert wurden, statt. Die übrigen Mädchen werden Sonntag den 30. April konfirmirt.
):( Hersfeld, 17. April. Einen ca. 360 Zentner schweren Dampfkessel erhielt heute die Brauerei F. L. Sie in weg am Hanssack. Zum Transport desselben mußten 12 Pferde verwendet werden. Das Pflaster zeigte stellenweise deutliche Spuren, welchen Weg der Koloß genommen hatte.
Burghaun, 16. April. Von herzerschütternden Schick' salsschlägen wurde die Familie des Briefträgers Leister in dem benachbarten Orte Neukirchen heimgesucht. In einem Zeitraum von 20 Stunden starken derselben drei Kinder an Scharlach und zwar ein Junge im Alter von 14 Jahren und zwei Mädchen im Alter von 6 und 4 Jahren. Am Sonntag fand die gemeinschaftliche Beerdigung statt. Die Teilnahme für die schwergeprüften Eltern ist eine allgemeine. (C. T.)
Gaffel, 17. April. Die Erwerbung der alten Festung Spangenberg durch den Bezirksverband Cassel darf jetzt als gesichert betrachtet werden. Nachdem die Königliche Staatsregierung dem Bezirksverband bezüglich des Kaufpreises das weitgehendste Entgegenkommen gezeigt, werden die Mitglieder des heute zusammentretenden Landesausschusses des RegierungS-Bezirks Cassel am Dienstag den 18. ds. MtS. eine gemeinsame Eisenbahnfahrt nach Spangenberg unternehmen, um an Ort und Stelle sich über den Verkaufswert des Schlosses zu unterrichten. Fällt diese Besichtigung zur Zufriedenheit der Mitglieder des Landesausschusses aus, so wird derselbe voraussichtlich schon dem nächsten Kommunallandtag eine Vorlage zwecks Bereitstellung der erforderlichen Ankaufssumme unterbreiten.
Gaffel, 15. April. (Ein zweiter Fall von Genickstarre.) Am Freitag abend tras ein Dragoner vom Hofgeismarer Regiment hier ein, der dem Garnison- Lazarett zugeführt wurde. Die erste Konsultation hatte Gehirnhautentzündung festgestellt. Im hiesigen Lazarett wurde ermittelt, daß es sich um Genickstarre handelt. Der Kranke wurde sofort isoliert und alle Vorsichtsmaßregeln getroffen.
Fulda, 15. April. Das hiesige Königliche Gymnasium beabsichtigt im Herbst d. Js. sein 100jährigeS Bestehen der letzten Abschnitte ihre» an Wandlungen so reichen Dasein» durch eine in engen Grenzen gehaltene Festfeier zu begehen. Zwar reicht die Gründung der höheren Schule Fulda» aus die Zeit des heiligen Bonifazius und seines Zöglings Sturmius zurück, die jedenfalls bald nach der im Sommer 744 erfolgten Gründung des Klosters zu Fulda auch eine Klosterschule anlegten. Diese Schule wurde bekanntlich schon im Anfänge des IX. Jahrhundert», — seitdem Rhabanu« Maurus ihr Vorsteher und Leiter wurde, — Mittelpunkt und Pflanzstätte der Gelehrsamkeit in Deutschland, von der die Klosterschulen zu Hirschau, Reichenau, Weißenburg, Her« seid u. a. teil» gestiftet, teils mit Lehrer versorgt worden sind.
Witzenhausett, 15. April. Die Bewerbungszeit um die hiesige Bürgermeisterstelle ist nun auch vorüber. Insgesamt find 137 BewerbungSgesuche eingelausen. Gewiß eine ganz stattliche Zahl.
Marburg, 14. April. Eine besonder» Landwirte und Viehbesitzer interessierende Entscheidung fällte heute die Strafkammer de» hiesigen Landgericht». Der Schäferei- Aufseher und ein Schäfer aus Kirchhain waren beim dortigen Schöffengericht unter Anklage gestellt worden, weil sie den Ausbruch der Schafräude unter ihrer Herde nicht rechtzeitig zur Kenntnis der Behörde gebracht hatten. Sie erzielten beide Freisprechung, wogegen die Staatsanwaltschaft bezüglich des Schäseretaufseher» Berufung einiegte. In der heutigen Verhandlung machte dieser geltend, daß er von dem Ausbruch der Seuche nicht» gewußt habe, noch am Tage zuvor habe er 6 Schafe bet die betr. Herde getan. Da» Gericht
kam nach langer Verhandlung zu dem Resultat, deß bet Angeklagte freizusprechen sei, denn eine Uebertretung des Reichsviehseuchengesetze» liege nicht vor, weil die Herde ja gar nicht zu seinem Viehstande gehöre. WaS ferner die Polizeiverordnung vom Jahre 1900 anbelange, so könne diese nicht in Anwendung gebracht werden, weil ihr eine Begrenzungsbestimmung fehle. Eine derartige Polizeiver- ordnung sei aber nach einem Entscheid des Reichsgerichts als ungültig zn betrachten.
Frankfurt a. M., 15. April. Der Kommerzienrat Richard Pasiavant-Gontard hat der Stadt Frankfurt die Summe von 100 000 Mk. zur Verfügung gestellt, die für wissenschaftliche Studien auf dem Gebiete der Medizin, vor allem für die Tuberkulose-Bekämpfung verwendet werden soll.
Frankfurt, 15. April. Der 42 Jahre alte Oberlehrer Reinhold Runge aus Alfeld in Hannvoer, der sich nebst Frau nach Kreuznach zur Kur begeben wollte, erlitt im Hauptbahnhof am Freitag Nachmittag einen Herzschlag und war sofort tot.
Wiesbaden, 15. April. Gestern abend gegen 11 Uhr wurde in der Franksurterstraße der Sandformer Josef Erlbeck aus Straubing in Bayern bewußtlos aufgefunden. Erlbeck sagte heute mittag, als er wieder zu Bewußtsein kam, aus, daß er von einem Automobil überfahren worden sei. Das Automobil dürfte nach eingezogenen Erkundigungen aus Höchst oder Mainz stammen. Die Verletzungen des Erlbeck sind lebensgefährlich.
Nordhausen, 15. April. In der Privatklagesache de« Reichstagsabgeordneten Grafen Ludwig Reventlow gegen den Redakteur Nebelung hier, der am 22. Februar d. I«. vom Schöffengericht zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden war, hob das Landgericht heute das erst- instanzliche Urteil auf und nerurttilte Nebelung zu 450 Mk. Geldstrafe und zur Tragung der Kosten der Verfahrens.
Willebadeffen, 16. April. Infolge von Kohlengas- vergiflung sind auf dem hiesigen Ritterguts Willebadeffen zwei Personen, ein Arbeiter und dessen Ehefrau, welche sich nachts ein glühendes Kohlenbecken mit auf die Schlafstube genommen hatten, erstickt.
Erfurt, 14. April. Großes Aufsehen erregt hier der Zusammenbruch de« Hotels „Zum schwarzen Adler". Der Besitzer Tauche, der das bekannte Hotel vor kaum Jahresfrist übernommen hatte, ist verhaftet worden, da die 'Untersuchung ergab, daß betrügerischer Bankerott vorliegt. Die Hauptgeschädigten sind hiesige und auswärtige Lieferanten, denen Tauche Summen von 3000 bis 18 000 Mk. schuldet. Die Kriminalpolizei hat festgestellt, daß der Verhaftete leidenschaftlicher Glücksspieler war und beim Hazard fast allabendlich große Summen verlor. Unter dem Verdacht der Beihilfe zum betrügerischen Konkurs wurde der Kaufmann und Geschäftsreisende Weber aus Leipzig festgenommen. Die Schulden, welche Tauche innerhalb Jahresfrist als Wirt des Hotels „Zum schwarzen Adler" gemacht hat, werden auf rund 30 000 Mark geschätzt.
Göttingen, 15. April. In der Lenne bei Boden- werder ertranken, gestern die beiden Kinder deö Steinbruch- arbeiters Warnecke aus Linse im Alter von 8 und 3 Jahren. Sie spielten am Rande des Baches und wollten sich Weiden suchen, wobei das 3jährige Kind das Gleichgewicht verlor, in die Fluten stürzte und mit fortgerissen wurde. Der 8jährige Bruder machte einen Rettungsversuch und sprang hinterher, wurde aber von den reißenden Fluten über- wältigt und mit sortgerissen. Beide wurden als Leichen ans Land gebracht.
vermischtes.
— Langendreer, 15. April. Als gestern Abend hier der Bergmann Hocke von 2 Handwerksburschen, die im Graben saßen und ihr Mittagsbrot verzehrten, ein Stück Brot erbat und seinem Wunsche nicht entsprochen wurde, schlitzte er mit einem Messer dem einen Handwerksburschen den Bauch auf. Der tätlich Verletzte wurde nach dem Wittener Krankenhause gebracht.
— Coburg, 15. April. In Effelder (Sachsen- Meiningen) erstach der Maurer Götz den Drucker Demmler, weil dieser vor dem Amtsgericht gegen ihn ungünstige aus- sagen gemacht hatte.
— D r e s d^e n , 15. April. Die Rentnersfrau Jaehnichen in Oberpoyritz bei Pillnitz schlug ihrem einjährigen Töchterchen den Kops mit einem Beile ab, begoß sich hierauf mit Petroleum und steckte sich selbst in Brand. Sie ist wahnsinnig.
— Das Kriegsgericht in Kiel verurteilte den Bootsmannsmaat Fehrmann vom Kreuzer „Arkona" wegen schwerer Mißhandlung Untergebener zu 4Va Monaten Gefängnis.
Von der beantragten Degradation wurde wegen feiner bisherigen Unbescholtenheit abstand genommen.
— Der Ofensetzer Schmidt in Lebus wurde von seiner Ehefrau und seinem erwachsenen Sohne durch Messerstiche und Stockhiebe ermordet. Mutter und Sohn wurden verhaftet.
— Ein interessantes Schreiben ist einem Niersteiner Lehrer dieser Tage zugegangen, da« sich durch seine Orthographie und seinen Stil auszeichnet. Er lautet: „An Hern Leerer I Sie haben sich schwer Plomiert Daß sieh dem Phillipp ein so schlechtes Zeilhnes gefchriebe hat. Er ist schon 17 hinauf gekomen er kann aber alles sie haben Zorn wechen dem anvern Er kann alle«. Die Leerer haben gelacht daß sie ein solch schlecht ZeilhniS gefchriebe hat. Achtungsfoll. X"
— (Ein Pechvogel.) Au« Baden wird berichtet: Zu den unglücklichen Leuten, die, wenn'« Brei regnet, keinen Löffel haben, scheint ein Händler aus Ottenheim zu gehören. Er hatte zu der letzten Frankfurter Pferdelotterie zwei Lose genommen, überlegte sich als sparsamer Mann daheim aber noch, daß eines auch genug sei und verkaufte das zweite an eine Frau desselben Ortes. Bei Durchsicht der Gewinn« listen mußte er denn, wie badische Zeitungen melden, mit Schrecken sehen, daß auf das verkaufte Los ein Gewinn von 1000 Mark gefallen war. Wenn der Mann abergläubisch wird und in Zukunft nie mehr „das Glück aus der Hand gibt" wird man ihm das nicht allzusehr verdenken können.
— (Ein Wettlauf der Dicken.) In Brüssel wird ein Wettlaufen der Wohlbeleibten geplant. Erste Be- dingung für die Teilnehmer: sie müssen mehr als hundert Kilo wiegen I Angeblich sind bereits mehr als sechzig Anmel. düngen eingegangen, darunter 44 aus Deutschland. Die Aufgabe besteht in einem Dauerlauf von 10 Kilometer, wofür Preise in Höhe von 120 bis 600 Kronen und zahllose Genüsse bes Gaumens und der Kehle ausgesetzt sind. Die Brüsseler Freiwilligenkolonne des Roten Kreuzes wird mit mehreren Aerzten und Krankenwagen für alle Fälle an- wesend sein.
— (Ein Zweimilliontn-Diebstahl.) Wie
aus Budapest gemeldet wird, wurde in Jobmezo-Vasarhely bei dem dortigen Millionär Nagy Toth ein Einbruch verübt, bei dem den Dieben Wertobjekte im Betrage von zwei Millionen Kronen in die Hände fielen. Die Einbrecher drangen um Mitternacht in bas Haus, dessen Bewohner im tiefsten Schlafe lagen, bohrten die Kasse an, der sie Werte von mehr als zwei Millionen Kronen entnahmen. Das von den Einbrechern geraubte Bargeld beträgt nur einige Taufend Kronen, aber der Wert der gestohlenen Aktien übersteigt die Summe von zwei Millionen Kronen; schon die entwendeten Aktien der Pester Vaterländischen Sparkasse allein repräsentieren nahezu 1.800,000 Kr. Die sofort angestellten Nachforschungen ergaben, daß die Einbrecher städtisch gekleidete Männer waren, die mittels Wagen ankamen und die Beute auch auf Wagen wegführten. Man versuchte, die Einbrecher zu verfolgen, aber sie hatten bereits einen großen Vorsprung, so daß keine Spur mehr von ihnen zu entdecken war. Von Budapest aus wurden Detektivs zur Ausforschung der Einbrecher entsendet und zugleich Vorkehrungen getroffen, damit die Wertpapiere nicht verkauft werden können.
— Ein schwerer Eisenbahnunfall, bei dem vier Personen getötet und zahlreiche verletzt wurden, hat sich gestern in Genua ereignet. Ein von Turin kommender Passagierzug fuhr auf einen Güterzug, der gerade unter dem Ronc Tunnel hielt. In dem Passagierzuge befanden sich 150 Rekruten, die auf Transport nach Genua waren. Vier Personen wurden getötet, vier schwer und mehrere weniger schwer verletzt. Die Linie ist unterbrochen; der Materialschaden ist groß. Zwei Hilfrzüge sind von Genua mit Mitgliedern der Behörden nach der Unfallstelle abgegangen.
— (Herr Roos eveIt und der Bär.) Der Geistliche, der am Dienstag in Springfield, Illinois, durch das übliche^Gebet die Sitzung beS Parlements von Illinois eröffnete, beschrieb mit kläglicher Stimme die Gefahr, der Präsident Roosevelt während seines Jagdaulfluges aus« gesetzt sein würde, und bat Gott, den Präsidenten, rote einst David, aus den Klauen der Löwen und Bären zu retten. Die Mitglieder des Hause« konnten sich nicht enthalten, hörbar zu kichern, denn es war ihnen bekannt, daß in der Gegend, wo der Präsident jagen wird, gar keine Bären sind. Der einzige Bär, den Präsident Roosevelt zu jagen Gelegenheit haben wird, ist, wie der Daily Expreß sagt, ein harmloses Tier, da» vorläufig von Cowboy« in einem Köfig gehalten und später losgelaffen wird, um dem Präsidenten eine Freude zu machen.
Letzte Nachrichten.
Rom, 17. April Das Agitation-komitee beschloß, daß der Au« st and der Eisenbahner in ganz Italien am heutigen Montag 6 Uhr früh beginnen soll. Hiervon find alle UnterkomiteeS telegraphisch verständigt worden; besondere Weisungen für den gleichzeitigen Ausbruch des Au-« standes find bereis vor einigen Tagen erlassen worden.
Tscheljabinsk, 16. April. Soldaten des Lokalkommandos demolierten und plünderten 16 Häuser. Er wurden Aufrufe verteilt, die fich gegen die Juden richteten. Dieselben suchen in Christenhäusern Schutz, viele verlassen die Stadt.
Der Kaiser hörte am Sonnabend noch im Hotel Timeo den Vortrag bes Gesandten von Schön und machte nachmittag» einen Spaziergang nach dem griechischen Theater und der Signalstation. Bei der Abendtafel konzertierte die Kapelle der „Hohenzollern". Die Einwohner von Ta- ormina und Umgegend brachten einen Fackelzug mit Musik, indem sie in langem Zuge mit Lampion« die Serpentinwege von den Bergen herabzogen. — Diesen Morgen kam der Kaiser wieder an Bord der „Hohenzollern" und hielt um 10 Uhr Gottesdienst ab, an welchem die Kaiserin, die Prinzen, derHerzog von Sachsen-Koburg-Gotha, dasGefolge und Deputationen von Offizieren und Mannschaften der drei deutschen Schiffe teilnahmen. Nach dem Gesang de« Liede» „Jerusalem, du hochgebaute Stadt", las der Kaiser im Verlauf der Liturgie den biblischen Bericht über „Christi Einzug in Jerusalem am Palmsonntag", worauf die Predigt folgte über Matthäus 21, Vers 10—11: „Und als er in Jerusalem, einzog, erregte sich die ganze Stadt". Den Schluß des Gottesdienste» bildete der Gesang des niederländischen Dankgebets.
Petersburg, 16. April. In Moskau soll im Laufe dieser Woche ein sensationeller Prozeß gegen verschiedene Aerzte der dortigen Militärhospitale verhandelt werden, die beschuldigt sind, militärpflichtige Personen vom Militärdienst befreit und dafür 500 bis 3000 Rubel empfangen zu haben. Ein reicher Kaufmann mußte sogar 20,000 Rubel zahlen. Andererseits sind Fälle vorgekommen, wo kranke Personen als militärtauglich befunden wurden. Der Geschäftsführer einer Wehrpflichtbehörde ist ebenfalls stark kompromittiert, da er Aerzten derartige „Kunden" zuführte, von denen er sich dann, nachdem sie freigekommen waren, große Summen zahlen ließ.
Chilisalpeter oder Peruguano?
Bei dem jetzigen außerordentlich hohen Chilisalpeter« Preise ist es besonders ratsam, für die Sommerhalmfrüchte, Kartoffeln, Gemüse und Zuckerrüben vorzugsweise echten aufgeschlossenen Peruguano zu verwenden, umsomehr da hierdurch der Frucht außer den wertvollsten Stickstoffarten zugleich auch die nötige Phosphorsäure und Kali in innigster natürlicher Zusammensetzung zugeführt wird.
Peruguano wirkt zweifellos auch sicherer, besser und nachhaltiger als Chilisalpeter.
Um indeß vorzügliche Resultate erzielen zu können, verwende man nur die nachweislich allein echte Ohlen- dorfs' sche „FülIhorninarke" und hüte sich vor allen minderwertig nachgeahmten Marken!