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herzfelder Kreisblatt

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Kernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 45. Sonnabend, den 15 April 1905.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 11. April 1905.

Der Bürgermeister Jäger zu Heddersdorf ist für einen am 17. d. Mts. beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum gewählt und bestätigt worden.

A. 1057. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 11. April 1905.

Die gemäß § 3 der landespolizeilichen Anordnung vom 30. Januar 1902 (A. II. 310), Kreisblatt Nr. 18, vorzu- nehmende vierteljährliche gründliche Reinigung und Desinfektion der Gast- und Viehhändlerställe wird nach einer hier vorlie­genden Anzeige von Gastwirten und Viehhändlern fast durch­gängig nicht ausgeführt. Ich mache die Ortspolizeibehörden und Gendarmerie des Kreises darauf aufmerksam, daß diese Anordnung noch zu Recht besteht, und daß auf eine genaue Befolgung dieser Anordnung strengstens zu achten ist. Zu­widerhandlungen sind unnachsichtlich zur Anzeige bezw. Be­strafung zu bringen.

I. 2541. Der Königliche Landrat , Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 12. April 1905.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche mit der Erledigung der diesseitigen Verfügung vom 15. April 1886 Kreisblatt Nr. 46 betr. die Frühjahrskörung der Zucht­bullen noch im Rückstände sind, werden hiermit an die Ein­sendung des diesbezügl. Berichtes mit Frist bis zum 18. d. M. erinnert.

Der Königliche Landrat. I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 11. April 1905.

Unter den Schafen 'des Andreas Künne in Rotensee ist die Räude ausgebrochen.

I. 2587. , Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rat.

nichtamtlicher Ccil.

Politischer Wochenbericht.

Reichstag und preußisches Abgeord - netenhaus haben ihre bis zum 10. Mai dauernden Osterserien angetreten. Noch harren in beiden P-rlamenten wichtige Vorlagen ihrer Durchberatung und Erledigung. Für den Reichstag kommen als solche vor allem die MilitärpensionS-Gesetze und die ' Börsengesetz Novelle, für das preußische Abgeordnetenhaus die beiden Berggesetze, die Bergarbeiterschutz-Vorlage und das Zechenstilllegunge- Gesetz, in Frage. Während sich der Verabschiedung des letzteren Gesetzentwurfes kaum ernste Hindernisse in den Weg stellen dürsten, ist um die Bergarbeilerschutz-Vorlage ein heftiger Kamps der ©eitler entbrannt. Insbesondere bildet der Paragraph, der von der Errichtung obligatorischer Arbeiterausschüsse handelt, ein heißumstrittenes Obj-kl. Indessen ist den Kommissionsbeschlüffen erster Lesung wobl nur eine vorläufige Bedeutung zuzusprechen, und es darf angenommen werden, daß die weitere Beratung in der Kommission, sowie die nachfolgende im Plenum ein ab­weichendes Ergebnis zeitigen werden.

Als ein hocherfreuliches Ereignis muß die Be­gegnung Kaiser Wilhelms mit König Viktor Emanuel von Italien bezeichnet werden. Der herzliche Charakter, den diese Begegnung trug, und der besonders auch in den Begrüßungsreden der beiden Monarchen feinen Ausdruck fand, ist ein neuer Beweis für die Innigkeit der deutsch-italienischen Beziehungen und für den fortwilkenden Bestand des Dreibundes. Die Gegner Deutschlands, die nicht müde werden, von einem Zerfalle des Dreibundes zu faseln, werden also endlich doch wohl einsehen müssen, daß bei ihnen lediglich der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Ist die Bedeutung des Zusammentreffens Kaiser Wilhelms mit König Viktor Emanuel in die Augen springend, so erscheint dagegen die Begegnung KönigEduardS von England mit dem Präsidenten der französischen Republik, Loubet, ziemlich bedeutungslos. Jeden­falls entsprach ihr Verlauf in keiner Weise den pomp­haften Ankündigungen, in denen sich ein Teil der aus» wattigen Presse vorher gefiel.

Im russisch-japanischen Kriege wendet sich iut Zeit die allgemeine Aufmerksamkeit den Operationen auf dem Meere zu, da da« baltische Geschwader Rußland»

nunmehr in den ostasiatischen Gewässern erschienen ist. Einzelne Nachrichten verkündeten bereits einen Seekampf bei den Anamba-Jnseln, doch sind dieselben von anderer Seite als unrichtig bezeichnet worden. Auch auf dem mandschurischen Kriegsschauplatze scheint es wieder lebendiger werden zu wollen. So tauchen Gerüchte von Um. gehungsversuchen der Japaner auf, und partielle Vorstöße aus den Stellungen kündigen die Unterbrechung der durch die beiderseitigen Verhältnisse seither gebotenen Ruhe an.

In England gestaltet sich die Lage des Ministe­riums Balfour immer mißlicher. Während schon seit geraumer Zeit bei Ersatzwahlen die Opposition ständig den Sieg errang, war die Niederlage des gegenwärtigen Kabinetts bei der letzten Ersatzwahl in Brighton eine ge- radezu vernichtende. Die frühere unionistische Mehrheit von 3000 Stimmen verwandelte sich diesmal in eine libe­rale Majorität von über 800 Stimmen. Sie wurde dabei gegen ein Mitglied des Kabinetts erzielt. Erklärlicherweise verursachte das Bekanntwerden des Ergebnisses im Unter­hause eine allgemeine Aufregung und rief in den Reihen der Liberalen großen Jubel hervor. Als der Premier­minister das Haus betrat, wurde er mit lauten Zurufen: Zurücktreten I* empfangen. Es wird vielfach angenommen, daß die Regierung tatsächlich diese Konsequenz ziehen und alsbald zur Auflösung des Parlaments und zu Neuwahlen schreiten werde. Wem alsdann die Leitung der politischen Geschicke Englands zufallen wird, ob Chamberlain oder einem anderen, entzieht sich noch sicherer Vermutung.

Am Balkan gährt es zur Zeit wieder recht be- denklich, da die macedonische Bandenbewegung in erneutem Aufschwungs begriffen ist. Das Mürzsteger Programm hat offenbar den erwünschten Erfolg nicht gehabt, und die be­teiligten Mächte werden, wenn die für Ausführung jenes Programms festgesetzte Frist in etwa einem Jahre abge- laufen sein wird, nicht umhin können, neue Vereinbarungen zu treffen. In Oesterreich-Ungarn endlich scheinen die schlimmen Zustände Ungarns auch eine gute Wirkung gehabt zu haben, nämlich die, daß man in der zislei- thanischen Hälfte des Reiches wieder einige Selbst­besinnung gewonnen hat. Wenigstens nehmen die parla­mentarischen Arbeiten in Oesterreich seit kurzem einen ge­ordneten Lauf. Es wäre dringend zu wünschen, daß es immer so bliebe.

Sie MltlmMrt des Kaisers.

Aus Korsu, 12. b. liegen folgende Meldungen vor:

Se. Majestät der Kaiser hörte heute morgen noch mehrere Vorträge. Ein Ausflug, an dem die gesamte Königliche Familie nebst Gefolge teilnahm, führte zunächst nach Peleka, wo an einem hervorragenden Aussichtspunkt, der nach beiden Seiten einen Blick aus bas Meer bot, ein Zelt aufgeschlagen war und ein Picknick genommen wurde, während dessen eine griechische Matrosenkapelle spielte. Dann wurde das Schloß Achilleion besucht, dessen Kunstschätze und Anlagen der König selbst dem Kaiser zeigte. Die Land- bevölkerung brächte dem Kaiser vielfach Huldigungen und zeigte, ebenso wie das Publikum in der Stadt, eine muster­hafte Haltung. Die Königliche Familie begleitete den Kaiser daraus zur LandungSstelle, wo Se. Majestät vom König und den andern Mitgliedern des Königlichen Hauses herz­lichst Abschied nahm.

Abend« veranstaltete der Admiral des hier ankernden englischen Geschwader« Sir C E. Domvile an Bord seines Flaggschiffes Bulwark zu Ehren Sr. Majestät des Deutschen Kaiser« und der griechischen König«familie ein großes Festmahl.

Die Stadt und die Kriegsschiffe waren wiederum prächtig illuminiert. Bevor der Kaiser die Insel verließ, gab er seiner Freude über den ihm hier bereiteten Empfang und seiner Bewunderung für die Naturschönheit der Insel warmen Ausdruck. Nach 10 Uhr abends gingen die Kaiserschiffe unter lebhaften Abschiebsovationen der Bevölkerung und dem Salut der Kriegsschiffe nach Messt na in See.

Der russisch - japanische Krieg.

Mit den HilsS- und Transportschiffen fast 50 Fahr­zeuge stark ist die große russische Flotte schon vor drei Tagen in den Gewässern der AnambaSinseln eingetroffen und der Erfolg oder Mißerfolg dieser großen russischen Flotte wird nicht nur ihr Schicksal sein, sondern auch den größten Einfluß auf den weiteren Verlauf des russisch- japanischen KriegeS ausüben. Ob wirklich bei den AnambaS- Jnseln zwischen den Russen und Japanern bereits eine große Seeschlacht im Gange ist oder schon stattgefunden hat, weiß man nicht. Aber die Russen können auch einer Seeschlacht noch auSweichen und nur die Absicht haben, dem japanischen Jnselreiche zunächst die Zufuhr abzuschnei- den. Der zuletzt gemeldete Aufenthaltsort der russischen Flotte, die Gewässer der AnambaS»Inseln, werden als einer solchen Blockade sehr günstig betrachtet. Die Russen wären dort in der Lage, den Japanern die gesamte Zufuhr an

Lebensmitteln und Kriegsvorräten aus dem Westen ebenso abzufangen, wie die japanischen Kriegsschiffe die Zufuhr nach Wladiwostok unterbanden, nur könnten die Russen dem Gegner und gleichzeitig dem Seehandel viel empfindlicheren Schaden zufügen. Japan bezieht sein Hauptnahrungsmittel, den Reis, vornehmlich aus Birma und Java, die Sperrung allein dieser einen Zufuhr für einen einzigen Monat wäre für Japan vernichtender als die schwerste Niederlage zu Lande. Da indessen die Kohlenschiffe für das russische Ge­schwader bei Lloyd« zum größten Teil nur bis zu den Sunda-Jnseln versichert waren, so herrscht doch die Ansicht vor, daß der russische Admiral Roschdjestwenski, dessen Schiffe nach dem in Singapore gewonnenen Augenschein bis an Deck mit Kohlen beladen sind, auf weitere Kohlen- zusuhr verzichtet und mit den verfügbaren Vorräten Wladi­wostok zu erreichen strebt. Eine für das Schicksal und den Erfolg der russischen Flotte sehr wichtige Frage ist nun auch die, ob die dritte russische Flotte unter dem Admiral Enquisi schon weit genug ostwärts gefahren ist, um an der Blockade Japans teilzunehmen und nötigenfalls mit in eine Seeschlacht einzugreifen. Diese dritte russische Flotte be­steht aus 9 Panzerkreuzern und 4 Torpedobootszerstörern nebst mehreren Hilfsschiffen, und wenn man auch annehmen muß, daß unter den Schiffen des Admirals Enquist 4 oder 5 ältere Kreuzer sich befinden, so ist doch diese Kreuzerflotte an sich stark genug, um im Verein mit der vorgenannten großen Flotte den Japanern gefährlich zu werden. Da nun aber auch die Japaner tollkühn gegen die Russen vor­gehen werden und wahrscheinlich noch 7 Panzerschiffe, etwa 15 Kreuzer und vielleicht 40 Torpedoboote den russischen Schiffen entgegenstellen können, so wird sich in den ost­asiatischen Gewässern ein großes welthistorisches Ringen zur See entwickeln wie es nur mit den größten Seeschlachten in der Weltgeschichte etwa bei Salamis oder vor Englands Küste bei dem Angriffe der spanischen Flotte oder bei Abukir verglichen werden kann. Noch einmal werden die Russen auch zeigen können, ob sie aus der Kopflosigkeit, dem Schlendrian und der Lodderwirtschaft mit ihrer Marine herausgekommen sind und mit Umsicht und Gründlichkeit einen großen Angriff zur See vorbereitet haben. Die lange Vorbereitung für die Aussendung von drei russischen Kriegs­flotten nach Ostasien läßt eigentlich darauf schließen, daß die Puffen zur See sich sehr ernstlich auf einen großen Schlag vorbereitet haben. Sie haben es aber auch zur See mit einem sehr tüchtigen und todesmutigen Gegner zu tun, der alles daransetzen wird, um wieder zu siegen. Eine große Niederlage der japanischen Flotte oder auch deren ungenügende Macht, die Blockade Japans durch die russischen Flotten zu verhindern, wäre übrigens gleichbe­deutend mit dem Ende des russisch-japanischen Krieges, denn Japan kann seine Heere in der Mandschurei nur dann erhalten, wenn es die Seeherrschast besitzt. Eine der wichtigsten Entscheidungen des russisch-japanischen KriegeS steht also unmittelbar bevor.

Aus > und Ausland.

Se. Majestät der Kaiser hat genehmigt, daß Weichen­steller erster Klasse einschließlich der Haltestellenaufseher und Stellwerksweichensteller unkündbar angestellt wer­den dürfen.

Der Landwirtschaftsminister macht bekannt, daß die Forsibeflissenen, die in diesem Frühjahr die erste forst­liche Prüfung abzulegen beabsichtigen, die vorschrifts­mäßige Meldung spätestens bis zum 15. Mai b. J. bei ihm einzureichen haben.

Der Handelsminister hat auf Grund gerichtlicher Ent­scheidung sich dahinausgesprochen, daß den Titel .B a u « gewerksmeister" jeder führen könne, daß aber der- jenige, welcher den TitelMaurermeister" oder .Zimmer­meister" führen wolle, eist die Meisterprüfung vor der Handwerkskammer ablegen müsse.

Nachdem sich die Frage der Neubewaffnung der F e l d a r t i l l e r i e mit Rohrrücklaufgeschützen bei fast allen großen Armeen der Lösung genähert hat, ist aus dem Ver­lauf der diesjährigen Reichslagsverhanolungen über den Militäretat mit einiger Genugtuung zu konstatieren, daß nach eingehenden Versuchen auch für die deutsche Feldartillerie dasjenige Modell eines Nohrrücklausgeschütz-s gefunden ist, daS allen modernen Ansprüchen an Diese wichtige Waffe genügen dürste. Einzelheiten über die neuen Geschütze sind nicht bekannt geworden und dürsten solche auch in beschränktem Maße, schwerlich in die Oeffentlichkeit dringen, bevor nicht die Kanonen selbst vollzählig zur Verausgabung an die Truppen gelangt sein werden. Man kann in dieser Hinsicht nur an das Beispiel Frankreichs erinnern, wo, selbst nach erfolgtet Neubewaffnung der Feldartillerie im Jahre 1900, das Geheimnis des Systems des neuen Ge­schützmaterials mit solcher Strenge gewahrt wird, daß auch heute noch eine ganze Reihe von Details unbekannt ge­blieben ist.