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Herrselder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 44. Donnerstag, den 13. April 190&
Amtlicher teil
Bekanntmachung betreffend Ernennung von Sachverständigen zur Prüfung von Kraftfahrzeugen und deren Führern.
Zufolge Anordnung der Herren Minister der öffentlichen Arbeiten, des Innern und für Handel und Gewerbe, habe ich die nachbenannten Personen gemäß § 21 der Polizeiverordnung betreffend den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 13. November 1901 zu Sachverständigen zur Erteilung von Befähigungszeugnissen für die Führer von Kraftfahrzeugen ernannt.
Die Ortspolizeibehörden haben auch künftig die Prüfung der Kraftfahrzeuge wahrzunehmen und sich hierbei der nachbenannten Sachverständigen obligatorisch zu bedienen,
Sachverständige.
N a m e.
Wohnort.
1)
die Ingenieure des Dampfkessel-Ueber- wachungs-Bereins in Frankfurt a. M.
Ziervogel, Oberingenieur, Franke, Ingenieur,
Frankfurt a. M.
2)
3)
4)
5)
6)
Eber, Wissel, Petri,
7)
8)
Vogt, Schlossermeister, Schmid, Arthur, Ingenieur, Bokelmann, F., Ingenieur, Becker, Gustav, Fabrikdirektor, Wöruer, Konrad, Fahrrad- und Automobilhändler,
Brög, Louis, Stadtbaumeister, Schröder, Georg, Ingenieur,
Hünfeld. Cassel.
Hanau.
Marburg.
Schmalkalden.
Die Kosten der Prüfung der Kraftfahrzeuge haben die Ortspolizeibehörden, diejenige für die Prüfung der Führer diese zu tragen.
Ist die Prüfung eines Führers mit der Prüfung eines Kraftfahrzeuges verbunden, so haben die Ortspolizeibehörde und der Führer die Kosten zu gleichen Teilen zu tragen. (A. 11. 16802.)
Cassel, am 21. Dezember 1904.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. K a m e k e.
Hersfeld, den 28. März 1905.
Die Ort-polizeibehörden des Kreises mache ich auf
die
vorstehend abgedruckte Bekanntmachung des Herrn RegierungS- Präsidenten betreffend die Ernennung von Sachverständigen zur Prüfung von Kraftfahrzeugen und .deren Führer, besonder» aufmerksam, mit der Veranlassung, gegebenen Falles die Interessenten hiernach zu bescheiden.
An Gebühren werden beansprucht:
a. von den genannten Ingenieuren des Dampfkessel- Ueberwachungs-Vereins, dem Ingenieur Schmidt in Cassel und dem Ingenieur Bockelman in Herfort, 1. für die Prüfung eines Kraftfahrzeuges Mk. 20,00, 2. für die Prüfung jedes ferneren, an demselben Tage und an demselben Orte geprüften Kraftfahrzeuges desselben Besitzers Mk. 10,00, 3. für die Prüfung eines Krastfahrzeugführers Mk. 20,00, 4. für die Prüfung eines Krastfahrzeugführers, verbunden mit der Prüfung eines Kraftfahrz-uge« Mk. 30,00, 5. für die Prüfung jedes ferneren Kraftfahrzeuges desselben Besitzers an demselben Tage und an demselben Orte verbunden je mit der Prüfung eines wetteren Krastfahrzeugführers Mk. 20,00, 6. außerdem die wirklich verauslagten Reisekosten.
b. von dem Fabrikdirektor Gustav Becker zu Fulda, 1. für die Prüfung eines Kraftwagens Mk. 6,00, 2. für die Prüfung eines Motorrades Mk. 3,00, 3. für die Prüfung eines Krastfahrzeugführers Mk. 6,00, 4. für die Prüfung eines Krastfahrzeugführers verbunden mit der eines Kraftfahrzeuges Mk. 10,00, 5. außerdem die wirklich verauslagten Reisekosten.
c. von dem Fahrrad- und Automobilhändler Konrad Wörner in Hanau, 1. für die Prüfung eines Kraftfahrzeuges a. Motorzweirad Mk. 5,00, b. Kraftwagen Mk. 10,00, 2. für die Prüfung jedes ferneren an demselben Tage und an demselben Orte geprüften Kraftfahrzeuges desselben Besitzers a. Motorzweirad Mk. 4,00, b. Kraftwagen Mk. 8,00, 3. für die Prüfung eines Krastfahrzeugführers a Motorradfahrer Mk. 5,00, b. Kraftwagenführer Mk. 10,00, 4. für die Prüfung eines Krastfahrzeugführers, verbunden mit der Prüfung eines Kraftfahrzeuges a. Motorzweirad und Fahrer Mk. 10,00, b, Kraftwagen und Führer Mk. 20,00, 5. für die Prüfung jedes ferneren Kraftfahrzeuges desselben Besitzers an demselben Tage und Dite, verbunden je mit der Führung eines weiteren Krastfahrzeugführers a. Molorzwei- rad und Fahrer Mk. 7,50, b. Kraftwagen und Führer Mk. 15,00, 6. außerdem die wirklich verauslagten Reisekosten.
d. von dem Schlossermeister Vogt in Hünseld, 1. für die Prüfung eines Kraftwagens Mk. 10,00, 2. für die Prüfung jedes ferneren an demselben Tage und demselben Orte geprüften Kraftwagens desselben Besitzers Mk. 7,50, 3. für die Prüfung eines Kraftwagenführers Mk. 10,00 4. für die Prüfung eines Kraftwagenführers, verbunden mit der Prüfung eines Kraftwagens Mk. 15,00, 5. für die Prüfung jedes ferneren Kraftwagens desselben Besitzers an demselben Tage und Orte verbunden je mit der Prüfung eines weiteren Kraftwagenführers Mk. 10,00, 6. für die Prüfung eines Motorrades in jedem Falle Mk. 5,00, 7. für die Prüfung eines Motorradführers in jedem Falle Mk. 5,00, 8. außerdem die wirklich verauslagten Reisekosten.
e. von dem Stadtbaumeister Louis Brög in Marburg, 1. für die Prüfung eine« Kraftfahrzeuges Mk. 15.00, 2. für die Prüfung jedes ferneren an demselben Tage und an demselben Orte geprüften Kraftfahrzeuges desselben Besitzers
Mk. 8,00, 3. für die Prüfung eines KraftfMzeugführers Mk. 15,00, 4. für die mit der Prüfung eines Kraftfahr, zeuge« verbundene Prüfung eine« Krastfahrzeugführers Mk. 25,00, für die Prüfung jedes ferneren Kraftfahrzeuges des» selben Besitzers an demselben Tage und Ort, verbunden je mit der Prüfung eines weiteren Kraftfahrzeugsührers Mk. 15,00, 6. außerdem die wirklich verauslagten Reisekosten und 5,00 Mk Tagegelder für jeden Reisetag.
f. von dem Ingenieur Georg Schröder in Schmalkalden, 1. für die Prüfung eines Kraftwagens Mk. 20,00, 2. für die Prüfung jedes ferneren, an demselben Tage und bem« selben Orte geprüften Kraftwagens desselben Besitzers Mk. 10,00, 3. für die Prüfung eines Motorfahrrades Mk. 12,00, 4. für die Prüfung jedes ferneren, an demselben Tage und demselben Orte geprüften Motorfahrrades desselben Besitzers Mk. 8,00, 5. für die Prüfung eine« Kraftfahrzeug- führers Mk. 20,00, 6. für die Prüfung eines Kraftsahr- zeugführers verbunden mit der Prüfung eines Kraftwagens Mk. 30,00, 7, für die Prüfung eines Krastfahrzeugführers verbunden mit der Prüfung eines Motorfahrrades Mk. 25,00, 8. für die Prüfung jedes ferneren Kraftwagens an demselben Tage und Orte desselben Besitzers, verbunden je mit der Prüfung eines weiteren Krastfahrzeugführers Mk. 20,00, 9. für die Prüfung jedes ferneren Motorfahrrads« desselben Besitzers an demselben Tage und Orte, verbunden je mit der Prüfung eines weiteren Führers Mk. 15,00, 10. außerdem die wirklich verauslagten Reisekosten.
1. 2144. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
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Die Königliche Regierung, Abteilung für direkte Steuern Domainen und Forsten, hat durch Verfügung vom 17. März d. Js., C. D. Nr. 308, mit Rücksicht darauf, daß die Zahl der von dem Hülfsvollziehungsbeamten für die Königliche Kreiskasse hier auszuführenden Zwangsvollstreckungen sehr gering ist, angeordnet, die Ausführung der im Interesse der Kreiskasse notwendig werdenden Bollzichungsgeschäste im Wege amtlicher Ersuchen durch die zuständigen Ortsvorstände herbei- zuführen.
Die für die Vollziehungsgeschäfte auskommenden Gebühren stehen selbstverständlich dem von der Gemeinde beauftragten Vollziehungsbeamten zu.
Indem ich die Herrn Bürgermeister rc. des Kreises hiervon in Kenntnis setze, weise ich dieselben hiermit zugleich an, bezüglichen Ersuchen der hiesigen Königlichen Kreiskasse in Zukunft unverzüglich zu entsprechen.
Hersfeld, den 10. April 1905.
1. 2570. Der Königliche Landrat.
I? V.:
T h a m e r.
An Stelle des von Raboldshausen nach Obergude Der«
Die Macht der Liebe.
Roman von A. v. L i l i e n c r o n.
(Fortsetzung.)
Das Mädchen stand mit verschränkten Armen an der Tür, und als könnte ihr Blick durch die Bretterwand hindurch den Schuldigen vernichtend treffen, so blitzten ihre Augen, als sie in unterdrücktem Zorne antwortete: „Wär der Hannes im Hause, der hätt' so einen gar nicht über die Schwelle gelassen. Er hat mir nichts vorposaunt, aber ich weiß allein, was ich zu tun habe. Geh heim, Klans, laß Dich nicht heut noch weiter sehen. Ich muß mich schämen vor den Burschen, die sich lustig machen über den Bräutigam, der heute seinen Schatz doppelt „sieht!"
„So, so," hieß es draußen. „Na, is schon gut! Wirst bald anders reden, Mädel!"
Es war, als ob Gretes Worte den Burschen beschämt und einigermaßen ernüchtert hätten. Seine Stimme schien mehr ihren natürlichen Ton znrückgewonnen zn haben, und die Schritte des sich Entfernenden waren nicht mehr polternd, sondern behutsam schlürfend. Grcte atmete auf. Noch nie hatte sie bisher Klaus in diesem angerauschten Zustande gesehen, ihr graute davor, und leidenschaftlicher Zorn hatte sie bei dem Anblicke erfaßt. Wohl hatte das Mädchen schon davon gehört, daß der Sohn vom Jmmenhose oftmals ein oder mehrere Gläser über den Durst tränke, doch hatte sie das stets auf die leichte Seite genommen. Heute aber, wo sie die schwankenden Bewegungen und den eigentümlich verglasten Blick ihres Schatzes bemerkt hatte, war sie von einem heftigen Ekel ergriffen worden.
Stürmische Gedanken wogten durch ihre Brust, und ganz ihren Empfindungen hingegeben, überhörte sie die leisen Tritte, die sich von der anderen Seite der Stnbc näherten.
Da ging dort die Tür auf und KlauS stürmte taumelnd herein. „Grete! — Mädel! Sei vernünftig! Welch ein Rausch ..."
Er war an ihre Seite geeilt und wollte sie an sich ziehen.
Sie aber entwich ihm und streckte beide Arme abwehrend
gegen ihn aus. Das Helle Mondlicht, das durch das geöffnete Fenster drang, zeigte den Burschen deutlich ihr blasses Gesicht und die zornblitzenden Augen. „Rühr mich nicht an," rief sie außer sich, „sonst ist's vorbei mit uns für immer! Verstehst Du mich?"
„Grete!" murmelte er betreten, „wer niemals einen Rausch gehabt, der ist kein . . ."
„Laß das dumme Lied," unterbrach sie ihn heftig, „hast wohl schon mehr als einen Rausch gehabt. Die Leute reden ja alle davon, und ich habe es nur nicht hören wollen, weil ich Dir gut war."
Ueber Klans war ein Gesühl der Zerknirschung gekommen. „Wenn Du erst meine Bäuerin bist, kommts nicht mehr vor," behauptete er und blickte die Zürnende scheu an. „Da gehe ich dann nicht mehr in die Schenke mit den jungen Burschen, sondern bleibe daheim bei meinem Weibchen."
Grete strich mit der Hand über die Stirn, sie atmete schwer, und nur abgebrochen kamen die Worte über ihre Lippen. Ich will versuchen, zu vergessen das von heute Abend, was ich hier draußen sah und hörte! Aber versprich mirs, daß ich mich nicht mehr zn schämen brauche Deinetwegen! Weißt, das ertrag ich nicht."
„Es soll nicht wieber Vorkommen, Mädel, und nun sei gut. Er machte dabei eine rasche Bewegung nach vorwärts zn ihr hin, stieß dabei aber an einen Stuhl, der polternd umfiel und kam ins Schwanken. Der zunächststehende Tisch bildete nun für seine Linke den Stützpunkt, während er die Rechte dem Mädchen entgegenstreckte. Die aber verschränkte die Arme und schüttelte heftig den Kopf. „Heut rührst mich nicht an! Ich hab Dirs gesagt und dabei bleibts. Mich schauderts, wenn ich Dich so sehe. Morgen werbe ich wohl verständig sein, wenn Dn nicht mehr ausschanst wie heute. Keiner der Verwandtschaft falls merken, was wir zwei miteinander vorgehabt haben, Dn aber mußt mir heilig geloben ..."
„Ich verspreche, Grete, ich versprechs, ich will vorsichtig sein," beteuerte Klans, „nun aber sei gut."
Wieder machte er den Versuch, ihr die Hand zu bieten, doch ihr energisches „nein" ließ ihn beschämt die Rechte
zurücknehmen und ihr dieselbe Aufgabe zuerteilen, wie sie der Linken oblag, nämlich bem schwankenden Körper zur Stütze zu dienen. „Geh heim," fuhr das Mädchen jetzt ruhiger fort. „Geh, wenn Du nicht willst, daß ich noch einmal böse werde!"
Er gab sich einen kräftigen Ruck, stand aufrecht und erreichte in leidlicher Haltung die Tür. Da hörte er Gretes Stimme, und die klang wieder freundlich wie sonst.
„Gute Nacht, Klaus, morgen bin ich wieder die alte Grete! Aber nicht wahr, so wollen wir einander nie wieder gegenüberstehen?"
„Nie wieder", wiederholte er und schlüpfte gesenkten Hauptes aus der Tür.
Grete aber warf sich schluchzend auf den Schemel, der ihr zunächst stand, verschränkte die Arme auf dem Fenstersims und bohrte den Kopf hinein. Leidenschaftliches Weinen erschütterte ihren Körper, es war ihr zu Mute, als sei Plötzlich der helle Himmel ihres Glückes von schweren Wetterwolken umzogen.
Nach einer Weile richtete sie sich auf. Ihr war heiß geworden, die Backen brannten und die Augen schmerzten. Sie setzte sich auf das Fensterbrett und ließ die erquickende Abendlust ihre klopfenden Schläfen kühlen.
Der Mond belenchtcte jetzt die Maienstange, die die jungen Burschen dein Mädchen gesetzt hatten. Sie war gewiß die stattlichste im ganzen Dorfe, denn sie reichte weit über das Dach des Hauses hinaus. Zwei schlanke, weiß geschälte Stämme waren sauber aneinander gefügt und ermöglichten so die beträchtliche Höhe, den Stolz der Spender dieser Ehrengabe. Eine Guirlande von Eichenlaub wand sich bis zur Spitze der Maienstange hinaus. Oben flatterten die bunten Tücher und rauschte das Flittergold an dem Kranze von roten Papierrosen.
Das Mädchen, dem sonst diese Ehrenbezeugung die größte Freude gewesen war, achtete heute kaum daraus. Müde vom Arbeiten und Weinen, mochte sie doch noch nicht in ihre Kammer gehen. Sie empfand es als eine Erleichterung, daß die Großmutter zu Bette gegangen und der Vater nicht da heim war. Aber wo blieb Hannes'? Er' hatte doch heut