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Herrselder Armblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 43.
Dienstag, den 11. April
1905>
Amtlicher Ccil
Hersfeld, den 4. April 1905.
Unter Bezugnahme auf die diesseitige Bekanntmachung vom 11. Februar 1873 (Kreisblatt Nr. 13) betreffend die Vertilgung der Raupennester, werden hierdurch die Herrn Ortsvorstände des Kreises aufgefordert, die gehörige Vollziehung der deshalb ergangenen Vorschriften zu überwachen und gegen jeden Nachlässigen mit den den Ortspolizeiverwaltungen zustehenden Mitteln vorzugehen resp, dem Polizeianwalt zwecks der gerichtlichen Bestrafung nach beut § 368,2 des Strafgesetzbuches zur Anzeige zu bringen.
Die Königliche Gendarmerie wird tun, was ihre Pflicht ist.
Gleichzeitig erhalten die Herren Bürgermeister den Auftrag, für tunlichste Verbreitung der hierunter abgedruckten Belehrung über die Vertilgung der Kohlweißlinge zu sorgen und dahin zu wirken, daß Prämien für Einlieferung der weiblichen, im Frühjahr fliegenden Kohlweißlinge gezahlt werden.
I. I. 2410. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Die Vertilgung der Kohlweißlinge.
Jeder Landwirt und Gartenbesitzer kennt den großen Schaden, welchen die Raupen der Kohlweißlinge an den verschiedenen Kohlarten in Feldern und Gärten aurichten. Die Milliarden von Raupen anderer Art vertilgenden Vögel verschmähen fast ausnahmslos gerade diejenige des Kohlweißlings. Das Geschäft der Raupeuvertilgung bleibt deshalb vorzugsweise der menschlichen Tätigkeit überlassen. Diese vermag das Uebel auch zu bezwingen, wenn sie nur überall und zur rechten Zeit unter Anwendung der richtigen Mittel eingreifen wollte.
Bekanntlich überwintern die Kohlweißlinge als Puppen. Sie hängen oft in großen Mengen au Bäumen, Hecken, Mauern und an den Wänden von Gebäuden. Bei warmer Witterung kommen schon im April die Schmetterlinge zum Vorschein. Sie fliegen dann ziemlich einzeln.
Bald nachdem sich die Geschlechter gefunden, beginnt das Eierlegen an der untern Seite kreuzblütiger Gewächse (Raps, Meerrettig rc.). Nach 10—14 Tagen schlüpfen die Räupcheu aus und beginnen an den sie beherbergenden Gewächsen ihre zerstörende Tätigkeit. Nach viermaliger Häutung, welche innerhalb 4 Wochen bewerkstelligt wird, sind sie ausgewachsen und jetzt verpuppen sie sich an den oben näher bezeichneten Orten. Etwa 14 Tage nach dem Eierpuppen erscheint der Schmetterling.
Hiermit ist die erste Generation zum Abschluß gekommen uud es beginnt nun die zweite. Die jetzt oft massenhaft fliegenden Schmetterlinge legen ihre Eier und die aus diesen auskriechenden Raupen gelangen vor Winter in der Regel nur noch zum Verpuppen. Die Raupen dieser zweiten Ge-
Die Macht der Liebe.
Roman von A. v. Lilien cron.
(Fortsetzung.)
Eben trug die Magd die dampfende Suppenschüssel auf, die beiden Knechte folgten hinterdrein, und auch die Großmutter trat an den Tisch, um den sich jetzt alle niedersetzten.
„Und der Hannes?" erkundigte sich Klaus. „Hat der bei den Soldaten noch nicht die Pünktlichkeit gelernt? Sie müßte ihm ja vom Schulmeister her im Blute sitzen."
Grete antwortete nicht. Sie konnte die Sticheleien schlecht vertragen, die gegen Hannes gerichtet waren.
Der Bauer aber berichtete: „Hannes ist ins Nachbardorf gegangen, er sagte mir eben, daß er erst spät wieder kommen wolle."
„Um so besser," raunte der Bursche seinem Schatze zu, „ich kann den Menschen nicht ausstehen!"
„Er hat Dir noch nichts zu Leide getan," ereiferte sich Grete. „Solch ein braver Kerl verdient's nicht, daß Du immer auf ihm herumhackst."
„Hast ihn wohl recht gern, den Vetter."
„Das weißt Du ja allweil, wärmn fragst noch?" Das Mädchen hatte es in ihrer raschen Weise halb trotzig, halb vorwurfsvoll gesagt, aber sie lenkte schon ein, als sie den finsteren Blick" gewährte, den Klaus ihr zuwarf. „Komm, Schatz, ich werd' denken, ich bin schon die Bäuerin vom Jmmenhos und müßt für meinen Eheliebsten am besten sorgen."
Der aussteigende Acrgcr verflog beim KlauS ebenso schnell, wie er gekommen war. Er schmunzelte behaglich und ließ sich's Wohlgefallen, daß ihm Grete die besten Stücke auf den Teller legte.
Nach dem Essen saßen die zwei noch in der Fliederlaube und machten's, wie es ein Paar Menschenkinder zu tun pflegen, die jung sind und einander von Herzen lieb haben. Biel kluges Zeug schwatzten sie nicht miteinander; aber ihnen dünkte es immer wieder neu und herrlich zu hören, wenn's auch die uralte Geschichte war vom Lieben und Geliebtscin.
neration sind es, welche in warmen, mehr trockenen als feuchten Jahren außerordentlichen Schaden anzurichten vermögen.
Soll nun eine wirksame Vertilgung der Kohlweißlinge vorgenommen werden, so muß sich diese erstrecken:
1. auf das wiederholte Aussuchen und Zerdrücken der Eier, welche sich wie gesagt, aus der untern Seite der kohl- artigen Gewächse und stets in größerer Zahl auf einer kleinen Fläche vorfinden.
2. auf das Einsammeln und Vernichten der Puppen während der Wintermonate, besonders während des Januars und Februars und ganz besonders *
3. auf das Fangen der der ersten Generation angehörenden Schmetterlinge, welche im Frühjahr und im Vorsommer fliegen.
Das Fangen der Schmetterlinge der zweiten Generation bleibt erfolglos, weil die vorhandenen Massen dieser Generation gar nicht bewältigt werden können.
Derjenige verfährt somit rationell, welcher die Puppen vernichtet und die weiblichen Schmetterlinge der ersten Generation einfängt, denn hierdurch wird das Uebel an der Wurzel angegriffen und im Keime erstickt.
Die weiblichen Schmetterlinge sind aber leicht selbst im Flug an den schwarzen Flecken zu erkennen, welche sie auf der Mitte der Vorderflügel haben. Dem Männchen fehlen dieselben.
Das Wegfangen unterliegt keinen Schwierigkeiten. Einmal ist die Zahl der Schmetterlinge im Frühjahre nicht groß und dann ist ja die Schmetterlingsjagd eine Lieblingsbeschäftigung für die Jugend. Schaffe nur jeder Landwirt und Gartenbesitzer den Kindern Fangnetze an. Er setze für Einlieferung einer gewissen Anzahl dieser Frühlingsschmetterlinge Prämien aus. Es würde sich ohne Zweifel selbst lohnen, Tagelöhner mit dem Einfängen der Schmetterlinge zu betrauen.
Stadt- und Landgemeinden und die landwirtschaftlichen Vereine sollten die Einlieferung der Kohlweißlinge ebenwohl angemessen Prämissen. Geschehe dies allgemein, so würde man des schädlichen Insekts bald Herr werden.
Polizeiverordnung. — Auf Grund der §§ 137 und 139 des Gesetzes über die allgemeine LandeSverwaltung vom 30 Juli 1883 (G. S. S. 195) sowie der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung vom 20. September 1867 (G. S. S. 1529) wird unter Zustimmung des Provinzialrats für den Umfang der Provinz Hessen,Nassau folgendes verordnet:
§ 1. Der § 13 Ziffer la der Provinzial-Polizeiver- ordnung, betreffend den Verkehr mit Fahrrädern aus öffenl- lichen Wegen, Straßen und Plätzen vom 11. September 1900 wird dahin obgeändert, daß für Fahrräder mit Ausschluß der Motorräder, die Erteilung von Radsahrkarten auf un- beschränkte Zeit erfolgen darf. Die Pflicht der Erneuerung der Karten bleibt jedoch für den Fall bestehen, daß die ausgestellten Karten unbrauchbar geworden finb
Jetzt schlug's im Dorfe neun Uhr. Der Klaus sprang auf. „Ach, schon so spät! Morgen muß ich früh vier Uhr heraus uud die Waldwiese hauen."
Grete hängte sich an seinen Arm, und so schritten sie dem Hofe zu. Unter der Linde beim Hause blieb der Bursche nochmals stehen, umfaßte sein Mädchen und raunte ihr ein zärtliches Abschiedswort zu. Ju Grete aber wachte jetzt die Erinnerung an Hannes auf und an die Worte, die er just an dieser Stelle zu ihr gesagt hatte. Sie drückte ihren Kopf an des Burschen Schulter und bat: „Klaus, Sonntag wollen wir mitsamen ins Gotteshaus gehen!"
„Macht sich nicht, Schatz," wehrte er. „Pfingsten geht's nicht. Da kommen von der Verwandtschaft Leute zu uns, die wollen alleweil nicht ein Tippelchen von ihrer Vergnügungszeit herausrücken."
„Dann lasse ihnen doch den Spaß. Aber Du kommst mit mir."
„Wo denkst Du hin! Das würd' sich auch grad schicken. Ich bleib, wo unsere Leut' sind, und will Staat machen mit meiner zukünftigen Bäuerin, die gehört für die Tage auf den Jmmenhos."
In Gretes Herzen hatte sich, als der Bursche sprach, zu Anfang ein heftiger Widersprach geregt, aber seine letzten Worte und der Stolz, mit dem er sie dabei ansah, besänftigten ihren Aerger. Doch wollte sie ihre Sache nicht so rasch aufgeben und meinte, „wenn mir nun aber so viel daran liegt, Sonntag mit meinem Schatz in die Kirche zu gehen, dann wirft Du es halt tun, zumal ich Dich so recht schön bitte," sie sah ihn dabei gar herzig an und klopfte zärtlich seine arbeitsharte Hand.
Er schmunzelte und war just auf dem Punkte, nachzu- geben, als ihm plötzlich ein Gedanke kam. „Hat etwa der HanneS mit seiner Lehrerweisheit Dir dreiugcredet und davon gefaselt, daß eS so sein müßt?" fragte er und sah das Mädchen scharf an.
Die war viel zu ehrlich und viel zu stolz, um auch nur ein Körnchen von der Wabrheit abzuweichen. „Freilich hat der Hannes davon auch geredet," antwortete sie, „aber ich hatte es mir längst schon selbst so znrcchtgclegt."
§ 2. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver» öffentlichung in Kraft.
Cassel, am 7. März 1905.
Der Oberpräsident, gez.: von Windheim.
*
Hersfeld, den 3. April 1905.
Auf die vorstehend veröffentlichte Polizeiverordnung mache ich die OrtSpolizeibehörden des Kreises besonders aufmerksam.
Hiernach bedarf das bisher vorgeschriebene Radfahrkarten« Formular der Abänderung. An Stelle der Worte:
„Gültig für das Kalenderjahr 19 . ." ist zu setzen: „Gültig bis auf weiteres o rbehaltlich des jederzeitigen Widerrufs."
Die noch vorhandenen alten Formulare können unter entsprechender handschriftlicher Abänderung noch verbraucht werden. Die hiesige Funk'sche Buchdruckerei, welche die Karten-Formulare vorrätig hält, ist wegen deren Abänderung bei dem Neudruck mit Nachricht versehen worden.
1. 1916. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Zugelaufen: Ein kleiner weißer Sp'tzhund. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in Ransbach.
nichtamtlicher teil.
Ae Mitlelmeerflihrt des Nsisers.
Aus Neapel. 7. d. wird berichtet:
Se. Majestät der Kaiser kehrte nach dem Frühstück auf der Hertha an Bord der Hohenzollern zurück. Nachmittags ging der Kaiser an Land und unternahm einen Ausflug im Automobil, welches ihm der König zur Verfügung gestellt hatte. Die Herren der Umgebung folgten in drei weiteren Automobilen. Die Fahrt ging be> herrlichem Wetter über den Posilippo und dann weiter am Ufer entlang. Der Vesuv, die Küsten, die Inseln und die schneebedeckten Berge Kampanien« lagen in voller Klarheit da. Die Fahrt ging nach Puzzuoli und über Bajä weiter bis zum Cap Misenum. An dem malerischen Ufer der Stelle des Mare» morto wurde der Tee genommen. Die Bevölkerung brächte allenthalben dem Kaiser herzlichste Ovationen.
Klans sah finster aus. „Es paßt mir nicht, daß ein anderer kommandieren soll, wo ich der Herr bin auf dem Jmmenhoi," sagte er, setzte seine Mütze auf und ging zum Tore.
Grete sprach kein Wort. Den hübschen Kopf in den Nacken geworfen, sah sie ihm ärgerlich nach und bemerkte dabei nicht, daß der Vater mit der Großmutter herausgekommen war.
„Na, hat's was gegeben zwischen euch?" erkundigte sich der Bauer.
„Zank und Trotz sind dem Herrn ein Greuel," sagte die alte Bäuerin, die die beiden verfinsterten Gesichter bemerkt hatte.
„Junge Leute, die sich fürs Leben zusammenbegeben wollen, sollten sich hüten, darein zu verfallen."
„Lassen Sie gut sein, Mutter," wehrte der Bauer, „bei Liebesleuten ist's wie bei uns im April. Mal graupelts barbarisch und gleich drauf scheint wieder die liebe Sonne."
Er- faßte das Mädchen unter das Kinn, nickte ihr zu und erklärte: „So geht's! Hab ich nicht recht, Kind?"
Doch noch schien die Sonne nicht bei der Grete. Sie zuckte nur die Achseln. „Ich will noch nach der roten Falbe sehen, sie hat das Futter heute zu hastig gefressen," erklärte sie und ging am Hoftore vorüber.
Da stand noch immer Klaus, die Mütze auf dem Kopfe. Er sah verzweifelt böse aus.
Als Gretes Augen ihn streiften, ergriff sie der Uebermut. Sie lachte hell auf. „Weißt, wie Du ausschaust?" neckte sie, „genau, als wolltest Du mich fressen mit Haut und mit Haaren."
Ihr Lachen steckte ihn an; ohne daß er sich dessen recht bewußt gewesen, stimmte er mit ein, faßte ihren Blondkopf in seine beiden Hände und scherzte, während er sich mühte, möglichst grimmig auszusehen, „ja, ja, fressen vor lauter Liebe und Zärtlichkeit!" Dann aber raunte er ihr fragend ins Ohr.
„Du, Schatz, wem willst gehorchen? Dem Hannes oder mir?"
„Nicht ihm und nicht Dir! Ich tu, waö ich selber will."