Eine fristen* und fremdenfeinblikbe Er. Hebung ist in der Stadt Riating in China (Provinz Szetschwan) auSgebrochen. Die Aufständischen schlugen die zur Unterdrückung der Bewegung ausgesandten chinesischen Truppen zurück. Es wird befürchtet, daß eS zu blutigen Ausschreitungen kommt.
Die Unabhängigkeitsbewegung auf Kreta scheint friedlich verlaufen zu wollen. Die Befehlshaber der internationalen Truppen haben den Abgeordneten der Auf- ständischen mitgeteilt, daß nach Ansicht der Mächte die Vereinigung Kretas mit Griechenland unter den jetzigen Umständen unmöglich sei. Die Abgeordneten baten sich daher eine Bedenkzeit von acht Tagen aus.
Aus Provinz u. Nachbargebiet.
* Eine hygienische Untersuchung sämtlicher höheren Lehranstalten durch die Kreisärzte ist jetzt vom Unterrichtsminister veranlaßt worden. Sie soll in fünf Jahren allmählich durchgeführt werden. Die Berichte darüber sollen besonders die Beanstandungen enthalten.
* (D i e stille Woche.) Nach § 12 der Regierungs- polizeiverordnung vom 23/9/96 sind in der ganzen Karwoche, sowie am 1. Ostertage öffentliche und private Tanzmusiken, Bälle und ähnliche Lustbarkeiten verboten. Am Karfreitag dürfen außerdem auch öffentliche theatralische Vorstellungen, Schaustellungen und sonstige öffentliche Lustbarkeiten mit Ausnahme der Aufführung ernster Musikstücke (Oratorien ic.) nicht stattfinden. Am Mittwoch, Donnerstag und Samstag der Karwoche, sowie am 1. Osterfeiertage find nur theatra- lisch« Vorstellungen ernsten Inhalts gestattet.
) :( Hersfeld, 5. April. In eine kritische Lage geriet gestern Morgen im hiesigen Schlachthause ein Metzger- geselle. Ein Ochse, welcher gerade geschlachtet werden sollte, hatte sich losgerissen und drang auf den Burschen ein. Jedoch gelang es demselben sich noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Das wildgewordene Tier jagte alsdann in tollen Sprüngen durch das Schlachthaustor und konnte erst am Bahnhof wieder eingefangen werden, ^glücklicherweise ohne Schaden auf seiner Flucht angerichtet zu haben.
Casfel, 3. April. Eine junge Verkäuferin, namens Sußmann, welche hier in Stellung war, beging Selbstmord aus-unglücklicher Liebe, indem sie bei dem Torfe Spicker-Hausen in die hochgchende Fulda sprang und darin ertrank.
Casfel, 4. April. Die Neubesetzung des Postens eines Oberlandesgerichts-Präsidenten wird voraussichtlich sogleich nach der Rückkehr des Kaisers Mitte dieses Monats erfolgen. Oberlandesgerichts-Präsident Eccius wird das Präsidium der Justiz Prüfungskommission, das er schon jetzt inten, mistisch verwaltet, übernehmenund deshalb aus feiner Stetigen Stellung scheiden. Die Geschäfte des OberlandeSgerichtS- Präsidenten werden gegenwärtig von Senats - Präsident Schwarzkopf versehen. (T)
Casfel, 4. März. Ein alter Kurheffe, Herr Otto Landsberg, ist im Alter von fast 102 Jahren in der Nähe von Kapstadt gestorben. Als Fünfzehnjähriger verließ er im Jahre 1818 feine hessische Heimat und siedelte nach Kapstadt über. Seine Reise von Gaffel über Amsterdam nach Kapstadt hatte 360 Tage gedauert. Als er dort an- kam, konnte man noch auf dem Markte Sklaven und Sklav innen laufen. Er hat Kapstadt während aller großen Veränderuugen in Südafrika bewohnt und war tätig als Echnupitabakfabrikant.
Casfel, 3. April. (Strafkammer.) Wegen schweren Diebstahl» war der Arbeiter H. aus Friedlos angeklagt, ein schon mehrfach vorbestraftes und in der dortigen Gegend eines schlechten Rufes sich erfreuenden Individuums. H. erbrach in der Nähe des Bahnhofs Hersfeld eine der Firma Wallach gehörige Baubude, entnahm dieser 1 Stock, 1 Hose und einige Notizbücher. Den Stock verkaufte er dann für 15 Pfg. Nicht genug damit, scheut sich der Patron nicht, seine eigene Verwandte, eine in Niederaula wohnhafte Frau, zu bestehlen. Er stattete der Wurstkammer einen Besuch ab und verlegte dann sein „Arbeitsfeld" in die Wohnstube, wo er aus der Schublade 8 Mk. sich aneignete. Die Strafkammer schickte den Burschen 1 Jahr und sechs Monate ins Gefängnis H. erklärte jedoch bei der Urteilsverkündigung — ein treffendes Charakteristikum — ein Jahr Zuchthaus den 18 Monaten Gefängnis vorzuziehen. Wenn H. sich so weiter entwickelt, nun dann wird ihm vielleicht später sein LiedlingSwunsch, vielleicht auf noch längere Dauer, erfüllt werden können.
Oberkaufungen, 3. April. Ein Kind von 4—5 Jahren stürzte gestern in einem unbewachten Augenblicke in den Mühlgraben und ertrank.
Marburg, 3. April. Von der neuen Vergünstigung, daß am 1. April beim hiesigen Jägerbataillon Studierende der Medizin und Pharmazie als Einjährige eintreten können, haben 12 Gebrauch gemacht.
Marburg, 4. März. Heute morgen wurde in einem von Casfel kommenden Personenzug ein Fremder mit einer schweren Schußverletzung, die er sich unterwegs zugezogen hatte, gesunden. Er wurde in die Klinik geschafft. Der Verletzte soll aus Baden sein.
Siegenhain, 2. April. Das militärische Wachlkom- mando an der hiesigen Königlichen Strafanstalt hat unsere Stadt mit dem gestrigen Tage für immer verlaffen. Die lange Jahre bestandene Einrichtung ist von der Vorgesetzten Behörde gemäß einem Reichstagsbeschluß ausgehoben worden. Der Wachtdienst wird von jetzt ab durch Aufseher auSgeübt, die in entsprechender Weise vermehrt worden sind.
Langensalza, 2. April. Am 1. Oktober d. I«. wird
hier das Regiment Jäger zu Pferde Nr. 2 gebildet werden, nachdem durch Annahme des Gesetzes betr. die Friedens- präsenzstäike des deutschen Heere» in dritter Lesung die Vermehrung der Kavallerie genehmigt ist.
Von der Werra, 2. April. Die „Teufelskanzel", die sich hoch über der an jener Stelle hufeisenförmig dahin, ziehenden Werra erhebt und mit der in der Nähe befindlichen Burg Haustein in jedem Sommer das Wanderziel Tausender von Touristen aus Sachsen, Hessen und Hannover bildet, soll ein großes Hotel zur Aufnahme von Sommerfrischlern erhalten. Zur Ausführung dieses Planes hat sich eine Aktiengesellschaft gebildet, die auch zugleich chaussierte Wege vom Haustein zur Teufelskanzel anzulegen beabsichtigt.
Witzenhaufen, 4 Apsil. Wie verlautet, haben sich schon 70 Herren um die vakant gewordene Bürgermeister stelle hier beworben und zwar aus allen Himmelsrichtungen; die meisten der Bewerbungen liefen ein aus Potsdam, Berlin, Dresden; als Endtermin ist der 7. April 'gefetzt und voraussichtlich nach dem 10. d. MtS. wird man zur engeren Wahl schreiten können.
Mainz, 4. April. Heute nacht erschoß sich aus Nahrungssorgen der 60 Jahre alte Maschinist Andreas Mayer in der Grebenstraße, nachdem er vorher seiner 6 Jahre älteren Frau einen sehr gefährlichen Schuß in die Brust beigebracht hatte. — Der 30 Jahre alte Kellner Weiß erschoß sich gestern abend in der Gaugasse in einer Animteikneipe, wo seine Frau als Kellnerin tätig ist. Weiß sollte sich dieser Tage wegen Mißhandlung seiner Frau vor dem Gericht verantworten.
Vacha, 4. April. Der mit Kiesfahren für die Schroltsche Papierfabrik in Vacha beschäftigte Tagelöhner Adam Herman fuhr auf dem leeren Wagen stehend, nach dem Kiesplatze, als die Pferde scheuten. Herman fiel nach vorne zwischen die Pferde und erhielt von den Pferden einen Schlag gegen den Kopf, daß der Tod sofort eintrat. Er hinterläßt eine Frau und 6 unversorgte Kinder,
vermischter.
— Oberhausen , 4, April. In der Arbeiterkolonie bei Osterfeld erkrankte eine ganze Familie unter starten VergistungSerscheinungen; die Frau hatte auf dem Markt statt Petersilie Schierling erhalten. Der Zustand der Erkrankten ist sehr bedenklich.
— Beim Königsbesuche in Würzen trug sich, als König Friedrich August die am Bahnhof aufge. stellte Schützengilos besichtigte und begrüßte, der „Sächs. Volkszeitung" zufolge, eine heitere Episode zu : Se. Majestät schritt auf einen wackeren Schützen zu, ihn zu befragen, wo er sich denn seine Auszeichnung verdient habe. Währead des Königs Hand aus die Auszeichnung deutete, fragte Se. Majestät erstaunt den strammen Schützen: „Nun, was ist denn das?" — Der Schütze blickte auf seinen Orden, erschrak und sagte gemütlich, wie es dem Sachsen ziemt: „Ach Gott, den hat ja meine Frau verkehrt angenäht"
— Mannheim, 4 April. Der Streit bei der Firma Benz u. Co. ist beendet. Maßregelungen sind nicht erfolgt, die Forderungen wurden bewilligt.
— Sulzba ch b. Saarbrücken, 4 April. Gestern früh fand man hier eine ganze Arbeiterfamilie namens Weber bewußtlos in ihrem gemeinschaftlichen Schlafzimmer Der herbeigerufene Arzt konstatierte, daß der Mann und das älteste Kind schon tot waren, die Frau ist gestern Abend gestorben, ohne da» Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Das jüngste Kind ist außer Gefahr. Die Ursache ist Vergiftung durch verdorbene» Sauerkraut.
— I n Kremmen i. Mark kam in der vorletzten Nacht im Dachstuhl des Wohnhauses vom Furage- und Kohlenhändler Hartwig am Ruppiner Kanal Feuer aus, das schnell um sich griff. Bevor noch die Wehr eingreifen konnte, war das oberste Geschoß von den Flammen ersaßt; in diesem schliefen die 16jährige Tochter des Eigentümers und dessen 13jähriges Pflegekind Else Klisio. Beide Mädchen wurden als Leichen in halbverkohltem Zustande aufgefunden. Das Grundstück ist vollständig ein Raub der Flammen geworden.
— Ludwigshafen, 4. April. Beim Probieren eines Fasses durch Luftdruck wurde der 16jährige Fabrikarbeiter Ulrich in der Anilinfabrik getötet. Der Deckel des Fasses flog heraus und dem Jungen an den Kopf, wobei er ihm den Schädel zertrümmerte. Die Schuld daran trägt der Maschinenmeister, der unterlassen Halle, die eisernen Bandagen um das Faß zu legen.
— Würzburg, 4. April. In Großrinderfeld brannte eine Brennerei, eine Dampsmolkerei, sowie fünf gefüllte Scheunen und Stallungen vollständig nieder.
— (Das Gold ist nur Schimäre.) Es gibt doch noch Leute, die Philosophen von antiker Größe sind und Gold und Reichtum gering schätzen; sorglos lassen sie die bei öffentlichen Prämienziehungen gezogenen Gewinne jahrelang liegen ohne sie abzuheben. Ein Mitarbeiter des Gil Blas hat sich jüngst das Herzeleid bereitet, die Prämien- ziehungslisten des Grebit Foncier und der Stadt Paris durchzusehen, und hat dort vermerkt gefunden, daß sechs Gewinne von je 100 000 Fr. schon seit Jahren auf die glücklichen Gewinner warten. Die Zahl der nicht abgehobenen Gewinne von 50 000—25 000 und 10 000 Fr. ist sehr groß. Drei Gewinne sehnen sich schon seit 20 Jahren nach ihren rechtmäßigen Besitzern, wobei bemerkt werden muß, daß die Gewinne erst nach 30 Jahren für verfallen erklärt werden. Ein Hauptgewinn der Panama- Ziehung — 250 000 Fr. — lag 10 Jahre unberührt und unbehoben da. Der Mann, der da» Glückrlos besaß, war
noch Südamerika gegangen, um das Glück zu suchen, bat ihm inzwischen in Frankreich in den Schoß gefallen war.
— Eine eigentümliche Spezialität hatte sich die 38 jährige Hausadministratorin, Frau Kubowtky, in Wien gewählt, die jetzt verhaftet wurde, und der man bereits Schwindeleien im Betrage von 100 000 Kronen nachgewiesen hat. Sie machte sich an schwerkranke, einsam stehende Greise heran, pflegte sie bis zu ihrem Tode und brächte dann ihre ganze Hinterlassenschaft an sich. So starb in ihrer Wohnung der wohlhabende Kaufmann Röhalmi: Nach Angabe der Kubowsky hat er nichts hinterlassen. Ein ähnlicher Fall ereignete sich mit dem Privatier Gotthilf Eberle. Auf ein von ihm veröffentlichtes Inserat hin meldete sich die Kubowsky und wurde als Wirtschafterin engagiert. Sie zog mit ihm nach Abazzia, wo Eberle starb. Als die Verwandten das Erbe beanspruchten, erklärte die Kubowsky, die Krankheit des Verstorbenen habe viel gekostet, auch habe er ihr große Geschenke gemacht. Von dem Bankdepot und den Sparkassenbüchern, die er besaß, fand sich nichts vor. Das Vorleben der Betrügerin ist sehr romantisch, ohne gerade erbaulich zu sein. Sie war die Gattin des Zahntechnikers Kubowsky in Klagenfurt und unterhielt ein Liebesverhältnis mit dessen bestem Freund, dem Forstbeamten Nikolini. Kubowsky überraschte das Paar und stieß Nikoltni sein Jagdmesser ins Herz. Der Frau, die entfliehen wollte, versetzte er einen Messerstich in den Rücken. Nikoltni starb, Kubowsky wurde jedoch vom Schwurgericht freigesprochen.
Letzte Nachrichten.
Konstantinopel, 4. April. Das Jrade, welches die Unterzeichnung des Vertrages mit Krupp über Kanonen- bestellung anordnet, ist jetzt ergangen.
Trier, 4. April. Beim Auslaufen des Perfonen- zuges 410 vor Bahnhof Schweich auf den Güterzug 6544 wurden drei Mann des Zugpersonals von Zug 410 sehr schwer verletzt. Außerdem sind kleine Verletzungen bei vier Reisenden vorgekommen. Wahrscheinlich liegt ein Bedienungsfehler am Blockapparat des Stellwerks 1 vor.
Warschau, 4. April. Auf Verordnung des Kultusministers wurde die Universität geschlossen. Alle Studenten wurden relegiert und ihre Legitimationen ihnen per Post zugestellt. Während der Nacht wurden in vielen Häusern der Vorstadt Wola Haussuchungen vorgenommen. 70 Personen wurden verhaftet und viele Waffen konfisziert. — Im Bragerspital drang durch das Fenster des Nebengebäude» ein Unbekannter in den Krankensaal, wo drei am 26. März durch Bomben verwundete Schutzleute lagen, unD gab zwei Revolverschüsse ab. Einer der Schutzleute wurde am Arm verletzt. Im Saal brach eine Panik aus, die Kranken flohen au» den Betten. Der Täter ist durch ein Fenster entkommen. Der verwundete Polizist wurde ins Mrlrtärspital gebracht. —■ An der Ecke der Dzika- und Smoczagasse wurden auf einen Oberschutzmann der dritten Bezirkes vier Revolverschüsse ab» gegeben. Der Beamte wurde schwer verwundet. Die Täter sind entkommen.
Ein heftiges Erdbeben hat Lahore in Britisch Ostindien heimgesucht. Es sind viele Menschen ums Leben gekommen. Das Erdbeben hat großen Schaden an öffentlichen Gebäuden und an Privateigentum angerittet; so ist das Rathaus fast dem Erdboden gleichgemacht, der Bahnhof, die Kathedrale und die Jumamasjid-Moschee sind fchwer beschädigt.
Der Senaphor von Maddalena, Sardinien, signaliesierte gestern abend die Durchfahrt der „Hamburg", die mit dem Kaiser an Bord nach Neapel geht.
Die obligatorische Einführung von Arbeiterausschüssen für die Bergwerksbetriebe wurde von der Kommission des Abgeordnetenhauses mit Stimmengleichheit a b g e l e h n t.
Schlachtbericht des städtischen Schlachthauses für den Monat März 1905.
Geschlachtet wurden: 29 Ochsen, 4 Bullen, 24 Kühe, 29 Rinder, 304 Schweine, 129 Kälber, 28 Hämmel, 24 Schafe, 11 Ziegen und 3 Pferde.
Tuberkulose wurde festgestellt bei 2 Ochsen, 1 Bullen, 11 Kühen, 6 Rindern und 7.Schweinen, Finnen bei 2 Ochsen, 1 Bullen und 1 Rind.
Wegen Tuberkulose waren a minderwertig: 2 Kühe und ein Rind, b. bedingt tauglich: 1 Kuh.
Wegen Finnen war 1 Rind bedingt tauglich.
Aus anderen Gründen waren 4 Schafe untauglich, Hersfeld, den 4. April 1905.
Tierarzt Friederich, Schlachthofverwalter.
• »Möbel. 8
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