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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Sernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 33.
Sonnabend, den 18. März
1905.
MtllcbEcell.
Rimdverfügung.
In Ergänzung unserer Verfügungen vom 29. November 1904 — F. W. 0. 10716/04 — und vom 14. Oktober 1904 — F. W. 0. 9267/04 — führen wir zur künftigen Beachtung folgendes aus:
1. Die in ein und derselben Urkunde abgegebenen Bürgschaftserklärungen sind, sofern sie einen Betrag von je 150 Mark oder weniger betreffen, nicht stempelpflichtig, selbst wenn die Summe sämtlicher Beträge, für welche in der Urkunde Bürgschaftserklärungen abgegeben worden, den Betrag von 150 Mark übersteigt.
II. In den bei Holzverkäufen der Forstverwaltung gebräuchlichen Formularen ist jedoch am Schlüsse eine Bescheinig- ung d er Zahlungsfähigkeit der Bürgen enthalten. Diese ist stempelpflichtig, sobald der Sesam tbe- trag der im Formular aufgesührten Summen den Betrag von 150 M. übersteigt, ohne Rücksicht aus den Betrag jeder einzelnen Bürgschaft.
III. Es ist nichts dagegen einzuwenden, daß zur Vermeidung der Stempelpflichtigkeit Erklärungen über Bürgschaften für Beträge von 150 M. oder weniger derart getrennt in verschiedene Formulare ausgenommen werden, daß der Gesamtbetrag der in dem einzelnen Formular enthaltenen Summen den Betrag von 150 M. nicht übersteigt, sodaß also die Bescheinigung der Zahlungsfähigkeit der Bürgen ebenfalls stem- pelfrei bleibt
Dies ist insbesondere zulässig bei Bürgschaften, welche dieselbe Person für Kaufgelder verschiedener Käufer leistet, auch wenn der Gesamtbetrag der dadurch sichergestellten Forderungen mehr als 150 M. beträgt, sofern nur die von jedem einzelnen Käufer geschuldete Summe, für welche sich der Bürge verbürgt, den Betrag von 150 M. nicht übersteigt; denn es liegen in diesem Falle verschied ene Bürgschaftsverträge vor, deren Stempelpflichtigkeit für jeden einzelnen gesondert zu beurteilen ist.
Leistet dagegen dieselbe Person für mehrere Kaufgeldposten desselben Käufers in demselben Termine, z. B. für mehrere Lose desselben Käufers, Bürgschaft, so ist dies als einheitlicher Bürgschastsvertrag zu beurteilen, sodaß, falls der von dem Käufer geschuldete G e s a m tbetrag die Summe von 150 M. übersteigt, die Bürgschaftserklärung stempelpflichtig ist. Eine Aufnahme der Bürgschaft in verschiedene Formulare derart, daß in jedem nur die Erklärung wegen eines Teilbetrages von 150 M. oder weniger angeführt wird, wäre in diesem Falle als Stempelhinterziehung zu beurteilen.
IV. Sinngemäß ist auch der Kauf mehrerer Posten in demselben Verkausstermin durch denselben Käufer als einheitliches Rechtsgeschäft hinsichtlich der Stempelpflichtigkeit zu beurteilen.
Cassel, den 4. März 1905.
Königliche Regierung,
.Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten B.
Hintz. B e h r e n d t.
An die Herren Landräte des Regierungsbezirks, die Herren Königl. Oberförster des Regierungsbezirks (mit Ausnahme der zu Orb und Brotterode und des Kreises Rinteln), die Forstkassen und Domänenrentämter des Regierungsbezirks.
* *
Hersfeld, den 14. März 1905.
Vorstehendes wird den Ortspolizeibehörden des Kreises im Anschluß an meine Verfügung vom 14. Oktober 1901 Nr. 7665 (Kreisblatt Nr. 127) zur Nachachtung mitgeteilt.
I. Nr. 1698. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersseld, den 14. März 1905.
Unter den Schweinen der Witwe Steinberg inHeiSfeld iß die Schweineseuche ausgebrochen. !• 1748. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung» Rat.
Bekanntmachung.
binkieUung von Dreijährig-freiwilligen für das III. oeebataillon in Csingtau (China).
. , Einstellung: Oktober 1905, Ausreise nach Tsingtau: Früh- Mr 1906, Heimreise: Frühjahr 1908. Bedingungen: Min- ocltens 1,65 m groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1886 ge- ooren (flingere Leute nur bei besonders guter körperlicher s U?UI Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dach- oecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker (Schuster, Schneider, Gärtner usw.) bevor- In Tsingtau wird außer Löhnung imb Verpflegung änlich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.
Meldungen mit genauer Adresse sind zu richten an Kommando der Stammkompagnien, Wilhelmshaven.
Bekanntmachung.
Einstellung von Dreijährig-freiwilligen für die JV[a- trosenartillerie - Abteilung Kiautfehou in Csingtau (China).
Einstellung: Oktober 1905, Ausreise nach Tsingtau: Frühjahr 1906, Heimreise: Frühjahr 1908. Bedingungen: Mindestens 1,67 m groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1886 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwickelung). Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker (Schuster, Schneider, Gärtner usw.) bevorzugt. In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.
Meldungen mit genauer Adresse sind zu richten an:
Kommando der III. Matrosenartillerie-Abteilung Lehe.
Politischer Wochenbericht.
Wie jede» Uebermaß eine» Uebels mit Naturgewalt zur Heilung M drängen pflegt, so hat endlich auch die aller vernünftigen Geschäftspraxis Hohn sprechende Redseligkeit im Reichstage einen Versuch der Selbsthilfe dieser Körperschaft gezeitigt. Um die verfassungsmäßig geforderte Fertigstellung der Etats bis zum 1. April zu ermöglichen, hat man sich im Senioren-Konvent des Reichstages zu einer Kontingentierung der Etatsberatungen entschlossen, ober mit anderen Worten: es ist für jeden Etaisabschnitt eine bestimmte BeratungSzeit festgesetzt worden. Mit diesem Beschlusse des Senioren-KonventS allein ist es freilich noch nicht getan, sondern es kommt vor allem darauf an, ob derselbe auch im Plenum die gehörige Nachachtung und Befolgung finden wird. Erwünscht wäre dies sicherlich im höchsten Maße, und es ist deshalb denjenigen Reichslags-Abgeordneten, denen die Förderung der StaatS- intereffen und da» Ansehen de» Parlament» wirklich am Herzen liegen, dringend anzuraten, allen Versuchen, die aus eine Umgehung oder Nichtachtung der getroffenen Vereinbarungen abzielen, nach Kräften entgegenzutreten.
Wie ein nationaler. Festtag geradezu ist während der verflossenen Woche der 84. G e b u r t S t a g des Prinz- Regenten Luitpold von Bayern von allen patriotischen Kreisen de» Reiches empfunden worden. Dieser Tag hatte eine erhöhte Bedeutung noch dadurch, daß mit ihm zugleich da» 70 jährige Militärdienst-Jubiläum des greifen Bayernfürsten verknüpft war. Die unzähligen Kundgebungen freudiger, sympathievoller Teilnahme, die der doppelte Festtag allenthalben hervorgerufen hat, sind ein erneuter Beweis für das außergewöhnliche Maß von Liebe und Verehrung, dessen sich Prinz-Regent Luitpold im gesamten deutschen Vaterlande und weit über die Grenzen derselben hinaus erfreut. Möge e» ihm durch die Gnade Gottes vergönnt fein, noch lange Jahre in gleicher Kraft und Rüstigkeit zum Segen für Bayern und das Reich seines schweren, verantwortungsvollen Amte» zu walten.
Da« gewaltige, mörderische Schlachtenringen bei Mulden im fernen Ostasien hat wiederum mit einer schweren Niederlage der Russen und ihrem fluchtähnlichen Rückzüge geendet. Daß angesichts einer solchen Sachlage erneute Friedensgerüchte auslauchen, ist zu verstehen. Ihre Quelle scheinen dieselben diesmal hauptsächlich in Frankreich zu haben, wo man aus Rücksichten des Zweibundes das starke Sinken des russischen Prestigcs begreiflicherweise mit Bangen betrachtet und ebenso auch um das Schicksal der hauptsächlich auf französischem Boden untergebrachten russischen Anleihe besorgt ist. Doch glauben wir nicht, daß die Gerüchte bereit» einen realen Hintergrund haben. Auch der Verlust der ganzen mandschurischen Armee bedeutet noch keineswegs die Beendigung des Kriege» und die Besiegelung des Frieden». Vielmehr dürfte die Folge der letzten Niederlage Rußland» nur ein längerer Stillstand der kriegerischen Unternehmungen in der Mandschurei und eine zeitweilige Verlegung der hauptsächlichsten Operations- basis seitens Japans sein.
Zu den inneren Wirren Rußlands haben sich in letzter Zeit auch Bauern revolten an verschiedenen Orten, so in Kursk, Orel, Tschernigow und Smolensk, hinzugesellt. Während die Sozialdemokratie der russischen Industriearbeiter nichts andere» als westeuropäische Importware ist, stellt dagegen der AgrarsozialismuS der Bauernschaft Rußland» ein auf dem Heimatrboden ursprünglich gewachsenes, nationalrussisches Erzeugnis dar. Seit langer Zeit schon herrschen unter der Bauern- bevölkerung unklare Vorstellungen, wonach der Zar den Willen habe, das Herrenland unter die Bauern zu verteilen, hieran aber durch die Edelleute gehindert werde.
Solche oder ähnliche Ideen liegen wahrscheinlich auch den jüngsten russischen Bauernrevolten zu Grunde. Nächst der Bauernbewegung erscheint wohl unter den inneren Schwierigkeiten Rußlands die polnische Frage, die sich offenbar in der von der allpolnischen Partei vertretenen Richtung zuspitzt, zur Zeit al» die bedeutsamste. Man wird in Deutschland gut tun, gerade dieser Seite der inneren Zustände Rußlands gründliche Aufmerksamkeit zu widmen.
Im englischen Parlamente haben während der letzten Tage interessante und lehrreiche Marine» Verhandlungen stattgefunden. Mit jener bekannten einmütigen Bereitwilligkeit, die man in England und Frankreich, ganz im Gegensatze zu dem Markten und Feilschen des deutschen Reichstage», allen Forderungen der nationalen Wehrkraft entgegenbringt, sind auch diesmal die stark erhöhten Sätze de» neuen englischen Marineetats schlank bewilligt worden. Bemerkenswert war es, daß die veränderte Flottenverteilung, sowie die Flottenverm.hrung Englands offen mit dem Heranwachsen der deutschen Flottenmacht in der Nordsee begründet wurden. Ebenso bemerkenswert aber ist e» endlich, daß der Hauptredner in diesem Sinne in der Lage war, Aussprüche deutscher Sozialdemokraten im Reichstage zu Gunsten Englands gegen uns auszubeuten. Die ganze jämmerliche Rolle unserer Sozialdemokraten als Vaterlandsfeinde und Agenten des Auslandes trat bei dieser Gelegenheit wieder einmal aufs deutlichste zutage und muß jeden deutschen Mann mit Scham und Zorn über solche Volksgenossen erfüllen.
Ae jasmischt» Ziege und Hit emMscheil md deutschen Interessen.
Alle Welt bewundert die japanischen Siege und gönnt bis zu einem gewissen Grade dem anmaßenden Russentum und seiner rückständigen Kultur die schweren Niederlagen im Kriege mit dem für klein gehaltenen Japan. Aber so natürlich solche Seelenstimmungen auch sind, so zeigen sie doch auch einen großen Mangel an Verständnis für die Lage in Ostasien und für die wahren europäischen und deutschen Interessen. Mit den japanischen Siegen ist nämlich ein ganz neuer Faktor in die Weltgeschichte eingetreten, der bei allen Asiaten, bei den Japanern, Chinesen, Mongolen, Siamesen, Indern, Afghanen und Persern den Glauben an die Ueberlegenheit der europäischen Macht und Kultur erschüttert hat und eine Bewegung unter den Völkern Asiens hervorrufen kann, welche den europäischen Handels- Interessen direkt entgegenwirken dürfte. Es kommen aber nicht nur materielle, sondern vor allen Dingen auch ethische Interessen in Betracht, denn das, was man unter der europäischen Kultur zu verstehen hat, ist doch da» Ergebnis der christlichen Weltanschauung und der fleißigen Kulturarbeit, die auf allen Gebieten schöne Fortschritte und auch eine edle Menschlichkeit zu schaffen gewußt hat. Mit den japanischen Siegen tritt aber der Gedanke vor die Augen der Asiaten, daß Christentum und europäische Kultur keine weltbeherrschenden Mächte mehr zu sein brauchen, denn die siegreichen Japaner sind keine Christen und nahmen von der europäischen Kultur nur deren Technik und Kriegskunst, aber nicht deren Geist an. Geradezu naiv wäre es auch, wenn man annehmen wollte, daß die Japaner ihre Siege im Sinne der europäischen Kultur und der europäischen Interessen ausnutzen werden, die ehrgeizig emporstrebenden Japaner, welche in sich die größte Tapserkeit und Opfer- willigkeit mit der Fähigkeit alles Neue rasch zu fassen, vereinigen, wollen offenbar ein neues großes mongolisches Weltreich aufrichten, und sollte es dabei den Japanern gelingen, ganz China mit 300 Millionen Einwohner unter ihren Einfluß und ihre Erziehung zu bringen, so kann Asten neue Weltkriege im Stile Dschingiskahns und Timur», der beiden großen mongolischen Welteroberer, erleben. Daß im Mongolentum und dessen Religion, dem Ahnenkultus und dem Buddismu», eine beispiellose Todesverachtung und kriegerische Kraft liegen, wenn entsprechende Organisationen vorhanden sind, da» lehren uns nicht nur die Japaner, sondern das zeigen auch die früheren mongolischen Erober- ungszüge in Asien und in Europa. Die russischen Nieder, lagen sind deshalb in gewissem Sinne auch europäische Niederlagen, wenn man auch sagen kann, daß die Deutschen oder Engländer ober die Franzosen im gegebenen Falle den Japanern das Fell gerben und den Größenwahn austreiben würden. In dem Kampfe in Ostasien handelt es sich tatsächlich um den Einfluß in den ungeheuer großen und wichtigen chinesischen Ländern und deren allmälige Austeilung und die europäischen Großmächte müssen im allgemeinen Kulturinteresse und im eigenen Interesse unbedingt verhindern, daß sich Japan in China feilscht und dort maßgebende Macht wird. Ganz besonders verlangt auch Deutschlands Interesse und seine Stellung in Ostasien, daß Jap'n im Osten kein Uebergewicht bekommt. Richtig ist ja, daß