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herchl-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 32. Donnerstag, den 16. März 1905.

Amtlicher teil.

Cafsel, den 1. März 1905.

AuS Veranlassung eines Spezialfalles ersuche ich dem nachträglichen Verputzen alter Fachwerksgebäude nach Kräften entgegenzuwirken. Bei Gemeindebauten werden in dieser Richtung die Interessen der Denkmalpflege verhält­nismäßig leicht gewahrt werden können; indessen werden auch die Besitzer von Privatgebäuden der Belehrung zu gängig sein, wenn sie darauf hingewiesen werden, daß Verputz die Hölzer nicht ordentlich auSdunsten läßt und deshalb nicht das geeignete Mittel zur Erhaltung von Fachwerksbauten ist.

Der NegierungS'Prästdent. Trott zu Solz,

An den Herrn Polizei Präsidenten hier, die Herren Polizei- Direktoren in Hanau und Fulda, die Herren Landräte des Bezirks, die Herren Kreiöschulinfp°ktoren und die Herren Oberbürgermeister zu Hanau u. Marburg.

B. 3015.

*

Hersfeld, den 14. März 1905. Wird veröffentlicht.

Der Königliche Landrot.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 11. März 1905.

Die unter dem Schweinebestande des Müllers Heenes zu Sölzerhöfe ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen. I. 1633. Der Königliche Landrat

Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rat.

Bekanntmachung.

Einstellung von Dreijährig-freiwilligen für das III. Seebataillon in Csingtau (China).

Einstellung: Oktober 1905, Ausreise nach Tsingtau: Früh­jahr 1906, Heimreise: Frühjahr 1908. Bedingungen: Min­destens 1,65 m groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1886 ge­boren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwickelung). Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dach­decker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker (Schuster, Schneider, Gärtner usw.) bevor­zugt. In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.

Meldungen mit genauer Adresse sind zu richten an Kommando der Stammkompagnien, Wilhelmshaven.

Bekanntmachung.

Einstellung von Dreijährig-freiwilligen für die JAa-

Der Stern des wissen Dauses.

Roman von I. Ine«.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Wie Hans gesagt, fand sich eine große Gesellschaft ein. Der Förster war der letzte, welcher eintrat. Dorothea saß im Nebenzimmer und sah ihn kommen. Sie musterte ihn mit lebhaftem Interesse und verglich ihn unwillkürlich mit den übrigen anwesenden Herren. Er war entschieden der schönste, der stattlichste von allen. Der Gedanke durchzuckte sie freudig. Dann lächelte sie über ihre Torheit.Was geht es mich an, wie er aussieht?" dachte sie, seufzte aber ein klein wenig dabei.

Sie lehnte sich zurück und blickte auf das Album nieder, welches aufgeschlagen in ihrem Schoße lag. Aber sie sah nichts von den Bildern und dachte nur au Paul Sander. Plötzlich hörte sie ihren Namen dicht neben sich nennen, und als sie die Augen ausschlug, sah sie ihn vor sich stehen mit demselben Lächeln, dessen sie sich aus früherer Zeit so gut erinnerte.

* *

An Panl Sanders Arm betrat Dorothea den Speisesaal, und Paul Sander war es, welcher später im Wohnzimmer an ihrer Seite saß, während Hans wilde Tänze und Kriegs- märsche spielte. Dorothea wußte selbst nicht, wie es kam, aber wurden an jenem Abend bessere Freunde als sie je zuvor Sie sprachen von tausend Dingen. Dorothea er- 7 e lrciul alle Einzelheiten über ihres Vaters Tod, und l^vn das Gefühl, daß Sander ihren Vater gekannt hatte, zog Dorothea seltsam zu ihm hin.

^?" Willhos?" fragte der Förster, das Thema wechselnd, da er bemerkte, wie die Blumen an des cädchens Brust auf- und niederwogten, während sie von ihrem Vater sprach.

Lebt jetzt mit der verwitweten Schwester ihres Mannes tufammen. Sie schreibt mir zuweilen und es geht ihr gut." antwortete Dorothea. J

Paul schwieg, und als das junge Mädchen zu ihm ans°

trosenartillerie - Abteilung Kiautfehou in Tsingtau (China).

Einstellung: -Oktober 1905, Ausreise nach Tsingtau: Früh­jahr 1906, Heimreise: Frühjahr 1908. Bedingungen: Min­destens 1,67 m groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1886 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwickelung). Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dach­decker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker (Schuster, Schneider, Gärtner usw.) bevor­zugt. In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.

Meldungen mit genauer Adresse sind zu richten an:

Kommando der 111. Matrosenartillerie-Abteilung Lehe.

nichtamtlicher teil.

Jer WM in M^B» Wo.

Nach einer Meldung aue Windhuk ist der Pater Franz Jäger von den Witboi ermordet worden. Er war geboren 1875 zu Kefferhausen (Eichsfeld). Nach Vollendung seiner Studien in der theologischen Lehranstalt der Patres Oblaten zu Hünfeld bei Fulda wurde er dort im Jahre 1900 zum Priester geweiht und ging im September 1900 als Missionar nach Deutsch-Südwestafrika. Seit zwei Jahren stand er an der Spitze der Missionsstation Aminuis. Während des Hereroaufstandes war er vorübergegend mit feinen christlichen Betfchuanen in die Kalaheriwüste geflüchtet und war erst vor kurzem nach Aminuis zurückgekehrt. Dort ist er jetzt als Opfer seines Berufes gefallen.

Der russisch-japanische Krieg.

Im Anschlüsse an die neue furchtbare Niederlage, welche die Russen im Kriege mit Japan soeben bei Mulden er­litten haben, finb wieder einmal Gerüchte aufgetaucht, welche von einem bevorstehenden baldigen Friedensschlüsse zwischen den beiden kriegführenden Mächten wissen wollen. Namentlich in Washingtonmacht" man eifrig in solchen Friedensgerüchten. So behauptet man in dortigen diplo­matischen Kreisen, zwischen Rußland und Japan werde insgeheim direkt verhandelt, um eine geeignete Grundlage für die Präliminarien zur Beendigung des Krieges zu gewinnen, und weist man hierbei auf die ungeheueren finanziellen Opfer hin, welche der Krieg beiden Teilen schon auferlegt habe. Weiter behauptet eine Washingtoner Meldung in der New ImkerEvening Post", innerhalb einer Woche stehe ein endgiltiger Schritt Japans zur Herbeiführung des Friedens zu erwarten, es werde so leichte Bedingungen stellen, daß deren Annahme seitens Rußland» als sicher gelle. Es ist nun zweifellos, daß sowohl die furchtbaren Opfer an Menschenleben, welcher

sah, bemerkte sie zum erstenmal, daß er ein kleines Veilchen- sträußchen im Knopfloch trug.

Wie ich sehe, haben Sie Ihre Vorliebe für die Veilchen bewahrt," sagte sie lächelnd, da sie sich erinnerte, daß er ihr einmal erzählt hatte, es seien das seine Lieblingsblumen.

Ja," entgegnete er lachend.Diese hier," und dabei be­rührte er die Veilchen leicht mit dem Finger,wuchsen in meinem Zimmer. Ich habe mehrere kräftige Pflanzen in Töpfen und die blühen das ganze Jahr hindurch. Erinnern Sie sich, wie massenhaft sie im Frühjahr um Brannsdorf herum wuchsen?"

Ja, Dorothea erinnerte sich dessen. Sie erinnerte sich auch, wie er ihr eines Abends einen großen Strauß davon gebracht, den er nach einem heftigen Aprilregen gepflückt hatte. Ob er das auch noch wußte, da er sie mit einem so langen, seltsamen Blick anschaute? Wie töricht, daß ihr bei dem Ge­danken das Gesicht so heiß wurde.

Wie rasch die Stunden dahinflogen. Dorothea meinte, seit Monaten keinen so kurzen Abend verlebt zu haben. Hans und Emmy kamen, bevor sie zur Ruhe gingen, noch zu einem Plauderstündchen auf ihr Zimmer. Die erstere hatte Dorothea, wie sie sagte, unter ihre Flügel genommen.

Sie kannten den Förster Sander wohl schon, Fräulein Schuch?" fragte sie neugierig.

Ja; er war Assistent bei meinem Vater," antwortete Dorothea und wurde dabei rot; sie wußte selbst nicht, warum.

Warum, sagten Sie mir das nicht, als ich Ihnen er­zählte, daß wir ihn heute zu Tisch erwarteten?" fragte Hans in ihrer derben Art, wobei sie Dorothea scharf ansah.

Ich dachte nicht gleich daran," sagte Dorothea verlegen.

Bald darauf wünschten die Schwestern DorotheaGute Nacht" und zogen sich zurück.

* *

*

Dorothea Schuch wanderte dnrch den zu Schloß Jlgcn- burg gehörenden Park. Sie hatte herrliche vierzehn Tage verlebt. Die glänzende Weihuachtsbeschecruug, die lustigen Gesellschaften, das Schlittschuhlaufen alles würde ihr in schönster Erinnerung bleiben.

der^stch schon in das zweite Jahr hineinziehende ostastatische Krieg Japan wie Rußland bereits gekostet hat, als auch die gewaltigen finanziellen Anforderungen, die er an die kriegführenden Mächte stellt, denselben die baldige Beendigung des mörderischen Ringens als dringend wünschenswert er­scheinen lassen müssen. Ebenso hat man in den Kreisen der neutralen Mächte ein erhebliche« Interesse daran, daß der ostastatische Krieg endlich seinen Abschluß erfahre, schon deshalb, weil bei einer noch längeren Andauer der­selben immer wieder die Gefahr der Hineinziehung dieser und jener anderen Macht in den russisch-japanischen Waffen- gang droht; aus all den angeführten Gründen scheint es allerdings erklärlich, wenn immer wieder, wie auch jetzt, Friedensgerüchte kolportiert werden.

Vorerst kann indessen weder bei Rußland noch bei Japan besondere Neigungen zum Friedensschlüsse festgestellt werden. Im Gegenteil, ruffischerseit« ist anläßlich der Niederlage bei Mulden sofort erklärt worden, Rußland könne gerade im gegenwärtigen Moment weniger denn je den Krieg ein­stellen, es werde ihn vielmehr mit allen Kräften fortsetzen und neue Verstärkungen nach Ostasten werfen. Japanischer- feite aber ist durch den Gesandten des Mikado in Washing­ton erklärt worden, Japan denke gar nicht daran, Rußland die Hand zuerst zum Frieden zu bieten, es müsse da ein Entgegenkommen Rußlands abwarlen. In der Tat stehen denn auch einem endlichen Friedensschlüsse nicht geringe Schwierigkeiten entgegen. Japan ist bis jetzt zur See wie zu Land siegreich gewesen und hat einen glänzenden Waffen- erfolg nach dem anderen errungen; es kann ihm infolge­dessen doch wahrlich nicht zugemutet werden, seinem ge­schlagenen Gegner Friedensanerbietungen zu machen. Wenn außerdem, wie es in der erwähnten Washingtoner Meldung derEvening-Post" geschieht, verfichert wird, Japan sei geneigt, so leichte Friedensbedingungen zu stellen, daß deren Annahme durch Rußland als stcher gelte, so muß dem ent­gegengehalten werden, daß Japan, nachdem es die Russen aus Korea und Port Arthur und einem Teile der Mand­schurei verjagt und das russische Geschwader vernicht-t hat, doch kaum geneigt sein dürste, die besiegten Feinde so leichten Kaufes davon kommen zu lassen. Rußland seiner­seits aber würde, wenn es jetzt nach so vielen Niederlagen Frieden schlösse, sein schon ohnehin erschütterte« Prestige dem Auslande und besonders den Völkerschaften Asiens gegenüber noch weiter geführten, ja, genau genommen, auf seine Großmachtstellung geradezu verzichten. So wird dann aller Wahrscheinlichkeit der opferreiche Kampf in Ostasien seinen Fortgang nehmen, da Rußland alle» daran setzen dürfte, wenigstens einmal einen Sieg über Japan zu er­ringen und so die erlittenen Schlappen etwa« auszuwetzen, ob den russischen Waffen im ferneren Verlaufe der Kriege» ein solcher Erfolg wirklich noch beschieden sein wird, dies erscheint freilich recht fraglich.

Den Förster von Lautern hatte sie häufig gesehen Paul stand mit den Bewohnern von Schloß Jlgenburg auf sehr freundschaftlichem Fuß und je öfter sie mit ihm zu­sammen war, desto mehr erkannte sie seinen Wert. Paul in­dessen bevorzugte sie in keiner Weise, wie er doch früher in Braunsdorf zu tun pflegte. Er behandelte sie mit ritterlicher Höflichkeit, wie auch jede andere Dame, aber er berechtigte sie weder durch ein Wort noch einen Blick zu dem Glauben, er könnte wärmere Gefühle für sie hegen als einfache Freund­schaft. Sie war ihm augenscheinlich nicht mehr als jedes an­dere Mädchen.

Ich war ein Tor," hatte Paul vor zwei Jahren gesagt, als er unter dem Schmerz litt, den Dorotheas Zurückweisen seiner Werbung ihm bereitet hatte, und nun sprach Dorothea dieselben Worte:Ich war eine Törin! Er bot mir einst sein edles Herz und ich wies es zurück. Nun habe ich es für immer verloren!"

Gerade als sie den Park verlassen wollte, begegnete sie ihm, der soeben lebhaft ihre Gedanken beschäftigte. Lächelnd bot er ihr die Hand.

Ich suchte Sie," sprach er.Ich komme soeben vom Schloß. Ihre Taute sagte mir, daß Sie Jlgenburg morgen verlassen werden und meinte auf meine Frage nach Ihnen, ich würde Sie hier finden."

Sie wendeten sich wie im gegenseitigen Einverständnis wieder dem Parke zu und schritten die Allee entlang, auS welcher Dorothea soeben getreten war. Ein seltsam banges Gefühl beschlich ihr Herz und fesselte ihr die Zunge. Paul indessen plauderte in seiner liebenswürdigen, angenehmen Weise fort, ohne eine andere Antwort zu erwarten, als die einsilbigen Bemerkungen, welche hin und wieder von ihren Lippen kamen. Nach einer Weile gelangten sie an ein eisernes Gitter, welches dem Druck von Pauls Hand nachgab und ihnen den Weg zu einem schmalen Heckenweg freiließ.

Dorothea hatte das ungewisse Gefühl, als sei es an der Zeit, den Spaziergang abzubrechen und nach dem Schloß zurückzukehren, aber' es war ihr nicht möglich, diese Empfindung in Worte zu kleiden. So schritt sie immer weiter