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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 20.

Donnerstag, den 16. Februar

1905.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 13. Februar 1905.

Bezugnehmend auf die diesseitige Verfügung vom 15. Januar 1904 I. A. Nr. 199 (im Kreisblatt Nr. 9) werden die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises erneut zur Aus­stellung der Voranschläge für das Rechnungsjahr 1905 (1. April 1905/06) ausgefordert. Es kommen dabei folgende Gemeinden in Betracht:

Allendorf, Ana, Ausbach, Dünkelrode, Eitra, Friedewald, Friedlos, Frielingen, Gersdorf, Gethsemane, Goßmanns- robe, Hattenbach, Heddersdors, Heimboldshausen, Herfa, Heringen, Hillartshausen, Hilmes, Holzheim, Kathus, Kerspenhausen, Kirchheim, Kohlharisen, Kruspis, Landers­hansen, Lautenhauseu, Leugers, Malkomes, Meckbach, Mecklar, Niederjossa, Obergeis, Oberhaun, Oberlengsseld, Ransbach, Reimboldshausen, Röhrigshof, Rvtensee, Rot- terterode, Schenklengsfeld, Schenksolz, Sieglos, Solms, Tann, Untergeis, Unterbaun, Untertveisenborn, Widders­hausen, Wippershain, Wölsershansen und Wüstseld.

Mit der A u f st e ll u n g ist alsbald zu beginnen und ist dieselbe so rechtzeitig zn bewirken, daß die Voranschläge, nachdem dieselben nach vorheriger Bekannt­machung in einem von der Gemeinde-Vertretung bezw. -Ver­sammlung zu bestiinmenden Lokale während zweier Wochen yir Einsicht aller Gemeindeangehörigen offen gelegen haben, bis spätestens zum 15. März d. I. da hier ein­gehen. Etwa erhobene Einwendungen der Gemeinde-Ver­tretung bezw. -Versammlung sind miteinzurAchen und ist außerdem ein Beschluß derselben darüber beizusügen, wieviel Prozent der veranlagten Steuern als Gemeindenmlagen erho­ben werden sollen; auch ist der Voranschlag mit der vorge­schriebenen Offenlegungsbescheinignng zu versehen.

Ich verfehle nicht, wiederholt ausdrücklich darauf hinzn- weisen, daß der Berechnung der direkten Gemeindesteuern (Kommunalsteuern) die für das Rechnungsjahr 1905 festge­stellten Steuerbeträge (Grund-, Gebäude-, Gewerbe-, Betriebs- und Einkommensteuer, auch die fingirte Einkommensteuer) der einzelnen Steuerpflichtigen zu Grunde zu legen sind. Sollten diese Steuer-Beträge bis zur Zeit der Aufstellung der Vor­anschläge noch nicht seststehen, sind solche des Vorjahres in Anwendung zu bringen.

Auch bemerke ich,, daß die Aufstellung des Voranschlages auf einen Zeitraum von 3 Jahren durch Beschluß des Kreis­ausschusses vom 8. April 1903 nur den Gemeinden zuge­standen worden ist, welche nicht mehr als 100 % Zuschlag zu den vorerwähnten staatlich veranlagten Steuern als Ge­meindesteuer erheben.

Daß der Voranschlag in Einnahme und Ausgabe balancieren, d. h. die Gesamthöhe der Einnahmen der der Ansgaben ent­sprechen muß, bedarf wohl nicht besonderer Erwähnung.

Der bestimmte Termin zur Einreichung

Der Stern des wissen Dauses.

Roman von I. Jner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Jetzt stand der Zng. Verschiedene Passagiere stiegen aus, unter ihnen auch ein stattlicher Herr mit braunem Haar, in einen Mantel gehüllt, der am Hals und an den Händen bis zum Ellbogen hinauf mit Pelz besetzt war. Es war Werner von Roßlingen.

In Dorotheas Wangen wechselte die Farbe mit jedem Moment. Hastig streckte sie Werner die Hand zum Gruße entgegen. Er erwiderte ihre freundlichen Worte in der ernsten, ruhigen Weise, die ihm eigen geworden war und nahm an der Seite des Mädchens Platz. Dorothea zog die Zügel an und die kleinen Pferde trabten unter dem luftigen Geläut ihrer Schellen über den festgefrorenen Boden. Eine kleine Weile schwiegen beide. Hin und wieder streifte Dorothea ihren Begleiter mit einem Seitenblick und sah voll Mitleid, wie verändert er war. Das einst so heitere, glückliche Gesicht sah jetzt bleich und ernst aus, um seinen Mund lagerte ein entschlossener Zug und in den Tiefen seiner Singen ruhte eine unerschütterliche Festigkeit.

Werner," begann Dorothea endlich, als die Pferde am Fuß einer Anhöhe ihren schnellen Lauf verminderten,ich habe Ihnen etwas zu gestehen. Papa hatte nichts mit dem -orief zu tun, welchen ich Ihnen schrieb. Er wußte f^ommen^ ^"^"' daß ich Sie bat, nachElisensruhe" zu

Bartim schrieben Sie dann, es geschähe auf seinen Wunsch ?" fragte Werner, sie überraschend ausehmd.

Ich wollte Sie nicht in meinem eigenen Namen einlaben, gab sie mit einer Mischung von Schmu und Offen- Heck zurück.Und, Werner, ich wollte doch so gern, daß Sie

Etwas in ihrem Wesen aber in ihren Worten er mißte nicht, worin es lag, ließ ihn noch verwunderter drein-

b er Voranschläge (15. März d.I.) i st genau ein« zuhalten und darf nichtüberschritten werden.

A. 543. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Berlin, den 14. Januar 1905.

Nach einem am 1. Oktober 1904 in straft getretenen Beschlusse der ständigen Tarifkommission der deutschen Eisen, bahnen werden seitdem in der 2. Wagenklaffe auf halbe Personenzug-Einzelreise- oder Rückfahrkarten befördert: unbemittelte Taubstumme für den Besuch kleinerer Zu­sammenkünfte an den Taubstummenanstalten und für den Besuch eines behördlich gebilligten oder überwachten Taub- stummen-Gottesdienste».

Die erforderlichen Ausweise für diese Taubstummen er­folgen :

durch eine Empfehlung des Vorstandes der Anstalt (oder bei Reisen zum Taubstummen - Gottesdienst) des den Gottesdienst leitenden Geistlichen oder Taubstummen- Lehrers.

Ew. Exzellenz ersuche ich ergebenst, dies gefälligst in geeigneter Weise zur Kenntnis der Interessenten zu bringen. Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten.

In Vertretung, gez. Wever.

An die Herren Ober-Prästdenten. U. III. A. 3399 G. L *

Hersfeld, den 13. Februar 1905.

Wird veröffentlicht.

I. 1083. Der: Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, ___Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 14. Februar 1905.

Aus Anlaß einiger Specialfälle in letzter Zeit mache ich die Herren Gemeinde- und Gutsbezirks-Vorsteher darauf aufmerksam, daß bei Einsendung von amtlichen Geldbeträgen an die diesseitige Behörde neben der Flankierung der bezüglichen Postanweisung eine besondere Gebühr für Be­stellung nicht zu zahlen ist.

Die diesseitige Behörde läßt die für sie bestimmten Dienstsendungen durch den KreiSboten auf dem Kaiserlichen Postamt hier direkt abholen, wodurch Bestellgelder den aus- mäkligen Behörden nicht erwachsen.

Der Königliche Landrat.

I. V.:

__Thamer.____________

Hersfeld, den 11. Februar 1905.

Die unter dem Schweinebestande des Ferdinand Weiffen- bach zu Niederaula ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen.

I. 1001. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer RegierungS Rat.

Wirklich, Dorothea? Das freut mich. Es ist ein wohl­tuendes Gefühl, wenn man weiß, daß sich jemanden nach einem sehnt," antwortete er mit mattem Lächeln.

Ich hatte noch einen ganz besonderen Grund für den Wunsch, Sie zu sehen. Werner," hier dämpfte sie ihre Stimme fast zum Flüstern herab,ich habe Ihnen etwas sehr Wich­tiges mitzuteilen."

Sie haben etwas sehr Wichtiges mir mitzuteilen!" rief der Baron und sah ihr überrascht in die erregten Züge.

Ja; doch nicht jetzt. Ich ich werde es Ihnen nach Tische sagen. Ich fühle, daß rch es Ihnen sagen muß. Tage und Tage habe ich darüber nachgesonnen; des Nachts konnte ich über den Gedanken nicht schlafen. Ach, Werner, ich habe mich so geängstigt, weil ich nicht wußte, was ich tun sollte. Endlich aber beschloß ich, es Ihnen zu sagen. Ich wußte, daß ich keine Ruhe finden würde, bis ich es getan, und da ich nicht zu Ihnen kommen konnte, so suchte ich nach einem Mittel, Sie zu sehn. Da kam mir die Idee, Sie zn bitten, Weihnachten bei uns zu verleben. Als ich eS Papa, nachdem der Brief abgegangen war, sagte, freute er sich, wie ich er­wartet hatte."

Kleiner Ränkeschmied 1" lächelte Werner.Ich gestehe, Sie haben mich außerordentlich neugierig gemacht auf Ihre wichtige Mitteilung," fügte er mit dem Versuch, einen scherzen­den Ton anzuschlagen, hinzu.

Sie fuhren eben durch das Parktor, als es Werner ein« fiel, daß er sich noch nicht nach Fran Willhoff erkundigt hatte, und so wendete er sich mit der Frage an seine Be­gleiterin :Wie geht es Frau Willhoff? Ist sie noch bei Ihnen?"

Ja, und es geht ihr gut," antwortete Dorothea, jedoch mit einem Ausdruck, der Werner abermals be­fremdete.

Der Oberförster kam seinem jungen Gast bis an den Wagen entgegen.

Die Fahrt hat dir rote Backen gemalt, Kleine," lachte er mit einem Blick in das Gesicht seiner Tochter, nachdem er den Baron begrüßt hatte.

Königliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr

an den Wochentagen . vormittags.

nichtamtlicher teil.

Die zweijährige Dienstzeit.

Bekanntlich haben die verbündeten Regierungen mit dem Gesetzentwürfe über die Friedens-Präsenzstärke des deutschen Heeres dem Reichstage den Entwurf eines Gesetzes betreffs Aenderung der Wehrpflicht vorgelegt, durch den die bisher zeit­weise eingeführtezweijährigeDienstzeit fürdieFußtruppen,die fahrende Feldartillerie und den Train nunmehr dauernd gesetzlich sestgelegt wird, während für die Kavallerie und die reitende Artillerie die dreijährige Dienstzeit bestehen bleibt.

Politisch wie militärisch ist der Gesetzentwurf von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Es ist klar, daß eine Zu­rücknahme der einmal gewährten Vergünstigungen der zwei­jährigen Dienstzeit politisch bedenklich gewesen wäre, und sodann ist die abgekürzte Dienstzeit ein unbedingtes Er­fordernis, wenn das in unserer starken Bevölkerung und in ihrer Vermehrung liegende Machtmittel durch Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht wenigstens soweit ausgenutzt werden soll, als es mit der Finanzkraft des Reiches ver­einbar ist. Bei strenger Durchführung der dreijährigen Dienstzeit bei allen Waffen würden unter Voraussetzung der gleichen Friedens-Präsenzstärke jährlich etwa 75000 Mann weniger eingestellt werden können. Das bedeutet eine Verminderung unserer aktiven und Reserve-Mannschaften um rund 525 000 Mann, die der Landwehr ersten Auf­gebotes um rund 375 000, im ganzen also um rund 900 000 Mann.

Mit der zweijährigen Dienstzeit liegt eine fast zwölf­jährige Erfahrung vor, und auf Grund derselben sind die verbündeten Regierungen zu dem Resultat gekommen, daß die abgekürzte Dienstzeit für die eingangs genannten Waffen zur kriegsmäßigen Ausbildung genügt, wenn Maßregeln getroffen werden, die trotz der kürzern Dienstzeit die Er­reichung und Erhaltung der Kriegstüchtigkeit des aktiven Heeres gewährleisten. Dies sucht die Heeresverwaltung vor allen Dingen zu erreichen durch Vermehrung des AusbildungS- perfonals, besonders der Unteroffiziere, und um geeignete Kräfte für das Unterosfizierkorps zu gewinnen, will sie die persönlichen Verhältnisse der Unteroffiziere bessern und sie von verschiedenen Dienstleistungen befreien, die ihnen jetzt noch obliegen.

Für den ersten Zweck sind für Aufbesserung der Be­soldungen rund 2Va Millionen Mark jährlich vorgesehen,

Dorothea lief lachend die Treppe hinauf, während Werner mit dem Oberförster in dessen Arbeitszimmer trat und des alten Herrn Fragen über den Fortschritt seiner Angelegenheit beantwortete.

Werner," bemerkte der Oberförster im Laufe der Unter­haltung,ich habe meiner Tochter von der Sache erzählt. Vielleicht war es unrecht, daß ich es tat, aber eine unbe­dachte Bemerkung von mir verriet das Geheimnis zum Teil, und da hielt ich es für das beste, sie in die ganze Geschichte einzuweihen.

Es braucht kein Geheimnis zu sein. Früher oder später muß es doch die ganze Welt erfahren," gab Werner in leisem Tone zurück.

Gebe der Himmel, daß es bald sein mag I" fügte er mit einem Seufzer hinzu.

Beim Gabelfrühstück wurde Werner von Frau Willhos begrüßt, und nach demselben begleitete er die beiden Damen nach der Dorfschule, wo Dorothea unter Mitwirkung des Pfarrers und Lehrers am Orte an die Armen der Gemeinde warme Kleidungsstücke, Spielzeug und Eßwaren verteilte.

Werner stand etwas abseits unb betrachtete die Gruppe, in welcher die Försterstochtcr den Mittelpunkt bildete, und unwillkürlich muffte er sich sagen, was für ein reizendes Bild das Mädchen bot in ihrem eleganten, dunkeln Kleid und mit dem Ausdruck stillen Glückes auf dem schönen sanften Antlitz, während sie den dankbaren Worten der Umstehenden lauschte.

Das Mittagessen war vorüber, und wie gewöhnlich setzte sich auch heute der Oberförster und Frau Willhoff zu einer Partie Schach in das Wohnzimmer.

Werner war an den Flügel gegangen unb santasierte über Beethoven sche Themen, als Dorothea zu ihm trat, so dicht, daß der Dust ihres Haares ihn streifte, unb ihm hastig zuflüsterte:

Folgen Sie mir in das Bibliothekzimmer."

Im Kamin bräunte ein helles Feuer. Dorothea stand davor, als Werner sich ihr näherte und seine Hände leicht auf ihre Schultern legte.