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herzfelder Armblatt

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Kernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 18.

Sonnabend, den 11. Februar

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1905.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 6. Februar 1905.

Der Herr Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat mitgeteilt, daß für die Folge Staatsbeihülsen zur Beschaffung der durch die Einführung des Bullen- Haltungsgesetzes erforderlich gewordenen Gemeindebullen, insbesondere zur Neubeschaffung von Zuchtbullen an Ge­meinden, deren Bullen bereits verbraucht seien, nach Lage der Fonds nicht mehr bewilligt werden können.

Die durch mein Ausschreiben vom 23. Februar 1903 I. I. 1197 (Kreisblatt Nr. 25) zum 10. März jedes Jahres ungeordnete Berichterstattung ist somit überflüssig geworden. Ich hebe in Folge dessen die ungezogene Verfügung hiermit auf. Der Herr Minister hat anheimgegeben, etwaige Anträge aus Bewilligung von Bei­hülfen zur Beschaffung von Gemeindebullen der Landwirt- schaftSkammer, die für Bullenstationen eins jährliche Beihilfe aus ZentralfondS beziehe, zur Berücksichtigung zu empfehlen.

In künftigen Fällen würden hiernach Anträge der frag­lichen Art an die Landwirtschaftskammer zu Gaffel zu richten sein.

I. 880. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung».Rat.

Hersfeld, den 8. Februar 1905.

Der Landwirt Heinrich Bube zu Sieglos ist am 7. Februar d. Js. als Orlsschätzer der dasigen Gemeinde widerruflich bestellt und verpflichtet worden. L 717. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Bekanntmachung.

In die Ostasiatische Besatzungs-Brigade werden wieder Mannschaften der Reserve und Landwehr I. Aufgebot» ein­gestellt. Die Ausreise nach Ostasien erfolgt voraussichtlich im Frühjahr d. Js. Mannschaften von durchaus guter Führung, welche zum Uebertritt in die Besatzungs-Brigade bereit sind, können sich bis spätestens zum 22. Februar 1905 mündlich oder schriftlich beim unterzeichneten Kommando melden. Es wird dringend empfohlen, sich ebenda zur militärärztlichen Untersuchung vorzustellen. Etwaige Kosten für den Weg zur Untersuchung und zurück dürfen der Staatskasse nicht erwachsen. Sämtliche Mannschaften müssen sich vor Einstellung in die Besatzungs-Brigade für die Zeit bis zum 30. September 1907 zum Dienst in Ostasien ver­traglich verpflichten.

Die monatliche Besoldung beträgt:

1 . für Feldwebel bezw. Wachtmeister a. Löhnung 90,00 Mk. b. Dienstzulage 30,00 Mk. 2. für Vizefeldwebel bez. Vizewachtmeister 57,00 Mk. 3. für Sergeanten 49,50 M. 4. für Unteroffiziere 36,00 M. 5. SanitätSgefreile 2l,00 M.

6. für Gefreite 16,50 Mk. 7. für Gemeine 13,50 Mk.

Alle aus dem Beurlaubtenstande Angeworbenen erhallen eine monatliche Kopitulantenzulage von 18 Mk. und ein jährliche» Kapitulations-Handgeld von 100 Mk. Für solche Kapitulanten, welche bereits 2 Jahre Dienst in China ge­leistet haben, beträgt das KapitulationS-Handgeld für jedes weitere Dienstjahr daselbst 300 M.

Außer diesen Gebührnissen wird den Mannschaften für die Dauer des Aufenthalts auf chinesischem Boden eine Teuer- ungszulage gezahlt, welche gegenwärtig täglich für Portepee- Unteroffiziere 4,00 Mk., für die übrigen Unteroffiziere 1.75 Mk. und für Gefreite und Gemeine 1,00 Mk beträgt.

Die genauen Bestimmungen können beim unterzeichneten Kommando eingesehen werden.

Hersseld, den 4. Februar 1905.

Königliches Bezirks-Kommando.

Hersseld, den 6. Februar 1905.

Wird veröffentlicht. Die Herren Oitkvorstände des Kreises werden hiermit angewiesen, die vorstehende Be- kanntmachung in ihren Gemeindebrzirken wiederholt auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. 3- 497. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung» Rat.

Hersfeld, den 9. Februar 1905.

Behufs Prüfung der Beiträge zur Landwirtschastskammer vom Jahre 1904 werden von der Letzteren die Hebelisten gewünscht. Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben d r e s ü r einen sechsjährigen Zeitraum ein« gerichteten Hebelisten innerhalb 8 Tagen hierher einzusenden.

11 941 Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersseld, den 6. Februar 1905.

Unter der Schafherde Nr. 1 in Seifertshausen, Kreis Rotenburg o/F., ist die Räude ausgebrochen.

I. 892. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersseld, den 6. Februar 1905.

Die unter dem Schweinebestande des Hüttners Johannes Philipp Hofmann zu Langenschwarz ausgebrochene Rot­lausseuche ist erloschen.

1. 902. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 9. Februar 1905

Die Schulstelle in Malkomes wird vom 1. A p r i l d. Is. ab frei.

Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen b is zu m 1. März d. Js. bei dem Königlichen Ortsschul- inspektor Herrn Pfarrer Schenk in Schenklengsseld oder dem Unterzeichneten einreichen.

Das Einkommen der Stelle besteht neben freier Wohnung in 1000 M. Grundgehalt und 150 M. Kirchendienstvergütung bei einem Dienstalterszulageii-Einheitssatzc von 120 M.

Der Königliche Schulvorstand.

Freiherr von Schleinitz,

I. 962. Geheimer Regierungs-Rat, Landrat.

Im Jahre 1905 finden an der Königl. Lehranstalt für Wein-, Obst- unb Gartenbau ju Geisenheim a. Rh. fol­gende Unterrichtskurse statt:

1. Oeffentlicher Reblauskursus vom 23. bis 25. Februar 1905. 2. Obstbaukursus in der Zeit vom 23. Februar bis 15. März 1905. 3. Baumwärterkursus vom 23. Februar bis 15. März 1905. 4. Obstweinkursus vom 20. bis 29. März 1905. 5. Hefekursus vom 19. Juni bis 1. Juli 1905. 6. Analysenkursus vom 3. bis 15. Juli 1905. 7. Obstbau- und 8. Baumwärter-Nachkursus vom 14. bis 19. August 1905. 9. Obstverwertungskursus für Männer vom 21. bis 26. August 1905. 10. Obstverwertungskursus für Frauen vom 28. August bis 2. Septbr. 1905.

Das Unterrichtshonorar beträgt: für KursuS 2 für Preußen 20 M., für Nichtpreußen (auch Lehrer) 30 M., Preußische Lehrer sind frei. Personen, die lediglich am Nachkursus (Nr. 7) teilneh- meu, zahlen 8 M., Nichtpreußen 12 M. Für Kursus 3: Preußen sind frei, Nichtpreußen zahlen 10 M., wenn sie nur am Nachkur­sus (Nr. 8) teilnehmen, 5 M. Für Kursus 4: für Preußen 20 M., für Nichtpreußen 25 M., außerdem für Reagentien pp. 20 M., für Bedienung 1 M. Für Kursus 5 und 6: für Preußen 20 M, für Nichtpreußen 25 M. Außerdem für Reagentien 20 M., für Bedienung 1 M. Für Kursus 9 und 10: für Preußen 6 M., für Nichtpreußen 9 M. Kursus 1 ist frei.

Anmeldungen sind zu richten bezüglich der Kurse 2, 3 und 7 bis 10 an die Direktion, bezüglich der Kurse 4 und 6 an den Vor­stand der önochemischen Versuchsstation und bezügl. des Kursus 5 an den Vorstand der pflanzenphpsiologischen Versuchsstation. Wegen Zulassung zum Reblauskurius , wende man sich an den zuständigen Herrn Oberpräsidenten.

Geisenheim, den 28. Dezember 1904.

Der Direktor Prof. Dr. Hartmann.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Ein wichtiges parlamentarisches Ereignis hat die Chronik der verflossenen Woche für Preußen zu verzeichnen: die An- nahnie der K a n a l v o r l a g e in allen ihren Teilen, also auch des RheinLeine-Kanals. In allen patriotisch empfin­denden Kreisen wird diese Tatsache sicherlich mit aufrichtiger Freude und Genugtuung begrüßt werden. Ein Alp geradezu ist damit von dem politischen Leben des größten deutschen Bundesstaates hinweggeuoinmen worden. Die Bahn für ein friedliches, harmonisches Zusammenwirken zwischen Industrie und Landwirtschaft einerseits ivie zwischen Regierung und Agrar- konservativcn anderseits ist wieder freigemacht. Zugleich sind damit die Pläne des Liberalismus, der aus einer weiteren Oppositionsstellung der Konservativen in der Kanalfrage Kapital für seine Parteizwecke zn schlagen hoffte, kläglich zuschanden geworden. Die preußische Regierung hat dank der weisen Mäßigung, mit der sie auf den Ausbau des Mittellandkanals verzichtete und durch Schleppnwuopol und Schifffahrtsabgaben die landwirtschaftlichen Bedenken hinwegzuräumen wußte, einen Sieg davongetragen, der ihren gegenwärtigen Leitern von neuem das Zeugnis höchsten staatsmännischen Könnens ausstellt.

In Frankreich hat das Ministerium Rouvier ein wenig erfreuliches Erbe an halbfertigen Gesetzen übernehmen müssen. Da sich die Stimmung der Franzosen, seit das so­zialistische Schreckens- und Angeber-System beseitigt ist, offen­bar geändert hat, so scheint Rouvier entschlossen zu sein, we- nigftdiS die progressive Einkommensteuer fallen zu lassen. Die Sozialisten unter Jauräs Führung rüsten sich zu heftigstem Widerstände gegen eine derartige den Zielen des Blocks ent­sagende Politik. Der Kampf dürfte bald mit aller Macht entbrennen. Man hat in Frankreich die Empfindung, vor großen Entscheidungen zn stehen.

In der ungarischen Kabinctskrisis ist noch immer

keine entscheidende Wendung eingetreten. Graf Andraffy wurde am Mittwoch und Donnerstag erneut vom Kaiser Franz Josef in der Wiener Hofburg empfangen.

Das Ministerium Pasitsch in Serbien, welches seine Demission eingereicht hatte, wird neueren Belgrader Nachrichten zusolge, im Amte bleiben.

Die an verschiedenen Punkten Argentiniens aus­gebrochene Revolution ist von der Zentralregierung in Buenos Aires überall rasch wieder niedergeschlagen worden. Die Kommission des Senats zu Washington für die Be­ziehungen zum Auslande genehmigte am Dienstag die Vorlage, welche die Bestellung eines amerikanischen Gesandten für Ma­rokko Vorsicht. Im Senat fand am gleichen Tage eine förmliche Zählnng der bei der Wahl des Präsidenten und Vicepräfidenten der Vereinigten Staaten abgegebenen Stimmen statt. Die Zählung ergab für Roosewelt und Fairbanks, die republikanischen Kandidaten, 336, für Parker und'Davis, die demokratischen Kandidaten, 140 Stimmen. Roosewelt und Fairbanks wurden für gewählt erklärt.

Vom oft asiatischen Kriegsschauplatze sind noch immer keine großen Ereignisse, sondern lediglich neue Schar­mützel zwischen den beiden feindlichen Armeen in der Mand­schurei zu verzeichnen.

Str Ktitralstreik im Rithrmier beenört?

Von der berufenen Vertretung der streikenden Berg­arbeiter der Ruhrreviers ist heute die Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen worden. Im Vertrauen auf die festen Zusicherungen der preußischen Regierung und die entgegen­kommende Haltung be« Reichskanzlers soll der Kampf jetzt abgebrochen werden. In Essen trat heute vormittag 10 Uhr die Delegiertenkonferenz zusammen, in der alle Beleg­schaften des Reviers vertreten sind, um in geheimer Sitzung über die Lage zu beraten. Ueber den Ausgang der Ver­handlungen, die bis in den späten Nachmittag hinein dauerten, wird folgendes berichtet:

Essen, 9. Februar. Die Delegiertenkonferenz be­schloß mit allen gegen 5 Stimmen die Arbeit morgen mittag wieder aufzu nehmen. Die Siebener- kommission soll bestehen bleiben.

In der Delegiertenkonferenz wurde der Haltung der Siebenerkommission vollstes Vertrauen ausgesprochen. Effertz, der den Standpunkt der Siebenerkommission darlegte, be­zeichnete er als notwendig, jetzt in einen Waffenstillstand einjutreten. Große wirtschaftliche Kämpfe, wie der gegen­wärtige Streit, können nicht mit dem Herzen, sondern nur mit dem Verstände geführt werden. Will sich die Berg- arbeiterschaft die Sympathie der Allgemeinheit und auch die der Staatsregierung erhalten, so muß sie jetzt Gewehr bei Fuß stehen bleiben und darf nicht noch größere Schäden für die Gesamtheit heraufbeschwören. Die Siebenerkom- mission habe einstimmig den Beschluß gefaßt, heute den Antrag zu stellen, den Streit zu beendigen. Man müsse nicht warten, bis alle Kraft versiegt sei und die Streiten» den abbröckelten, sondern mit der alten Kraft wieder an­fahren. Albeitersekretär Giesberts stellte sich auf den­selben Standpunkt. Im Laufe des heutigen Nachmittag» finden 40 bis 50 Massenversammlungen im ganzen Ruhr- kohlenbezirk statt, in denen den Bergleuten dieser Beschluß mitgeteilt wird und sie zum Festhalten an der Organisation ermähnt werden sollen.

Essen (Ruhr), 9. Februar. Die Siebener-Kommission hat eine längere Eingabe an den Reichskanzler gesandt, in der sie bittet, es mögen die bereits angekündigten Gesetz­entwürfe betreffend Rechtsfähigkeit der Berussvereins und Errichtung von Arbeiterkammern baldigst dem Reichstage vorgelegt werden. Weiter bittet die Kommission, das preußische Berggesetz in möglichst kurzer Zeit dem Parlament zu unterbreiten und darin mindesten» folgende Reformen aufnehmen zu wollen: Vom 1. April ab SVaüünbige, vom 1. Januar 1907 ab achtstündige Schicht inkl. Seilfahrt; vor zu nassen oder über 28 Grad Celsius warmen Orten sechsstündige Schicht; Verbot aller Ueberschichten und Sonn- tagsarbeiten, Verbot des Wagennullenr, Errichtung von ArbeiterauSschüssen, die auch die Grube mit zu kontrollieren und die Unterstützungskasse mit zu verwalten haben ; Strafen dürfen erstmalig 50 Pfg. nicht überschreiten, die Gesamt­strafen in einem Monat nicht mehr als 4 Mark. Bei Ver­hängen von Strafen, die höher als eine Mark sind, ist erst bet Arbeiterausschuß zu hören. Die Reform de» Knapp- schaftSkaflenwesens möge so gestaltet werden. wie es in den Petitionen der Bergarbeiterverbände vom März 1901 Der» langt wurde. Sollte der Landtag die Aenderung de» Berg- gesetzes oblehnen, so bittet die Kommission den Reichskanzler, sofort eine reichsgesetzliche Regelung herbeizusühren.

At ^nrgange in Wand.

Entgegen allen Befürchtungen hat fitz die Situation in SoSnowice bisher nicht verschlimmert. Unter dem