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hersfel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Sernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 14.

Donnerstag, den 2. Februar

1905.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 1. Februar 1905.

Im Monat Januar d. Js. sind dahter für die nachbe. zeichneten Herren Jagdscheine ausgestellt worden:

A. Jahresjagdscheine.

U, entgeltliche:

am 2/1. für den Butterhändler Friedrich Ried in Frielingen;

, 5/1. , Gutsbesitzer Adolf Reinhard in Unter, weisenborn;

, 10/1. Maschinenführer Julius Göbel in Wüsifeld. b unentgeltliche:

19/1. , Königlichen Hilfsjäger Kurz in Hersfeld;

26/1. Förster Sippel zu Forsthaus Mecklar.

B. Tagesjagdscheine.

Keine.

Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Ral.

Hersfeld, den 30. Januar 1905.

Der auf Donnerstag den 9. Februar 1905 in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Austrieb darf um 7V2 Uhr morgens begonnen werden. I. 711. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, y Geheimer RegierungS Rat.

I Aonigliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 913 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

In AiisslaÄ im Riihrkchlkiigcditt.

Das Aussehen des Bergarbeiterstreiks im R u h r r e v i e r hat sich nicht geändert; die prinzipiellen Gegensätze zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehen unvermindert fort, wenn auch über einzelne Streitpunkte hier und da eine Verständigung nähergerückt erscheint.

Essen (Ruhr), 31. Januar. Aus der Hanielschen Zeche Rheinpreußen haben die dem alten Bergarbeiter- verbande zugehörigen Bergleute beschlossen, wiederum in den Streik einzutreten. Die Mitglieder des christlichen

Der Stern des Missen Dauses.

Roman von I. I n e s.

(Nachdruck verboten.)

(Fo'tsetzung.)

Werner nahm sie fest in seine Arme, seine Lippen preßten sich in leidenschaftlichem Kuß auf die ihren, dann ging er mit einem glücklichen Lächeln undAuf Wiedersehen" zur Tür hinaus.

Hilda preßte die Hand auf die Augen und ein schwerer Seufzer entrang sich ihren Lippen.

Darf ich mich mit ihm vermählen, da ich weiß, was ich weiß?" flüsterte sie.Wie aber kann ich ihn auf geben? Mein Gott, bergieb mir, wenn ich unrecht handle ich kann ich will ihm nicht entsagen!"

Werner trat aus dem Hause. Die Kirche war nahe ein düsteres Gebäude, welches unter den übrigen rußigen, alten Häusern, welche sie umgaben, kaum hervorstach. Sobald die Trauung vollzogen, gedachten sie nach dem Bahnhof zu fahren. Paris sollte das Ziel sein, und Werner hatte sich in den lebhaftesten Farben die Freude ausgemalt, mit der er seiner schönen, jungen Frau all die Herrlichkeiten der pracht- liebenden Residenzstadt zeigen würde.

Eben lvollte er die Haustür hinter sich schließen, als ein anderer Wagen in solcher Hast angefahren kam, daß er an dem Eckstein beinahe umgestürzt wäre. Unwillkürlich sah Werner danach hin und als sein Blick den Darinsitzenden streifte, war es ihm, als müßte ihn das Blut in den Adern erstarren und das Herz still stehen. Es war Robert Selten.

Des Malers Gesicht war bleich, seine Augen mcit offen, sich aus dem Wagen heraus und sah Werner an. Des BaronS sorgfältige Toilette, die meinen Blumen in seinem Knopfloch, der Hochzeitswagen vor der Türe das alles sagte ihm, wie die Dinge standen, daß er noch zu rechter Zeit kam. Als er Werners Blicken begegnete, streckte er ihm die Hand entgegen.

»Dem Himmel sei Dank, ich habe Dich gesunden! rief er. Um Gottes Willen, geschwind, springe in den Wagen! Es ist kein Moment zu verlieren."

Verbandes arbeiten weiter. Bei der heutigen Morgen, schicht fehlten 400 Mann.

Bochum. 31. Januar. Der Verhandlung im AmtS> gebäude in Langendreer wohnte Stinner bei. Es erfolgte eine Einigung dahin, daß die Seilfahrt auf Bruchstraße wie früher gehandhabt werden solle. Es wurde die Beseitigung der bestehenden Mißstände versprochen. Ueber die Frage des Minimallohnes wurde noch keine Einigung erzielt. Morgen soll die Verhandlung fortgesetzt werden. Die Zustände auf der Zeche Herkules wurden von der Berg, dehörde bei der Untersuchung als unzuträglich bezeichnet.

Aus Ruhrort, 30. Januar, wird berichtet: Die Hütte Phönix kündigte ihrer gesamten Belegschaft von etwa 3500 Mann, weil es ihr nicht möglich sei, trotz großer Anstrengungen den Betrieb sufrechtzuerhalten. Die Kündigung wird zurückgezogen, wenn es der Hütte gelingt, die nötige Kohlenmenge aufzutreiben.

Essen a. R, 31. Januar. In den 18 Bergwerke- .revieren des Oberbergamtsbezirks Dortmund fuhren heute von einer Gesamtbelegschaft von 245 962 Mann der streikenden Zechen unter und über Tage 51 017 Mann ein; mithin fehlten 194045 Mann gegen 195 015 in der gestrigen Schicht; eS ist demnach eine Abnahme der Ausständigen um 970 Mann zu verzeichnen.

Str WM in IM-SiiiMst-AW.

Der Generalkonsul aus Kapstadt telegraphiert unter dem 30. d. Mts., daß m ch einer Mitteilung des High Commifsioner Ende November die Zahl der in der Nähe des Ngamt-SeesgeflüchtetenHerero, einschließlich Frauen und Kinder rund 1800 betragen habe. Außer dem Häuptling Samuel Maharero und seinem Sohn Fried, rich Maharero hätten sich zu obigem Zeitpunkte auf eng« lischem Gebiete ferner noch befunden: NikodemuS, angeblich der Häuptling der zu den Herero gehörenden Owamband. jeru, sowie die Kapitäne Johannes und TjUjo.

Der russisch-japanische Krieg.

An dem völligen Scheitern des russischen Vorstoßes gegen den linken Flügel der Japaner ist nicht mehr zn zweifeln; die Angaben'^über hohe Verluste beider Teile werden heute von russischer Seite bestätigt. Der von Marschall Oyama eingeleitete Gegenangriff wird fortgesetzt; es scheint aber, daß die harte Kälte und das Schneetreiben die Operationen stark behindern.

Petersburg, 31. Januar. Der Petersburger Telegrophen-Agentur wirdZaus Sachetun vom 29. b. Mts. gemeldet: Der Angriff der Japaner bei Landungou wurde zurückgeschlagen; es ist jedoch die Kavallerie-Attacke des Dagestanregiments, welches gegen eine japanische Batterie vorgegangen war, durch feindlicher Schrapnell, und Gewehr-

Damit öffnete er den Schlag und wollte Werner in den Wagen hineinziehen. Der aber widerstebte.

Was in aller Welt soll das heißen, Robert?" Ich kann Dich jetzt nicht begleiten. Wohin soll ich kommen!"

Zu Deiner Mutter. Sie liegt im Sterben!"

18.

Was in der nun folgenden Stunde geschah, dessen wußte sich Werner nicht mehr klar zu erinnern.

Der Abschied von Hilda nach einer hastigen uuzusammen- bangenben Erklärung, die Versicherung, sofort wieder zu ihr zurückzukehren, die Sorge und die Verwirrung, in der er sich befand das alles mischte sich während der kommenden Jahre in seiner Erinnerung wirr durcheinander. In hastiger Eile fuhr er mit Selten nach dem Bahnhof; dort nahmen sie Abschied vou einander und dann rollte der Zug davon und allmählich verlor Werner den Maler, der auf dem Perron zurückblieb, aus den Augen. Erst jetzt kam er zu der Be- finmmg, daß er allein im Coupe saß und sich die Entfernung zwischen ihr, die er liebte, mit jedem Moment vergrößerte; daß er anstatt zum Traualtar an das Sterbelager seiner Mutter treten sollte.

Dieser eine Gedanke drängte für die erste Zeit jeden anderen zurück. In seiner ganzen, unverhüllten Furchtbarkeit stand er vor ihn mit tiefem Schmerz. Wie Selten von dem Zustand seiner Mutter Keuutuis erhalten und wie es ihm möglich gemefen war, ihn Werner so leicht nufzufinden, danach 51t fragen kam ihm nicht in den Sinn. Später be­griff er nicht, mie er so blind, so kurzsichtig hatte sein können.

Die Reise bis nach Hohensitz war ihm eine endlose Qual.

Die Baronin sah sehr krank aus, wie sie dalag aus dem Sofa im Empfangszimmer und ihr bleiches Gesicht noch bleicher im Gegensatz zu den purpurroten Kissen, auf denen es ruhte. Sie hatte zwei Tage zuvor einen Blutsturz gehabt, mie der Hausarzt dem jungen Baron mitteilte und seiner Meinung nach mußte derselbe die Folge einer großen geistigen oder körperlichen Auflegung gemefen sein; doch konnte er das natürlich nicht mit Bestimmtheit behaupten, da die Baronin

feuer zum Stehen gebracht worden. Die Verluste auf russischer Seite in der Zeit vom 25. bi» 28. Januar betrugen 10,000 Mann; die« ist nur ein geringer Teil der an den Kämpfen beteiligten Truppen. Die^Verluste der Japaner sind sehr groß; 300 Japaner wurden gefangen genommen.

London, 31. Januar. Von Oku» Armee wird unter dem 29. gemeldet: Nachdem die Japaner die Ruffen über den Hunho getrieben hatten, setzten sie die Beschießung des Feindes auf der ganzen Linie von gestern nachmittag bis heute mittag fort. Die Ruffen antworten nur schwach. DieIapaner suchen jetzt Kuropatkin« rechte Flanke zu überflügeln.

Sie rusWt AufrMmMz.

Seitdem über Warschau, die Hauptstadt von Russisch- Polen, der Belagerungszustand verhängt ist, erfährt man nicht mehr viel über die dortigen Vorgänge. Daß darin bei den russischen Zuständen kein beruhigendes Symptom für die Entwickelung der Dings zu erblicken ist, braucht wohl kaum besonders betont zu werden. Wie es in Warschau tatsächlich aursieht, zeigt bet Inhalt der nachstehenden Meldung:

Aus Warschau wird gemeldet: Auch im Stadtviertel Wola und vor dem Theaterplatze gab das Militär mehrere Salven auf die im Umzüge begriffenen Arbeiter ab. Es kam gestern an s e ch s S t e l l e n der Stadt z u b l u t i g e n Zusammenstößen. Zuvor halte man unter die Truppen sozialistische Aufruse verteilt, in denen das Militär gewarnt wurde, aus da» Volk zu schießen. Kosaken bemühten sich, die Menge, bestehend aus Arbeitern und Vorstadtpöbel, mit ihren Lanzen bis außerhalb des Weichbildes der Stadt zurückzudrängen. Die Zahl der Getöteten und Ver, mundeten wird auf 5 0 0 angegeben. In Privathäusern liegen zahlreiche Verletzte. Noch immer sind alle Läden geschloffen, auch Einlaß in die Kirchen wurde gestern dem Publikum verweigert. Das Schießen der Militärs begann schon am Sonntag morgen um V28 Uhr in der Marszal- kowSka-Gaffs, wo die Arbeiter einen Umzug hielten. Die polnische bürgerliche Gesellschaft und intelligente Polenkreise in Warschau mißbilligen die Demonstrationen der Arbeiter, wodurch Ausschreitungen des PödelS verursacht werden, entschieden.

Neue Ausstandsmeldungen liegen heute aus N a r w a , Boriss 0 w (Gouvernement Minsk) und Wiedau vor; in Libau soll mit der Wiederaufnahme der Arbeit be­gonnen worden fein. In Petersburg sind heute noch 20 000 Arbeiter von Privatfabriken ausständig. Inder Petersburger Waggonfabrik haben die Arbeiter die Arbeit heute eine Stunde früher, als ihnen vorgeschrieben war, eingestellt und erklärt, sie würden morgen eine Stunde später beginnen und eine Stunde früher aufhören.

nicht zugeben wollte, sich in irgend einer Weise alteriert zu haben. Die Kammerzofe erteilte Werner jede Auskunft, die sie über den Vorfall zu geben imstande mar. Ihre Herrin berichtete sie hatte sich bis vor zwei Tagen so wohl gefühlt wie immer, als ihr Herr Selten seinen Besuch machte. Sie speisten zusammen zu Abend und bald darauf wurde die Dienerschaft durch ein heftiges Läuten im Wohnzimmer er­schreckt. Der Kellermeister folgte eilig dein Ruf und fand seine Herrin ihren Lippen Blut entströmend auf dem Sofa liegend, während Herr Selten erschrocken neben ihr stand. Sofort wurde der Arzt herbeigeholt, und nachdem dieser ver­sichert hatte, daß keine augenblickliche Gefahr vorhanden sei, verließ Herr Selten das Schloß. Doktor Louber hatte be­fohlen, die Baronin vollständig ruhig zu halten.

Werner dachte nicht daran, Seitens Besuch mit seiner Mutter Erkrankung in Verbindung zu bringen, und in der Freude und Ueberraschung, sie nicht, mie er erwartet hatte, im Sterben zu finden, merkte er nicht, daß Seitens Bericht über ihren Zustand Lüge gewesen war. Das einzige, was ihm als sehr sonderbar ausfiel, war, daß seine Mutter von seiner beabsichtigten Heirat mit Hilda Korneck wußte.

Bist Du verheiratet?" maren die ersten Worte der Baronin gewesen, als ihr Auge ihn erblickte, und so im Sturme überfallen hatte er geantwortet:Rein".

Dem Himmel sei Dank! O, tausendmal Dank dasür !" rief sie inbrünstig.Wenn er zu spät gekommen wäre, Dich zu retten, würde ich gestorben sein."

Da weiteres Verbergen hier keinen Zweck mehr hatte, be­schloß Werner, seine Ansichten offen darzulegen. So äußerte er mit einer Art verzweiflungsvoller Fassung und Rube, daß, obgleich er am vorhergehenden Tage daran gehindert worden, sich mit Hilda Korneck zu vermählen, sein Entschluß, eS zu tun, doch unerschüttert sei.

Es tut mir leid, Mutter, daß ich Dich in der Sache hinterging," fuhr er fort und obgleich er so ruhig sprach, lag doch etwas in seinem Ton, das sie jmang, ihn schweigend unzuhören. Sein Gesicht war bleich und in seinen Augen leuchtete ein seltsames Feuer.Ich handelte, wie ich es für das beste hielt und würde genau so wieder handeln, wenn