der rechte russische Flügel am Hunho die Offensive ergriffen habe. Ein russisches Armeekorps ging von Süd Changlan gegen Heikulei und Tschenschipav vor. Die Japaner gingen ihrerseits am Donnerstag zur Offensive über und warfen die Russen bei Tschenschipav gegen^Linliakon zurück. Andere japanische Abteilungen engagierten die Ruffen seit Donnerstag bet Hcikutei
Petersburg, 28. Januar. General Sacharow meldet dem Generalstab unter dem gestrigen Datum : Unsere Truppen setzten die Offensivbewegung gegen Sandepu fort. Unsere Artillerie nordwestlich hatte das Ziel, das Haupt- reduit der Japaner zu zerstören. Als am 26, Januar unsere Kavallerie den Hunho überschritten hatte und sich 10 Werst südlich von Sandepu nach Osten wandle, tras sie auf mehrere feindliche Kolonnen, aus 4 Bataillonen und 6 Schwadronen bestehend, die von Chigoutay her vor- rückte. Infolge unseres Angriffes wandten sich die Japaner zur Flucht, die Waffen fortwerfend und Wagen, Tote und Berwundete zurücklassend; eine Abteilung machte 30 Gefangene. Bei der Einnahme der Dörfer Tschitaitzy und Mamikoy nahmen wir 20 Mann gefangen. Das Detache- meut im Osten schlug den Feind bei Ernandapotse und besetzte das Defilee. 30 Weist von Khouaijiuse hatten unsere Kavallerie-Abteilungen mit dem Feinde Zusammenstöße.
$tr lufftatii in IM-SMesf-Wks.
Ueber den Verlauf des zweiten großen Truppen- und Pferdetransports der Palatia nach Ewakopmund machen Kapitän Jäger und Obermaschinist L u ck e in Berichten an die Hamburg-Amerika-Linie bemerkenswerte Mitteilungen. Die Reife hatte das ausgezeichnete Resultat, daß bis auf ein Pferd, das an Lungenentzündung einging, sämtliche Pferde — es waren annähernd 1000 — gesund und dienstbrauchbar in Swakopmund ankamen. Dieses Ergebnis ist um so höher zu bewerten, als nicht immer günstige Witterung herrschte, sogar ein 24stündiger Sturm im Golf von Bircaya zu bestehen war. Die Führ- decks bewährten sich ausgezeichnet. Es wurden auf vier Führdecks zu einer Zeit immer 250 Pferde bewegt. Die Anlagen zur Ventilation und Tränkung funktionierten gut.
Da» Schift ging am 20. Dezember über den Aequator. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Linientaufe inszeniert, und alle Offiziere erhielten Taufscheine. Auch eine humoristische Zeitung wurde an Bord verfaßt und herausgegeben. Das WeihnachtSfest an Bord nahm unter brennenden Christbäumen einen fröhlichen Verlauf; die Offiziere erhielten unter anderem Lederportefeuilles zur Erinnerung an die Seefahrt. Auch für die Mannschaften waren von der Hamburg-Amerika-Linie kleine Ueber- raschungen vorbereitet worden.
Berlin, 29. Januar. Nach einer Meldung des Generals von Trotha war die 7. Kompagnie der Regiments Nr. 2 von der Abteilung Meister am 24. Januar auf dem Marsch von Stramprielfontsin nach Lidfontein in Schürf- penz eingetroffen. Anscheinend ohne Kenntnis von der Kompagnie versuchten dort 200 Witbois über den Auob nach Westen durchzubrechen. Von Artillerie- und Infanterie- feuer empfangen, gingen sie in panikartiger Flucht nach Osten auf Nunub zurück.
Bus 3n- und Busland.
Berlin, 28. Januar.
Se. Majestät der Kaiser traf gestern um 3Va Uhr nachmittags in Potsdam einund fuhr nach dem Stgdtschloß. Eine Stunde vorher hatte Sich Ihre Majestät die Kaiserin, die den ganzen Vormittag im Kabinettshause geweilt hatte, von dort zu Fuß nach dem Stadtschloß be= geben. Bald nach 6 Uhr Abends traf Se. Majestät der Kaiser hier wieder ein und wurde auf Seinem Wege nach dem Königlichen Schlosse, allein im Wagen fahrend, von den zur Besichtigung der Illumination zusammengeströmten Menschenmaflen mit stürmischen Hurrarufen begrüßt. Im Schlöffe fand eine Familientafel statt, an der die im Schlöffe wohnhaften Prinz und Prinzessin Heinrich und Herzog und Herzogin Friedrich Ferdinand zu SchleSwig-Holstein mit Prinzesfinnen-Töchtern teilnahmen. — Heute morgen unternahm Se. Majestät der Kaiser einen Spaziergang mit dem Prinzen Heinrich, sprach beim Reichskanzler vor und hörte im Königlichen Schlosse die Vorträge des Staatssekretärs des Reichs - Marineamts und des Marine- kabinetS.
Oberherrschaft.^. Einer der Sonnenstrahlen fand feinen Weg durch eine Oeffnung in den schneeigen Spitzengardinen zu dem Wohnzimmer von Mademoiselle Eugenie de Boisson und fiel auf Hilda Korneck, die in einem einfachen, weißen Mullkleid am Tisch stand und eben ein Paar weiße Handschuhe anzog.
An ihrer Seite befand sich Werner von Roßlingen mit etwas bleichem, aber unendlich glücklichem Gesicht. Er trug über seinem Frack einen leichten Ueberzieher, in dessen Knopfloch ein weißer Blumenstrauch steckte.
Draußen vor dem Hause hielt ein Wagen und in dem sauberen Schlafzimmer stand Eugenie de Boisson vor dem großen Spiegel — dem einzigen Luxusgegenstand, dessen ihre bescheidene Wohnung sich rühmen konnte — und band sich die Hutbänder. ——
„So,“ sagte sie mit zufriedenem Lächeln, während sie mit dem den Französinnen tadellosen Geschmack die weiße Spitzen- schleife ordnete. Dann trat sie einen Schritt zurück und reckte den Kops, um den Gesamteindruck ihrer einfachen Toilette in Augenschein zu nehmen.
„Mein graues Baregekleid ist fast abgenützt und die Spitze bereits gestopft, aber der Hut ist neu, die Bänder elegant, die ____ Handschuhe tadellos und das Medaillon hebt die ganze Toilette. Wie liebenswürdig von dem Baron, daß er meiner gedacht hat. Ja, ich wünsche dem Paar von ganzem Herzen
3m Grunde aber war es eine traurige Hochzeit für den Bescher von Hohensch. „Bist Du glücklich mein Lieb?" fragte er Hilda.
«GlückUh? Ja, Werner; doch habe ich ein Gefühl, als 4njug wäre!" antwortete sie, leicht erschauernd. aSpjeT icfjlang den Arm um sie und zog sie an sich. Ihr Gesicht war totenbleich und der Blick ihrer großen sinnenden Augen angsterfüllt.
„Mein süßes Mädchen, Deine Nerven sind überreizt, und ich werde nie vergessen, was dieser Schritt, den Du um meinetwillen tust, Dich kostet. Dem Himmel fei Dank, in einer Stunde bist Du mein, Hilda, und so lange ich lebe soll mein Bemühen sein, Dir durch liebende Sorgfalt das
Der heute abend 8V2 Uhr über das Befinden des Prinzen Eitel-Friedrich ausgegebene Krankheits- bericht lautet: Am Vormittag und Mittag reichlicher Schlaf. Am Nachmittag größerer Hustenreiz und etwas stärkere Atemnot. Im Bereich der rechten Lunge ist ein Entzündungsherd im Unterlappen mit Beteiligung des Rippenfelles aufgetreten. Temperatur Mittags 39,3, Abends 39,1. Puls während des ganzen Tages 100 bis 104 von zufriedenstellender Qualität. Kräftezustand hat sich gehalten. Widenmann. Wiemuth.
Der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers wurde unter lebhaftester Teilnahme des deutschen Volkes in allen Gauen feierlichst begangen. Die Feier legte wieder Zeugnis davon ab, mit welcher Liebe und Verehrung das deutsche Volk an seinem Kaiser hängt.
Auch ein Erinnerungszeichen für Eisen- b a h n b e a in t e hat der Kaiser an seinem Geburtstage gestiftet. Der „Reichs- und Slaatsanzeiger" veröffentlicht folgende Kabinetsorder an den Minister der öffentlichen Arbeiten: „In Anerkennung der hohen Bedeutung der Staatseisenbahn-Verwaltung für das gesamte Staats- und Verkehrsleben und zum Ansporn fernerer treuer Pflichterfüllung will ich den Bediensteten der Staatseisenbahn. Verwaltung für vorwurfsfreie 25- und 40jährige Gesamt- dienstzeit ein Erinnerungszeichen nach den beiliegenden Bestimmungen verleihen. Die Abzeichen sind nach der von mir entworfenen Handzeichnung anzufertigen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat hiernach das weitere zu veranlassen." Das Erinnerungszeichen besteht in einer silbernen Auszeichnung mit der Zahl 25 für 25jährige und in einer vergoldeten Auszeichnung mit der Zahl 40 für 40jährige vorwurfsfreie Dienstzeit im Eisenbahndienst einschließlich der Militärdienstzeit und wird auf der linken Brust getragen.
In der Amtswohnung des Reichskanzlers Grafen von Bülow fand am Sonnabend eine Sitzung des König- lichen Staatsministeriums statt, die Seine Majestät der Kaiser und König mit Seiner Anwesenheit beehrte. Dem Vernehmen nach wurden die Einzelheiten der von der Staatsregierung geplanten Novelle zum Berggesetz in eingehender Beratung erörtert.
Unter dem Datum des 27. Januar hat der Kaiser eine Kabinets-Order erlassen, nach welcher die Vereinfachung des Exerzier- und Schießdienstes der Infanterie befohlen wird, um mehr Zeit für die Förderung der gefechtsmäßigen Ausbildung zu gewinnen. Der Kaiser spricht das feste Vertrauen aus, daß die althergebrachte Ordnung und Straffheit bei allen Uebungen und die Leistungen im Schulschießen hierdurch keine Einbuße erleiden.
Am 21. Januar d. I. kam im Abgeordnetenhause der von Abgeordneten aller Parteien unterstützte Antrag der Abgeordneten Dr. Rebwoldt und von Riepen- Hausen zur Verhandlung: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: die Königliche Staatsregierung auszu- sordern, ausreichende Mittel bereitzustellen, um dem Notstände entgegenzuwirken, welcher durch die Sturmflut vom 31. Dezember 1904 an der Ostseeküste verursacht ist. Der Antrag wurde nach wohlwollenden Erklärungen des Ministers des Innern einstimmig angenommen. Der erste Antragsteller, Abg. Dr. Rewoldt, schilderte die geradezu vernichtenden Verheerungen, von welchen die wenig leistungsfähige Küstenbevölkerung, namentlich in den Kreisen GreisS- wald und Grimmen betroffen ist. Häuser und Mobilien, Feldfrüchte, Fischerboote und Netze sind zerstört oder beschädigt. Es fehlte an Lebensmitteln, Kleidung, Brennmaterialien u. s. w. Um der dringendsten Not zu steuern, haben sich Hülfskomitees gebildet, welche bereits hochherzige Unterstützung gesunden haben. Aber eS bleibt noch viel zu tun, um die erste, schwerste Not zu beseitigen. Darum werden weitere Kreise gern ein Scherflein beitragen. Es wird gebeten, Unterstützungen an die Herren Landräte zu Greisswald ober Grimmen zu senden. Auch ist der Abgeordnete Dr. Rewoldt, Postadresse: Berlin, Abgeordnetenhaus, bereit, Gaben entgegenzunehmen und dem Komitee zu übermitteln.
Daily Graphic zufolge hat die Nachricht von der Erkrankung desPrinzen Eitel-Friedrich in England allgemeinesBedauern hervorgerufen, da der Prinz sich dort bei feinen gelegentlichen Besuchen die Herzen der Bewohner gewonnen habe.
Das neue französische Kabinet Rouvier hat sich am Freitag mit seinem RegierungSprogramm der Deputiertenkammer vorgestellt und von ihr nach längerer Debatte ein Vertrauensvotum erhalten. Als solches stellt
Vertrauen zu vergelten, welches Du mir geschenkt hast. Du sollst bald wieder blühen wie ein Röschen, mein Lieb!"
„Ja," sagte sie, während ihre Finger zerstreut mit ein paar weißen Blumen spielten, die aus dem Tisch lagen, „ich hoffe es, Wemer; die letzten zwei Tage habe ich mich so schwach und matt gefühlt. Als ich letzte Nacht in Eugcnies Bett lag, dachte ich, wenn nun etwas passierte und ich — ich niemals Dein Weib würde? War es nicht ein törichter Gedanke?"
Sie legte die gefalteten Hände auf seinen Arm und hob die sorgenvollen, fieberheißen Augen zu ihm aus.
„Ein sehr törichter, Geliebte," entgegnete er, indem er sich zu ihr herabbeugte, um ihr die Lippen zu küssen, damit sie in seinen Augen die Angst nicht lesen sollte, welche ihre Worte in ihm hervorriefen.
„Hilda, bist Du auch gewiß ganz wohl? Du bist nicht mein tapferes hoffnungssreudiges Mädchen von gestern und sonst."
„Ganz wohl, Werner, nur etwas matt. Ich brauche Ruhe, nur Ruhe."
„Ja, sie brauchte Ruhe für Körper und Geist, denn sie hatte geistig Folterqualen gelitten, seitdem sie versprochen hatte, sich mit Werner trauen zu lassen. Sie liebte ihn wahr und innig; sie hatte um seinetwegen die Bande zerrissen, welche sie an andere fesselten. Aber es gab Zeiten, in denen der Gedanke an Stesan Korneck sie mit unsagbaren Kummer erfüllte. Wann hätte er sich ihr anders als der zärtlichste, liebevolle Vater gezeigt? Und so dankte sie es ihm.
Was im übrigen Frau Horst und Charlotte und Tante Ulrike — die gute, liebe Tante Ulrike — und die Welt im allgemeinen dazu sagen würde, danach fragte Hilda herzlich wenig. Für die Meinung der Welt hatte sie jederzeit nur ein verächtliches Achselzucken gehabt. Sie hatte jener Meinung Trotz geboten, indem sie mit Werner entfloh; sie liebte ihn, weit mehr als die Meinung der Welt.
Warum nun dieser Wechsel, dies veränderte Aussehen? Die verächtlich lächelnden Lippen waren ernst und zitterten, die lachenden Augen verrieten Angst und Zweifel, das kindlich unbefangene Wesen war verschwunden und an dessen Stelle eine nervöse Scheu getreten. Das alles befremdete Werner
sich die Annahme der von Sarrien beantragten und vom Ministerpräsidenten Rouvier akzeptierten Tagesordnung dar. Dieselbe vertraut auf die neue Regierung, daß die Ent- kirchlichungS-, die demokratischen und die sozialen Reformen zur Verwirklichung gelangen werden; mit 410 gegen 107 Stimmen erfolgte die Genehmigung der Tagesordnung Sarrien, es steht demnach dem Kabinet Rouvier eine stattliche Mehrheit zur Verfügung. In der vorangegangenen Diskussion kam es zu scharfen Auseinandersetzungen der Sozialisten Allard und Jauivs mit dem Minister des Auswärtigen Delkassä über das französisch-russische Bündnis. Speziell Allard protestierte gegen die Allianz Frankreich« mit der „russischen Mörderregierung", was heftige Erwiderungen Delcass^s zur Folge hatte. — Der Kriegsminister Berteaux geht scharf gegen unbotmäßige Offiziere vor. So hat er die Generäle Nonancourl und D'Ambroix de Larbont in Disponibilität versetzt; ersterer hat vor einiger Zeit als Zeuge in einer Kriegsgerichttverhandlung der Regierung feindliche Aeußerungen getan; letzterer ist der Verfasser eines Briefes, der Beleidigungen der Regierung enthielt. Ferner verhängte der Kriegsminister dreißig Tage Arrest gegen den Leutnant Cacenave wegen beleidigender Schreiben, die er an den Mair von Toulon und mehrere Mitglieder des Parlaments gerichtet hat.
Aus Konstantinopel wird berichtet: E« verlautet, daß der Abschluß der französischen Anleihe sowie eine teilweise Vergebung der Lieferung von Schnelllade.Geschützen nach Frankreich unmittelbar bevorstehe. Der Sultan sei zweifellos gegen die Vergebung, welche aber unvermeidlich sein wird, da sie von französischer Seite aus al» Vorbedingung für die Gewährung einer Anleihe gestellt sei. Für die Türkei wäre die auch nur teilweise Vergebung nach Frankreich vom militärischen Standpunkt aus bedauerlich, da hierdurch die einheitliche Bewaffnung gestört würde, indem die Feldartillerie dann zweierlei Modelle von Verschlüssen besäße.
In Mazedonien dauern die revolutionären Umtriebe fort. Im Sultanpalast und auf der hohen Pforte ist man, wie eine Meldung aus Konstantinopel besagt, sehr beunruhigt über die in Saloniki bei einer Haussuchung in der Bank von Metelin gefundene große Menge von Gewehren und Munition griechischer Herkunft, sowie über die Fest- stellungen betreffend die Ausdehnung des griechischen Bandenunwesens. Die Bandenumtriebe reichen anscheinend bis nach dem Vilajet Uesküb hin, wo dieser Tage in Kolschana zwei Mitglieder einer griechischen Bande verhaftet wurden. Die Pforte befahl dem Generalinspeklor strenge Hausdurchsuchungen vorzunehmen und andere Maßregeln zu ergreifen.
Ae neuen Haüclsvtrlräge sollten am 1. Februar dem Reichstage zugehen und bis dahin geheim bleiben. Nun sind aber von Wien aus eine Anzahl von Mitteilungen in die Presse gelangt, die Wahres mit Falschem mischen und durchaus irreführend find. Man hat sich daher bei uns genötigt gesehen, das Wesentliche in objektiver Darstellung bekannt zu geben.
Das ganze von dem Reichskanzler Grafen Bülow geleitete Vertragswert stand unter dem Zeichen eines höher« Schutzes der Landwirtschaft. Deswegen wurden in dem neuen deutschen Zolltarif Minimalzölle für die vier Ge- treidearten festgesetzt, Vieh-, Butter-, Eier und sonstige land- _' wirtschaftliche Zölle außerordentlich erhöht. Der Zweifel, ob mit einem solchen Tarif Verträge mit andern Staaten insbesondere mit Rußland, Oesterreich-Ungarn, Rumänien, die viel Bodenfrüchte exportieren, möglich seien, reichte weit in die Reihen der Anhänger eines größer« Agrar- schutzes hinein; die Sozialdemokratin und die Freihändler erklärten Handelsverträge auf der Bast» der Minimalzölle einfach für undenkbar. Nun ist das Vertragswerk doch gelungen.
Um es richtig zu würdigen, wird man die bisher geltenden Vertragssätze mit den neuen vergleichen müssen. Da ergeben sich u. a. folgende Erhöhungen: Weizen von 3,50 aus 5,50 Mk. für den Doppelzentner, Roggen von 3,50 auf 5, Malzgerste von 2 auf 4, Hafer von 2,80 auf 5, Pferde von 10 und 20 auf (je nach dem Werte) 72 und 120, Bullen und Kühe von 9 Mk. pro Stück aus 8 Mk. pro D.-Z. Lebendgewicht, Ochsen von 25,50 pro Stück aus 8 Mk. pro D.-Z., Schafe von 1 und 0,50 Mk. auf 8 Mk., Schweine von 5 und 1 Mk. auf 9 Mk., frisches Fleisch von 20, 17 und 15 Mk. aus 27 und 35 Mk. pro D.-Z., Würste von 17 auf 40, Mehl von 7,30 auf 10,20 und 12 Mk.
und er hatte nur eine Erklärung dafür. Hilda war eine äußerst gefühlvolle Natur und sie mußte sowohl vor, als nach dem Schritt, den zu tun er sie überredet hatte, schmerzlich leiden. Dann auch war sie allein; außer Eugenie de Boisson stand ihr an ihrem Hochzeitstage keine Freundin zur Seite. Sein armes Lieb!
Doch er irrte sich gänzlich in der Ursache für ihr verändertes Wesen.
„Weißt Du, Werner," sagte sie, indem sie die matten, angsterfüllten Augen zu ihm erhob und die Stimme zu einem Flüstern herabdämpfte, „in meinen Träumen letzte Nacht verfolgte mich Robert Seitens. Und er war — ist das nicht ein seltsamer Traum — mein bitterster Feind und auch der Deine. Ich fürchtete mich vor ihm, Werner — fürchtete mich entsetzlich."
„Was für eine abergläubische, kleine Person Du bist," lachte er und fügte dann in fragendem Tone hinzu: „Glaubst Du, daß Fräulein Boisson fertig ist? Ich denke, es wäre Zeit, ansznbrechen."
„Ich will sie rufen."
„Und ich werde gehen und so gerade gleichzeitig mit Euch in der Kirche eintreffen. Lebe wohl bis dahin. Ach, mein süßes Lieb, kaum vermag ich es zu fassen, daß mein Glück so nahe liegt I Eine kleine Stunde noch — und Du bist mein Weib!"
(Fortsetzung folgt.)
— Der Blizzard, der New Aork heimgesucht, hat bis jetzt auf den Straßen 17 Menschenleben gefordert. 35 000 Personen konnten nicht nach Hause gelangen und mußten in Hotels und anderswo Unterkunft suchen. Alle Hotel» sind bis auf den letzten Winkel überfüllt. Mehrere Tausend Personen mußten die Nacht auf den Bahnhöfen und in den Hotel-Vorhallen verbringen.
— (Ein Mord um drei Saldi.) Wegen einer Nechnung»differenz von kaum zwölf deutschen Pfennigen geriet in Avellino der Kaufmann Biagio mit seinem Neffen in Streit und schoß ihn in der Wut durch drei wohlgezielte Revolverschüsse vor den Augen seiner Eltern nieder.