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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ^

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 Psg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^sns^s^

herssel-er Kreisbkitt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"'

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 13. Dienstag, den 31. Januar 1905.

Amtlicher teil.

Der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medi- zinal-Angelegenheiten hat in Abänderung des bisher geübten Verfahrens bestimmt, daß die Bekanntmachung erledigter Kreis- medizinalbeamtenstellen fortan ausschließlich in dem Ministerial­blatt für Medizinal- und medizinische Unterrichts-Angelegen- Heiten erfolgen soll.

Von Bewerbern, welche im Regierungsbezirk Cassel ihren Wohnsitz haben, sind Bewerbungen um Anstellung oder Ver­setzung in Kreisarzt-, Gerichtsarzt- oder Kreisassistenzarztstellen binnen 2 Wochen, nachdem idie Bekanntmachung durch das Ministerialblatt erfolgt ist, bei mir einzureichen.

In Gesuchen um Versetzung in eine andere Stelle sind die Gründe darzulegen, welche dem Bewerber die Versetzung oder die Veränderung seiner amtlichen Stellung wünschenswert erscheinen lassen. (A. II. 290.)

Cassel, am 7. Januar 1905.

Der Regierun gs-Präsident. J. B.: von K a m e k e. * *

Wird veröffentlicht.

Hersfeld, den 16. Januar 1905.

I. 381. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 19. Januar 1905.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Herr Gewerbeinfpeklor zu Efchwege die Sprechstunden für Arbeitgeber und Arbeitnehmer wie folgt festgesetzt hat: (Bureau Friedrich^Wilhelmstraße 7) an jedem 1. und 3. Sonntag im Monat Vormittags von 8 bis 9Va Uhr und an jedem 2. und 4. Sonnabend im Monat, Vormittags von 8 bis 10 Uhr.

I. 452. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rat.

Der nächste Termin der durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe des Hufbeschlaggewerbes wird hierselbst am 1 8. März d. I. abgehalten werden.

Meldungen zu dieser Prüfung sind unter porto- und bestellgeldfreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 Mark, bis spätestens den 8. März an den Unterzeichneten zu richten.

Mit der Meldung zugleich sind einzureichen:

1) der Geburtsschein,

2) etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte tech­nische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbrief u. bergt.), 2) eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende

Der Stern des weissen Dauses;

Roman von I. I n e s.

(Nachdruck verboten.) lFortsetzung.)

16.

An demselben Abend schritt der Kapitän des Handels- dampfersSeemöve" mit übereinandergekreuzten Armen auf und ab. Er war ein kräftiger, kerniger Mann mit grauem Haar, den Augen eines Adlers, einem Mund, der feste Ent­schlossenheit verriet und doch so weich und innig war, wie der einer Frau. Er war ein Mann, dessen Stimme niemals im Zorn ertönte, mit der er aber von seiner Mannschaft die starrsten Herzen seinem Willen gefügig machte.

Als er so auf und ab schritt, klopfte ihm das Herz voll inniger Sehnsucht unter der Matrosenjacke und seine Lippen umspielte ein sanftes Lächeln. Im Mastkorb sang ein Schiffsjunge mit klarer Stimme:Liebchen ade, scheiden tut weh, morgen da gehts in die wogende See."

Morgen, bevor die Sonne untergeht, werde ich Dir in das liebe Gesicht geschaut und Dich an mein Herz gedrückt haben. Ob mein Herzblatt weiß, daß ich ihr nahe bin?"

Er lehnte sich über das Bollwerk und schaute in die kräuselnden Wellen hinab. Als er so stand und sann, trug ihn die Erinnerung Jahre zurück zu längst entschwundenen längst begrabenen Szenen, Stunden und Hoffnungen. Es svar seltsam, daß all die alten Erinnerungen heute abend in in ihm gerade auffteigen mußten.

Die salzige Seebrise blies ihm ins Gesicht, ihm schien es ?t^lle sie ihm den Dust eines Kleefeldes oder einer frstchgemahten Wiese zu. Vor seinen Augen wogten und rauschten die schaumgeränderten Wellen, aber statt ihrer sah er grüne Wiesen Und Felder prangend in reisender Saat und mitten unter diesen ein altes, hvchgicbcliges Haus, in dessen , ür ~ und ba5 war die Hauptfigur des Bildes, welches so lebhaft vor seinem geistigen Ange ausstieg ein Mädchen Itanb mit lachenden, roten Lippen, goldenem Haar und fröh­lichen, nnschuldsvollen Singen, gerade so wie vor langen

sich schon einmal der Prüfung erfolglos unter« zogen hat.

ES werden nur solche Schmiede zugelaffen, welche das 19 Lebensjahr vollendet haben und den amtlichenNachweiS er­bringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirk Cassel sich aufgehalten haben.

Schmiede, welche die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von 6 Monaten zu einer neuen Prüfung zugelassen werden.

Cassel am 1. Januar 1905.

Der Vorsitzende der Huffchmiedc-Prüfungskommifsion des Regierungsbezirks Cassel:

Tietze, Königlicher Deparlementslierarzt, Parkstr. 9.

* *

HerSfeld, den 13, Januar 1905.

Wird veröffentlicht.

I. 307. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer RegierungS-Rat.

nichtamtlicher CeiL

Ar Aiistauli im Riihrkohleiigetlet.

Auf der Zeche Mansfeld (Bergrevier Willen) fand eine größere Ruhestörung statt, bei der eine Menge von mehreren hundert Ausständigen mit blanker Waffe aus- einandergetrieben werden mußte. Mißhandlungen einzelner Arbeitswilligen wurden wiederum mehrfach gemeldet. Die Löhnungen verlaufen ruhig. Einzelne Zechen zahlten die für Dezember und Januar fälligen Löhne durch die Post aus. Der gestrige Tag brächte wieder eine geringe Zu­nahme der Streikenden.

Essen (Ruhr), 23. Januar. Nach der heutigen Ver­handlung der Ministerialkommission mit dem Siebener- ausschuß wird hier die Lage sehr pessimistisch beurteilt. Die Hoffnung auf eine baldige Streikbeendigung ist ausgegeben. Oberberghauptmann von Velsen reist heute abend nach Berlin zurück.

M russische AifriihrdeMtgilH.

Die Zahl der Arbeiter, die in Petersburg heute wieder in die Fabriken zurückgekehrt sind, wird halbamtlich aus mehr als 54000 Mann beziffert. Daraus ist zu ersehen, daß dieser Teil der Bewegung, welcher das russische Volk in eine so heftige Erregung versetzt hat, an ihrem Ausgangspunkte nahezu erloschen ist. Auch sonst dürften die Arbeiter kaum in der Lage fein, den stürmisch begonnenen Streik länger als wenige Tage fortzusetzen, da sie sich auf diese gewaltige Aktion nicht vorbereitel Hallen.

Riga, 27. Januar. In den Krankenhäusern wurde

langen Jahren in jenen seligen Sommertagen dort gestanden hatte.

War es der Wind, der des alten Seemanns Augen so trübe machte, während das Schiff schnell das mondhelle Wasser teilte und dem Hafen zusteuerte?

*

Die Baronin von Roßlingen lag im Wohnzimmer auf dem Sofa. Seit Werners heiteres Gesicht nicht mehr da war, hatte das Schloß seinen ganzen Sonnenschein verloren.

Draußen war es unfreundlich: grauer Himmel, anhaltender Regen, kalter, pfeifender Wind, der die Blätter von den Bäumen schüttelte und den Regen gegen die Scheiben schlug.

Die Stimmung der Baronin stand mit dem Wetter in vollständigem Einklang. Sie war so mißmutig wie nur denkbar. In den meisten Händen hielt sie eine Stickerei ein Paar Morgenschuhe für Werner. Sie arbeitete nicht, sie dachte dachte tief und ernst, wobei auf ihren Zügen ein dunkler Schatten lagerte. Werner machte ihr Sorge. Er mar über acht Tage vom Schlosse fort und die Baronin vermißte ihn sehr. @r war ihr in jeder Weise nötig er war ihr Sohn, ihr Abgott, das einzige Wesen von der Welt, das die stolze Frau wahrhaftig liebte.

Er hatte ihr gesagt, er wolle den Grafen Sternthal be­suchen, und kurz nach seiner Abreise kam ein Brief an Werner mit des Grafen Wappen und von seiner Hand geschrieben. Der Umstand kam ihr sonderbar vor, aber einer meiteren Betrachtung nicht wert. Möglich, daß Werner unterwegs einen Freund getroffen und mit diesem noch einen Abstecher gemacht hatte.

Tage vergingen, ohne daß sie von dem Sohne Nachricht erhielt und sie fing an, sich über sein Schweigen zu wundern. Warum schrieb er nicht? Sollte er krank sein? Wenn dem so wäre, würde er sie doch davon benachrichtigen lassen.

Heute hatte ihre Unruhe sich wesentlich gesteigert. Die Nachmittagspost hatte einen zweiten Bries vom Grafen Sternthal an Werner gebracht. Dieser Brief lag jetzt vor ihr und beschäftigte ihre Gedanken; er sagte ihr so mancherlei. Erstens, daß Werner nicht bei dem Grafen mar, zweitens, daß

festgestellt, daß gestern 29 Männer, 2 Frauen ge­tötet und 36 Männer verwundet wurden. Desgleichen wurden 8 Soldaten durch Revolverkugeln verwundet. Der Direktor der Sparkasse Nemtschinow ist heute gestorben. Auf eine Forderung der Arbeiter wurde das Theater geschlossen.

Der Ausstand in Warschau hat rasch ungeheure Dimensionen angenommen. Die Zahl der Ausständigen beträgt rund 100 000. Die Zeitungen sind nicht erschienen; der Pferdebahnverkehr ist eingestellt, die Ruhe ist jedoch nicht gestört. Die Stadtbehörden beraten über die Lag« unter Teilnahme der Fabrikanten und Fabrikinspektoren. Bei dem gestrigen Zusammenstoß zwischen Arbeitern und Polizei wurden zwei Personen getötet und sieben verwundet.

Auch in Lodz ist die Arbeit allgemein eingestellt; gegen 100 000 Arbeiter sind ausständig. Die Zeitungen sind nicht erschienen. Der telephonische Verkehr mit Warschau wurde heute eingestellt.

Der russisch-japanische Krieg.

Die Offensivbewegung Ruropattine gegen den linken Flügel der japanischen Armee hat die Ruffen am Hunho ent­lang ziemlich weit nach Südwesten geführt, ist aber dann auf heftigen Widerstand gestoßen. Der Kampf dauert dort noch fort, ebenso wie im Zentrum am Schaho. General Kuropatkin hat nach einem Telegramm aus Tokio 20 000 Mann Kavallerie auf seiner rechten Flanke versammelt; er selbst befindet sich in Tschantan am Hunho.

Nach einer Meldung aus Tschansjamutun vom 26. b. M. dauerte die Schlacht bei Sandepu den ganzen Tag. Die R u s s e n v e r l o r e n bei der Einnahme der Befestigung

4 5 Offiziere und 1 000 Mann Tote bezw. Verwundete; sie nahmen 102 Japaner gefangen und erbeuteten Waffen, Wagen und Munition.

Petersburg, 28 Januar. Ein Telegramm be6 Generals Kuropatkin an den Kaiser vom 26. b. M. meldet: Nach den Berichten vom 25. b. M. haben unsere Truppen einen blutigen Kampf bei der Einnahme von Cheigoutaii zu bestehen gehabt; eine Position in der Nähe des Dorfes wurde am 24. b. M. abends genommen. Gestern sind die ersten Meldungen über die Besetzung der Dörfer Choudulatosa, Toutailzy und Cheigoutaii eingegangen. Wir haben unge­fähr 100 Gefangene gemacht. Da» Torf Tschitaitzky haben wir mit einem Verlust von 50 Mann besetzt. Am 26. b. M. setzten unsere Truppen die Vorwärtsbewegung gegen Sandepu fort; außer bei dem Angriff auf der Flanke von Sahepu hat kein ernsterer Zusammenstoß stattgefunden. Die Ver« suche der Japaner, uns wieder zu vertreiben, sind fehlge­schlagen. Nach Berichten von heute nachmittag fangen die Japaner an, sich im Süden und Südosten in der Richtung auf Sandepu vorwärts zu bewegen.

Aus Tokio wird vom Sonnabend offiziell gemeldet, daß

auch dieser nicht wußte, wo sich ihr Sohn aufhielt. Diese beiden Gedanlen zogen eine ganze Menge anderer nach sich.

Wo war Werner? Warum machte er aus seinem Aus- enthalt ein Geheimnis? Man hätte meinen können, es wäre kein Grund vorhanden gewesen, sich den Kops darüber zu zerbrechen; aber Werner war nun einmal das einzige lebende Wesen aus der Welt, welches ihr am Herzen lag. Ihr ganzes Denken begann gipfelte und endigte in Werner. Tausend Bande fesselten ihn an ihr Herz; für ihn lebte sie, für ihn hatte sie gesündigt. Ja, das war das festeste Glied in der Kette für ihn, für ihr Herzblatt hatte sie gesündigt.

Sie nahm den Brief in die Hand und betrachtete ihn wohl zwei Minuten lang, während welcher tausend Ver­mutungen ihr Hirn kreuzten. Dann erbrach sie das Siegel unb las denselben. Er war kurz. Der Graf gedachte nächste Woche nach der Residenz und aus dem Wege nach dort ein paar Tage in Hohensitz Station zu machen. Auf Werners Besuch bei ihm war nicht mit einer Silbe hingedeutet. Die Wangen der Baronin flammten in hellem Rot auf.

Er ist überhaupt nicht dort gewesen! Was er mir von seinem Besuche vorerzählte, war von Anfang bis zu Ende nicht wahr! Warum suchte er mich zu betrügen? Warum bin ich, seine Mutter, von seinem Vertrauen ausgeschlossen?"

Sie sollte es bald erfahren. Ein Stunde später trat der Diener herein und reichte ihr auf dem silbernen Teller eine Karte. Zu tief in Gedanken versunken, hatte die Baronin den Wagen nicht gehört, meldjer einen Augenblick zuvor an dem Haupteingang gehalten hatte.

Einigermaßen überrascht nahm sie die Karte und las den darauf stehenden 9lamen:Robert Selten."

Wo wartet Herr Selten?"

Im Bibliothekzimmer, gnädige Frau," antwortete der Diener.

Führen Sie ihn herein."

Der Diener zog sich zurück. Die Baronin verbarg den Brief unter ihren Wollsträhnen und sich langsam erhebend, schickte sie sich an, Werners Todfeind zu empfangen.

17.

Sonnenschein und Wolken rangen mit einander um die