Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ^
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herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 12.
Sonnabend, den 28. Januar
1905.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 25. Januar 1905.
Die Schulstelle in Frielingen wird infolge 98er setzung des bisherigen Inhabers vom 1. Februar d. I S. ab frei und wollen Bewerber um dieselbe ihre Meld- ungsgesuche nebst Zeugnissen bis zum 18. Februar d. I S. bei dem Königlichen Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Kühn in Frielingen oder dem Unterzeichneten einreichen.
Das Einkommen besteht bei einem Dienstalterszulagen- Einheitssatze von 120 Mark neben freier Wohnung in 1000 Mk. Grundgehalt und 150 Mk. Kirchendienstvergütung.
I. 611. Der Königliche Schulvorstand
Freiherr von Scdleinitz, Geheimer Regierungs-Rat, Landrat.
Hersfeld, den 25. Januar 1905.
Die unter dem Schweinebestande des MetzgermeisterS Peter Wolff zu Hersfeld ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen.^
I. 629. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rat.
Königliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher teil.
Raiserr Geburtstag.
Grüß Gott dich heut, o, Kaiser Und dein geheiligt Haupt, Dom Grün der Gichenreiser, Dom Friedenskranz umlaubt! Ob friedgeweihte Bahnen Dem Reich dein Wille weist, Rauscht doch in deinen Fahnen Der starken Ahnherrn Geist.
Glück auf, du Völkerleiter, Dem Zollernhaus entstammt, Und übe rüstig weiter Dein väterliches Amt! viel Segen tausendfältig Streu königlich umher, Und wirke herrschgewaltig Dom Felsen bis zum Meer!
Wieder ist des Kaiser» Geburtstag herangenaht und wieder wird dieser Tag von Millionen festlich begangen. In allen Gauen Deutscblands, im Norden wie im Süden, im Osten wie im Westen, herrscht Festesjubel und Festeslärm. Leider aber bleibt für viele die Festesfreude gar zu sehr an der Oberfläche hasten; Kaisers Geburtstag ist für sie nichts mehr als ein Anlaß zum Feiern, wie andere derartige Anlässe auch. Das sollte und dürfte nicht sein. Des Kaisers Geburtstag ist vielmehr ein Tag, zu dessen festlicher Begehung es des ganzen Ernstes und der ganzen gesammelten Kraft der Seele bedarf. Nicht in flüchtigem Rausche sollte dieser Tag vorübergehen, sondern als ein Tag her vertieften Betrachtung, der Einkehr und Sammlung, der gute Entschlüsse reifen läßt und uns mit neuer Kraft für die Kämpfe der Zeit waffnet.
Wir leben in einer ernsten Zeit. Dunkle, dämonische Gewalten der Tiefe regen sich und recken ihre Krallen empor, um an den Grundvesten alles Bestehenden zu rütteln. Im Mittelpunkte ihrer feindlichen Angriffe aber steht bei uns in Deutschland die Monarchie; gegen sie richtet sich der heftigste Ansturm der Mächte des Umsturzes, und das ist ganz verständlich. Auch die Vertreter des Umsturz.s kennen die Wahrheit des alten geschichtlichen Lehrsatzes, daß ein Staat nur durch die Mittel erhalten wird, durch die er gegründet und groß geworden iß. Die Geschichte Deutschlands und Preußens ist monarchisch durch und durch. In manchem anderen Staate kann man sich vielleicht einen Wechsel der Regierungsform ohne tiefgreifende Erschütterung vorstellen, für Deutschland iß dies absolut undenkbar. Deutschlands Heil und Größe beruht aus der Monarchie. So müssen sich alle, die ihr Vaterland wahrhaft lieb haben, treu und fest um den Thron zusammenscharen, gleich einer lebenden Mauer, an der sich der Ansturm der Feinde machtlos bricht. Es gilt im Thron den Bestand des Vaterlandes selber zu schützen. Uns ganz und gar mit monarchischer Gesinnung zu durch, dringen, die tiefe Berechtigung und Notwendigkeit der Monarchie so ganz von Grund aus zu ersassen und ihrer
Verteidigung Herz und Hand zu reichen, dazu soll uns des Kaisers Geburtstag Anlaß und Mahnung fein.
Wir Deutsche aber wären nicht wir selbst, wenn wir einem ausschließlichen VernunftSmonarchiSmuS huldigen wollten. Unser Geistes- und Seelenleben ist künstlicher Vereinzelung nicht fähig; Vernunft und Herz wollen bei uns allemal Hand in Hand gehen, und was die Vernunft für recht erkannt hat, das will das Herz gleichzeitig mit warmer Glut umfassen. So stehen wir zum Träger der Krone in einem durchaus persönlichen Herzensverhältnisse, und Liebe und Verehrung für den Kaiser sind die starken Ketten, die uns mit dem Thron verknüpfen. Aus solchem Fühlen und Empfinden heraus werden Leid und Freud des Kaiserhauses wie eigenes Leid und Freud empfunden. Ueber das verflossene Lebensjahr des Kaisers hat Gottes Gnade den lichten Schimmer der Freude ausgebreitet. Durch die Verlobung des Kronprinzen mit einer deutschen Fürstentochter aus jenem Herrscherhause, dem wir die unvergeßliche Königin Luise verdanken, ist dieses Jahr zum Freudenjahr für Kaiser und Volk gestempelt worden. Und auch das muß uns mit inniger Freude und herzlichem Danke gegen Gott erfüllen, daß Kaiser Wilhelm vor allen bösen Nachwirkungen jener tückischen Krankheit, der er vor nunmehr Jahresfrist eben erst entgangen war, glücklich verschont geblieben ist. In alter Kraft und Frische hat unser Kaiser auch während des vergangenen Jahres seines schweren, verantwortungsvollen Amtes zu walten vermocht und das Reichsschiff sicher durch die dräuenden Klippen und Gefahren der Zeit hindurchgeführt.
Welchen genialen Pfadfinder und Bahnbrecher wir in Kaiser Wilhelm besitzen, hat die Sprache der Tatsachen in diesem Jahre so recht deutlich aller Welt verkündet. Er ist der tatkräftigste, eifrigste Förderer des FlottengedankenS für Deutschland, und wie sehr dieser Gedanke in den Zeit- verhältnissen begründet ist, mit welcher gebietenden Notwendigkeit er von der Zeitlage gefordert wird, das hat der bisherige Verlaus des russisch-japanischen KriegeS außer Zweifel gestellt. Die Rette der russischen Mißerfolge erklärt sich fo gut wie ganz aus dem Fehlen einer entsprechenden Seemacht. Politische Geltung ist in unserer Zeit Seegeltung, ist Machtentsaltung zur See — das ist die Lehre, die mit dröhnender Gewalt aus dem fernen Ostasien zu uns herüberfchallt. Mit der Erkenntnis dieser Lehre aber wächst in gleichem Maße die staunende Bewunderung der genialen Größe Kaiser Wilhelms, der in der Verkündigung und Verwirklichung solcher Lehre seit langen Jahren schon seine Hauptaufgabe erblickt. Und in die bewundernde Verehrung mischt sich erhöhtes, jeden Zweifel bannendes Vertrauen. Wer so die tiefsten politischen Forderungen der Zeit in vorauseilendem Weitblicke erkannt hat, dem können wir getrost die Leitung unserer Geschicke anheimgeben.
Mit den heißesten Wünschen, die wir an Kaisers Geburtstag für das Wohl des Monarchen zu den Stufen des göttlichen Thrones emporsenden, verbinden wir zugleich das Gelübde unerschütterlicher Treue zu Kaiser und Reich. Gott schütze und erhalte den Kaiser, Gott gebe dem monarchischen Gedanken in Deutschland erneute Kraft und Geltung, daß das Kaisertum der Hohenzollern in leuchtendem Sieges- glanze fort und fort über alle Widersacher triumphiere und lasse das Wort allezeit Wahrheit sein und bleiben: Deutschland in der Welt voran!
Politischer Wochenbericht.
Unter den Vorgängen im Innern Deutschlands lenkt der B e r g a r b e i t e r st r e i k zur Zeit das größte Interesse auf sich. Seine verheerenden Wirkungen für unser gesamtes Wirtschaftsleben sowie die tiefen Wunden, die er dem Nationalwohlstande schlägt, müssen in allen patriotisch empfindenden Kreisen tiesstes Bedauern und schwere Besorgnis wachrufen. Umso unverantwortlicher scheint ange- sichts dieser Sachlage das Treiben der Sozialdemokratie, die in Presse und Versammlungen fortdauernd bemüht ist, Del in die Flammen zu gießen, den Brand zu scharen und dem Streik den Stempel eines proletarisch-revolutionären Macht- und Klassenkampfes größten Stils aufzuprägen. In eigentümlichem Widersprüche hierzu steht auf der andern Seite das eifrige Bemühen der Umsturzpartei, die Sympathien des Bürgertums für die streikenden Bergarbeiter rege zu machen. Diese Sympathien können sich doch unmöglich den Veranstaltern einer sozialdemokratischen Machtprobe zuwenden. Auch ist das Gebahren der Sozialdemokratie sicherlich nicht dazu angetan, die Arbeitgeber zu EinigungS- Verhandlungen geneigt zu machen. So zeigt sich auch anläßlich des gegenwärtigen Bergarbetterstreiks wieder aufs deutlichste der zerstörende und vergiftende Einfluß, den die Sozialdemokratie auf unser politisches und wirtschaftliches Leben ausübt. Darum ist und bleibt die Berechnung dieses Einflusses die Hauptaufgabe der Zeit.
Zu solchen Betrachtungen geben auch die blutigen Ereignisse in Petersburg vollgültigen Anlaß. Der Auf- rühr daselbst hat mit gewaltiger Niederwerfung und zeitweiliger Etablierung der Militärdiktatur geendigt. Es ist
eine Fälschung des Tatbestandes, wenn man die Massendemonstrationen vür dem kaiserlichen Palais aus rein wirtschaftlichen Beweggründen zu erklären unternimmt. Nein, die ganze Aktion trug vielmehr ein politische» Gepräge und das Programm der Demonstranten enthielt fast ausschließlich politische Forderungen. Die Einbläser und Drahtzieher, die ihre Haut wie gewöhnlich sorgsam zu hüten wußten, sind sozialdemokratisch-nihilistische Elemente. Auf ihr Schuld- konto kommt das Blut der armen verblendeten Opfer. Eine Lehre aber verkünden die Petersburger Ereignisse mit vollendeter Deutlichkeit. Es ist immer ein Fehler, der sich aufs schwerste rächt, wenn man eine revolutionäre Bewegung zu weit anwachsen läßt. Hätte die russische Regierung bei Zeiten Halt geboten, so hätte sie wahrscheinlich später nicht zu blutiger Gewalt ihre Zuflucht nehmen müssen.
In Frankreich ist dem Ministerium Combe» das Ministerium Rouvier gefolgt. Von den gemäßigt republikanischen und den nationalistischen Blättern wird am meisten die Beibehaltung Berteaux als Kriegsminister getadelt. Aber auch die beiden sozialistisch-radikalen Gruppen verargen es ihren Parteigenossen Bienvenu Martin und Berteaux, daß sie überhaupt ein Portefeuille angenommen haben. So sind die Auspizien, unter denen da» neue Ministerium die Hinterlassenschaft Combe» antritt, nicht gerade die günstigsten und verheißungsvollsten.
Ja Oesterreich hat bei Wiederzusammentritt de» Abgeordnetenhauses der neue Ministerpräsident Freiherr v. Gautsch eine bedeutsame programmatische Rede geholten. Er erklärte, das Bestreben der österreichischen Regierung werde vor allem daraus gerichtet sein, wichtige und dringende Vorlagen der Erledigung zuzusüh-en, und gab zugleich der Hoffnung Ausdruck, daß das Haus nunmehr in die von der Bevölkerung ersehnte Periode der Arbeit eintreten werde, damit die Erwartungen sich rechtfertigen, welche der Staat und die Bürger mit Recht an die verfassungsmäßigen Einrichtungen knüpften. Weiterhin aber sprach der Ministerpräsident die Hoffnung ou», daß es gelingen werde, die Lösung des größten Problems der österreichischen Politik, von welcher allein eine dauernde Gesundung der innerpolitischen Lage erwartet werden könne, nämlich die Annäherung und Verständigung zwischen dem deutschen und dem tschechischen Volksstamm wenigsten» an= zubahnen. Auch in Deutschland wird man sicherlich im Interesse unseres verbündeten Nachbarreichs von Herzen wünschen, daß diese Hoffnungen in Erfüllung gehen mögen.
In letzter Stunde vor Abschluß dieses Wochenbericht» ist endlich noch die erfreuliche Nachricht eingetroffen, daß der deutsch-österreichische Handelsvertrag nunmehr seinen definitiven Abschluß gesunden hat. So ist denn das große Handelsvertragswerk vorläufig unter Dach und Fach gebracht, und an dem Reichstage wird es demnächst liegen, da» entscheidende Wort zu sprechen. Die Politik unseres Reichskanzlers hat einen glänzenden Erfolg zu verzeichnen, und die Zolltarif-Opposition hat mit ihren schwarzseherischen Prophezeiungen ein Fiasko erlitten, wie es glänzender in der Tat nicht gedacht werden kann. W.
Her Aiisstsiiii im " . t
I m Ruhrrevier herrscht im allgemeinen Ruhe. Wie aus Essen gemeldet wird, beschlossen die Belegschaften der fiskalischen Gruben bei Gladbeck dieArdeit wieder auszunehmen, sobald die Regierung mit der Siebener- Commission in Verhandlung tritt.
Bochum, 26. Januar. Infolge des Streiks ist das Wasser in den Gruben stark gestiegen; besonders hat die Zeche Bruchstraße darunter gelitten. — In Mitten beschlossen die Bäcker, Freibrot an notleidende Bergarbeiter-Familien zu verteilen.
Bochum, 26. Januar. Die Bergarbeiter-Zeitung quittiert heute über 92,533,91 Mk, die beim Verbands- bureau für die streikenden Bergleute eingegangen sind. Die Siebenerkommissron beschloß, gegen diejenigen Zechen, die ihren Bergleuten den Lohn für sechs Schichten abgezogen haben, den Klageweg zu bef^reiten.______________________
K russische Aufruhrtmezung.
Daß die privaten Mitteilungen über die Höhe der am Sonntag getöteten und verwundeten Personen von den amtlichen Angaben weit abweichen, ist bekannt. Ob eine Aufklärung dieser merkwürdigen Widersprüche versucht werden wird, steht dahin. Wie die Dinge aber augenblicklich liegen, scheinen gerade diejenigen Minister, von denen da» russische Volk zurzeit noch am ehesten Verständnis für seine Wünsche erwartete, sich einer sehr großen Zurückhaltung befleißigen zu wollen.
Um den Petersburger Arbeitern die Rückkehr zu ihren gewohnten Beschäftigungen zu erleichtern, läßt die Regierung heute einen Appell an sie verbreiten, worin sie vor den Einflüssen ihrer bisherigen Führer gewarnt werden. Gleichzeitig erhalten sie die Versicherung, daß die Behörden fortgesetzt bemüht sein wollen, da» Lot