Meuterer steckten die Osfiziersgebäude in Brand. Nach der Zerstörung der Osfiziersgebäude stürzten die Matrosen nach dem Hauptquartier des Marinestabes. Der Admiral sandte ihnen eine Jnfanterieabteilung unter einen Unteroffizier entgegen, der Befehl hatte, auf die Meuterer zu scbießcn. Er verweigerte dies jedoch, da sein Bruder unter den Meuterern war; er wurde sofort verhaftet. Hierauf kam ein Offizier und befahl den Leuten, eine Salve abzugeben. Die Soldaten feuerten jedoch über die Köpfe der Meuterer, von denen keiner verletzt wurde. Nun erhielten die Soldaten Befehl, in die Kaserne zurück- zukehren. Die« war das Signal für eine Meuterei des in der Kaserne zurückgebliebenen Militärs. Eine andere Infanterie-Abteilung wurde nun gegen die Matrosen entsandt. Sie feuerte gleichfalls über die Köpfe hinweg. Ein Offizier schoß jedoch einen Matrosen mit seinem Revolver nieder. Daraus wurde das Bielostocker Regiment nach der Kaserne entsandt. Der Oberst hielt eine Ansprache an das Regiment und erinnerte es an seinen Treueid. Die Soldaten erklärten jedoch, es wäre unnütz, fie zu entsenden, ste würden nicht feuern. »Wenn wir schießen," schrieen sie, „werden die Offiziere unsere Scheiben fein!* Unter diesen Umständen wagten die Offiziere es nicht mehr, Befehl zum Feuern zu geben. Die Meuterer setzten unterdessenjsämtliche Marinearsenale in Brand. Die Feuersbrunst raste stundenlang. Der Schaden ist unberechenbar.
Petersburg, 24. Januar. Auf dem Newski- Prolpekt und in anliegenden Straßen ist die Haltung des Publikums unruhig. Alle Fenster der Erdgeschoffe sind durch Bretter verschlossen.
Petersburg, 24. Januar. Kosaken verfolgen eine Menge von Arbeitern und schlagen mit Säbeln aus sie ein. Einige Arbeiter sind verwundet.
Petersburg, 25. Januar. Durch Kaiserlichen Erlaß, worin es heißt, da die Ereignisse der letzten Tage in Petersburg die Notwendigkeit gezeigt hätten, außerordentliche, den Zeitumständen entsprechende Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Staatsordnung und öffentlichen Sicherheit zu ergreifen, so wird das Amt eines Generalgouverneurs errichtet. Dem General-Gouverneur werden Stadt und Gouvernement Petersburg unterstellt. Er hat das Recht, militärische Hilfe herbeizurufen. Alle Rechte des Ministers des Innern bezüglich der Bestätigung im Amte von Mitgliedern der Kommunalbehörden und Semstwos im Bereichs der Hauptstadt gehen an das Gouvernement über. Der Gouverneur kann einzelnen Persönlichkeiten den Auf. enthalt im Amtsbezirk verbieten.
Petersburg, 24. Januar. Die Regierung ist von der Polizei benachrichtigt worden, daß gegen die meisten öffentlichen Gebäude Dynamit-Attentate geplant sind. Infolgedessen sind umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen. Des weiteren wurde die Regierung davon in Kenntnis gesetzt, daß bei den Aufständischen der Plan bestehe, die Hauptstadt völlig zu isolieren, in dem die Telegraphen- und Telephonleitungen zerschnitten werden. Die Bewegung greift nunmehr auch auf die Provinz über. Mehrere tausend Ausständige des Stadtviertels Wassili- Ostrow versuchten gestern, die Newa-Brücke zu Überschreiten, wurden jedoch von der Kavallerie daran verhindert und zurückgedrängt. Die Ausständigen beabsichtigen, die Eisenbahnlinie nach Zarskoje Selo zu besetzen, um den Zaren zuisolieren.
Der russisch-japanische Krieg.
Vom Kriegsschauplatz, auf dem, von kleinen Schießereien abgesehen, noch immer friedliche W n erruhe zu herrschen scheint, liegt heute nur eine aus Suhudiapu, vom 23. b. M. datierte Meldung folgenden Inhalts vor: „Als die russischen Truppen in diesen Tagen auf der rechten Flanke die Ortschaft Siavvozy besetzten, wurde sowohl an den gefallenen Japanern als auch an den erbeuteten Gewehren die Anwesenheit der japanischen Reserve festgestellt.' Auf unserm linken Flügel unternahmen die Japaner dem Vernehmen nach mit neuen Bataillonen einen Vormarsch gegen die Abteilung Rennenkamp«. Heftige Südostwinde sind eingetreten. Das Wetter ist selbst nachts warm; heute viel Schnee bei geringem Frost."
M a j u n g a , 24. Januar. Admiral Roschestwensky erklärte in einer Unterredung, er wisse sehr wohl, daß sich japanische Schiffe in der Nachbarschaft aushalten, und er habe selbst bei der Fahrt an der Ostküste von Madagaskar vier Schiffs bemerkt, die vermutlich japanische waren. Er
als auch von Holm von Gunslach die Rede war", war des Malers rascher Gedanke. Und der kleine Zwischenfall, so un= bedeutend er an sich auch war, warf doch ein Licht auf eine Sache, welche Robert Selten gerade lebhaft beschäftigte.
Der schlaue Maler sah ein Geheimnis, dessen Schleier er um jeden Preis in seine Hand bekommen wollte, weil er dadurch großen Einfluß auf die Baronin und auch aus 29einer und Hilda zu erlangen hoffte, und dann sollte der Stern vom weißen Hause noch in seinen Besitz gelangen, denn die unglücklich Liebende gedachte der durchtriebene Ränkeschmied dann leicht sür sich zu gewinnen, zumal er dann in der Gestalt eines Retters auszutreten gedachte.
14.
_ Im Schatten einer Hügelkette lag das kleine freundliche Tors Lindenheim, welches nur aus einer einzigen Straße bestand, an deren Ende sich die Kirche befand, mit ihrem epheuumrankten Turm, den eine leuchtende Wetterfahne zierte. In der Straße befanden sich zwei Gasthäuser. Das größere davon, „der goldene Stern", lag einen Steinwurf von dem Gittertor entfernt, durch welches man auf den Kirchhof trat. Das andere stand ein wenig zurück, als ob es sich den Blicken der Vorübergehenden entziehen wollte. Der „weiße Schwan" war aber nichtsdestoweniger ein reinlicher, behaglicher Ruheplatz für den Reisenden und erfreute sich einer guten Kundschaft.
Wenn man das Dorf hinter sich ließ, an der Kirche vor- überging, gelangte man in ein kleines Wäldchen, welches nach dem vielleicht eine Viertelstunde entfernt liegenden Vorwerk des Herrn Hagenbeck führte.
Es war für einen Künstler ein malerisches Bild, das alte, hochgiebelige Wohnhaus mit den kleinen Schiebfenstern, die von wucherndem Grün umrankt waren, in welchem die Schwalben Jahr für Jahr ihre Nester bauten und ungestört rhre Jungen großzogen. Hinter dem Haufe lag der Obstgarten, wo goldene Aepfel, riesige Reinetten, rotbackige Birnen und blaue Pflaumen im Sonnenschein reisten. Im Blumengarten blühten bunte Blumen aller Art, aus deren Kelchen die Bienen, welche in den Körben an der (Gartenmauer wohnten, reiche Ernte hielten.
glaube aber nicht, daß Togo den Fehler begehen würde, ihn soweit von seiner Op-rationsbasi« entfernt anzugreifen. Roschestwensky sagt ferner, er erwarte binnen kurzer Zeit die Division Petrowosty.
Die aus 45 Schiffen bestehende Flotte ist vor Nossive verankert. Sie wird von zahlreichen Kohlenschiffen begleitet. Fünf russische Matrosen sind an Sonnenstich gestorben; seit vier Tagen sind aber starke Regenfälle eingetreten. Der sanitäre Zustand der Flotte ist ausgezeichnet.
Aus > und Ausland.
Berlin, 24. Januar.
Se. Majestät der Kaiser besuchte gestern abend die Militärische Gesellschaft, wo Hauptmann Jany vom Großen Generalstab über die Schlacht bei Hochkirch sprach. — Zur Abendtafel bei Sr. Majestät dem Kaiser waren geladen der Chef des Generalstabes der Armee Generaloberst Graf v. Schliessen, Generaladjutant v. Plessen und der Chef der Militärkabinetts Generaladjutant Graf v. Hülfen-Haeseler. — Heute morgen unternahm S e. Majestät der Kaiser den gewohnten Spaziergang im Tiergarten, sprach bei dem Reichskanzler vor, hörte im Königlichen Schlosse den Vortrag des Chefs des Militär- kabinetts und empfing den Admiral v. Holzendorff. Nachmittags gedachte Se. Majestät da« Atelier des Bildhauer» Cauer zu besuchen.
Wie die „N. A. Z." erfährt, find die Arbeiten für den deutsch-ösierreichisch-ungarischenHandels- v ertrag so weit gediehen, daß die Unterzeichnung für die nächsten Tage in Aussicht steht.
Der Reichstag debattierte auch in seiner gesamten Montagssitzung über den Bergarbeiterstreik in Westfalen aus Grund der betreffenden Interpellation der Sozial- demokraten. Wiederum bekundeten fast alle Redner aus dem Hause ihre Sympathien mit den Streikenden, so die Abgeordneten Brejski (Pole), v. Heyl (nat.-lib.), Spähn (Zlr.), Zimmermann (Resormp.), Bömelburg (soz.). Speziell konstatierte der genannte nationalliberale Redner, daß den Streikenden die wärmsten Sympathien bes deutschen Volke» gehörten; im übrigen forderte er in Uebereinstimmung mit dem Zentrumsabgeordneten Spähn die Einsetzung einer parlamentarischen Kommission zur Untersuchung der Verhältnisse im Ruhrkählengebiet. Etwas abweichend von den anderen Rednern betonte der Konservative v. b. Heydebrand und Lasa, daß da« Recht nun doch einmal aus Seite der Zechenbesitzer fei; verlangte daher, daß vor allem die Rechtslage im Ruhrgebiet wiederhergestellt werden müsse.
Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am Montag die Vorlage, betr. die Beteiligung des preußischen Staates an dem Bergwerksunternehmen Hibernia in dritter Lesung definitiv und mit großer Mehrheit an. In der Debatte spielte der Bergmannsstreik in Westfalen nochmals eine hervorragende Rolle. Die alsdann begonnene Erörterung des landwirtschaftlichen Etats wurde schließlich aus Dienstag vertagt.
Der geschäftsführende Ausschuß des V e r e i n s preußischer T a u b st u m m e n l e h r e r hat dem Unterrichtsministerium den Antrag unterbreitet, in dem Volksschul- unterhaltungsgesetz, dessen Vorlage für den Herbst b. I«. in Aussicht gestellt ist, die Schulpflicht für taubstumme Kinder auszusprechen. Die Schulgesetzentwürfe vom Jahre 1890 und 1892 enthielten dahingehende Bestimmungen.
Der deutsche Kapeldampfer Stephan ist zur Legung des von der Deutsch niederländischen Telegraphen- gesellschast bei den Norddeutschen Seekabelwerken in Auftrag gegebenen Kabels nach Mcnodo in See gegangen. Das Kabel soll von Menado auf Celebes nach der Karolineninsel Jap und von dort nach der Insel Guam ausgelegt werden, wo es an das amerikanische Pacific Kabel angeschlossen wird. Ferner soll der „Stephan" von der im nächsten Jahre zu verlegenden Strecke Schanghai-Jap eine längere Küstenstrecke bei Wusung legen und für die Herstellung de« Landkabels Wusung Schanghai sorgen.
Die Eisenbahnkonferenz über die Umleitung beS Güterverkehrs, die am Freitag in Berlin zusammen- trat, hat schon am Sonnabend ihr Ende gefunden. Wie bei den vorangegangenen Konferenzen, wurde, nach den „Münch. N- Nachr.", auch bei dieser bestimmt, weitergehende Mitteilungen zunächst nicht an die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen. Doch verlautet, daß die Konferenz einen günstigen Verlauf genommen hat. Dar reiche Beratung-material, das sich in den drei Berliner Konferenzen zur Herbei-
Drinnen im Hanse waren weite, luftige Räume, sonnige Wohnstuben, deren Fußboden kein Teppich, sondern Bastmatten deckten eine geräumige Küche mit einem schönen Herd und steinernem Fußboden. An der weißgetünchten Wand hingen selbstgeräucherte Schinken und von den derben Deckenbalken herab lange Zwiebelreihen.
„Eine hübsche Besitzung," dachte Robert Selten, während er die Arme auf das Gitter stützte, welches den Hof von der Landstraße trennte, unb das vor ihm liegende Bild betrachtete.
Er war von der nächsten Station — zwei Stunden weit — im Staub und der Hitze des Augustnachmittags zu Fuß gewandert und blieb jetzt stehen, um in lässiger Bewunderung einer rotbackigen, drallen Magd zuznsehen, die auf dem Hofe eine Kuh melkte.
Als das Mädchen den Fremden gewahrte, hielt sie in ihrer Arbeit inne und warf ihm über das Gitter einen koketten Blick zu, den der Maler mit einem freundlichen Lächeln unb der Frage erwiderte, ob sie ihm wohl einen Schluck Milch verkaufen würde.
„Verkaufen? Nein, mein Herr;" entgegnete sie schalkhaft „aber geben will ich Ihnen gern einen, wenn Sie ihn annehmen wollen."
Damit entschwand sie im Hause und kehrte gleich daraus mit einem Glas zurück, welches sie mit einem zinnernem Maß aus ihrem Eimer füllte.
Der Maler trank in langen Pausen, während welcher er über das Wetter und die Ernte sprach — von den kräftigen, wohlgenährten Kühen, welche im Hofe umherstanden, wartend, bis die Reihe des Gemolkenwerdens an sie kommen würde und den Fremden neugierig anschauten. Im Lause der Unterhaltung erwähnte Selten — wie ganz beiläufig — seine Absicht, für kurze Zeit in Lindenheim zn bleiben, wenn er in dem Dorfe selbst oder wenigstens in nächster Nähe Wohnung bekommen könnte. Wußte sie vielleicht eine solche?
Gewiß. Im „goldenen Stern" gab es Logierzimmer, aber sie waren in jetziger Jahreszeit gewöhnlich alle besetzt. Augenblicklich wohnten zwei Familien aus dem nächsten Fabrikort da und ein junger Herr — ein Baron — wie ihr ihre Schwester gesagt hatte, die im „goldenen Stern" als
führung einer deutschen Eisenbahnbetriebsmittelgemeinschaft ergeben hat, wird nun von den einzelnen Eisenbahnverwaltungen zunächst weiterbearbeitet, um später in gemeinsamen Konferenzen zu einem Abschlüsse gebracht zu werden.
Fürst Ferdinand von Bulgarien wird am 26. b. M. in Berlin eintreffen. Wie der „Voss. Ztg." aus Sofia gemeldet wird, reist der Fürst heute nach Berlin ab. Von den Ministern fährt keiner mit.
Das Reichamililärgericht wird sich mit dem De s s a u e r Aufruhrprozeß nicht mehr beschäftigen. Wie aus Magdeburg gemeldet wird, haben die beiden Angeklagten Günther und Voigt, die von dem Oberkriegsgericht Des 4. Armeekorps zu je lVa Jahr Gefängnis verurteilt worden sind, auf die Revision verzichtet.
Die hie und da gehegten Befürchtungen, die Bergleute im böhmischen Braunkohlengebiet könnten unter dem Eindrücke des Bergmannsstreiks in Westfalen ebenfalls streiken, scheinen vorerst unbegründet zu sein, denn am Montag sind alle Belegschaften ordnungsgemäß eingefahren. Immerhin gewinnt aber der Umstand jetzt an Bedeutung, daß die Versammlung der Vertrauensmänner der nordwestböhmischen Bergarbeiterschaft schon Mitte Dezember v. I. den Beschluß annahm, im Falle bes Au»- bruche« eines Streikes im Ruhrkohlengebiet diesen durch Einstellen jeden Zuzuges aus dem Revier zu unterstützen. Dieser Zuzug meist tschechischer, politisch unruhiger Elemente, war besonders während de« durch den Ausfall der Elbeverladungen bedingtenArbeitSmangel» nach dem reichsdeutschen Kohlenrevieren ein ganz bedeutender.
Aus Provinz u. Nacbbargebiet.
* Zum Königlichen Musikdirigenten ist laut allerhöchster Kabinettsordre vom 18. b. MtS. der Kapellmeister des 83. Infanterie-Regiments Grosse er» nannt worden.
* Die Durchschnittspreise der wichtigsten Lebensmittel betrugen im Kalenderjahr 1904: für 1000 Kilogr. Weizen 168 Mk. (Erntejahr 1903/4: 161 Mk.), Roggen 133 (131), Gerste 138 (134), Hafer 134 (129), Erbsen zum Kochen 233 (232), Speisebohnen 296 (282), Linsen 372 (355), Eßkartoffeln 60,8 (54,7), Richtstroh 40,8 (38,9), Heu 63,7 (58,9), Rindfleisch im Großhandel 1128 (1142), für 1 Kilogr. Rindfleisch von der Keule 1,43 (1,43) Mk., vom Bauche 1,21 (1,22), Schweinefleisch 1,32 (1,33), Kalbfleisch 1,44 (1,45), Hammelfleisch 1,41 (1,41), geräucherter Speck 1,51 (1,56), Eßbutter 2,36 (2,31), Schweineschmalz 1,55 (1,57), Weizenmehl 0,30 (0,30). Roggenmehl 0.25 (0,25), für 1 Schock Eier 3,91, (3,87) Mk.
* Es dürfte nur wenig bekannt sein, daß alle deutschen Reichspostkarten ein Wasserzeichen haben. Da« Journal für Buchdruckerkunst erklärt das Zeichen, welche« aus einem Buchstaben und einer darunter stehenden Zahl besteht, als einen Nachweis des Kartonlieferanten, dessen Anfangsbuchstabe sichtbar ist, ebenso die Zahl beS Siefer» ungsjahres, zum Beispiel S 4 besagt, daß 8 im Jahre 1904 Karton lieferte. Erweist sich dieser Karton vielleicht einmal minderwertig, so kann die ReichSdruckerei den Lieferanten feststellen. Einen weiteren Wert hat das Wasser- zeichen nicht.
-e- Hersfeld, 25. Januar. (Fahnen.) Am Geburtstage des Kaiser« sieht man allerwärt» im weiten deutschen Reiche Fahnen flattern. Sie sind ein Wahrzeichen der innern Zusammengehörigkeit, ein Symbol, dem gegenüber man zur Treue verpflichtet ist. Derartige Abzeichen, nämlich bunte Zeugstücke an langen Stangen, halte man schon bei den ältesten Völkern, allerdings zuerst bei den Kriegszügen, wo die Fahnen auch heute noch ihre höchste Bedeutung haben. Anfangs waren es nur Abzeichen der einzelnen Volks- und Truppenteile, allein eben als solche Abzeichen waren sie Vertreter des Namens unb genossen bei besonderer Auszeichnung eines solchen Truppenteil» auch besondere Ehre. Darum galt es ihre Ehre zu wahren. Die Chinesen bemalten ihre Heereszeichen mit den verschiedensten Tierbildern, was heute noch der Fall ist. Die alten Aegypter hatten für die verschiedenen Heeresteile Sinnbilder hiero- glypischen Charakters auf Stangen, die Assyrer malten sich Tauben auf ihre Feldzeichen. Die Perser halten allgemein einen goldenen Adler mit ausgebreiteten Flügeln auf einer Lanzenspitze. Die Griechen haben derartige Feldzeichen erst durch Lykurg erhalten. Während baS Fahnenbild von Sparta, Herakles, die Stärke repräsentierend, zeigte, führte Athen Tierbilder, wie die heilige Eule, Theben eine Sphinx, Korinth einen Wolf. Den größten Fahnenkultus trieb das
Hausmagd diente — Selten spitzte die Ohren — und der Baron hatte die feinsten Zimmer inne.
Selten' forschte weiter, ob sie den Namen des Barons wohl nicht zufällig gehört hätte?"
„Ja, gehört habe ich ihn, aber auch wieder vergessen. Auguste hat ihn mir letzten Sonntag genannt — denn der Baron ist beide Sonntage, die er hier ist, auch in der Kirche gewesen."
„Sie hatte ihn also gesehen?"
„O gewiß, wohl ein Dutzend mal und öfter. Er ist der schönste Mann, den ich je gesehen habe und so spricht auch Auguste und Frau Müller, die Putzmacherin, und ganz Lindenheim. Er ist groß und schlank und sein Haar so glänzend braun, wie die Kastanien — und dann hat er so liebe Augen und ein so freundliches Lächeln. Ach, er ist wirklich reizend!" Während sie so schwärmte, rief die dralle Dorfschöne eine andere Kuh herbei und fuhr immer weiter plaudernd in ihrer Arbeit fort.
(Fortsetzung folgt.)
— Ei n Eifersuchtsdrama spielte sich dieser Tage in Paris ab, dem eine junge Modistin, im ganzen Stadtviertel von Belleville als die „schöne Paulette" bekannt, zum Opfer gefallen ist. Sie hatte Verehrer zu Dutzenden, lachte ober «fle aus, bis vor kurzem ein junger Bursche, der neunzehnjährige gutes Guerson, ihr Herzchen gefangen nahm. Dieser fand eines Tages, da er Paulette besuchte, die aber abwesend war, unter ihrem Spiegel einen Zettel, auf dem mit Bleistift die Worte gekritzelt waren: „Ich komme morgen zu dir. Gaston." Guerson, überzeugt, daß Paulette ihn mit einem andern betrüge, geriet in rasende Eifersucht. Er kam, anstatt zur Arbeit zu gehen, am folgenden Tage wieder und fand Paulette in zärtlicher Unterhaltung mit einem Fremden. Sofort zog er einen Dolch und stürzte sich auf seinen Nebenbuhler. Paulette warf sich mit einem Schrei zwischen beide unb fing den Dolchstoß mit ihrem eigenen Busen auf. Der Mann, dessen Leben sie mit dem ihren erkaufte, war ihr Bruder Gaston, der Tag» zuvor von einer zweijährigen Seefahrt zurückgekehrt war