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herrfel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 10

Dienstag, den 24. Januar

1905.

Amtlicher C<

Hersseld, den 19. Januar 1905.

Der Bürgermeister Johannes Möller zu Oberhaun ist sl« Bürgermeister der Gemeinde Oberhaun für einen vom 23. Februar b. Js. ab beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum wiedergewählt und bestätigt worden.

A. 246. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer RegierungS-Rat.

Hersseld, den 19. Januar 1905.

Die Herren OrtSvorstände erhallen hierdurch die Weisung, das im § 8 Absatz 3 des Reglements vom 4. März 1875 (Amtsblatt Nr. 15) vorgeschriebene Verzeichnis derjenigen noch nicht geimpften Kinder, welche in den Gemeindebezirken nicht geboren, sondern dahin verzogen sind, bis zum 15. Februar d. Js. mir einzureichen. Die Herren Standesbe­amten werden angewiesen, unter Benutzung des Ihnen in den nächsten Tagen zugehenden Formulars, die vorgeschriebe- nen Jmpflisten durch Eintrag der im Jahre 1904 geborenen noch lebenden Kinder (Spalte 25) vorzurichten und bis zum obigen Termine gleichfalls mir einzureichen. Bei Aufstellung dieser Liste ist noch zu beachten, daß die Impf, linge einer jeden Gemeinde zusammen in unmittelbarer Reihenfolge eingetragen werden. Gleichzeitig ersuche ich die Herren OrtSschulinspektoren unter Benutzung des Ihnen übersandten Formulars durch Eintragung der sämtlichen Schüler, welche im laufenden Jahre das 12. Lebensjahr zurücklegen werden, die Listen für die Wieder-Jmpfung seitens der Herren Lehrer vorrichten und hiernachst bis spätestens zum 15. Februar d. Js. einreichen zu lassen. Falls sich Schüler vorfinden sollten, von welchen ein Nach­weis der Erstimpfung nicht erbracht werden kann, sind solche in einem Begleitschreiben besonders namhaft zu machen. A. 170. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung» Rat.

Hersfeld, den 20. Januar 1905.

Die erste Schulstelle in Widdershausen wird v o m 1. April b. J. a b frei und wollen Bewerber um dieselbe ihre MeldungSgesuche nebst Zeugnissen biszum 15. Februar b. I. bei dem Königlichen Ortrschulinspektor Herrn Pfarrer Kappes in Obersuhl oder dem Unterzeichneten einreichen. Das Einkommen der Stelle besteht neben freier Wohnung und bei einem Dienstalterszulagen-Einheitssatze von 120 Mark in 1000 Mark Grundgehalt und 150 Mark Kirchen- dienstvergütung.

Der Königliche Schulvorstand:

I. I 496. Freiherr v. Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rat, Landrat.

Der Stern des weissen Dauses.

Roman von I. Ine».

(Nachdruck verboten.) «Fortsetzung.)

11.

Während der folgenden vierzehn Tage lebte der junge Baron in einem köstlichen Wonnenrausch, Nur seiner Liebe und seiner Leidenschaft sich überlassend, schlug er alle anderen Bedenken in den Wind. Er liebte es, alle seine Launen zu befriedigen und scheute jede Sorge. Er wollte Hilda Horucck heiraten. Sie stand allerdings gesellschaftlich nicht ans einer Stufe mit ihm, aber davon abgesehen, wäre sie für einen Prinzen von Geblüt eine geeignete Braut gewesen. Sie war schön, von edlem Charakter und fein gebildet. Was wollte er mehr? Seine Mutter und hierbei wurde ihm etwas unbehaglich zu Mute--würde freilich heftigen Einspruch dagegen erheben, aber sie liebte ihren einzigen Sohn viel zu sehr, als daß sie durch fortgesetzten Widerspruch sein Glück zerstören würde. Vor allen Dingen mußte er Hilda zu seiner Frau machen. War sie erst die Seine, dann konnte er allen Unannehmlichkeiten, die ihm seitens seiner Mutter, vielleicht auch noch von Hildas Vater entgegengebracht wurden, begegnen. Er kannte den Kapitän nicht, doch soviel er ans dein, was er über ihn gehört hatte, entnehmen konnte, mußte es ein strenger, unbeugsamer Mann sein. Möglich, daß er das Vorurteil so vieler teilte und es nicht billigte, wenn sich Leute verschiedenen Ranges heirateten. So beschloß Werner in seiner leichten Art/ daß es am klügsten wäre, ihm gar nicht Gelegenheit zur Opposition zu geben.

Nachdem er sich alles zu seiner Zufriedenheit zurccht- gelegt hatte, sonnte er sich in den Strahlen seines Glücke?. Sein Geheimnis hütete er mit eifersüchtiger Sorgfalt, aber dennoch waren drei Personen in dasselbe eingeweiht. Diese drei waren Selten, Charlotte Horst und Dorothea Schnch,

Charlotte ging ganz kriegsmäßig anS Werk, um das Ziel zu erreichen, daS sie im Auge hatte. So fest und bestimmt Frau Horst auch war, wußte Charlotte sie doch zu leiten nicht durch offene Mittel, denen sich d,e alte Frau nie gefügt

Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Tele- graphenlinie an dem Wege von Hilmes bis zum Landwege FriedewaldSchenklengsfeld liegt bei dem Postamts in Schenklengsfeld aus. Casiel, 14. Januar 1905.

Kaiserliche Oberpostdirektion. Hoffmann.

Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Tele­graphenlinie an dem Wege von der Niederrheinischen Straße bis Willingshain liegt bei dem Postamts in Hersfeld aus Casiel, 14. Januar 1905.

Kaiserliche Oberpostdirektion. Hoffmann.

Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Tele- graphenlinie an dem Wege von Schenklengsfeld nach Lan- dershausen liegt bei dem Postamt« in Schenklengsfeld aus. Caffel, 14. Januar 1905.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. Hoffmann.

nichtamtlicher teil.

Her AHM im Nlihrkshltiigtdiei.

Essen, 21. Januar. Am heutigen Tage fehlten in den 28 Bergrevieren des OberbergamtSbezirks Dortmund von 239 340 Mann Belegschaften, die dem Ausstand unter­stehen, 193 438 Mann, gegen gestern 195 604 Mann. Die Zahl der Ausständigen hat seit gestern um 2166 ab genommen.

Die gestern in Herne veranstalteten Massenversamm- lungen der Bergarbeiter verliefen sehr ruhig. Nach einem Beschluß dieser Versammlungen sollen nunmehr die Berg, arbeitetverfammlungen beschränkt werden und nur bei wich­tigen Anlässen zur Einberufung gelangen. Im Laufe des gestrigen Vormittags trafen in Essen aus verschiedenen Städten des Westens und westlichen Korpsbezirken weitere Verstärkungen an Gendarmen und Schutzleuten ein.

Die Nachrichten eines Teiles der Presse über Aus­schreitungen beim vorgestrigen Schichtwechsel auf der Zeche Zentrum bei Wattenscheid waren, derKöln. Ztg." zufolge, stark übertrieben. Es waren meist müßige Neu­gierige, Frauen, junge Burschen, Kinder, die in harmloser Weise die Arbeitswilligen anulkten und, wie bei Kirmes- krawollen, den Anordnungen der Polizei erst nach wieder­holten Aufforderungen folgten. Vielfach waren auch Be­

haben würde, sondern durch listiges Ueberre'en, das die Absicht nicht merken ließ.

Ich will froh sein, wenn Stefan nach Hause kommt," sagte ihre Stiefmutter eines Tages zu ihr.Ich kann mich gar nicht einverstanden dainit erklären, daß die Herren Hildas wegen hierherkommen. Stefan würde es gewiß nicht billigen."

Einen Teil dieser Rede empfand Charlotte wie einen Stich; ihr Ton klang aber mild, als sie erwiderte:Es ist kaum zu verwundern, daß sie tommen, wenn man sieht, wie Hilda sich bemüht, ihnen zu gefallen und sie heranzuziehen. Ich finde Ihr Benehmen durchaus unweiblich und unschicklich. Hilda ist eine Kokette.

Diese Bemerkung fiel auf fruchtbaren Boden. Nach einigem Erwägem beschloß Frau Horst, Hilda bis zu des Kapitäns Heimkehr zu ihrer Frau Horst Schwester zu schicken, der sie §ilba6 Besuch längst versprochen hatte Charlottens Hoffnung belebte sich wieder bei dieser Aussicht. War das Feld erst frei und brauchte sie die reizende Neben­buhlerin nicht mehr zu fürchten, dann wolle sie keinen Stein aus den anderen lassen, um sich des Künstlers Herz zu gewinnen.

Und Dorothea Schuch sobald sie nach allem, WaS sie sah und hörte, sich die für sie so traurige Wahrheit nicht mehr verhehlen konnte versuchte sie, des Geliebte» Bild aus ihrem Herzen zu reiße»,und das Verlange», wclchcsJhre Seele erfüllte, fo oft ihre Augen auf ihn ruhten, zu ersticken. Vor der Welt wußte sie ihren Kummer zu verbergen; vor allem vor ihm, der die Ursache dafür war, und wenn sie zusammen waren, bemühte sie sich, ebenso liebenswürdig zu sein, wie in früheren Tagen. Das arme Mädchen litt unendlich und nur selten fand sie in Tränen Erleichterung. Es war eben die alte Geschichte der unglücklichen Liebe. Dorothea aber war sie neu und täglich wurde sie ernster und stiller.

* *

Robert Selten war aus dem Wege nach Braimsdorf, als er in der Richtung von Mönchsbucht her eine weibliche Gestalt tommen sah, in der er bald Charlotte Horst erkannte.

Sie hatte ihn bemerkt das war augenscheinlich. Sie

schimpfungen von Arbeitswilligen hier wie allerorten im Streikrevier aus,Ursachen persönlicher Natur zurückzuführen.

Um jede Störung auf ihren Zechen zu vermeiden, machte die Gewerkschaft Torstfeld bei Dortmund bekannt, daß sie den Streikenden den Lohn durch die Post zusende. Die Aktiengesellschaft Königsborn teilt durch Anschlag mit, daß sie sechs Schichten wegen Kontraktbruch» nicht einhalten werde. Weiter heißt es: Da gegenwärtig Ver­handlungen vor dem Oberbergamt wegen Beseitigung et­waiger Mißstände schweben, ersuchen wir unsere Belegschaft, die Verhandlungen abzuwarten und anzufahren, ebenso wie auch wir die Verhandlungen abwarten, um dann unsere Maßregeln zu treffen.

Der russisch-japanische Krieg.

Morning Post" meldet aus Schanghai von Sonnabend: General Stoffel erklärte, als Port Arthur kapitulierte, sei es höchstens noch 5 Tage verteidigungsfähig gewesen. Die Russen hätten keine Geschütze gehabt, um die Angriffe abzu- weisen. Es seien den Ruffen nur fünf Granaten für jede« große Geschütz geblieben. Die von den Japanern gefundene Munition sei meist für kleine Kaliber paffend gewesen. Bei der Zurückweisung einzelner japanischer Angriffe seien oft mehr als eine Million Patronen verschossen worden. Die Pferde hätten kaum genügt zum Transporte der Ge­schütze. Ein anderer Offizier erzählte, alle russischen Fahnen seien am 1. Januar an Bord der russischen Zerstörer in Tschifu eingetroffen.

Ist Arbtiierumhen in Peterskrz.

Der Stadthauptmann hat eine amtliche Bekanntmachung erlassen, in welcher es heißt, infolge der Einstellung der Arbeit in vielen Fabriken und Werkstätten halte er es für seine Pflicht, darauf hinzuwsisen, daß weder Zusammen­rottungen noch Ingestionen auf den Straßen zugelassen würden, und daß zur Verhinderung von Massenunordnungen zu den gesetzlich vorgeschriebenen, energischen Maßregeln gegriffen werden würde. Zugleich werden die Arbeiter und das unbeteiligte Publikum aufgefordert, sich von jeglicher Teilnahme an Massenversammlungen auf den Straßen fernzuhalten.

Petersburg, 21. Januar. Der Streik in den Druckereien, der gestern in einigen Etablissements begonnen hatte, hat sich im Lause derNacht auf sämtlicheBelriebe ausge­dehnt Heute morgen ist mit Ausnahme des Regierung». Anzeigers keine einzige Zeitung erschienen. In einigen Druckereien drangen ganze Scharen von Arbeitern ein, zerschnitten die Treibriemen der Maschinen, zertrümmerten Türen und Fenster und erzwängen so die Einstellung der Arbeiten. Die meisten Handwerker mußten ihre Werkstätten eiligst schließen, da die die Stadt durchziehenden streikenden

beschleunigte deshalb ihre Schritte und ein finsteres Lächeln kräuselte seine Lippen, als er ihr langsam entgegenging.

So spät unterwegs und allein?" sprach Robert Selten, höflich grüßend.Darf ich Sie begleiten?"

Ich gehe nur nach der Post", entgegnete die Angeredete mit schlecht verborgener Freude,und mußte allein gehen, da Hilda den ganzen Nachmittag mit Ihrem Freunde, dem Baron, am Strande war und zeichnete und sich für zu müde erklärte, um mich nach Braunsdorf zu begleiten."

Sie schritt an seiner Seite hin und sah nicht auf, während sie sprach; das krampfhafte Ballen seiner Faust aber entging ihr nicht und bereitete ihr eine boshafte Freude.

Sie schien nicht eilig zu haben, nach der Post zu kommen. Es war so angenehm, mit dem Gast vom Schlosse zusammen durch das Dorf zu gehen. Manch fragender Blick folgte ihnen, was an ihr nicht unbemerkt vorüberging. Inzwischen las der Begleiter Charlottens beiläufig die Adresse des Briefes, welchen sie in der Hand trug ; es war ihm zur zweiten Statur geworden, sich nichts entgehen zu lassen, wie unbedeutend der Fall auch sein mochte.

Fräulein Hofer, Vorwerk Lindenheim," stand in zierlicher Hand auf dem Couvert geschrieben. Aus reiner Gewohn­heit behielt er das im Gedächtnis.

Fräulein Horst, ich möchte von dein Vorrecht eines Freundes Gebrauch niach.cn und Ihnen etwas im Verstauen sagen. Zuvor aber müssen Sie mir versprechen, nicht beleidigt zu sein." _

Beleidigt! Sie können mich unmöglich beleidigen", ents- gegnete sie unendlich zärtlich.

Sehen Sie, Fräulein Horst", schloß er,der Baron ist ja im ganzen ein guter Mensch, aber natürlich langweilt er sich zu Hause, und ein hübsches Gesicht zieht ihn an. Er hat Kunstsinn; Schönheit macht Eindruck aus seine Sinne, leider aber nicht auf sein Herz."

Er schwieg ein paar Augenblicke und warf einen langen Seitenblick nach ihr hin, als ob er die Wirkung seiner Worte beobachten wollte; dann fuhr er fort:Ich würde mich in eine so zarte Angelegenheit nicht geinischt haben, wäre Fräulein Hilda etwas älter, aber sie ist ja in der Tat noch ein Kind,