Essen, 19. Januar. In den 18 Bergrevieren des OberbergamtS Dortmund beträgt die Gesamtzahl der Ausständigen bei der heutigen Morgenschicht 195 876, gegen 175 523 bei der gestrigen Morgenschicht.
Hamburg, 19. Januar. Die am Kohlenhandel be- teiligten Firmen in Hamburg, Altona und Wandsbeck haben beschlossen, wegen der Feiertage in England, wegen der Stürme und des Froste« sowie wegen des Streiks im Ruhrgebiet die Kohlenpreise zu erhöhen.
Brüssel, 19. Januar. Der „Gazette" wird aus Mons gemeldet, daß in den letzten Tagen zahlreiche Kohlen, züge mit Kohlen und Koks nach Deutschland abgingen. Auch bei einer nur kurzen Dauer des Streikes im Ruhr- kohlenrevier würden die in Borinage vorhandenen ange- häusten Vorräte bald erschöpft sein.
Der russisch-japanische Krieg.
Es sind nunmehr die Vorkehrungen beendet zur Unterbringung von 35 000 russischen Gefangenen aus Port Arthur und anderweitigen Orten. 5000 werden in Tengothaia und 20 000 in Hamatera bei Osaka untergebracht, die übrigen werden auf verschiedene Städte in Abteilungen von 3500 bis 4000 Mann verteilt. — Der russische Leutnant MirSki, der in Matsuyama in Ge- sangenjchast sitzt, wird wahrscheinlich auf Lebenszeit gefangen gesetzt werden, weil er verschiedene Versuche gemacht hat, zu entkommen.
Aus Berichten über die letzten Treffen in der Mand. schurei scheint hervorzugehen, daß viele reguläre chinesische Truppen die Russen unterstützen. Die Verluste der Russen bei Sanchiaho, westlich von Riulschwang am 14. Januar betrugen 300 Mann. Misch- tschenkos Abteilung war 5—6000 Mann stark mit zehn Geschützen. Nachdem sie bei Niutschwang zurückgeschlagen war, zog sie sich nach Norden zurück. Japanische Kavallerie hat eine Anzahl erschöpfter Ruffen am 14. Januar bei Laohoshe gefangen genommen.
Nach dem Sonderberichterstatter der „Morning Post" in Schanghai hätten die Japaner bereits 5 der im Hafen von Port Arthur gesenkten Schiffe wieder gehoben. Man glaube, auch die meisten anderen, mit Ausnahme der „Sebastopol" und eines Kanonenbootes heben zu können. Die .Pobjsda" fei sehr wenig beschädigt. 540 der eroberten russischen Geschütze seien noch in guter Verfassung. Neben sonstiger Kriegsbeute wären in Port Arthur acht Lokomotiven und 300 Personenwagen den Japanern in die Hände gefallen.
Wie ein Telegramm des „Daily Telegraph" aus Schanghai besagt, ist eine rege Tätigkeit unter den südlich von Mulden stehenden Ruffen wahrnehmbar. Die dortige Truppenmacht wird aus 240 000 Mann geschätzt. Es verlautet auch, daß bei Nitolsk eine russische Streitkrast die Zugänge nach Wladiwostok, wo 30 000 Ruffen stehen, bewacht.
Aus > und Ausland.
Berlin 19. Januar.
S e. Majestät der Kaiser unternahm gestern nachmittag mit Ihrer Majestät der Kaiserin einen Spaziergang und stattete später der Fürstin Radziwill einen Besuch ab. — Heute morgen machten Beide Majestäten einen Spaziergang im Tiergarten. Später sprach Se. Majestät der Kaiser beim Reichskanzler vor und härte im Königlichen Schlöffe die Vorträge des Kriegsminister«, der Chefs des Generalstabes und der Chef« des Militärkabinett«. Um 123A Uhr empfing Seine Majestät den Direktor im Reichsamt des Innern Geheimen Ober- regierungsrat v. JonquiöceS. — Ihre Majestät d i e Kaiserin erteilte heute mittag im Pfeilersaale des Königlichen Schlosses dem neuernannten Gesandten der Republik Kuba, Raseal Bontoro y ValdeS, sowie dem Konsistorial. Präsidenten Steinhaufen die nachgesuchten Audienzen.
An der am Sonnabend stattfindenden Beisetzung der Großherzogin Karoline von Sachsen-Weimar wird voraussichtlich auch der Kaiser teilnehmen, der am Sonnabend früh mit größerem Gefolge in Weimar eintreffen und unmittelbar nach der Beisetzung nach Berlin zurückkehren wird; ferner werden zu der Feier erwartet: der König von Sachsen, die Großherzoge von Baden und Oldenburg, dle Königin-Mutter von Holland, der Herzog von Sachsen Koburg und Golha, der Erbprinz zu Reuß j L. und der Fürst von Schaumburg Lippe.
Am Mittwoch beriet der R e i ch « t a g in zweiter Lesung den Etat für das Reichseisenbahnamt. Der Abg. Erzberger (Z ) führte Beschwerde über die Umleitungen der preußischen und Reichreisenbahnen, die eine empfindliche Schädigung der süddeutschen Bahnen verursachen, während Abg. Dr. Hieber (natlib ) warm die Betriebsmittel-Gemeinschaft empfahl, wobei ihm der Präsident des ReichSeiienbahnamtS, Dr. Schulz, lebhaft zustimmte. Auch wurden Wünsche über bessere Ausstattung der IV. Wogenklasse laut. Zum Schluß erledigte das Haus den Etat des R^ichsrechnungshoses ohne Debatte, für dessen Dienstgebäude in Potsdam 500 000 Mark ebenfalls ohne Debatte genehmigt wurden.
Dem Reichstag ist die Denkschrift über die Entwickelung des Kiautschou-Gebietes zugegangen. Sie gibt kurz über alle Einrichtungen und Vorgänge in diesem Schutz gebiet Auskunft. Ueber die Beziehungen zu den chinesischen Beamten heißt es: „Der Verkehr mit den chinesischen Behörden hielt sich in freundschaftlichen Formen. Für das neu begründete chinesische Krankenhaus in Tsinanfu wurde ein deutscher Marinearzt zur Verfügung gestellt. Chinesische Polizisten wurden dem Polizeiamte in Tsingtau zur Aus. bildung überwiesen, deutsche Forstbeamte zur fachmännischen Beurteilung chinesischer Projekte eingeladen. Die gesundheitlichen Verhältnisse haben eine weitere Besserung erfahren. Die Einnahmen erreichten die Summe von rund 433,767 Mk. Bis Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz heute vormittag um 11 Uhr mit feinem Dogcart, da« er selbst lenkte, die Charlottenstraße am Baffinplatz passierte, stürzte das Pferd und fiel. Der Kronprinz und der Kutscher fielen infolge des Rucke« aus dem Wagen nach vorn heraus, ohne irgendwelchen Schaden zu nehmen. Der Kronprinz erhob sich sofort, das Geschirr wurde wieder instand gebracht und heiter bestieg Se. Kaiserliche Hoheit wieder den Wagen und setzte die Fahrt fort.
Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich erschienen gestern beim Festksmmers des Vereins deutscher Studenten.
Ein Salutschießen mit Kartätschen hat in St. Petersburg bei dem gestrigen Fest der Wafferweihe, welchem der Kaiser und die Kaiserin beiwohnten, stattge-
funden. Ueber den Vorgang, liegt heute folgende russisch« osfiziöse Erklärrung vor: Petersburg, 19. Januar. Amtlich wird bekannt gegeben: Während der Newa- Wasserweihe in Anwesenheit bes Kaisers ereignete sich, als der übliche Salut begann, ein Unfall. Ein Geschütz der bei der Börse befindlichen Batterien schoß anstatt einer Pulverladung eine Kartätschenladung ab. Die Kugeln erreichten den Fußboden beim Jordau-Kai. An bet Fassade des Winterpalai» wurden die Scheiben von vier Fenstern zerbrochen. Ein der Petersburger Stadtpolizei angehöriger Polizist wurde verwundet. Nach den bisherigen Er- Mittelungen sind keine weiteren Unfälle vorgekommen; die Untersuchung dauert fort. — Die „Petersburger Tel.- Agentur" meldet über die Ursache des heutigen Unfalles: Bei der vorgestern abgehaltenen Uebung der reitenden Gardebatterie blieb eine Kartätsche im Geschützrohr. Beim heutigen Salutschießen wurde die Kartusche versehentlich in das Rohr gesteckt, worauf der Kartätschschuß losging.
Die Beziehungen zwischen Amerika und Venezuela waren in den ersten Tagen dieses Monats sehr gespannt. Präsident Castro beabsichtigte sogar, dem amerikanischen Vertreter seine Pässe zu schicken. Schließlich sah sich aber Präsident Castro zu Anerbietungen bewogen. Der amerikanische Vertreter antwortete mit dem Vorschläge, die Streitfrage einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Er schlug ferner vor, Venezuela solle alljährlich 5 Millionen Bolivarcs statt 3 Millionen zahlen und nach Abtragung der Forderungen Englands, Deutschlands und der anderen Mächte mit der Zahlung dieser Summe an die englischen und deutschen Bondholder« fortfahren. Der Präsident nahm diesen Vorschlag an bis auf das Schiedsgericht, dem er nur für die amerikanischen Forderungen zustimmen wollte. Erst, als sehr energisch gedroht wurde, gab er auch in diesem Punkte nach. Man glaubt, daß das vorgeschlagene Abkommen Verwicklungen verhindern werde.
Scr Aiifstliiiil in IeM-SiiiMst-Afrika.
Berlin, 18. Januar. (Fernsprechmeldung) Trotha meldet, daß Wilhelm Maharero seine Unter- wersung angezeigt. Kapitän Zacharias Zeraua, der sich bereits unterworfen hat, sagt au«, verschiedene Führer der Aufständischen seien gestorben und teilweise verdurstet, da« Volk und die Kriegsleute seien zersprengt worden. Größtenteils versuchen sie aus dem Sandfelde ins Herero- land zurückzukehren. Nur Wilhelm Maharera habe noch den Rest gutbewaffneter Okahandyaleute zusammengehalten.
Aus Provinz u. Nachbargebiet.
* (Personal-Chronik.) Ernannt: die Rese- rendare Weidmann und Feußner zu Gerichtsassessoren, der Regierung« Kanzleidiätar Schauer in Gaffel zum Regierung«- anzlisten. Uebertragen: dem Förster Brendel zu Kirchlot- ,eim in der Oberförsterei Altenlotheim vom 1. März b. I«. ab die Försterstelle Herrenbreitungen, Oberförsterei Schmal- kalden. Versetzt: der Amtsrichter Dr. Siebert in Hofgeismar an das Amtsgericht in Hanau, der Gerichtsassessor Dr. Haymann in den Bezirk des Oberlandesgerichts in Frankfurt q. M., die Landmesser Dunker, seither in Melsungen und Kaminskie, seither in Gaffel in den GeschästSbezirk der Generalkommission zu Düsseldorf, der Landmesser Schnaase von Eschwege nach Wiesbaden, der Zeichner Bock aus dem geodätisch-technischen Büreau der Generalkommission zu Cassel an die Spezialkommission II daselbst; von der Versetzung des Landmessers Herberger in Rinteln in den Geschäftsbank der Generalkommrssion zu Düsseldorf ist Abstand genommen, der Gerichtsvollzieher Wolf in Salmünster an das Amtsgericht in Göln. Verliehen: dem Landrat, Geheimen Regierungsrat Riesch zu Frankenberg der Kronenorden dritter Klasse, dem Kreisbauinspektor Hippenstiel zu Marburg der Rote Adlerorden vierter Klasse.
* Seeger, Hauptmann und Komp -Chef im Bad. Fußart. Regt. Nr. 14, kommandiert zur Vertretung eines Lehrers an der Kriegsschule in H e r s f e l d , als Lehrer zu dieser Kriegsschule versetzt.
’ (Dir W e st s o n d S.) Nach dem Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung sollen zur Förderung der Land- und Forstwirtschaft in den westlichen Provinzen dem vorhandenen Bedürfnisse entsprechend zunächst wiederum die im vergangenen Jahre überwiesenen Beträge und außerdem infolge HervortretenS neuer und größerer Bedürfnisse 100 000 Mark mehr (zusammen 745 000 Mark) zugewendet werden. Von diesem Mehrbetrag erhalten die Provinz Hessen Nassau 20 000 Mk., die Provinz Hannover 20 000 Mk., die Provinz Westfalen 30 000 Mark, die Hohenzollern'schen Lande 30 000 Mark.
* Nächste Postverbindungen nach Swakopmund und Lüveritzbucht: für Briessendungen: mit englischem Dampfer über Kapstadt, ab Soulhamplon am 21. d., in Swakopmund etwa am 9. Februar. Letzte Beförderungen am 20. d. ab Köln 6.01 Uhr abends, ab Oberhausen 7.54 Uhr abend«, ab Berlin Schlefischer Bahnhof 11.23 Uhr oormitttags; — für Brief- und Paketsendungen: mit Reichspostdampser K-onp inz, ab Hamburg am 21. d. Nach mittags, in Swakopmund etwa am 14. Februar. Schluß in Hamburg am 21. d. für Briefe um 11 Uhr vormittags, für Pakete um 9 Uhr vormittag« ; letzte Beförderungen ab Berlin Lehrter Bahnhof für Briefe und Pakete am 20. b. 11.18 Uhr abend«; — für Briefsendungen: Nachversand über Antwerpen für Reichspostdampser Kronprinz (vergl. oben); letzte Beförderungen am 24. b. ab Berlin PolS- damer Bahnhof 12.55 Uhr mittags, ab Köln 10.44 Uhr abends — Die nächste Post aus Swakopmund — Abgang 30. Dezember — ist am 29. d. zu erwarten.
* (Die Post an Kaisers Geburtstag.) Am 27. Januar (Kaisers Geburtstag) werden die Postschalter für den Verkehr mit dem Publikum nur in der Zeit von 8 bis 9 Uhr vormittags und von 12 bis 1 Uhr nachmittags geöffnet sein. Die Briesbestellung findet wie an Sonntagen statt.
)!( Hersfeld, 19. Januar. Die Generalversammlung des Vaterländischen Frauen- Verein« wurde gestern in der Wohnung der Vorsitzenden Frau G. Engelhardt abgehalten. Aus dem Verwal- tungsbericht für 1904, der zunächst auf der Tagesordnung stand, war zu ersehen, daß der Verein seine Arbeiten in gewohnter Weise fortgeführt hat. Es wurden u. a. verausgabt für die Näh- und Flickschule 70,10 Mk., zu Feuerung-material und Geldunterstützungen für Arme, sowie zur Pflege armer Wöchnerinnen 109,72 Mk., für die Weihnacht«- bescheerung armer Kinder 271,49 Mk. und für die Kurkosten der nach Sooden geschickten Kinder 219,60 Mk. Diese Ausgaben wurden hauptsächlich durch Beiträge und Geschenke der Mitglieder gedeckt, der Verein erfuhr jedoch auch
eine wesentliche und erfreuliche Unterstützung durch Ueber- Weisung bes Reinertrags eines im vorigen Winter von der Königlichen Kriegsschule veranstalteten Konzerts, der sich auf 130 Mark belief. Die Koch- und Haushallungüschule konnte die erheblichen Kosten ihres gesonderten Betriebe« dank der Zuschüsse seitens der Behörden und der Opferwilligkeit der Bewohner in der Hauptsache aus eigenen Mitteln decken und bedurfte nur eines geringen Zuschusses aus der Vereinskasse. — Bei der statutenmäßig erfolgenden Vorstandsmahl wurden die bisherigen Mitglieder des Vorstandes durch Akklamation wiedergewählt, an Stelle der ausgeschiedenen Frau Professor Hafner wurde Frau Direktor Dr. Israel, und an Stelle des Herrn Professor Hafner Herr Professor Dr. Klipperl neu gewählt. — Nach Erledigung verschiedener Anträge und Bewilligung der Mittel für die Badekur bedürftiger Kinder und für Armrnzwecke wurde die anregend verlaufene General-Versammlung ge« schlössen.
Hersfeld, 20. Januar. (Das neue Fünfzig- psennig stück.) Die neue Münze, die nächste Woche in Umlauf gesetzt werden soll, trägt, wie aus Berlin geschrieben wird, aus der einen Seite die Bezeichnung Va Mark; sie wird sich durch einen scharf gezackten Rand merklich von den alten Stücken unterscheiden, wodurch auch eine Verwechselung mit den Zehnpsennigstücken sehr erschwert, wenn nicht ausgeschlossen ist. Die Metallmischung ist ebenfalls eine andere.
):( Hersfeld, 20. Januar. Dre erste Aufführung desWerningschenFestspiels „Barbarossas Erwachen, DeutschlandsErhebung und Einigung" findet nunmehr morgen nachmittag 4 Uhr in der neuen Turnhalle latt. Diese Vorstellung ist besonder« für die hiesigen Schulkinder bestimmt, jedoch haben selbstverständlich auch Erwachsene Zutritt. Uebermorgen, Sonntag, finden zwei Vorstellungen statt, von denen die Nachmittagsvorstellung speziell für KriegervereinSmilglieder vorgesehen ist. — @6 sollte niemand versäumen, sich dieses großartige, echt patriotische Festspiel anzusehen.
):( Hersfeld, 19. Januar. (Schöffengericht.) Der seiner Zeit wegen Unterschlagung hier verhaftete Dienstknecht wurde zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. — Ein hier festgenommener fremder Arbeiter erhielt wegen Widerstand und Beleidigung 4 Wochen Gefängnis und wegen BettelnS 3 Wochen Haft.
):( Hersfeld, 20. Januar. Herr Bankier Hahn hier erwarb den in der Kaiserstrabe belegenen Bauplatz beS Herrn Iunne zum Preise von 32,50 Mk. pro Quadratmeter.
Gaffel, 18. Januar. Ein junger Ungar, Emrich von Fibinger, stud. tech., stellte sich gestern nachmittag auf unserer Redaktion vor. Er beabsichtigt, in drei Jahren eine Reise zu Fuß um die Erde zu machen. Mit einem ungarischen Magnaten ging er dieserhalb eine Wette ein, wonach ihm dieser 60 000 Kronen zu zahlen hat, wenn F. seine Reise vollendet. Der junge Globetrotter hat am 16. Dezember 1904 einen kleinen Ort in der Nähe von Pest ohne Geld verlassen und erreichte in 7 Tagen Wien. In weiteren 9 Tagen ist er nach Berlin gekommen. Ueber Götlingen traf er gestern abend hier ein. Die Reise wird heute über Marburg, Gießen, Frankfurt nach Frankreich fortgesetzt. Den Lebensunterhalt verdient sich der unternehmende junge Mann mit dem Verkauf von Ansichtskarten. (C. Allg. Ztg.)
Kassel, 19. Januar. In einem Bierlokal der Altstadt saß gestern Mittag ein hiesiger braver Handwerksmeister, der, wie das schon öfters vorgekommen, seinen Frühschoppen stark über die Gebühr ausgedehnt hatte; es war bereits 2 Uhr Nachmittags! Plötzlich öffnete sich die Türe und herein trat die Gattin des Meisters. Mit unverkennbarem Hohn musterte sie den noch hinter dem Tische sitzenden und nachdenklich in das halb gefüllte Glas Starrenden, dann aber holte sie aus dem mitgebrachten Korbe eine Anzahl Schüsseln und ein Besteck heraus, breitete alles säuberlich vor dem verdutzt dreinschauenden Meister aus und bemerkte dann etwas spitz: „Ich konnte mir denken, daß Du wieder einmal keine Zeit hattest, nach Hause zu kommen und habe Dir deshalb das Mittagessen hierher gebracht." Das Gesicht, rotlies der Mann bei diesen Worten der treuen Gattin gemacht, soll so komisch gewesen fein, daß Wirt und Gäste das Lachen nicht zu unterdrücken vermochten. Brummend aber und den Kops schüttelnd folgte der Brave nun der vorausgegangenen Gattin. Ob es daheim auch vielleicht noch einen Nachtisch gegeben hat? . . . (G. T.)
Kassel, 18. Januar. (Getreide-, Futter-und D ü n g e r m a r k t.) Der Markt war heute gut besucht. Es herrschte Nachsrage in Weizen, Hafer, während Roggen wenig gefragt war. Käufer waren sehr zurückhaltend. Wir notieren: Weizen 17.00 bis 17.70 Mk., Roggen 14.40 bis 14.65 Mk. Hafer 14 65 bis 15.50 Mk. Alle« per 100 Kilo ab oder Parität hier bei Ladungen von 10 000 Kilo.
Bischofsheim v. d. Rbön, 17. Januar. Dieser Tage traf, wie schon einigemal in den Vorjahren, eine Abteilung des 2. Jägerbataillons in Aschaffenburg, bestehend aus 15 Mann unter Führung eines Offiziers, hier ein zur Vornahme von Uebungen im Schnseschuhlausen. Die Hänge um den Kreuzberg bieten zurzeit hierzu ein sehr günstige« Terrain, da der Schnee ziemlich gleichmäßig liegt und alle Vertiefungen auSgefüQt sind. Die Schneehöhe beträgt cirka 80 Zentimeter.
Aus der Rhön, 18. Januar. Bet Ausgrabungen auf dem Gerlachshügel bei Unterwaldbehrungen in der Rhön wurden die Umfassungsmauern einer uralten Kirche, der Gerlachskirche, freigelegt. Bei den Arbeiten stieß man auf der rechten Seite des Altarplatzes auf regelrechtes Pflaster, da« auf eine darunter befindliche Gruft für Priester ober Richter schließen läßt. Die Ausgrabungen werden fortgesetzt.
Frankfurt a. M., 18. Januar. Der wegen Betrug« und Unterschlagung verfolgte Oberkellner Aiye aus Frankfurt ist, wie festgestellt werden konnte, nach Holland geflüchtet, wo seiner Verhaftung Schwierigkeiten entgegenstehen. Aiye hatte bekanntlich einem Piccolo im Hotel Terminus in München von einem Lotteriegewinn 10,000 Mark abgeschwindelt und ist darauf verschwunden.
Frankfurt a. M-, 18. Januar. Eine besondere Anziehungskraft scheinen die Zweimarkstücke für die Herren Falschmünzer zu haben; nachdem hier vor kurzem der Graveur Hecker seiner tüchtigen Tätigkeit durch die Polizei entrissen wurde, ist abermals ein Frankfurter, ein Kausmann Julius Henninger und ein Mechaniker Joses Hecker von Ludwigshafen von der Mannheimer Polizei eingefangen worden. Man hat sie schon lange gesucht, bis sie endlich bei der Verausgabung in flagranti ertappt wurden. Besonders in Mainz haben sie ihr Handwerk mit Erfolg be. trieben. Bei der Haussuchung in Mainz fand man verschiedene