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herrsel-er Kreisblatt

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Nr. 9. Sonnabend, den 21 Januar 1905.

Amtlicher CeiL

Hersfeld, den 11. Januar 1905.

Es ist Klage darüber gesührt worden, daß seit Inkraft­treten der Polizei-Verordnung üom 9. August 1902 (A. Bl. S. 293 slgd.), betreffend die Leichenschau, hin und wieder den Geistlichen bei der Bestellung der Beerdigung nicht der Leichen­schauschein vorgelegt worden ist.

Nach § 14 des noch in Kraft befindlichen Ministerialaus- schreibens vom 15. Mai 1824 (Kurh. G. S. S. 72 flgd.) dürfen die Pfarrer und anderen Geistlichen keine Beerdigung ohne Leichenschein von der deshalb verpflichteten Person zu­lassen. Es muß ihnen deshalb bei der Bestellung der Beerd­igung der Leichenschauschein vorgelegt werden und zwar nach­dem dieser dem Standesbeamten vorgelegen hat (§ 8 der Polizeiverordnung) und von ihm gemäß der Regierungsver- fügung vom 19. April 1875 A. I. 4567 mit einem kurzen Vermerk über die erfolgte Eintragung in das Sterbe­register versehen worden ist, welcher die gemäß § 60 des Personenstandsgesetzes sonst erforderliche Bescheinigung ersetzt. Im allgemeinen ist dies dann auch erforderlich, wenn kein kirchliches Begräbnis gewünscht wird, weil im Bezirk die Toten- Höfe mit geringen Ausnahmen unter der Aufsicht und Ver­waltung der geistlichen Behörden stehen. Um den Beteiligten Weiterungen zu ersparen, ersuche ich die Herren Ortsvorstände, in geeigneter Weise auf die Notwendigkeit der Vorlegung des Leichenschauscheines bei der Bestellung der Beerdigung hinzu­weisen. Insbesondere sind die Aerzte und die Leichenschauer zu ersuchen, die Beteiligten im gegebenen Falle entsprechend zu belehren.

1. Nr. 243. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schlei n i tz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 16. Januar 1905.

Der Herr Minister für Handel und Gewerbe hat die Königliche Geologische LandeSanstalt und Bergakademie zu Berlin angewiesen, die gutachtliche Untersuchung von Wasser- versorgungen in allen Fällen, in welchen ein überwiegendes öffentliches Interesse vorliegt, durch ihre Beamten gegen alleinige Erstattung der Tagegelder und Reisekosten ohne Forderung eines besonderen Honorars, ausführen zu laffen.

Indem ich den Herren Ortsvorständen des Kreises hier­von Kenntnis gebe, bemerke ich noch, daß Anträge der Gemeinden auf solche Untersuchungen stets durch meine Vermittelung einzureichen sind.

I. 350. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 11. Januar 1905.

Für die von den Fleischbeschauern gemäß § 47 Abs. 2 der AusführungSbestimmungen A zum Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetz einzureichenden statistischen Zusammen- stellungen der Jahrerergebniffe der Beschau kommen die vom Bundesrat bestimmten Formulare A und B zur An­wendung. Das Formular ^. ist zum Gebrauche für tier­ärztliche Beschauer und für Beschauämter, das Formu­lar B dagegen für Beschauer bestimmt, welche nicht als Tierarzt approbirt find. Von dem letzterwähnten Formulare sind für jeden Beschauer vier Exemplare den Herren OrtS- vorständen des Kreises zur alsbaldigen Behändigung heute zugesandt worden.

Die Beschauer haben auf Grund des geführten Tage- buchS die worgeschriebenen Tabellen unter genauer Beachtung der auf der 2 Seite des Formulars jaufgedruckten An» Weisung gewissenhaft auszusüllen und sodann die Reinschrift bis zum 15. Februar jeden Jahres, zum erstenmal zum 15. Februar 1905, an den Königlichen Kreistierarzt dahier einzureichen.

Weitere Formulare können im Bedarfsfalls von hier bezogen werden.

1. 9431. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Hersfeld, den 18. Januar 1905.

Die für das Jahr 1905 beantragten Wandergewerbe- scheine sind erteilt und können bei den Ortssteuerhebestellen in Empfang genommen werden.

199. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Bekanntmachung.

Die Interessenten der Ludolphschen Familienstiftung werden auf die diesseits in dem Amtsblatt- der Königlichen Regierung in Cassel heute erlassene Bekanntmachung, be­treffend Anmeldung der Ansprüche an den Zinsengenuß der Stiftung, hierdurch aufmerksam gemacht.

Rotenburg, den 10, Januar 1905.

Der Königliche Landrat.' T ü r ck e.

Königliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr

an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

Deutsches Reich. Der Kaiser hielt am Mitt­woch, als dem Gedenktage der Errichtung des neuen deutschen Reiches und der Krönung des ersten preußischen Königs, im Kapitelsaale des Berliner Residenzschlosses ein Kapitel des Schwarzen Adlerordens in den herkömm­lichen feierlichen Formen ab. Vorangegangen im Ritter- saale war die Investitur der sechs jüngsten Ordensritter, des ErbgroßherzogS von Mecklenburg-Strelitz, des Herzogs Ulrich von Württemberg und des Herzogs von Anhalt, der Generäle v. Langenbeck, v. Maffow und v.Plessen. Abends fand anläßlich des Schwarzen Adlerordenfestes Tafel im Eli­sabethsaale statt. König Friedrich August von Sachsen Rattete am Montag und Dienstag seinen An­trittsbesuch am Berliner Hof ab; der Besuch verlief in angenehmster Weise und hat ersichtlich zur weiteren Stärkung der Freundschaftsbeziehungen zwischen den Höfen von Berlin und Dresden und der beiderseitigen Herrscherhäuser beige­tragen. Schmerzliche Teilnahme hat in weiten Bevöl- kerungskreisen Deutschlands das Hinscheiden der jugendlichen Großherzog-in von Sochsen. Weimar hervor­gerufen. Zur Beisetzung werden zahlreiche Fürstlichkeiten, unter ihnen Kaiser Wilhelm selbst, in Weimar erwartet. Das allgemeine Interesse in Deutschland ist zunächst dem Ausstand der Bergleute im Ruhrkohlengebiet zugewandt, welcher in der abgelaufenen Woche mit der formellen Verkündigung des Generalstreiks einen verschärften Charakter angenommen hat. Die Hoffnung auf eine baldige Verständigung zwischen den Bergwerksbesitzern und den Streikenden scheinen sich nicht erfüllen zu wollen, ist er ja bislang noch nicht einmal zu einer erstmaligen Besprechung zwischen den Vertretern beider Parteien gekommen. Auf parlamentarischem Gebiete ist nichts sonderlich belangreiches zu verzeichnen. Der Reichstag steckt mitten in der Spezialberatung des Reichshaushaltretats; in der Mitt- wochsttzung wurde der Etat der Reichseisenbahnverwaltung er­ledigt, selbstverständlich spielte in der Debatte das aktuelle Thema von der Errichtung einer Betriebsgemeinschaft der deutschen Staatsbahnen eins hervorragende Rolle. Zuletzt erledigte das Haus noch den Etat des Rechnungs- Hofes. Die Budgetkommission des Reichstages setzte am Mittwoch die Beratung des neuen NachtragsetatS für Deutsch-Südwestafrika fort. Hierbei stieß die RegierungS- socdeiung von 200 000 Mark zu Vorarbeiten für den Bau einer Eisenbahn von Windhuk nachRehobot auf scharfen Wider» spruch seitens verschiedener Kommissionsmitglieder, wobei sich wieder eine Diskussion über die Jndemnitälsfcage ent­wickelte. Am Donnerstag wurde diese Verhandlung weiter­geführt. Das preußische Abgeordnetenhaus be- endete am Dienstag die allgemeine Etatsdebatte und beriet am Mittwoch den Entwurf des Ausführungsgefetzes zum Reichsseuchengesetz, wobei die einzelnen Abschnitte zum größten Teile genehmigt wurden; am Donnerstag erledigte das Haus den Rest dieser Vorlage. Neue günstige Nach­richten sind aus Deutsch-Südwestafrika eingegangen. Sie besagen im wesentlichen, daß der Hererokapitän Wilhelm Maharero dem General von Trotha seine Unterwerfung angezeigt habe und daß verschiedene andere Führer der HereroS gestorben oder verdurstet seien. Das Volk und die Kriegsleute seien zersprengt; demnach kann jetzt wohl vom Ende des Hereroausstandes gesprochen werden.

O e st e r r e i ch - U n g a r n. Die in Berlin geführten weiteren HandelSvertragSverhandlungen zwischen Deutsch­land und Oesterreich-Ungarn sollen jetzt wenigstens hinsicht­lich der Viehkonvention zu einer Verständigung geführt haben. In Ungarn setzt die Wahlbewegung mit gewohnter magyarischer Leidenschaftlichkeit ein; in Nyarad-Szerada wurde ein Gutsbesitzer bei der Wahlversammlung er­schossen.

Frankreich. Die französische KabinetSkrists ist nun­mehr in aller Form perfekt geworden. Am Mittwoch hat Präsident Loubet das Demissionsgesuch bei Ministeriums CombeS definitiv angenommen, wobei er die scheidenden Minister ersuchte, die Geschäfte einstweilen weiterzuführen; noch im Laufe des Mittwoch hatte Lsubet mit den Präst- benten des Senats und der Deputiertenkammer Besprechungen wegen der KabinetSkrists; allgemein glaubt man in Pa­riser politischen Kreisen, daß der bisherige Finan, minister Rouvier den offiziellen Auftrag zur Bildung des neuen KabinetS empfangen wird.

Italien. König Victor Emanuel von Italien em­pfing am Mittwoch mittag die in Rom eingetroffene

sächsische Sondergesellschaft und nahm von ihr ein Hand­schreiben des Königs Friedrich August über dessen erfolgte Thronbesteigung entgegen. Abends gab der König ein Diner zu Ehren der Gesandtschaft.

Rußland. Der russisch« Minister des Innern, Fürst Swiatopolk-Mirsky, hat den Chef derjenigen Gouvernements, in denen Konferenzen über die Revision der bäuerlichen Gesetzgebung Rattfanben, ein Rundschreiben zugehen lassen, welches sich auf die Ausführung des Reformerlasses des Zaren bezieht. In den russischen Staatskassen herrscht bedenkliche Ebbe; ein charakteristisches Anzeichen hierfür ist es, daß der Minister des Innern den Befehl erlassen hat, die in den Landgemeinden bestehenden Spar­kassen hätten ihr Geld in Staatsrente anzulegen. Der Albeiterausstand in Petersburg greift weiter um sich; auch die zahlreichen Arbeiter der Puitlowschen Staatsfabrik haben sich jetzt dem Streik angeschlossen. In Nischni-Nowgorod waren 1500 Lehrer und Lehrerinnen zu einer musikalischen Abendunterhaltung versammelt, als plötzlich 150 Polizisten ohne jede Veranlassung in den Saal eindrangen und mit blanker Waffe auf die Anwesenden einhieben, was eine furchtbare Panik verursachte; man spricht von vielen Toten bei diesem Vorfall. Wie der Petersburger Telegrophen- Agentur von gutunterrichteter Seite mitgeteilt wird, ist die auswärts verbreitete Nachricht unbegründet, daß der Minister des Innern, Fürst Swiatopolk-Mirsky, fein Abschiedsgesuch eingereicht habe.

Ostasien. Rußland klagt China der Neutralität»« Verletzung im russisch-japanischen Kriege zu Gunsten Japans an und ergeht sich in Drohungen gegen dasReich der Mitte", falls es seinen NeutralitätSpflichten nicht strenger Nachkomme. Es heißt, China werde in einer Note an die Mächte darlegen, daß keine Neutralitätsverletzung Rattgefunben habe. Auf dem mandschurischen Kriegs­schauplätze ist im allgemeinen noch immer alle» ruhig. Die Nachrichten von einer bevorstehenden großen Entscheidungs­schlacht bei Mulden sind offenbar verfrüht.

Jer tefhuili im AhckhlcWdifl.

Der Ministerpräsident Graf v. Bülow hat im preußischen Abgeordnetenhaus« der Staatsregierung bei großen Arbeits­einstellungen eine doppelte Aufgabe zugewiesen: Schutz der Ruhe und Ordnung und eine unparteiische Vermittlungs- Tätigkeit der Staatsorgane. Es sind bisher ungefähr 200 000 Bergarbeiter ausständig. Größere Ruhestörungen, Massen Ausschreitungen sind bisher nicht vorgekommen. Ob es den Staalskommissaren noch gelingt, eine Einigung zwischen den Grubenbesitzern und Bergarbeitern zu erzielen, steht dahin.

Wie ist der Streik entstanden? Eins Aufhetzung der Arbeiter von außen liegt augenscheinlich nicht vor. Die Führer der drei Organisationen, der sog. freien (sozial­demokratischen) Gewerkschaften, bei christlichen (vorwiegend dem Zentrum anhängenden Arbeitervereins und bei Hirsch» Dunkerschen Gewerkverein», haben sich bemüht, die Arbeiter vom Streik zurückzuhalten. Maßgebend dafür war wesent­lich der Umstand, daß es an den nötigen Vorbereitungen fehlte, um einen größer« Streik durchzuhalten. Die Führer glaubten nicht an den Erfolg und scheinen sogar die Be­sorgnis gehabt zu haben, daß dem Kohlensyndikat ein erfolg­loser Streik nicht unerwünscht wäre. Die Beschwerden der Arbeiter beziehen sich weniger auf die Höhe der Löhne als auf die Dauer der Schichten, die Arbeitsordnung, das sog. Wagen­nullen, das schon 1899 eine Rolle spielte und die Behandlung durch die Werkbeamten. Offenbar hat sich unter den Arbeitern allmählich eine starke Unzufriedenheit angesammelt. Zentrums- und andere bürgerliche Blätter vertreten auch die Ansicht, daß die Macht des koalierten Kapitals, wie sie sich gegen den von der Regierung unternommenen Versuch der Verstaatlichung der Hibernia gezeigt, zur Vermehrung der Unruhe unter den Arbeitern beigetagen habe. Jedenfalls wird das Kohlensyndikat gut tun, diese weitgehende Ab­neigung gegen eine übertriebene Machtentfaltung zu beachten.

Außerordentlich bezeichnend ist es, daß wieder die sozial­demokratische Presse und Partei aller tut, um die Arbeiter aufzuhetzen, obgleich die lokalen Führer, wie gesagt, von der Aussichtslosigkeit des Streiks überzeugt waren. Er ist bet alte Marxsche Standpunkt, die Masse der Elenden soll wachsen, damit die Partei des Umsturzes stärker wird. Auch die sozialdemokratische Interpellation im Reichstage stellt sich als ein Versuch dar, die versöhnlichen Bestrebungen der Staatsorgane zu stören.

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Der Ausschuß der vier Bergarbeiterorganisationen war heute wiederum zu einer Konferenz mit den Vertretern der Regierung zum Oberbergrat beschieden; da der bergbauliche Verein aber nicht vertreten war, konnten Beschlüsse nicht gefaßt werden. Die Ausschüsse wollen daher ihre Wünsche und Beschwerden detailliert vorbringen, die StaatSregierung will dann die Mißstände der einzelnen Zeche» prüfen und Abhilfe schaffen. Jetzt ist auch die Georg Marien-Hütt« großenteils stillgelegt, in deren Erzgruben feiern die Schichten.