Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile lO pfg., im amtlichen Teile 20pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.VD^s^^

herrfmer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 8.

Donnerstag, den 19. Januar

1905.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 10. Januar 1905.

Das Königliche Statistische Bureau hat zur Sprache ge­bracht, daß die vorgeschriebenen vierteljährlichen Nachweise über die allgemeine Schlachtvieh- und Fleischbeschau sowie über die Trichinenschau zum ersten Einreichungstermine vielfach verspä­tet eingegangen seien.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben sämtlichen Beschauern die pünktliche Jnnehaltung der vorgeschriebenen Termine nachdrücklichst zur Pflicht zu machen.

Die Aufrechnung der in den Beschaubüchern nachgewiesenen Untersuchungsfälle hat zur Erleichterung des vierteljährlichen Abschlusses zweckmäßig mindestens allmonatlich zu geschehen. Sofern die Beschauer es nicht vorziehen, sich für die monat­lichen Ausrechnungen eine besondere, mit den Spalten des Postkartensormulars versehene fortlaufende Liste anzulegen, wer­den sie die Ergebnisse monatlich in eine als Conzept zu be­nutzende Postkarte einzutragen haben. Bei einem solchen Ver­fahren muß der vierteljährliche Abschluß ohne größeren Zeitverlust erfolgen können. Die Beschauer sind in diesem Sinne mit Anweisung zu versehen.

Die Postkartenformnlare werden alljährlich von hier aus geliefert werden. Sofern weitere Formulare nötig werden sollen, ist besonderer Antrag hierher zu richten.

I. 198. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersseld, den 13. Januar 1905.

In der Zeit vom 13. Februar bis 18. März 1905 wird der Herr Schlachthofverwalter Tierarzt F r i e d e r i ch in Hers­feld einen Kursus in der Trichinen- und Fleischbeschau im Schlachthause abhalten, was ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis bringe.

1. 327. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Die Mitglieder des Zweigvereins vomRoten Kreuz" (Männerverein) werden hierdurch aus

Montag, den 25. Januar er.

Nachmittags 4 Uhr in das Sitzungszimmer des Königlichen Landratsamtes hier zu einer Generalversammlung eingeladen.

Tagesordnung:

1. Rechnungsablage.

2. Beschluß über die Verwendung von VereinSmitteln und die Tätigkeit des Vereins im Falle einer Mobil­machung.

3. Besprechung über Vereinsangelegenheiten im Allge­meinen.

Der Stern des wissen Dauses.

Roman von I. I n e s.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

8.

War es Fräulein Charlotte Horst schon eine Genug­tuung, die Bekanntschaft eines Barons gemacht zu haben, um wie viel mehr noch, ihm in bet besten Kanne, welche das weiße Haus aufzuweisen hatte, den Kaffee bereiten zu können, während er auf dem einfachen Roßhaarsofa saß, als ob er dort täglich säße und mit Hilda so herrlich plauderte, als wenn er sie schon zehn Jahre kenne.

Selten war nachmittags, vom Baron begleitet, nach der Villa gekommen und Frau Horst konnte nicht anders, als die Herren zu bitten, eine Tasse Kaffee zu trinken.

Im Herzen Seitens wogten die bittersten Gefühle. Der Schmerz unerwiderter Liebe war sehr schwer zu ertragen, die Qualen der Eifersucht aber waren noch viel härter. Er halte den Baron nicht ausgesordert, ihn nach Mönchsbucht zu begleiten; dieser hatte es aus eigenem Antrieb getan.

Charlotte hielt heute den Maler an ihrer Seite sest. Auch das mußte er mit scheinbarer Bereitwilligkeit ertragen. Charlotte ordnete dagegen an, daß Hilda neben dem Baron auf das Sofa zu sitzen kam, und der Anblick dieser zwei heiter mit einander plaudernden Menschen raubte dem Maler beinahe die Faffung. Während er in quälender Eifersucht jeden Zug von Hildaü schönem, sonnigen Gesicht beobachtete, tiuf dem des Baron» Augen in so glücklicher Bewunderung ruhten, mußte er Charlottens fade» Geschwätz anhören und daraus antworten.

Was bezweckt der Baron nur damit?* frug sich Selten grimmig.

Der Baron so tapfer von dem Kuchen und trank sogar drei Tassen Kaffee, als ob ihn in seinem Schlöffe kein üppiges Abendeffen erwartete.

Diese Beobachtung war zu schrecklich für den eiser. süchtigen Selten.

Aber bei jenem üppigen Abendeffen war kein junges

Etwaige Anträge bezüglich sonstiger zur Beratung zu bringenden Gegenstände müssen spätestens Tags zuvor bei dem Unterzeichneten schriftlich eingereicht werden.

Hersseld, den 16. Januar 1905.

Der Vorsitzende

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS Rat.

Hersfeld, den 31. Dezember 1904.

Der Fleischbeschauer Trieschmann VIII. in Widders- hausen ist von der Stellvertretung in Kleinensee entbunden worden, die beiden Beschauer in Kleinensee haben sich nun gegenseitig zu vertreten. Die Stellvertretung für Widders­hausen ist dem Beschauer Bommer in Heringen über­tragen worden.

1. 9632. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Bekanntmachung.

B e t r.: Die Maßregeln zur Abwehr und Unterdrückung der Maul- und Klauenseuche.

In letzter Zeit hat die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche in den Nachbarstaaten zugenommen und in mehreren Fällen bereits eine Einschleppung der Seuche in das Großherzogtum stattgefunden. In einzelnen solchen Fällen aber konnte trotz der angeordneten Quarantäne der Weg der Einschleppung nicht festgestellt werden, sodaß ange­nommen weiden muß, diese sei durch Zwischenträger erfolgt, wobei der Verkehr der Viehhändler in erster Linie in Be­tracht kommt.

Wir sehen uns daher veranlaßt, allgemein auf diese Gefahr aufmerksam zu machen und insbesondere den Land­wirten dringend anzuralen, Viehhändlern und Metzgern den Zutritt zu ihren Biehställen nicht zu gestatten.

Lauterbach, den 11. Januar 1905.

Großherzogliches Kreisamt Lauterbach. J. V.: v. B e ch t o l d.

B e t r.: Wie oben. Lauterbach, den 11. Januar 1905

Das Großh. Kreisamt Lauterbach

an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Indem wir Ihnen empfehlen vorstehende Bekanntmachung ortsüblich zur allgemeinen Kenntnis zu bringen, geben wir Ihnen weiter auf, die Landwirte wiederholt und dringend davor zu warnen, Viehhändlern und Metzgern den Zutritt zu ihren Biehställen zu gestatten. I. V.: v. B e ch t o l d.

B e t r.: Wie oben.

Im Nachgang zu unseren Bekanntmachungen obigen Betreffs vom 10. November 1902 Kreisblatt Nr. 195 und vom 6. Januar 1905 Kreisblatt Nr. 5ordnen wir hierdurch an, wie folgt:

Gesicht mit lächelndem Munde und rosigen Wangen, mit weißen Zähnen, die zwischen den roten Lippen hervor- leuchteten, sobald das silberhelle Lachen erscholl, zugegen nur eine kalte, stille Frau in seidenen Gewändern und kostbaren Juwelen, die eine Gletscherwand von Stolz und kühler Reserve umgab.

Nach dem Kaffee sang Hilda einige alte Balladen und heitere Volkslieder. Der Baron hielt sich immer in ihrer Nähe und Selten bemerkte, wie des Barons leise geflüsterte Lobesworte die warme Farbe auf des Mädchens braunen Wangen erhöhte. Wie heiße Empörung wogte es durch Seitens Pulse.

Charlotte, welche an seiner Seite saß schwatzte, dabei unaufhörlich, sodaß, obgleich er jeden Nerv anspannte, um zu hören, was zwischen Hilda und seinem Freunde vor- ging, es ihm doch unmöglich war, alles zu erlauschen.

Und dem Baron überkam ein seltsames, völlig neues Gefühl. Das Gesicht der reizenden Hilda mit dem immer wechselnden Ausdruck war in seinen Augen das schönste, das er je gesehen.

Gar süß ist treue Liebe,

Doch süßer noch ist Tod sang Hilda und das mit so innigem Gefühl, daß der Baron nicht umhin konnte, ihr die kleine Hand aus den Tasten festzuhalten und zu frag-n:Was können Sie von Liebe und Tod wissen? Sie find kaum den Kinderjahren entwachsen', fügte er halb ernst, halb scherzend hinzu, indem er sie schalkhaft ansah.

Schätzt man die Lebenserfahrung nur nach dem Alter?" fragte Hilda ernst.

Nach was sonst?" entgegnete der Baron und seine Züge wurden ernster.

Nach der DenkungSart, den Gefühlen vor allem nach der Fähigkeit, mit welcher eine Person Freude und Schmerz empfindet", sagte Hilda.

Sind das Ihre eigene Worte?" sagte Werner hastig.

Nein, es find geborgte, aber Sie finden ein Echo in meinem Herzen. Ich bin kein Kind mehr; bitte halten Sie mich nicht für ein solche»".

§ 1. Der Handel mit Vieh im Umherziehen wird für den Kreis Lauterbach bis zum 1. Mai 1905 verboten.

§ 2. Zuwiderhandlungen gegen vorstehendes Verbot werden mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft und ge­gebenenfalls mit Gefängnis bestraft.

Lauterbach, den 11. Januar 1905.

Großherzogliches Kreisamt Lauterbach. J. D.: v. B e ch t o l d.

Betr.: Wie oben. Lauterbach, den 11. Januar 1905.

Das Großh. KreiSamt Lauterbach an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie ortsüblich zur allgemeinen Kenntnis bringen. Die Viehhändler Ihrer Gemeinde sind prolokolla'isch auf vorstehendes Verbot auf­merksam zu machen. J. V.: v. Bechtold.

Betr.: Wie oben. Lauterbach, den 11. Januar 1905

Das Großh. KreiSamt Lauterbach an die Großh. Gendarmerie des Kreises.

Sie wollen die Befolgung vorstehender Polizeiverordnung überwachen und Zuwiderhandlungen zur Anzeige bringen.

I. V.: v. B e ch t o l d.

nichtamtlicher Ceil.

Jer AilHuil im MWkMbikt.

Essen, 17. Januar. Ein genaues Siturtionsbild läßt sich erst morgen geben, ty die amtlichen Feststellungen über die Wirkungen des gestrigen Beschlusses erst abends beendet find. Alle vorher eingehenden Zahlen stammen aus dem statistischen Bureau des Syndikats Es dürften vier Fünftel der Bergleute streiken, von der Morgenschicht allein etwa 100 000. Allerdings ist auf etwa 20 Zechen, darunter aus einigen großen, eingefahren worden. Zu kleinen Krawallen kam es wieder bei Karoline, KönigSborn, Freiburg. Auch auf den staatlichen Zechen ist nicht die volle Belegschaft eingefahren.

Bochum, 17. Januar. Der Ausstand hat ringsum und besonders im Herner-Gelsenkirchener Revier erheblich zugenommen. Die Bergleute der Zechen Julius Philipp und Berneck, deren Stilllegung angedroht worden ist, sind heute wieder eingefahren. Die Nachricht von der Prokla­mation des Generalstreiks wurde von den Arbeitern bei­fällig ausgenommen. Die völlige Ablehnung ihrer Forder­ungen durch das Syndikat vermehrte bei der Bürgerschaft die Sympathien für die Arbeiter. Es erscheinen bereits Aufrufe zu Sammlungen für die Streikenden. Ein Rück­gang des Güterverkehrs ist schon zu verzeichnen.

Die Stimmung im Ruhrgebiet ist heute durchaus ruhig, das Aussehen der vom Ausstand betroffenen Ortschaften zeigt

Kein Kind! Was sonst?" dachte der Baron, als er ihrem Blick begegnete.Sie ist noch kein Weib, so lange ihre Augen mit so kindlicher Unschuld in die meinen schauen. Und doch ein Kind würde nicht so reden, wie sie es soeben getan hat, ein Kind würde nicht solche Gedanken haben. Sie ist ein Weib, und wenn sie liebt, wird sie genau das Weib sein, welches ein Dichter sich für sein Ideal wählen würde."

Charlotte war heute abend in ungewöhnlich liebens­würdiger Stimmung. Sie lud Herrn Selten ein, sie in den Garten zu begleiten, um eine ganz neue Rosenart zu bewundern, und da sie sich nach keiner anderen Gesellschaft außer der seinen sehnte, bat sie Hilda, noch ein Schuhmann'sches Lied zu fingen.

Wir hören den Gesang im Garten ebenso gut wie hier und draußen ist es kühler", meinte sie Hold lächelnd.

Die nächste halbe Stunde war für Selten durchaus keine angenehme. Er schritt an Charlottens Seite zwischen den Blumenbeeten hin und beantwortete ihre uninteressanten Bemerkungen so höflich, wie ihm möglich, während durch die offene Glartüre die Worte deutlich an sein Ohr tönten:

Seit ich ihn gesehen, glaub ich blind zu sein,

Wo ich hin nur blicke, seh ich ihn allein,

Wie im wachen Traume schwebt sein Bild mit vor, Taucht aus tiefstem Dunkel Heller nur hervor."

Als da« Lied zu Ende war, stand Hilda auf und trat zu den beiden im Garten. Der Baron wäre ihr gern gefolgt, aber die Höslichleit gebot ihm, bei Frau Horst zu bleiben, die am Fenster saß und strickte.

Ihre Enkelin hat eine herrliche Stimme," sagte er in seiner liebenswürdigen Art.

Hilda hat alle« gelernt", lautete die etwas kühle Antwort.Ihr Vater hat dafür Sorge getragen, aber er liebt es durchaus nicht, daß sie ihre Kenntnisse Vorfahrt, besonders ihren Gesang, fügte sie mit einer Schärfe hinzu, die ihren Zuhörer in Staunen versetzte.

Da« Eintreten beS Maler» und der beiden Damen verhinderte eine Fortsetzung der begonnenen Unterhaltung.