Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Per Bezugspreis beträgt für hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, to>
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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 7. Dienstag, den 17> Januar 1903.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, am 13. Januar 1905.
Die Schulstelle in Motzfeld ist infolge Ablebens rdes Inhabers derselben vom 1. April d. Js. ab anderweit zu besetzen. Das Einkommen derselben besteht bei einem Dienst- alterszulagen-Einheitssatze von 120 M. neben freier Wohnung in 1000 M. Grundgehalt und 150 M. Kirchendienstvergütung.
Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen bis zum 10. Februar d. Js. bei dem Königlichen Ortsschulin- spektor Herrn Pfarrer Konze in Hilmes oder dem Unterzeichneten einreichen.
Der Königliche Schulvorstand von Motzfeld.
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat und Landrat.
I. 303.
Nachrichten für diejenigen jungen Ceute, welche in die Unteroffizier- vorschulen einzutreten wünschen.
1. Die Unteroffiziervorschulen haben die Bestimmung, geeignete junge Leute von ausgesprochener Neigung für den Un- terosfizierstand in der Zeit zwischen dein Verlassen der Schule nach beendeter Schulpflicht und dem Eintritt in das wehrpflichtige Alter derart fortzubilden, daß sie für ihren künftigen Beruf tüchtig werden. Bei militärischer Erziehung sollen sie dort Gelegenheit finden, ihre Schulkenntnisse soweit zu ergänzen, wie dies nicht nur im Hinblick aus den militärischen Beruf, sondern auch für ihre spätere Verwendbarkeit im Militärver- waltungs- bezw. Civildienst wünschenswert ist. Daneben wird der körperlichen Entwickelung und Ausbildung, unter vorzugs- weiser Berücksichtigung der Anforderungen des Militärdienstes, besondere Aufmerksamkeit zugewendet.
2. Die Ausbildung in den Unteroffiziervorschulen dauert in der Regel zwei Jahre.
3. Bei dem Uebertritt in die Unteroffizierschule hat der Freiwillige den Fahneneid 51t leisten und steht dann, wie jeder andere Soldat des Heeres unter den militärischen Gesetzen.
4. Nach der in der Regel zwei Jahre dauernden Ausbildung in der Unteroffiziers drille werden die in den Unter- osfiziervorschulen vorgebildeten Unteroffiziers eruier an Infanterie-, Jäger-, Marine-Infanterie- und Artillerie-Truppenteile überwiesen, und zwar diejenigen Unterosfizierschüler, welche die Befähigung hierzu erworben haben, als Unteroffiziere.
5. Wer in eine Unteroffiziervorschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich, nachdem er mindestens 14Va Jahre alt geworden ist, begleitet von seinem Vater oder Vormund, persönlich bei dem für seinen Aufenthaltsort zuständigen Bezirkskommando oder bei dem Kommando einer Unteroffiziervorschule vorzustellen und hierbei folgende Papiere vorzulegen:
a. ein Geburtszeugnis,
Der Stern des missen Hauses. Roman von I. Ine«.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Die Männer lachten. Die strengen Lippen der Baronin aber blieben fest auseinander gepreßt. Sie lächelte nicht einmal.
„Hinterließ Ihr Vetter Holm von Gun«lach keinen Erben?" frug Selten neugierig.
„Nein! Er war nicht verheiratet. Er — aber großer Gott: Mutter bist du krank?"
Rasch wendete er den Kopf und gewahrte, wie geister- bleich die Baronin aussah.
Sie öffnete die weißen Lippen, aber kein Ton kam hervor. Werner schlang den Arm um die zarte Gestalt und mit einer flüchtigen Entschuldigung gegen seine Gäste trug er sie mehr, als er sie führte, von der Gallerte fort.
„Die Baronin ist sehr leidend — hoffentlich ist dieser Anfall kein ernster," sagte der Forstmann zu Robert Selten.
„Allerdings scheint sie nicht sehr kräftig zu sein," ent- gegnete der Maler langsam, Dann wendete er sich wieder dem Bilde zu.
Sein Blick war scharf und an das Beobachten gewöhnt, und während er die ernsten, ja düstern Züge beß Porträts betrachtete, sprach aus seinen Augen eine seltsame Ver- wunderung.
„Sonderbar," dachte der geriebene Maler, seine Gedanken weiter verfolgend, „sehr sonderbar. Gs ist eine Ähnlichkeit da und zwar eine ganz entschiedene."
Die Baronin lag auf dem Sofa in ihrem Zimmer. Sie war allein. Ihre bleichen, eingefallenen Züge verrieten Angst und Schreck. Sie schloß die Augen und preßte die Finger darauf, als ob sie eine furchtbare Vision verbannen wollte.
Werner» einfache Aufforderung, die Gallerte zu öffnen, hatte die Baronin schon in nicht geringe Aufregung versetzt.
b. den Konfirmationsschein bezw. einen Ausweis über den 'Empfang der ersten Kommunion,
c. ein Unbescholtenheitszeugnis der Polizei-Obrigkeit,
d. etwa vorhandene Schulzengnisse,
e. eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Beschäs- tigungsweise, über frühere überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.
6. Bei der Gestellung zum Eintritt in eine Unteroffizier- vorschule müssen die Einberufenen mit einem Paar guter Stiefel und zwei neuen Hemden sowie mit sechs Mark zur Beschaffung des erforderlichen Putzzeuges versehen sein.
Das zum Lebensunterhalt Notwendige wird unentgeltlich gewährt.
7. Die ausführlichen Bestimmungen können bei dem Bezirksfeldwebel eingesehen werden.
8. Die Erziehung findet unentgeltlich statt.
I ALnigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher Lei!.
Her Ailssi««» im UrWenBet.
Der Streik der Bergleute im Ruhrkohlengebiet hat, von der Zeche „Bruchstraße" ausgehend, sich mit bemerkenswerter Schnelligkeit fortgepflanzt. Die Gesamtzahl der Streikenden betrug Ende vergangener Woche, also nach noch nicht ein- wöchiger Dauer des Ausstandes, bereits ca. 60000. Die Bemühungen der Führer der Bergleute, dieselben namentlich in Hinsicht auf die Finanzlage der Verbände der Bergleute von einem allgemeinen Streik zurückzuhalten, sind demnach erfolglos geblieben, es muß vielmehr mit der Wahrscheinlichkeit eines noch weiteren Umsichgreifens der Ausstandsbewegung gerechnet werden. Bedenklich ist es, daß letzterer hie und da einen gewalttätigen Charakter anzunehmen beginnt. Es werden von verschiedenen Punkten des Streikgebietes mehr oder weniger ernste Ausschreitungen der Streikenden gemeldet. Zweifellos ist die Lage ernst, und es wäre töricht, sich schon heute in müßiges Orakeln darüber einzulassen, ob die Zechenverwaltung oder die Bergleute rasch nachgeben werden. Jedenfalls äußert aber der Bergmannsstreik schon seine unangenehmen Rückwirkungen auf die so rege Jndustrietätigkeit Rheinland-Westfalens. Die Kohlenpreise an verschiedenen Orten steigen bedeutend. Der Scheffel Kohle wird mit 1,20 Mark gegen 65 Pfg. bezahlt. Voraussichtlich werden die Preise weiter rapide in die Höhe gehen. Einige große Werke haben wegen Kohlenmangels ihre Betriebe erheblich einschränken müssen. Die Maschinenfabrik
Sie tat es nur mit innerlichem Widerstreben; der Grund hierfür war nur ihr allein bekannt. Sie war eine stolze, ehrgeizige Frau und sie liebte den Reichtum und den Glanz; eins aber hatte sie noch mehr geliebt — ihren Vetter Holm von Gunslach. Als Mädchen war sie das Mündel ihre» Oheim», Holm« Vaters gewesen und hatte ihr Herz dem schönen Vetter geschenkt.
Holm ging ins Ausland und zeigte seiner Cousine beim Abschied nicht einen Funken wärmern Gefühls, als einfache verwandtschaftliche Zuneigung, worüber sich Melanie — die spätere Baronin von Rohlingen — bitter grämte.
Aber sie tröstete sich bald auf sehr realistische Art. Sie war ein schöne« Mädchen, um deren Hand der Baron von Rohlingen warb, und sie verlobte sich mit ihm, obwohl er alt genug war, ihr Großvater sein zu können. Nach kaum drei Monaten war sie seine Gemahlin — nach kaum vier Jahren Witwe mit einem Sohn und einem Einkommen, da» gerade zureichte, sich und ihr Kind zu erhalten, denn ihr Mann hatte sehr leichtsinnig gelebt und war tiefverschuldet gestorben.
Die Baronin kehrte nun nach Hohenfitz zurück und stellte sich und baß Kind unter ihres Oheims Schutz. Einige Jahre später kam Holm wieder nach Hause und von neuem gab sich Melanie der Hoffnung hin, sein Herz zu gewinnen.
Doch es kam ander». Ein Jahr nach seiner Rückkehr stürzte Holm vom Pferde und das sollte sein Tod sein.
Melanie drückte sein Haupt an ihre Brust und empfing von seinen sterbenden Lippen das Geständnis einer Sünde, welche an Größe alle übrigen seines Leben« übertraf und ihr vertraute er eine heilige Pflicht an, die zu erfüllen fie ihm hoch und teuer schwur. Jenes Geständnis von Holms Lippen und jener Eid von den ihren war fortan in die geheimste Kammer ihre« Herzen« eingeschloffen.
Ob fie die übernommene Pflicht erfüllte, das wußte nur sie allein.
Jahre vergingen — ihr Oheim starb kinderlos und der kleine Baron trat die Erbschaft von Hohenfitz an. Seine
Schwarz in Bracke! sieht sich genötigt, wegen Kohlenmangels den Betrieb vollständig einzustellen. Die Zeche Phönix macht bekannt, daß sie gezwungen sein wird, ihr Stahl- und Walzwerk still zu legen. Auch die Union in Dortmund gab bekannt, daß sie wegen Kohlenmangels die meisten ihrer Betriebe einstellen müsse.
Uebrigens sind die Leiter des rheinisch-westfälischen Kohlen- syndikats auch heute noch der Ansicht, daß der Streik, obwohl er in den letzten Tagen noch erheblich an Ausdehnung gewonnen hat, partiell bleiben wird. Sollte sich aber dennoch wieder Erwarten ein wirklicher Generalstreik entwickeln, so könnte dieser nach Ansicht des Kohlensyndikats nur von kurzer Dauer sein. Für die Abnehmer des Syndikats besteht, wie versichert wird, kein Grund zur Beunruhigung, da Vorräte in hinreichendem Maße vorhanden sind. Dagegen dürften freilich bei einer Andauer des Streikes diejenigen Hüttenwerke mit eigenen Kohlengruben, bei denen der Streik ausgebrochen ist, sich zu einer Stilllegung, wenigstens eines Teiles ihres Betriebes, genötigt sehen, wie dies ja bekanntlich beim Hörder Verein, bei dem Stahlwerk Hösch und beim Phönix schon jetzt der Fall ist.
Das Kohlensyndikat hat sich zwar bemüht, diesen Wecken durch Umladung aus seinen Vorraten nach Möglichkeit mit Kohlen auszuhelfen, doch ist dies nur bis zu einer gewissen Grenze möglich, da das Syndikat vor allem für den Bedarf seiner eigenen Abnehmer Sorge tragen muß.
Was die Frage nach einem eventuellen Ueberspringen des Streikes im westfälischen Kohlengebiete nach den übrigen großen Kohlengebieten in Deutschland anbelangt, so scheint es einstweilen nicht, als ob in den letzteren besondere Neigung der Bergleute bestände, dem Beispiel ihrer westfälischen Kameraden zu folgen; doch bleibt das weitere in dieser Beziehung noch abzuw arten.
*
Essen, 13. Januar. Ueber 100 Gendarmen aus Hannover besetzten die Slinneszechen. Auf „Mathias Stinnes stürmten 500 Bergleute den Zechenplatz. Die Stimmung wird immer erregter. Eine Deputation der Delegiertenkonferenz ist gegen Erwarten nicht beim Berg, bauoerein vorstellig geworden.
Essen a. b. Ruhr, 14. Januar. Am heutigen Tage betrug die Zahl der Ausständigen (Morgen- und Nach- mittagsschiLt) zusammen 60 126, verteilt auf 104 Zechen bezw. Schachtanlagen, gegen 65 858 von gestern. Zu den bereits im Ausstande befindlichen Zechen find nachmittag neu hinzugekommen: Mont Gents I, angefahren 32 von 260 Mann unter Tage, 20 von 35 über Tage, Carolus Magnus 116 von 159 unter Tage, Wernis 7 von 376 unter Tage, Deutschland Schacht Ulenberg 32 von 217 unter Tage; Konstantin der Große III, 46 von 265, zu» sammen über und unter Tage.
Wie gestern auf der Zeche Mathias Stinnes in Carnap und Zeche Concordia, kam es auch heute wieder dortselbst
Mutter regierte auf der stolzen Befitzung als Herrin. Kalt, hochmütig und hartherzig gegen alle außer dem Knaben, den sie mit ungewöhnlicher Liebe überschüttete, sah man allgemein mit scheuer Furcht zu ihr auf, wenige nur mit einem wärmeren Gefühl.
Doch gab es Zeiten — freilich waren sie selten, — wo in der Einsamkeit ihre» Zimmers die eisigen, undurchdringlichen Schranken, mit denen sie sich umgeben hatte, fielen, und zu solchen Zeiten schien sich ihr stolze» Haupt unter der schweren Wucht einer heimlichen Qual zu beugen und in ihre Augen kam ein Ausdruck des Entsetzens, so wie heute. Der Kops des toten Vetters mahnte sie an seine Schuld und ihre versäumte Pflicht.
7.
Er mochte 4 Uhr am Nachmittage sein, als Hilda, den breitrandigen Strohhut auf dem Kopfs, in das Wohnzimmer trat, um sich ein Buch zu holen und Charlotte auf dem Sofa fest eingeschlasen fand.
Hilda nahm da» Buch und blieb, Charlotten betrachtend, unentschlossen stehen.
Im selben Moment wurde im Hause eine Tür laut zugeschlagen, wovon die Schläferin erwachte und jäh in die Höhe fuhr. Ihr erster Blick fiel auf Hilda» lachendes Gesicht.
„Weshalb lachst du?" fragte sie scharf.
„Ich dachte eben, wie unbequem doch dein Kopf lag," antwortete das junge Mädchen lachend. „Ich gehe an den Strand hinunter — im Hause ist es zum Ersticken."
„Ich werde mitkommen. Du hast recht. E» ist hier zum Ersticken."
Wenige Minuten darauf befanden sie sich auf dem Weg nach dem Felsen. Hektor natürlich begleitete seine Herrin. Sie wählten sich einen angenehmen Platz unter einem der überhängenden Felsen. Eine erfrischende Brise wehte von der See herüber.
Hilda hatte sich bald in ihr Buch vertieft, während Charlotte mit unruhigem Blick der Gestalt eines Mannes