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BIBUOTHEK
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herrsel-er Kreisblatt
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Fernsprech-^uschlutz Nr. 8
Nr. 1.
Dienstag den ^ Januar
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1905
Mllicher teil.
Gaffel, ben 16. Dezember 1904.
Auf die Vorstellung vom 10. b. MtS. erwidere ich Euerer Hochehrwürdigen ergebend, daß unter den vorgetragenen Umständen die Eintragungen in die Sammellisten mit Tinten- R i f t auch in der Provinz Hessen-Nassau als genügend an* gesehen werden und daß deshalb der Verwendung der von dem Herren Ober-Präsidenten von Westfalen gegebenen Vorschrift in der mitgeteilten Etikeltform in der hiesigen Provinz nichts im Wege steht.
An die Kollekten-Geschäftstelle der von Bodelschwingh'schen Anstalten, z. H. des Herrn Pastor« Märchen Hochehrwürdigen — Bethel bei Bielefeld.
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Abschrift übersende ich Euerer Hochwohlgeboren zur gefälligen Kenntnisnahme und weiteren Mitteilung an die Polizeibehörden Ihre« Bezirks. Die Zulassung von Tinten- stistetntragungen gilt für alle Arten von Kollekten.
Der Ober-Prästdent der Provinz Heffen-Naffau. gez.: von Windheim.
An den Herrn Negierungs-Präsidenten hier. (Nr. 11420.)
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Gaffel, den 21. Dezember 1904.
Abschrift übersende ich zur gefälligen Kenntnisnahme und mit dem Ersuchen, den Polizeiorganen von obiger Verfügung Kenntnis zu geben. (A. II 17427.)
Der Regierungs-Prästdent. J. V.: von Kamele.
An die Herrn Polizei Präsidenten hier, die Herren Polizei- Direktoren zu Hano-a und Fulda und die Herren Landräte des Bezirks. > ' *
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Hersfeld, den 28. Dezember 1904.
Vorstehendes bringe ich zur Kenntnis der Herren Ortspolizeiverwalter und der Königl. Gendarmerie des Kreise«. I. 1 9532. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 30. Dezember 1904.
Die Herrn Ortevorstände des Kreises, welche meine Verfügung vom 27. November 1878 I. Nr. 11700 (Kreis- blatt Nr. 96) betreffend: Beschäftigung der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter in Fabriken noch nicht erledigt haben, werden hiermit veranlaßt, die genannte Verfügung bis spätestens zum 5. Januar 1905 zu erledigen, andernfalls gegen jeden Säumigen eine Ordnungsstrafe von 3 Mark festgesetzt werden wird.
I. I. 9614. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung«.Rat.
Die Herrn Ortivorständs des Kreises werden hiermit
Der Stern des weissen Dauses.
Roman von J. Ine«.
(Nachdruck verboten.)
I.
Hoch oben auf den Felsen, welche Mönchsbucht von zwei Seiten einschließen, steht die Ruine eine« alten Kloster«; und in die Bucht hinausgebaut, ungefähr fünfzig Fuß über dem Meere«spiegel, erhebt sich ein weiße« Hau«, welche« hohe Felsen vor den Stürmen, die zuweilen an der Küste toben, beschützen.
An einem prächtigen Maimorgen stand ein junges Mädchen an einem der oberen Fenster bei weißen Hause» und schaute gedankenvoll auf die vor ihr liegende herrliche Land- schaft herab.
Da« Meer glich einer saphirnen Fläche, welche in der Ferne vom Himmel begrenzt war. Ueber die Linie des Horizonte« hatte sich ein feiner Nebel gesenkt. Hier und da leuchtete ein weiße« Segel im Sonnenschein. Die Felsen hoben sich im klaren Relief von dem azurnen Himmel ab. Ihre zackigen Häupter waren mit Grat und Schlingpflanzen bewachsen, die ihre langen Arme nach allen Seiten hinstreckten.
Auf der platten Spitze eine« der Felsen saß ein Mann und malte.
Die blauen Augen des jungen Mädchens am Fenster betrachteten diese Gestalt mit besonderem Jntereffe. Es war ein reizende» Mädchen von 17 Jahren. Sie hatte ein rundes, ausdrucksvolles Gesicht mit brünettem Teint und einem kleinen, aber festen energischen Mund — ein Gesicht, das man hätte schön nennen müssen, selbst wenn die Augen weniger treuherzig, die Stirn weniger edel, das Kolorit der Lippen und Wangen weniger reis und warm gewesen wäre. Sie war die Sonne in dem seltsamen weißen Hause und galt den Bewohnern des Hause» und den Leuten in der Nachbarschaft al« ein besondere« Wesen. Deshalb wurde sie auch der Stern des weißen Hauses genannt.
an die Erledigung meiner Verfang vom 1. Februar 1879 I. Nr. 1244 (Kreisblatt Nr. 11) ^treffend: Revision der gewerblichen Anlagen mitFrist b i ? & “ m 2,9' Januar 1905 erinnert, andernfalls wird gegen je. "^Säumigen eine Ordnungsstrafe von 3 Mark festgesetzt werde?'
Hersseld, den 30. Dezember 1904. \
I. I. 9613. Der Königliche La?°^?
Freiherr von Schlei ' Geheimer RegierungS-Rat.^
Hersseld, den 29. Dezember 1904.
Der Schmied Andreas Kehl zu GoßmannSrode hat die am 21. b. MtS. zu Gaffel stattgefundene Hufschmiedeprüfung mit „Gut" bestanden.
I. 9588. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 29. Dezember 1904.
Den Herren Standesbeamten des Kreises gehen in den nächsten Tagen die Formulare zu den gemäß § 46 Nr. 7 der Wehrordnung vom 22. November 1888 anzufertigenden Auszügen aus den Civilstandsregistern zu.
Die in Rede stehenden Auszüge sind alsbald anzufertigen und die aus den G e b u r t s r e g i st e r n den Orts- v o r st ä n d e n der betreffenden Gemeinden rc. umgehend zu übersenden, während die aus den S t e r b e r e g i st e r n alsbald dahier eiNzN reichen sind. Die Angabe des Geburts-Tages, Monats und Jahres in den Letzteren hat unter „Bemerkungen" zu erfolgen, falls das genaue Datum, das aus dem Sterberegister nicht hervorgeht, anderweit bekannt geworden ist. Es wird noch besonders daraus aufmerksam gemacht, daß für jeden einzelnen Sterbesall ein besonderer Auszug angefertigt werden muß.
II. 5922. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
nichtamtlicher teil.
Rückblick.
Ans Freud und Leid gemischt sind die Eindrücke, die sich uns bei einem zusammenfaffenden Rückblicke auf das öffentliche Leben Deutschlands im Jahre 1904 ergeben. Doch dürfte eine im gerechten Sinne ausgestellte Bilanz wohl zu dem Ergebnisse führen, daß die freudigen Momente überwiegen, und daß zu der heute so beliebten Züchtung des Unzufriedenheits- Bazillus keinerlei Anlässe vorliegen. Solches geziemt sich int Eingänge dieser Betrachtung mit dankbarer Aufschau zu Gott, dem gütigen Herrscher und Lenker der Welt, zu bekennen.
„Ich möchte sein Bild sehen. Es muß herrlich sein nach einem solchen Vorbild. Ich glaube, der edelste Beruf, den ein Mann wählen kann, ist der de« Maler», ausgenommen der des Seemannes. Seeman fein ist das höchste," flüsterte da« junge Mädchen jetzt und machte Miene, sich dem Maler zu nähern.
Da wurde die Tür geöffnet und sanften, geräuschlosen Schritte« trat eine weibliche Gestalt in da« Zimmer. Es war ein älteres Mädchen von acht- bi« neuundzwanzig Jahren mit einem blaffen, von Sommersproffen bedeckten Gesicht, aus dem da« blonde Haar glatt zurückgestrichen war, und mit Bewegungen, die unwillkürlich an eine schleichende Katze erinnerten.
Sie trug ein Kattunkleid, dessen Aermel von den nicht unschönen Armen zurückgestreift waren.
„Du hier, Hilda?" rief sie mit hochgezogenen Augen, brauen, als sie der untätig am Fenster stehenden Gestalt ansichtig wurde. „Ich glaubte, du wärest ausgegangen." — Wie ermüdet setzte sie sich auf den Rand der Bette» nieder, in den Augen aber, welche durch das Zimmer schweiften, als ob sie etwa« suchten, war keine Ruhe. Sie blieben endlich auf dem offenen Schreibpult haften.
„Was hast du getan?" fragt« sie. „Wieder an die kleine Französin geschrieben?"
„Ganz recht, wieder an die kleine Französin geschrieben", lautete die lakonische Antwort, während das junge Mädchen einen breitrandigen Strohhut vom Tische nahm und auf» setzte. „Willst du wissen, wo ich hingehe? Ich will dir die Mühe de» Fragen» ersparen. Ich gehe nach Braun»- borf, den Brief, den ich geschrieben habe, zur Post zu bringen. Glaubst du, daß ich vor Tisch noch Zeit genug dazu habe?"
Der Ernst des Tone« und da« verhaltene Lachen in de« jungen Mädchen« Augen ließen die andere im Zweifel, wie sie die Worte zu nehmen hatte.
„Ich denke wohl, wenn du schnell gehst," antwortete sie kühl.
„Du sagtest doch neulich, ich ginge immer wie ein Soldat," bemerkte die jüngere rasch, während sie noch einen Blick nach der Gestalt auf dem Felsen warf.
Bange Tage brächte uns die Anfangszeit des nunmehr vollendeten Jahres, als die Kunde von der gefahrvollen Krankheit unseres geliebten Kaisers die deutschen Gaue durcheilte. Aber mit Gottes gnädiger Hülfe wurde der Bann, der dieserhalb auf Deutschland lastete, bald wieder hinweggenommen. In gewohnter Kraft und Frische hat Kaiser Wilhelm auch während des abgelauscuen Jahres seines Herrscheramtes zu walten vermocht. Das will bei uns unendlich mehr sagen, als in den meisten modernen Staaten. Bei uns führt die Krone, Gott sei Dank, noch kein Schatten- da,W'_ ^er, ift die Monarchie vielmehr noch ein lebendiger Faktor ^fchichtlicher Entwicklung, hier hat der Monarch noch in Wahrheit "fid Wirklichkeit einen Beruf zu erfüllen, und deshalb kommt so ÄLerordentlich viel darauf an, ob das Szepter in gesunden Händen ru%~ oder ob Krankheit und Leiden sich auf dem Thron eingenistet havcu und dort die frische Farbe der Entschließung trüben. So geht dem frohen Ereignisse der Wiedergenesung unsers Kaisers ein »^^Mauj aus auf das gesamte Jahr 1904, es ist gewissermaßen ein H'cu- verkündendes Zeichen, das über seiner Eingangspforte prangt.
Mit hoher Genugtuung muß es ferner begrüßt -werben, daß die wichtigste politische Aufgabe, die Deutschland in dem Abschlüsse neuer Handelsverträge zur Zeit obliegt, während des verflossenen Jahres ihrer endgültigen Lösung nahegebracht worden ist. Trotz der Unkenrufe und Quertreibereien der unbelehrbaren Manchesterleute ä la Barth und Gothein Hai sich der neue Zolltarif als ein durchaus geeignetes Werkzeug für Handelsvertregs-Verhandlungen erwiesen. Es ist unserer Regierung gelungen, 'uf der Grundlage dieses Zoll- tarifes mit allen unseren bisherigen Kontrahenten, Oesterreich allein ausgenommen, vorbehaltlich der 'Genehmigung durch den Reichstag neue Verträge abzuschließen, 'ä^ mich , - Donaureich dürfte sich wohl noch eines Bessern besinnen. Son dem Inhalte dieser Verträge steht mit Sicherheit zu erhoffen, daß durch sie ein gründlicher Bruch mit der Caprivischen Handelsvertrags-Aera vollzogen und insbesondere den landwirtschaftlichen Interessen ein weitaus wirksamerer Schutz zugebilligt worden ist. Die bisherige Haltung der Reichsregierung und ihres obersten Leiters, des Reichskanzlers Grasen von Bülow gibt zu solcher Hoffnung vollgültigen Grund.
Zur Freude berechtigt weiterhin auch der günstige Wandel in den w i r t s ch a f t l i ch e n Verhältnissen, der seit der Ueberwindung der letzten Krisis eingetreten ist und das Jahr 1904 hindurch angehalten hat. Wir befinden uns allem Anschein nach wieder in aussteigender Entwicklung uuü anch der russisch-japanische Krieg hat diesen Entwicklungszug nicht zu hemmen vermocht.
Unter den Schatten, die sich in das Licht des Jahres 1904 für unser Vaterland mischen, steht der südwestafrikanische Krieg obenan. Durch die Empörung der Herero und Hottentotten ist dort die junge Kolonialsaat, die in hoffnungsfrohem Aufsprießen begriffen war, zum guten Teil wieder vertreten
„Wenn du doch nicht immer wiederholen wolltest, was ich einmal sage. Es mag dar in Madame de Lusignan» Schule so Sitte sein, mir aber scheint eine solche Sitte sehr unfein."
„Vieles, was ich sage oder tue, ist — in deinen Augen unfein," spottete die Jüngere, „und dennoch hörte ich dich gestern zu jemand sagen, daß ich dir sehr ähnlich würde."
„Ich meinte damit nicht im Wesen."
„Im Aussehen konntest du aber doch unmöglich meinen, denn du bist groß und graziös, während ich, wie du immer sagst, gerade das Gegenteil davon bin. Dann ist dein Teint so hell und zart, während ich bald so dunkel und sonnenverbrannt bin wie ein Negerweib. Sagtest du nicht gestern so?
Augen und Lippen lächelten unter dem Rand der weißen Strohhute» hervor; al» aber da» junge Mädchen gelassenen Schritte» die Treppe hinunterging, erstarb das Lachen in ihren Augen und ihre Mienen wurden plötzlich ernst, denn sie hatte etwa« gesehen, das sie erschreckte.
Die Turmuhr in Braunsdorf schlug ein». Als der Ton in der Sommerluft verhallt war, legte der Maler auf dem Felsen den Pinsel nieder, um von der Arbeit ein wenig auszuruhen. Rund |um ihn her waren die herrlichsten Landschaften. Das saphirblaue Meer lag vor ihn«, sich sanft an dem abfallenden Strande brechend; die Ruinen hinter ihm — die alten, zerklüfteten Felsen zu beiden Seiten. Die Seevögel kreisten in weitem Bogen über seinem Haupte; so lange hatte er fast regungslos dagesessen, daß sie sich an seine Gegenwart gewöhnt hatten und sich ihm ohne Scheu näherten. E« war ein schlanker, dunkelhaariger Mann mit scharsgeschnittenen Zügen und glänzen, den Augen, welche von dunklen Wimpern beschattet waren. Ein weicher Schnurrbart bedeckte feine Oberlippe und verbarg den finsteren Zug, der um seinen Mund lagerte. Es war ein Gesicht von seltsamer Schönheit. Das Halstuch war leicht unter dem wohlgeformten Kinn geschlungen. Die Hände waren lang und geschmeidig. Sein Anzug