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Gralisvkilagkn: „JÜAstriltes SollulaMlatt" und „Jllustlirte Landwirtschaftliche Anlage/*
JSS“ Fernsprecher Nr. 8. ^s
Jr. 149. Somiaitnii St«^. Lezembtr 1994.
MW- Die heutige Nummer um= faßt 12 Seiten.
Erstes Blatt.
Nichtamtlicher Teil.
Politischer Wochenbericht.
Durch das nahende Weihnachtsfest ist eine Unterbrechung der parlamentarischen Arbeiten eingetreten. Im Reichstage hat bisher die erste Lesung des Etats und der beiden Militärpensions-Gesetze stattgefunden. Leider dehnte sich die Etatsberatung wieder vielfach ins Uferlose aus, und selbstverständlich waren es hauptsächlich wieder die Sozialdemokraten, die in bekanntem Stil Reden zum Fenster hinaus hielteu. Als Höhepunkt der bisherigen ReichstagSdebatten müssen die beiden Reden des Reichskanzlers gelten, in denen dieser die Häupter der Sozialdemokratie, Bebel und Vollmar, abfertigte. Eine schmachvollere Niederlage ist der Umsturzpartei kaum jemals zu teil geworden, und der Aerger hierüber dürfte den Herren Genossen noch recht lange in den Gliedern liegen. Die Milstärpensionsgesche haben im großen und ganzen eine wohlwollende Aufnahme im Parlamente gefunden und es steht zu hoffen, daß das segensreiche Werk zu einem recht 'baldigen gedeihlichen Abschlüsse gelangen wird.
Nach Niederwerfung des A u f st a n d e s d e r H e r c r o erhebt sich die Frage, wie die zersprengten und einge- schüchterten Teile dieses Volkes wieder geordneten und friedlichen Zuständen zugeführt und mit der deutschen Herrschaft von neuem ausgesöhnt werden können. Da wird es gewiß in allen christlich und patriotisch empfindenden Kreisen mit großer Freude ausgenommen worden sein, daß der Reichskanzler für dieses Unternehmen die Hülse und Vermittlung der Barmer Mission in Anspruch zu nehmen gewillt ist. Die reichen Erfahrungen, welche den Missionaren zu Gebote stehen, werden dainit einer zweckentsprechenden und ersprießlichen Lösung der Eingeborenen-Frage dienstbar gemacht. Hoffentlich gelingt es mittels einer verständigen Paarung von Strenge und Milde, die Hercro dauernd zu versöhnen und zu nützlichen Bevölkerungs-Elementen unseres südwestafrikanischen Kolonialbesitzes zu machen.
In Ungarn ist es jüngst zu Szenen gekommen, die trotz allein Skandalösen, was man auf diesem Gebiete während der letzten Jahre in den verschiedensten Ländern erlebt hat, doch fast ohne Beispiel in der Geschichte des modernen Vcrsasfungslebens dastehen. Von den oppositionellen Parteien ist der Sitzungssaal nach einem heftigen Handgemenge mit den Saaldienern förmlich zerstört worden. Es machte sich in diesen wüsten Szenen der Aerger der Opposition über die von der Regierungspartei durchge- setzte Aenderung der parlamentarischen Geschäftsordnung Luft. Eine solche Aenderung aber erwies sich als unbedingt nötig, um das politische Leben Ungarns von den Hemmnissen zu befreien, welche ihm die Obstruktion der radikalen Parteien auferlegt hatte, und um die Bahn für gesetzgeberische Reformen wieder frei zu machen. Eben dieser Notwendigkeit wegen ist deshalb auch zu ermattn, daß der Ministerpräsident Tisza dem Toben der Opposition gegenüber ruhiges Blut bewahren und ihrem Ansturm den äußersten Widerstand entgcgcnsctzcn wird.
In Spanien hat das Ministerium Maura, das daselbst seit dem 5. Dezember 1903 im Amte ist, seine Entlassung eingereicht. Es sind weniger politische Gründe, als vielmehr Schwierigkeiten in dem persönlichen Verhältnisse der Minister zum Könige für diesen Entschluß maßgebend gewesen. Der Monarch hat bereits mit den Präsidenten der beiden Kammern verhandelt. Ob die Demission des Ministeriums auch eine Auflösung des Parlamentes zur Folge haben wird, steht noch dahin.
In Rußland macht sich, seitdem Fürst Swiatopolk- Mirski an die Spitze der innern Verwaltung des gewaltigen Reiches getreten ist, eine aus konstitutionelle Rechte und Volksfreiheit gerichtete Bewegung bemerkbar. In den Kundgebungen, welche diese Bewegung bisher gezeitigt hat, tritt viel unfruchtbares, unreifes und unzeitiges Wesen zu tage. Man wünscht ohne weiteres die parlamentarischen und politischen Zustände Westeuropas zu koopieren, ohne deren gewaltige Schattenseiten zu berücksichtigen und ohne zu bedenken, daß alles Sprunghafte und Unvermittelte in der geschichtlichen Entwicklung vom Uebel ist. Nur wenn die russische Bewegung der Gegenwart sich innerhalb maßvoller Schranken hält und sich auf die Herbeiführung absolut notwendiger Reformen im öffentlichen Leben des Zarenreiches beschränkt, wird sie dem Vaterlande wahrhaft zum Segen gereichen.
Zu den Vorgängen in Deulsch-Südwest-Afrila.
General von Trotha meldet aus Windhuk unter dem 14. d. MtS.:
Bei Absuchung der Gefechtsfeldes von Naris (5. Dezember) fand eine Sanitäts-Patrouille noch 50 bis 60 tote Hottentotten, 3000 Stück Vieh sind noch zusammengetrieben worden, so daß die Gesamtzahl der den Witboi abgenommenen Viehs 15,000 Stück beträgt D e i m l i n g, der in Verfolgung der geschlagenen Witboi am 8. Kalksontein erreicht hatte, setzte aus die Aussage von Gefangenen, daß Hendrik Witboi bei Witkranz sei, die Verfolgung noch in der Nacht zum 9. fort. Der Feind war jedoch bereits in Richtung Gochar entflohen. Deimling hat M e i st e r beauftragt, mit drei Kompagnien und einer Batterie die Verfolgung in Richtung Gochatz fortzusetzen, und will selbst mit Halbbatterie Stuhl- mann nach Gibeon admarschieren, wo er am 13. ein» zulreffen hofft. Kleist mit einer Kompagnie, einer Batterie behält vorläufig Rietmont besetzt.
Der Arieg zwischen 3apan und Rußland.
Nach einer Schanghaier Meldung haben die Japaner den allgemeinen Angriff auf P o r t A r l h u r am 13. d. M. wieder ausgenommen. Er wird nicht gesagt, ob es sich um eine neue Phase des regelmäßigen Artillerie- und Ingenieur-Angriffs handelt. Das letzte bisher in» takte russische Linienschiff .Ssewastopot" soll nach Tokioter Meldungen erfolgreich mit Torpedos beschossen worden sein. Eine andere Version über diesen Panzer enthält nachstehende Meldung:
Aus Tokio wird gemeldet, daß die Situation der „Ssewastopot" wegen des herrschenden schweren Unwetter« sehr gefährdet ist. Das Schiff ankert jetzt tagsüber außerhalb des Hafens gegenüber Mautanshan, in der Nacht sucht es Schutz auf dem Ankergrund der Torpedo- flotte. Von den Torpedobooten sind nur acht sichtbar. Die Japaner sind eifrig auf der Wacht, da eine plötzliche Flucht der „Ssewastopot" nicht ausgeschloffen ist. — Von der letzten kurzen Waffenruhe wird noch berichtet, daß sich dabei japanische und russische Offiziere die Hände reichten, ihre Visitenkarten austauschten, einander zulran- ken und sich sogar photographieren ließen. Die Russen waren in zuversichtlicher Stimmung und äußerten, die Festung werde nie übergeben werden.
Der Korrespondent des Reuterschen Bureau bei der Armee Nogis meldet: Vom 203 Meter-Hügel ist die gesamte Stadt Port Arthur und der Hafen zu überblicken. Die Straßen sind verlassen. Die japanischen Bomben fallen in alle Teile der Stadt und des Hafens. Der große Verlust an Menschenleben, den die Einnahme des Hügels gekostet hat, ist ausgewogen durch die vollständige Zerstörung der russischen Flotte. Die japanische Flotte wird jetzt nach Japan zurückkehren, um ins Dock zu gehen. Die Japaner gehen allmählich am User der Taubenbucht entlang auf verhältnismäßig ebenem Terrain gegen die Forts Taijankau Jtzschau und Antseschan vor.
Politische Nachrichten.
Berlin, 15. Dezember.
S e. Majestät der Kaiser hörte heute vormittag im Neuen Palais bei Potsdam den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts.
Der Bundesrat hat heute der Vorlage über die Beibehaltung des bisherigen Brennsteuervergütungssatzes zugestimmt.
Im Reichstag stand am Mittwoch die erste Beratung der Militärpensionsvorlagen auf der Tagesordnung. Sie wurde eingeleitet durch eine Rede des Ministers v. Einem, der besonders die in der Presse angegriffenen Stellen des Entwurfes besprach und bei Notständen außerordentliche Entschädigungen in Aussicht stellte. Sehr warm für eine Verbefferung der Vorlage, besonders bezüglich der Kriegsteilnehmer, sprach der Abg. Graf v. Oriola, der zu diesem Zweck die Einführung einer Wehrsteuer empfahl, während der Abg. Speck (Z.) vor allen Dingen eine gesicherte Deckung forderte. Auf verschiedene Bemängelungen betreffs des Osfizierskorps entgegnete Minister v. Einem und wies geschickt und glücklich die Einwendungen Specks zurück, ebenso fertigte er den Abg. Gradnauer (soz) ab. Abg v. Massow (kons.) sprach sich sehr wohlwollend über die Vorlagen aus, aus denen die Kommission ohne Zweifel noch einige Mängel beseitigen werde.
Die Abg. Schickert und Nießler (k.) haben folgenden Entwurf eines Gesetzes, betreffend Gewährung von Beihülfen an Kriegsteilnehmer, im Reichstage beantragt: § 1. Personen des Unteroffiziers- und Mannschaftsstandes des Heeres und der Marine, welche an dem Feldzuge von 1870/71 oder an den von deutschen Staaten vor 1870 geführten Kriegen ehrenvollen Anteil genommen haben, erhalten, wenn sie sich in unterstützungsbedürftiger Lage befinden, insbesondere, wenn sie für ihren Unterhalt auf ein Einkommen von weniger als 600 Mk. angewiesen find, und wenn ihre Erwerbsfähigkeit auf weniger als ein Drittel herabgesetzt ist, oder wenn Re das sechzigste Lebensjahr vollendet haben, eine Beihülfe von jährlich 120 Mk., die monatlich im voraus zu zahlen ist. Elfaß-lothringischen Landerangehörigen, welche im französischen Heere den Feldzug von 1870/71 mitgemacht haben und in der Folge Deutsche geworden und darf die Beihülfe gleichfalls gewährt werden. § 2. Hinterläßt der Empfänger der Beihülfe eine Witwe ober eheliche Nachkommen so gehört den Hinterbliebenen die Beihülfe für das aus den Sterbemonat folgende Vierteljahr. § 3. Die Beihülfe unterliegt nicht der Pfändung § 4. Ausgeschlossen von dem Bezug der Beihülfe sind: a) Personen, welche aus Reichsmitteln Jnvalidenpsnsionen oder entsprechende sonstige Zuwendungen beziehen ; b) Personen, welche nach ihrer Lebens- führung der beabsichtigten Fürsorge als unwürdig anzu- sehen sind; c) Personen, welche nicht ReichSangehörige sind. § 5. Die Bewilligung der Beihülse erfolgt unter Ausschluß des Rechtsweges im Verwaltungswege. § 6. Die Zahlung der Beihülfe ist einzustellen, sobald eine der Voraussetzungen weggefallen ist, unter denen die Bewilligung stattgefunden hat. § 7. Die Mittel zur Ge- Währung der Beihülfen werden alljährlich durch den ReichrhauShaltSetat zur Verfügung gestellt und den Regierungen der einzelnen Bundesstaaten zur gesetzmäßigen Verwendung überwiesen. § 8. Das Gesetz tritt am 1. April 1905 in Kraft.
Ueber eine neue Erfindung zur Verwertung des Spiritus fürLeuchtzwecke wird der Münchener Allgem. Ztg. aus Berlin geschrieben: Nach langen, ver- geblichen Versuchen ist es endlich gelungen, dem Spiritus durch Zusatz eines Oels die Fähigkeit zu geben, daß er ohne Anwendung eines GlühkörperS mit helleuchtender Flamme brennt Früher trat bei allen Versuchen der Uebelstand ein, daß sich harzige Stoffe infolge unvollkommener Verbrennung im Dochte absetzten, ihn verstopften und unbrauchbar machten. Das neue Verfahren ist für