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Hersselder Kkeisblatt.

Gratisbrilagm:Jlliistrirtcs SonntagsblaU" und .LUuslliltc Lau-Wirtschastlichc Beilage."

XX* Fernsprecher Nr. 8. *$e

fc. 146.

SoVüteild im 10. Iezemder

1904.

Die heutige Nummer um­faßt 14 Seiten.

Erstes Statt

Amtlicher Teil.

Hersseld, den 6. Dezember 1904.

Die Herrn Bürgermeister des Kreises, welche meine Beifügung vom 16. März 1878 J. Nr. 904 (Kreisblatt Nr. 23) bezw. vom 14. April 1893 I. I. 2205 (Kreis­blatt Nr. 46) betreffend: Einreichung der tabellarischen Auszeichnungen über die Ergebnisse der polizeilichen Maaß. und GewichtSrevisionen noch nicht erledigt haben, veranlasse ich hiermit, vorgenannte Verfügung b i s spätestens zum 12. d. M t s. zu erledigen, andern­falls wird gegen jeden Säumigen eine Ordnungsstrafe von 3 Mark festgesetzt werden.

3- I. 901g. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 7. Dezember 1904.

In Ergänzung meines Ausschreibens, vom 24, Ok­tober d. I». I. 7665 (KreiSblatt 127) teile ich den Herren Ortevorständen des Kreises weiter mit, daß Zahlungsfähigkeitsbescheinigungen und Bürgscheine für Beträge unter 150 Mark nach § 4 a bes Stempel- keuergesetzeS stempelfrei sind.

l. 9006. Der Königliche Landrot

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung» Rat.

Hersseld, den 6. Dezember 1904.

Unter der Schasherde des Schäfers Heinrich Bier­wirth zu Friedigerode (Kreis Ziegenhain) ist die Räude ausgebrochen.

1. 8934. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Nichtamtlicher Teil.

Politischer Wochenbericht.

Wieder hat im Reichstage wie schon mehrfach ein Rededuell Bebel-Bülow bei der Etatsberatung statt- gefunden, und wieder hat der sozialdemokratische Partei­führer die denkbar schwerste Abfuhr davongetragen. Mit schneidender Ironie wußte der Reichskanzler den vollen­deten Widerspruch, ja man kann sagen, Widersinn in dem Gebühren der Sozialdemokratie vor der Oeffent« lichkeit sestzunageln. Die Sozialdemokratie trieft sonst immer förmlich vonFriedensliebe und Friedensschwärmerei, Rußland gegenüber aber spielt sie den säbelrasselnden Chauvinisten. Jeder, auch der geringfügigste Anlaß dient der sozialdemokratischen Presse dazu, eine Hetze großartigen Stils gegenüber unserm russischen Nachbar- reiche in Szene zu setzen. Mit Recht konnte der Reichs­kanzler als Schlußsazit seiner diesbezüglichen Ausführ­ungen den Satz hinstellen, daß eine sozialdemokratische Leitung unserer Politik garadezu eine stete Bedrohung der Friedens und eine fortdauernde Kriegsgefahr be­deuten würde. Auch was Graf Bülow sonst noch über

das autogratische Parteiregiment Bebels, über die Deutschlandshetze in einem Teile der englischen Presse, über den Königsberger GeheimbundSprozeß, über Deutsch- Südwestafrika u. s. w. sagte, war äußerst wirkungsvoll und wird sicherlich nicht verfehlen, einen kraftvollen Widerhall im Lande zu finden.

Der Abbruch der deutsch-österreichischen Handels- vertrags-Verhandlungen scheint der öffent­lichen Meinung in Oesterreich doch bereit» einigen An­laß zur Beunruhigung zu bieten. Es ist die» ja auch durchaus verständlich, wenn man bedenkt, daß die Aus­fuhr Oesterreichs nach Deutschland für die wirtschaftlichen Lebensintereffen des Donaureiches bei weitem schwerer ins Gewicht fällt, als umgekehrt die Ausfuhr Deutsch­lands nach dorthin. Wir erfreuen uns in unserem Handelsverhältnisse zu Oesterreich unstreitig der stärkeren Position und können daher den weiteren Gang der Dinge mit Ruhe abwarten. So ist denn auch die Festig­keit in der Wahrung der Interessen Deutschlands, welche unsere Regierung bei den Handelsvertrags-Verhandlungen mit Oesterreich, aller freihändlerischen Angst- und Heul­meierei zum Trotze, bekundet hat, aufs freudigste zu be­grüßen.

Im r u f fi f ch -j a p a n i f ch e n K r t e g find die Japaner durch die Besetzung des 203-Meter-BergeS der Bewältigung Port Arthurs einen gefährlichen Schritt näher gekommen. Das Wesentliche dieser neuen Stellung scheint darin zu liegen, daß die russische Flotte nunmehr unter das Feuer der japanischen Geschütze ge­nommen werden kann, und so wird denn auch von ja­panischer Seite tatsächlich bereits berichtet, daß von den russischen Schiffen in Port Artur diePoltawa" ge­sunken, derRetwisan' schwer beschädigt seien. Vorläufig aber ist noch nicht feststehend, ob die japanische Position sich behaupten läßt, zumal von russischer Seite verzwei­felte Anstrengungen zu ihrer Wiedereroberung gemacht werden. Immerhin ist die Bedrängnis in Port Arthur aufs höchste gestiegen.

In den Verein igten Staaten von Nord­amerika ist die Botschaft des Präsidenten Roosevelt im Senat und im Repräsentenhause zur Verlesung gelangt. Sie legt in interessanter und be- merkenswerter Weise die Grundzüge Rooseveltscher Politik dar, die ja zugleich die Politik des modernen Amerikaner-

tums überhaupt ist. Das hochgespannte Krastgefühl und Machtbewußtsein der unter dem UnionSbanner geeinten Nation spricht aus das deutlichste aus den Zeilen dieser Kundgebung zu uns. Klipp und klar wird auf Grund der Monroe-Doktrin den Vereinigten Staaten eine internationale Polizeigewalt" gegenüber allen Ländern der westlichen Hemisphäre zugesprochen, die durch an­haltenderUnrechtlun" oderOhnmacht" sündigen. Mit scharfen Worten wird ^weiterhin jede Anwandlung friedensseliger Stimmung zurückgewiesen. Pflicht einer Nation sei es, die eigenen Rechte und Interessen zu schützen, und Abrüstung würde gleichbedeutend mit Rück- sall in Barbarei sein. Und diese Theorie verdichtet sich denn auch sofort zu konkreten Forderungen für den Ausbau der Nordamerikanischen Flotte. Hierzu werden die Erfahrungen des russisch-japanischen Kriege« heran­gezogen. Alle» in allem darf die Botschaft Roosevelt« als ein hochinteressante» Dokument neuamerikanischer Politik bezeichnet werden, deren starke Strebepfeiler und Tragbalken Protektionismus und Imperialismus sind.

Jet Urieg zwischen Japan und Rußland.

Noch immer hat sich keine der beiden Armee- leitungen bei Mulden zu einer entscheidenden Unter­nehmung entschließen können, und der in der neueren Kriegsgeschichte beispiellose Zustand des Gegenüberstehens gewaltiger Heere, ohne daß es zu einem allgemeinen Kampfe kommt, dauert Woche um Woche weiter an. Die Armeen beschäftigen sich außer Rekognoszierungen und kleinen Teilgefechten nur damit, ihre Stellungen immer

stärker zu verschanzen und nach den Seiten hin auszu- dehnen;über die Absichten des Gegners scheint in beiden Hauptquartieren volle Unklarheit zu herrschen.

Es wird nach allen Anzeichen immer unwahrschein­licher, daß die Japaner eine allgemeine Offensive planen. Der Zweck ihrer mißglückten Unternehmung gegen die Abteilung Rennenkampf ist schwer zu erkennen. Ein Frontalangriff erscheint jetzt unausführbar und ein An­griff westlich des Hunho aus politischen Gründen un» ratsam. Bei dem letzten Gefecht Rennenkampf« erbeute­ten die Russen über 800 Gewehre. Zurzeit verlängern beide Armeen ihre Front nach Osten.

Das japanische Bombardement auf die russischen Schiffe, die noch vor Port Arthur lie­gen, nimmt mit Erfolg seinen Fortgang; wiederum sind zwei Linienschiffe schwer beschädigt worden.

Tokio, 8. Dezember. Das kaiserliche Hauptquar­tier gibt bekannt: Das Ergebnis der gestrigen Be­schießung mit den großkalibrigen Geschützen war ausge­zeichnet. Es wurde beobachtet, daß viele Schüsse auf den SchiffenPereswjet",Pobjeda" undPallada" ein- schlugen.Pereswjet" geriet um 3Vi Uhr in Brand, Pobjeda" legte sich nach Steuerbord.

Ein Versuch der Russen, den Rest ihrer Schiffe in den geschützten Teil bes Hafens von Port Arthur zu bringen, ist mißlungen. Drei weitere Schiffe wurden von den Japanern in Brand geschossen, die übrigen sollen bereits völlig seeuntüchtig sein.

Ueber den Verlauf der Kämpfe, die zur Erstürmung des 203-Meter-Hügels führten, sowie über das negative Er- gebnis der gleichzeitigen Stürme auf die anderen Ver- teidigungswerke wird ein genauerer Bericht in folgendem veröffentlicht.

Von der Belagerungsarmee vor Port Arthur wird gemeldet: Nach zehntägigen ununterbrochenen Kämpfen gaben die Ruffen den Versuch, den 203-Meter-Hügel wieder zu erobern, auf. In Anbetracht der großen Wichtigkeit der Stellung verteidigten sie diese mit äußerster Hartnäckigkeit. Einen Tag nach dem andern fiel der Kampfplatz bald in den Besitz der einen, bald der anderen Partei, und das Blutbad war entsetzlich, bis die Japaner am 27. November den Hügel endgültig eroberten. Der allgemeine Sturm auf Port Arthur am 26. November wurde von japanischer Seile mit allen Hilfsmitteln ausgeführt, endete jedoch nur als eine gräß­liche Tragödie. Der Hauptgürtel der Verteidigungs­werke blieb unversehrt. Die Russen kämpften mit wun­derbarer Energie und verteidigten die ganze Linie auf» geschickteste, obwohl die Japaner häufig Scheinangriffe machten und Massenumgehungen versuchten. Die Gar­nison war wachsam und benutzte ihre Stützpunkte so großartig, daß die Japaner überall in Schach gehalten wurden.

Admiral Birilew, der Kommandant der Flotte in den baltischen Häfen erklärte in einer Kommissionssttzung, daß der Zar die Bildung eines dritten Geschwader» besoh­len habe, bas sich aus Schiffen, mit allen Errungenschaften der modernen Technik ausgerüstet, zusammensetzen wird. Die Kriegsfahrzeuge, die in Betracht kommen können, sind allerdings größtenteils erst im Bau begriffen; an eine Ausfahrt des neuen Geschwaders ist somit erst nach vielen Monaten zu denken.

Der deutsche DampferKapitän Men- z e l l," dem, von der englischen Behörde in Cardiff da» Einnehmen von Kohlen für die russische Flotte verwehrt wurde, ist nach Cuxhafen zurückbeordert worden. In dieser Angelegenheit wird übrigen» eine amtliche Er­klärung veröffentlicht.

London, 8. Dezember. Die deutsche Botschaft stellt die Nachricht in Abrede, daß sie irgendwie mit dem Kohlenverkauf für die russische Flotte durch den deutschen Konsul in Cardiff besaßt worden sei. Die Botschast stellt nicht in Abrede, daß der Konsul Kohlen verkauft haben mag, aber er sei Kaufmann in Cardiff, und was er als solcher für Privatgeschäfte mache, gehe in keiner Weise die deutsche Regierung an und sei in keiner Weise