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Gratisbeilagen:Jllustrirtes Sonntagsblatt" undJllustrirte Landwirtschastliche Beilagen

$»niitrSiig 6« 8. Iezember

1961

Amtlicher Teil.

Cafsel, den 25. November 1904.

Aus Anlaß eines EinzelsalleS bringe ich den von mit unterm 24. Januar 1898 A II 796 bekannt gegebenen Erlaß des Herrn Ministers des Innern vom 14. Januar 1898 II. 17483 (M. Bl. Seite 22) betreffend die Mitteilung polizeilicher Strafverfügungen gegen Schüler an die Schulbehörde in Erinnerung und ersuche gegebenen Falles nach ihm zu verfahren.

Der Regierungs-Prästdent. J. V.: von Kamele.

An den Herrn Polizei-Präsidenten hier, die Herren Polizei-Direktoren zu Hanau und Fulda und die Herren Landräte des Bezirks.

* *

Hersfeld, den 5. Dezember 1904.

Vorstehendes wird mit Bezug auf meine Verfügung vom 4. Februar 1898 I. 648 lKreiSblatt Nr. 17) zur Kenntnis der Herren OrtSpolizeiverwalter des Kreises ge­bracht. Die Bestimmungen des Erlaffes sind genau zu beachten.

3 I. 6884. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Th s m e r.

Hersfeld, den 5. Dezember 1904.

Mehrere Ortspolizeibehörden des Kreises haben nach Ablauf des 1. Kalenderh albjahreS 1904 für dieses die Anzeigen über das Ableben vorbestrafter Personen erstattet.

Ich bringe deshalb meine Verfügung vom 6. Januar 1904 I. I. Nr. 59 (Kreisblatt Nr. 4) wonach die Listen über die vorbestraften verstorbenen Personen jetzt nur bis zum 1. März jeden Jahre» für das ab­gelaufene Jahr an die Staatsanwaltschaft ein-- zusenden sind, in Erinnerung.

I. 8878. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Aonigliches Landratsamt.

Sprechstunde r Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

Der Fra»e«nbarbier.

Erzählung von Johanne» Dose.

(Fortsetzung.)

Dortje geriet in einen maßlosen Aerger und hätte vor Erbitterung weinen mögen. Sich vor den Leuten beherrschend, verließ sie sogleich mit dem Kinde da« Tanzlokal und verfluchte laut den Ernteball.O, der teure, echte Schmuck war ein Erbstück von meiner Mutter."

Ihr Verlobter meinte:Ja bei der Tanzeret kommt nicht« heraus als Geldverlust."

In ihrem Zorn faßte sie gute Vorsätze.In meinem Leben gehe ich nicht wieder in einen ,Bum«', wo man bestohlen wird."

Heine Hansen begab sich zu dem Wächter des Gesetzes Und meldete den Vorfall. ^Der Wachtmeister ohne Sporen, nämlich der Gendarmerie - Wachtmeister zu Fuß, der in Hettstedt wohnte, marschierte in der Nacht ein paar Meilen auf der Pürsche nach dem Polacken. Aber er fand Rummelinrli nicht, der hinter einer Hecke friedlich und wie da« gute Gewissen schlief.

Am Morgen begab sich der Frauenbarbier, noch in sehr übler Laune und den Tanzboden verwünschend, den sie just passierte, zu einem hochbetagten Bauer, der nach der alten Mode der Väter sich bei Gesundheit erhielt und alljährlich zweimal sich schröpfen ließ. Dortje hatte von ihrem Seligen auch das Schröpfen und die Heil­dienerkunst erlernt.

Zugeflogen: eine Brieftaube. Meldung bei dem Orts- Vorstand in Kerspenhausen.

Nichtamtlicher Teil.

At MMt im Reichstage.

Im Reichstage haben die Etatsverhandlungen, mit denen die erste Lesung der Militär-Vorlagen verknüpft worden ist, ihren Anfang genommen. Sie wurden mit Reden der Staatssekretär» des Reich»,Schatzamtes, Frhrn. v. Stengel, und des Kriegsministers, v. Einem eingeleitet. In sachlicher, eindrucksvoller und überzeugender Weise be, gründeten die beiden Redner die Forderungen der Re. gierung.

Der zweite Tag der Etatsberatung brächte zunächst eine bemerkenswerte Rede des Zentrums - Abgeordneten Spähn. Am meisten Hervorhebung verdient da», was der Zentrumsredner über den Abbruch der Handelsvertrags- Verhandlungen mit Oesterreich > Ungarn äußerte. Unter lebhafter Zustimmung der großen Mehrheit des Hauses erklärte er, daß man sich in Oesterreich. Ungarn sehr irre, wenn man glaube, wir würden uns bei dem gänzlichen Scheitern der Verhandlungen auf einen Meistbegünstigungs - Vertrag einlaffen. Jeder fei sich schließlich selbst der nächste, und Deutschland habe genügend unangenehme Erfahrungen mit dem deutsch­amerikanischen Meistbegünsttgungs-Vertrag gemacht. Nach dem Abgeordneten Spähn hielt Bebel eine seiner ge­wohnten Reden zum Fenster hinaus. Nicht weniger als drei Stunden erging sich der Herr Obergenoffe über alle möglichen und unmöglichen Dinge. Klage reihte sich an Klage, Vorwurf an Vorwurf, sodaß, wer seine Kenntnis unserer Zustände aus der Bebelschen Rede schöpfen wollte, in der Tot annehmen müßte, Deutschland stände bereits am Abgrunde des Verderben» und sei rettungslos ver­loren.

Als der sozialdemokratische Parteidiktator endlich zum Schluffe gekommen war, erhob sich der Reichskanzler, um sogleich zu antworten und die Bebelsche Brandrede nicht unwidersprochen in die Welt hinausgehen zu lassen. Die Rede des Reichskanzlers bedeutet unstreitig den Höhepunkt der bisherigen Etatsdebatte. Hageldicht sausten die Hiebe auf das Haupt des Herrn Genoffen nieder, und mit über­legenem Humor wußte Graf Bülow feinen Gegner fast spielend in den Sand zu strecken. Vortrefflich gelang

Unerwartet bog um die Kirchenecke die kleine, ver­wachsene und spitznasige Dorsscheiderin, die recht unver­schämt stehen blieb.Ja, Frau Drescher, wie steht es mit meiner Rechnung von cbt Mark

Dortje schüttelte unwirsch den Kopf.Ach, Sie werden wohl noch die paar Mark kriegen, ich habe noch immer bezahlt."

Ich brauche notwendig Geld, meine Liebe, obgleich unsereins sich nicht leisten kann, auf Bälle zu gehen; die paar lumpigen Mark werden Sie doch am Sonn, abend und Sonntag eingestrichen haben I"

Frau Drescher hatte eine patzige Antwort auf der Zunge, aber beherrschte sich und vertröstete die Schnei­derin auf ein bis zwei Wochen höchstens.

Der Stoff der schönen Bluse mit Spitzen und Ein­satz war bezahlt aber der Nählohn nicht.

Drei Wochen gingen schnell ins Land. Dortje wärmte zum Abendessen den Kohl auf, den ihr Heine auf seinen Acker gezogen. Es war der letzte Weißkohl, den er ihr zum Geschenk gemacht, und die ganze übrige Ernte schon verkauft.

In der Schlummerstunde, wo sie nicht mehr sehen konnte und ihre Ausgänge besorgte, kam die bucklige Schneiderin in die Barbierstube und wurde sogleich impertinent. Jetzt könne sie nicht länger warten.

Dortje wurde rot vor Scham und Aerger und stammelte, daß sie da» Geld vor Sonntag nicht habe.

Die Spitzrückige und Spitznasige fing an, spitzige

ihm insbesondere der Nachweis des klaffenden Wider­spruchs zwischen den Bebelschen Lehren und Taten. Der sozialdemokratische Parteiführer spottet seiner selbst und weiß nicht wie; denn gerade die Art, wie Bebel selbst die sozialdemokratische Partei nach seinem Willen lenkt, steht auf der Höhe der absolutistischen Zustände, die ihm in Rußland so wenig gefallen. Weiter führte der Reichs­kanzler Herrn Bebel zu Gemüte, wie wenig seine mit großem Pathos zum Ausdruck gebrachte Friedensliebe zu der sozialdemokratischen Hetze gegen Rußland paßt. Mit feiner Ironie sprach er die Hoffnung aus, daß diese Reiz­barkeit des Nationalgefühls der Sozialdemokratie sich auch bei anderer Gelegenheit bemerkbar machen möge, nämlich wenn es gelte, das Vaterland so stark zu machen, daß es die kampfeslustige Politik der Sozialdemokratie mit Ehren und Erfolg durchzuführen imstande fei.

Ferner benutzte der Reichskanzler die Bebelsche Rede, um aus zahlreiche Fragen politischer Natur Antwort zu erteilen. Beispielsweise ging er auf da» Interview mit dem englischen Journalisten Bashford ein und sagte, da» Interview habe den Zweck verfolgt, die «unverschämten Lügen", welche in England über unsere angebliche Ein­mischung in die Tibet-Angelegenheit und Veranlassung de» Huller ZwischenfalleS verbreitet worden seien, ak^olche zu brandmarken. Sehr ausführlich beleuchtete Graf Bülow endlich noch die Lage in Südwestarika, indem er dabei die Grundzüge eines Plane» für die spätere Ver­waltung der Kolonien entwarf. Dagegen unterließ er eine Erörterung der Handelsverträge, über die vielmehr Graf Posadowsky Auskunft erteilen wird.

Ueberblickt man den bisherigen Gang der Etatsdebatte, so muß man sagen, daß die Regierung außerordentlich gut abgeschnitten hat, und daß die Vertreter des Regie- rungs-Standpunkte» sich durch geschickte Führung ihrer Sache allen gegnerischen Einwänden und Angriffen ge­genüber siegreich behauptet haben. w.

Der Arieg zwischen Japan und Rußland.

Der im Hafen von Port Arthur liegende Rest der russischen Flotte dient jetzt den Belagerern zum Hauptzielpunkt ihres Artilleriefeuers. Nach einer Mel­dung aus Tokio dauert die Beschießung des Geschwaders durch die Japaner mit Erfolg an. Am Abend des 4. Dezember wurden zwei oder .drei Schiffe beschaffen und brannten eine halbe Stunde. Die Namen der Schiffs

Reden zu führen.Was, Sie bestellen sich Blusen wie Bankiersfrauen und haben nicht einmal acht Mark im Haufe!"

Frau Drescher holte drei Mark au» der Tasche, öffnete verlegen ihre Bank, nämlich die Schatulle, und kramte in allen Schubfächern. Nur das Lotterielos fiel ihr in die Hand, und sie warf es verächtlich hin.

Die Augen der Schneiderin, die eine eifrige Spielerin und noch dazu in dem Aberglauben befangen war, daß aus zweiter Hand erworbene Lose sicher Glück brächten, schaffen gierig über das Los hin.Ist das ein Achtel?" Nein, ein Viertel I"

Frau Drescher, ich nehme da» Los für fünf Mark und bekomme einen Taler in bar dazu, dann sind wir quitt."

Nein, das Los kann ich nicht verkaufen," sagte Dortje und war schon in großer Versuchung. Es würde doch nur eine Niete sein, und wenn es eine Niete wäre, würde Heine von dem Verkaufe nie etwas merken.

Die Schneiderin schrie frech.So, Sie wollen Ihre Schulden nicht bezahlen, und ich, ich werde Ihnen den Gerichtsvollzieher ins Haus schicken und die Bluse pfänden."

Dortje, die ein Feind des dummen Lotteriespiel« war, warf in Wut das Los hin.Nehmen Sie meinet» wegen den Wisch für sechs Mark l"

Die Bucklige grapste geschwind den gestempelten Zettel und steckte ihn sowie die zwei Mark in die Tasche.