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Gratisbkilagcii: „Jlliisliiilcs Sonntagsblall" und .Lllustlirle Landwirtschastliche Beilage."
es- Kernsprecher Nr. 8. "SX
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0<y®ie heutige Nummer um» saßt 12 Seiten.
Erstes Statt.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 23. November 1904.
Es ist schon wiederholt die Wahrnehmung gemacht worden, daß seitens einer Anzahl von Gemeinden des Kreises über 100 Prozent Zuschläge zur Staatseintom» mensteuer als Gemeindeumlagen erhoben worden sind, ohne daß die nach § 77 3 c des Kommunalabgabenge- sitze» vom 14. Juli 1893 in Verbindung mit dem Er- lasse der Herren Minister der Finanzen und des Innern vom 3. Dezember 1900 (Amtsblatt 1901 Seite 47) erforderliche Zustimmung des Herrn RegierungS-Präsidenten eingeholt worden ist.
Dieses Verfahren ist durchaus unzulässig und spreche ich die bestimmte Erwartung aus, daß künftig in allen Fällen, wo mehr als 100% der Staatseinkommensteuer als Gemeindeumlagen erhoben werden sollen, stets die vorgeschriebene Genehmigung durch diesseitige Vermittelung eingeholt wird.
Außerdem ist bei Prüfung der Voranschläge festgestellt worden, daß bei vielen Gemeinden die durchlaufenden Posten in Einnahme und Ausgabe nicht genau überein« stimmen, Dieses muß jedoch stets der Fall sein. Insbesondere sind bei dem Titel »Durchlaufende Posten" sowohl in Einnahme als auch in Ausgabe folgende Beträge aufzunehnen:
1. Loorholzgeld.
2. Beiträge:
a. Zur land- und forstwirtschaftlichen Berufsge« noffenschaft.
b. Zur Baugewerks- und Tiefbau-BerufSgenoffen« schaft.
c. Zur Viehversicherung an den Kommunalverband, d. Zur LandwiilschastSkammer.
3. Militär- und Einquartierungswesen.
4. Betriebssteuer für den ÄreiS^
Genaue Beachtung vorstehender Verfügung wird den Herrn OrtSvorständen nochmals besonders zur Pflicht gemacht, indem ich andernfalls genötigt sein würde, mit unliebsamen Maßregeln vorzugehen.
A. 3780. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 29. November 1904.
Die unter dem Schweinebestande des Ackermann» Conrad Kimpel zu Salzberg (Kreis Homberg) ausge- brochene Rollauffeuche ist erloschen.
L 8723. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rat.
Nachdem die zuständigen Herren Minister das neue Statut für die von der Landwirtschaftskammer hierselbst eingerichtete Hufbeschlag-Lehrschmiede in Fulda und die für diese Lehrschmiede ausgestellte neue Prüfungsordnung für Hufschmiede genehmigt haben, erteile ich hiermit dieser Lehrschmiede widerruflich die Berechtigung zur Vornahme von Prüfungen der in der Lehrschmiede im Husbeschlage ausgebildeten Personen unb zur Ausstellung der zum Betrieb des Husbeschlaggewerbes befähigenden Prüfungszeugnisse für diese Personen. Diese Zeugnisse berechtigen ihre Inhaber nach Vollendung des 24. Lebensjahres zur Anleitung von Lehrlingen in Handwerksbetrieben des Hufbeschlag- gewerbes.
Der Prüfungskommission der Husbeschlaglehrschmiede >n Fulda gehören folgende Personen an:
1. Departementstierarzt Tietze in Cassel als Vorsitzender und Kreistierarzt Schlitzberger in Cassel als stellvertretender Vorsitzender.
2. Kreistierarzt Dr. Froehner in Fulda als theoretischer Leiter der Lehrschmiede.
3. Hofschmiedemeister Auth in Fnlda als praktischer Lehr- schmiedemeister.
4. Rittmeister d. L. Deichmann in Lembach als Sachverständiger aus dem Kreise der Hufbeschlaginteressenten und Amtsrat Vaupel in Ermschwerd als Stellvertreter des Rittmeisters Deichmann. (A. II. 15783.) Cassel am 22. November 1904.
Der Regierungs-Präsident, Trott zu S o l z.
* * * Hersfeld, den 26. November 1904. Wird veröffentlicht.
I. 8675. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Saatenstand um die Mitte des Monat- November 1904 im Kreise Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noren): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = Mittel, 4 = gering, 5 = sehr gering.
(Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft ic. sowie des Innern vom 16. November 1901. — I B c 9476 M. f. L. — I t> 3646 M. d. I. —)
Fruchlaiten
Durchschnittsnoten für den
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
Staat
Reg.-Bez. Cassel
1
2
3
4
5
03
1
7
1
1O
1
Winterweizen
2,4
2,3
3
3
1
Sommerweizen
—
—
Winterspelz
1,7
—
Winterroggen
2,4
2,1
3
3
1
Sommerroggen
—
—
Sommergerste
—
—
Hafer . .
—
—
Kartoffeln .
—
—
Klee . . .
3,4
3,0
1
4
1
1
Luzerne. .
3.1
2,9
1
1
Wiesen:
BewäfferungS-
—
—
Andere
—
—
Königliches statistisches Bureau. B l e n k. Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 29. Novbr. 1904.
J I. 8729. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Gefunden- Gegenstände:
Eine Retsedecke und eine Laterne. Meldung bei dem
Ortsvorstand in Asbach.
Nichtamtlicher Teil.
Politischer Wochenbericht.
Wir befinden uns gegenwärtig in einer Periode parlamentarischer Hochflut. Der Reichstag und die beiden Häuser des p r e» ß i s ch e n Landtages sind gleich- ' zeitig in Berlin versammelt. Entscheidungen und Be- i schlösse von großer Tragweite stehen sowohl im Reiche wie in Preußen bevor. Handelt es sich dort um Handelsverträge und Militär-Borlagen, so hier um die Kanal-Vorlage. Angesichts dieses Sachverhaltes ist dringend zu wünschen, daß sich die Volksvertreter jeder Zeit von dem Gefühle ihrer hohen Verantwortlichkeit leiten lassen. Insbesondere müßte der Besuch der parlamentarischen Sitzungen ein reger sein und die persönliche Redelnst den Rücksichten der Geschäftslage untergeordnet werden. Für die Sozialdemokratie freilich werden solche Mahnungen nach wie vor in den Wind gesprochen sein. Wieder wird sich zweifellos von den Bänken der Umsturzpartei ein unaufhaltsamer Rede
schwall ins Land ergießen. Die sozialdemokratische Partei beweist eben durch diese gewissermaßen dauernde Obstruktion, daß sie eigentlich einen Fremdkörper in unserm parlamentarischen Leben darstellt, und unwillkürlich wird man immer wieder an die tiefe Wahrheit des Kröcherschen Wortes erinnert, daß die Sozialdemokratie sich nur zum Objekt, niemals aber zum Subjekt der Gesetzgebung eigne.
In einigen süddeutschen Bundesstaaten bereiten sich Landtagswahlen vor. Es bieten sich dort dem Vaterlandsfreunde das betrübende Schauspiel dar, daß bürgerliche Parteien sich anschicken, Arm in Arm mit der Sozialdemokratie ihren Gegner aus den Reihen des Bürgertums zu bekämpfen. Augenblicks -und Opportuni- täts-Rücksichten sollen hierfür maßgebend sein. Nun ist Opportunitäts-Politik gewiß innerhalb bestimmter Grenzen berechtigt. Hier aber scheinen uns diese Grenze bei weitem überschritten. Jedes Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie ist im tiefsten Grunde ein Stück Totengräberarbeit für das Bürgertum; den Vorteil wird am letzten Ende immer der revolutionäre Freund haben, dem damit das Mäntelchen der Harmlosigkeit umgehängt wird. Es läßt sich schlechterdings kein Gegensatz zwischen den bürgerlichen Parteien denken, der auch nur im entferntesten an die tiefe, unüberbrückbare Kluft heranreichte, der die Sozialdemokratie für immer von den Anhängern des Bestchenden scheidet. So sollten alle, denen das Wobl des großen Ganzen höher steht als das Partei - Interesse, nicht müde werden, anläßlich der bezeichneten Vorgänge unausgesetzt ihre warnende und abmahnende Stimme zu erheben.
Die Verhandlungen über den deutsch-öfterreichi- schen Handelsvertrag haben bisher zu keiner Einigung geführt, sondern sind vielmehr vorläufig abgebrochen worden. Graf Posadowsky und sein Stab reisten nach Berlin zurück. Die Schwierigkeiten liegen hauptsächich in der Regelung der Viehseuchen-Konvention unb in österreichischen Ansprüchen an die deutschen Jndustriezölle. Eine wesentliche Verzögerung des Einbringens der schon abgeschlossenen Verträge im Reichstage wird indessen durch das negative Resultat der deutsch-österreichischen Verhandlungen nicht herbeigeführt werben. Vielmehr wird der Reichskanzler nicht zögern, die fertigen Verträge einzubringen und die Kündigung des bestehenden Vertrages mit Oesterreich- Ungarn ins Auge zu fassen. Das deutsche Volk wird ihm für diese Haltung, die den Interessen des Schutzes der nationalen Arbeit entspricht, sicherlich herzlichen Dank wissen.
Handelsvertrags-Angelegenheiten gibt es auch sonst noch aus der verflossenen Woche zu erwähnen. Die serbisch- deutschen Verhandlungen haben zn einem Vertrags-Abschlusse geführt. In Italien aber hat König Viktor E m a n u e l sich in seiner Thronrede bei Eröffnung des Parlaments in beachtenswerter Weise über die Handelsverträge mit Deutschland, der Schweiz und Oesterreich-Ungarn geäußert. Er betonte, daß hierdurch die Schädigungen eines Zollkrieges mit diesen Ländern vermieden seien, und daß damit bewiesen sei, daß die schutzzöllnerische Strömung, die die Welt beherrscht, den Abschluß von Haudels-Uebereinkommeu nicht verhindert, wenn die Regierungen von den Gefühlen der Billigkeit und Solidarität geleitet werden.
Ueberaus interessante und beachtenswerte Aeußerungen hat endlich unser Reichskanzler Graf v. Bülow in einer Unterredung mit dem Engländer Bashford getan. Die Aeußerungen galten im Wesentlichen einer Abwehr der Angriffe und Verdächtigungen, denen Deutschland in einem Teile der englischen Presse während der jüngsten Zeit ausgesetzt gewesen ist. Mit großer Genugtuung muß vor allem festgestellt werden, daß der Ton, den Graf Bülow dein englischen Interviewer gegenüber angeschlagen hat, bei aller Höflichkeit doch keinen Zweifel darüber läßt, daß Deutschland weit entfernt davon ist, sich durch Drohungen, wie die von der „Army and Navy Gazette" ausgesprochenen, irgendwie einschüchtern zu lassen. Hoffentlich wirken die Ausführungen deS Grasen Bülow auf die professionellen Hetzer in England etwas ernüchternd und abkühlend ein.