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tr^ftllicr Kreisbllltt.
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XX* Nernsprecher Nr. 8. ■gs
«r. 142.
Lomerstlis hn 1. Tezember
1964.
Amtlicher Teil.
Berlin W., den 8. November 1904.
Von dem Direktor des hiesigen Königlichen Instituts für Infektionskrankheiten ist erneut darüber Klage geführt worden, daß die von tollen oder tollwutverdächligen Tieren gebissenen Personen, welche das genannte In. fiitut aufsuchen oder diesem zur Behandlung zugeführt werden, vielfach in unsauberem Zustande und nickt mit den notwendigen Kleidungsstücken versehen, anlangen. Indem wir dieserhalb auf den Erlaß vom 22. Juni 1901 — M. d. g. A. — M. 11834 — M. d. I. Ha 5193 — bezug nehmen, ersuchen wir Euer tzochwohlgeboren ergebend, die Polizei- und Ortsbehörden in geeigneter Weise daraus aufmerksam zu machen, daß die das ge- dachte Institut aussuchenden Personen in reinlichem Zustande des Körpers und der Kleidung, namentlich der Leibwäsche und mit genügender Leibwäsche (Hemden, Unter-beinkleider, Strümpfe) zum Wechseln daselbst er» scheinen müssen.
Die zu impfenden Personen sind ferner nach dem Jnstitutsneubau in Berlin, Nr. 39 Nordufer-Föhrerstr. am Ringbahnhof Puttlitzstr. zu verweisen, die Zeit der Abreise vom Wohnorte ist zweckmäßig so zu legen, daß die betreffenden Personen noch im Laufe deS Tages, tunlichst bis 3 Uhr nachmittags in dem Institute ein* treffen. Durchaus notwendig ist es, daß den Patienten von der zuweisenden Behörde, etwa bei der Einhändigung der Ueberweifungepapiere, jede etwaige Furcht vor der ihnen bevorstehenden Behandlung genommen wird, indem sie daraus hingewiesen werden, daß die Behandlung nur in einer täglich vorzunehmenden, gänzlich schmerzlosen Einspritzung unter die Haut besteht, und niemand eine Einsperrung zu gewärtigen hat. Schließlich sind zur Vereinsackung des Geschäftsganges neben der Anzahlung für Verpflegungskosten, welche in Abänderung des Er- laffes vom 19. Dezember 1899 — M 7483 U I — hierdurch anderweit auf 60 Mk. für Erwachsene und 45 Mk. für Kinder unter 14 Jahren festgesetzt werden, sogleich auch die Kosten der Rückreise mit einzuzahlen, sofern die betreffenden Personen nicht mit Rückfahrkarten versehen sein sollten.
Euer Hochwohlgeboren wollen auch wegen Berücksichtigung der letzten Punkte bei der Zusendung von
Die Durchgänger.
Roman von Karl von Heigel. (Nachdruck verboten).
(Schluß )
„Au« dem gleichen Grunde dringe auch ich auf Scheidung !" rief Hans. „Diese Ebba ist nicht meine Ebba. Daß ich von meiner Feder leben muß, hab' ich ihr vorher oft genug gesagt. Damals war sie zu jedem Opfer bereit, doch wie ward es in der Folge I Wie sie lebt und wonach sie langt, läßt mich meine Armut fühlen. Für wen putzt man sich stundenlang im Hause? Wir Männer schauen auf den Arm und nicht aus den Aermel. Und wehe mir, wenn ich beim zähen Mittagsbraten — o, nicht die Köchin, nur sanft den Ochsen tadle! Dann bin ich ein materieller Mensch, bin ein Prasser. Komm' ich abends ekel und abgespannt aus dem Joch, liest sie mir lange Stellen aus französischen Romanen vor — damit ermuntert man einen deutschen Dichter nicht! Oder sie spricht von Nietsche. Man lullt dock niemand mit einem Posaunensolo in Schlaf! — Oder sie tut und spricht überhaupt nichts, sondern schmollt, und die Götter allein missen, warum! Nein, ich will mit nichts hinterm Berg halten: ich weiß, warum: sie sehnt sich nicht nach Kose- morten und Versen, nach Liebe und Leidenschaft, sondern noch dem Leben voll Glanz, nach Gesellschaften, schönen Kleidern und eigenen Wagen! — Und sie hat recht! — Früher hieß es: Willst du die Erde oder den Himmel? Für die Modernen handelt sich'« nur noch um
Patienten an das bezeichnete Institut die erforderlichen Anordnungen alsbald treffen.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten.
Im Austrage, gez.: Förster.
Der Minister des Innern.
In Vertretung, gez.: Bischoffshausen.
An die Herrn Regierungs-Präsidenten und den Herrn Polizei-Präsidenten in Berlin. M. d. g. A. M. Nr. 14338. M. b. Jnn. Ha Nr. 8470.
♦ *
Coffel, den 25. November 1904.
Abdruck lasse ich Ihnen mit dem Ersuchen zugehen, die Nachgeordneten Beamten und Behörden entsprechend zu belehren.
Die angezogenen Erlaffe sind mittels Verfügung vom 1. Juli 1901 — A. II. 7026 und vom 2. Januar 1900 — A. II. 14508 — mitgeteilt worden.
Der RegierungS Präsident.
In Vertretung, v. K a m e k e.
An den Herrn Polizei-Präsidenten hier, die Herren Polizei-Direktoren in Hanau und Fulda und die Herren Landräte des Bezirks. A. II. Nr. 16027.
* *
Hersfeld, den 28. November 1904.
Vorstehende» bringe ich mit Bezug auf das Ausschreiben vom 18. Juli 1901 I I. Nr. 4000 (Kreisblatt Nr. 85) zur Kenntnis der Ortspolizeibehörden des Kreises behufs Beachtung in vorkommenden Fällen.
I. I. 8701. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS Rat.
Hersfeld, den 26. November 1904.
Die unter dem Sckweinebestande des WagncrSJohanneS Brehm zu Sölzerhöfe ausgebrochene Schweineseuchs ist erloschen.
I. 8680. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Bestehender Vorschrift gemäß wird hiermit Folgendes bekannt gemacht:
1. Dienststunden der Königlichen Kreis- und Forstkaffe für den Verkehr mit dem Publikum sind Vormittags von
das Diesseits! arm oder reich? Darben oder genießen? Da fällt die Antwort niemand schwer; aber wie die Welt noch eingerichtet ist, genügt alles Wünschen und Werben nicht, man muß von dem großen Kinde Fortuna zur Tafel geladen sein. Ebba, versteht mich nicht. Eben, weil ich ein Dichter bin, paff' ich nicht zu ihr; denn wir Künstler gehören — mit wenigen Ausnahmen — zur Brüderschaft der ewigen Armut. Und heute, Herr Kommerzieiirat, sog' ich mit Ihnen: arm zu arm und reich zu reich!"
„Seid ihr zu Ende?"
„Ich ließ ihn reden," sagte Ebba mit erkünstelter Ruhe, „obwohl alle» nicht wahr ist."
„Still I" sagte Anno. „Ihr seid beide unvernünftig. Jhr^habt euch damals über das Gesetz gestellt; jetzt ruft ihr nach dem Richter. Da« ist nicht tapfer. Ihr habt einander Treue gelobt. Es ist nicht alles Süßigkeit. Haltet aus, wenn nicht aus Liebe, doch aus Pflicht."
„Pflicht I Pflicht!" rief ihr Bruder ungeduldig. „Es war des Bauer« Pflicht, unmenschliche Fron zu tun, war im Mittelalter Pflicht, die Eltern und das eigene Kind dem Hexenrichter onzugeben, der Richters Pflicht, die Verdächtigen zu foltern."
„Die erste Pflicht haben wir gegen uns selbst," sprach Ebba und hob da« Haupt.
„Wir wollen nicht philosophieren! — Er handelt sich um eure Ehe. — Ihr habt sie einst al« euer höchste« Glück betrachtet. Wohlverstanden, die Ehe! Bitten, List und Gewalt, jede« Mittel war euch recht, um die« Glück zu erlangen. Und so leicht wollt ihr jetzt ver-
8 bis 1 Uhr mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
2. Das Kaffenlokal ist geschloffen:
a. am letzten Werktage eines jeden Monats bis 11 Uhr vormittag«. Fällt der 1. auf etatu Sonntag, dann am vorletzten Werktage bis 11 Uhr,
b. am vorletzten Werktage der drei ersten Vierteljahre, c. an den 3 letzten Werktagen im Monat April,
d. an den Tagen wo größere Holztermine (Taxwert 1000 Mk.) stattfinden.
Hersfeld, den 26. November 1904.
Königliche Kreis- und Forstkaffe Schultheiß.
Nichtamtlicher Teil.
Zu den Vorgängen in Deutsch-Südwest-Afrila.
Ueber den Wert der Maschinengewehre bei den Kämpfen in Südwestafrika spricht ein Artikel des Militärwochenblattes. Er stellt zunächst fest, daß man für das Maschinengewehr zuerst eine „verhältnismäßig geringe Wertschätzung" hatte, sich diese Ansicht aber schon nach dem Gefecht bei Onganjira am 9. April änderte, in welchem die aus vier Gewehrr» gebildete Maschinengewehrabteilung unter Leutnant Graf von Saurma- Jeltsch in der Front kämpfte. Nach dem Gefecht bei Oviumbo am 13. April mürbe die Abteilung im dichtesten Busch in der Schützenlinie so erfolgreich verwendet, daß Oberst Leutwein berichtete: „Vor den Maschinengewehren scheint der Feind größeren Respekt gewonnen zu haben, als vor den Geschützen." Der Artikel kommt zu folgenden Schlußfolgerungen: Unsere Maschinengewehre haben sich als kriegstüchtig bewährt und sind besonders für Kolonialkriege geeignet. Durch die Möglichkeit, freigemacht die Schützen bis in den dichtesten Busch zu begleiten, geben sie der Infanterie in dem Gewirr afrikanischer Kämpfe einen wertvollen Halt, wo die Artillerie aus Mangel an Uebersicht versagen muß. Ganz besonders eignen sie sich zur Deckung der durch den beweglichen und an Zahl stets überlegenen Gegner immer gefährdeten Flanken. Im Vergleich zu europäischen Ver- hältniffen sind sie noch besonders durch den Umstand begünstigt, daß sie ihren hier gefährlichsten Gegner, die Artillerie, dort nicht zu befürchten haben.
zichten? Ihr leidenschaftlichen Herzen, ihr übereilt euch abermals! Ihr habt Schönheit erwartet. Ach, da« Schöne darf man wie die Sterne nicht begehren. Nun seht ihr nur die Flecke, nicht mehr die Sonne.
Es sei — trennt euch — ich geb' euch ein Prüfung», jähr. — Du, mein lieber Bruder, sprichst mir viel zu viel von den Entbehrungen des Literatentum». Wenn dich dein Beruf nicht freut, gehörst du nicht zu den Bc- tufenen. Wie wär's, wenn du zu deiner verlassenen Muse Frau Justitia zurückkehren möchtest!? Du gehst in ein nette» bayerisches Städtchen und bereitest dich zum Aff-ssor vor. Ebba bleibt bei uns, und so wahr ich glaube, daß nur gute Menschen wahrhaft glücklich sind, glaub' ich an die Seele Ebba» und werd' um sie ringen und sie gewinnen. Jetzt seid ihr nach dem Ueberschwang ernüchtert, ungeduldig, verstört. Bald kommt die Klar, heit und mit der Opferfreudigkeit auch das Opfer. Erinnert euch an das herrliche Wort: .Hab' ein wenig Geduld mit den Menschen, und wirst sie lieben I" Hans, Ebba, habt ein wenig Geduld, und ihr werdet euch wieder lieben, anders wie früher, aber innig und stark bis in den Tod!'
Sie war aus der Sänfte herausgetreten, ihre Augen strahlten, ihre Wangen waren gerötet — .von jener Glut, die nicht verfliegt."
Ebba und Hans, von dem Ton, von der Wahrheit und Güte dieser Persönlichkeit überwältigt, drückten Anna stumm die Hand. Dann lagen sie, wenigsten« in diesem Augenblick aufrichtig Versöhnte, sich in den Armen.
Und jetzt erst feierte man das Wiedersehen.