Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeil» lO Pfg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg. Bei größeren Ansüägcn entsprechender Rabatt.

Abonneinentspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. exel. Postaufschlag.

ts

GratisbcilMn:Jllvsirirtks Sonntasisblatt" nnb .Lllustlirte LanirwirtschaslUche Beilagc

Kar Fernsprecher Nr. 8. ^s

Sr. 139.

Soinitrfo ta 24. ÜioDtnito

1904.

te dk

Je, en n= tb n-

en

8 n« en di ei«

be ie

31

tu | en |

en

M j en

ite I da g- [ on I

0« tet

Amtlicher Teil.

Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 19. September cr. A. II. 13097 bringe ich hier­durch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Herren Minister des Innern und" der öffentlichen Arbeiten durch Erlaß vom 15. Oktober d. J. III. 9320 M. d. ö. A., II a 8056 M. d. I. znr Kennzeichnung der Kraftfahrzeuge für den Re­gierungsbezirk Bromberg die weiteren Nummern J. 201 bis 400 überwiesen haben.

Cassel, am 4. November 1904.

Der Regierungspräsident. I. V.: V. K a m e k e. * *

Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 10. November 1904.

1. 8251, Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 21. November 1904.

Die Herrn Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, welche meine Verfügung vom 23. März 1880 I. Nr. 3135 (Kreisblatt Nr. 24) betreffend Bericht über die Instand­haltung der Flutgräben rc. noch nicht erledigt haben, ver­anlasse ich hiermit, vorgenannte Verfügung bis späte- stens zum 30. d. M ts. zu erledigen, anderen­falls eine Ordnungsstrafe von 3 Mark festgesetzt werden wird.

I. 8548. Der Königliche Landrat. I. V.:

T h a m e r.

Nachrichten für Freiwillige, die in die Schiffsjungen­division eintreten wollen.

I. Ausbildungszeit und aktive Dien st zeit. 1. Die Schiffsjungendivision hat die Bestimmung, Matrosen, Unteroffiziere und Deckoffiziere für die Marine heranzubilden.

2. Die Ausbildung als Schiffsjunge dauert in der Regel IV2 Jahre. Während der Ausbildungszeit werden die Schiffs­jungen nicht als Personen des Soldatenstandes, sondern als Zöglinge betrachtett.

3. Nach Ablauf von IV2 Jahren (1 Jahr an Bord, V2 Jahr an Land) werden die Schiffsjungen, sofern sie die ge­nügende Ausbildung und das gesetzmäßige Alter von 17 Jahren erlangt haben, zu Matrosen ernannt, in die Matrosendivision bezw. Torpedoabteilungen eingestellt und vereidig.

Die Ernennung zum Obermatrosen sowie die weitere Be­förderung zum Unteroffizier oder Deckoffizier ist von der

Die Durchgänger.

Roman von Karl von Heize l.

(Nachdruck verboten).

(Fortsetzung.)

Stimmt! Ich vermachte schriftlich dem Stubenmaler und Vergoldet Fernando Tost für nützliche Dienste beim Ankauf von Antiquitäten 4600 Mark 25 Pfennig bar als Geschenk."

Das heißt, Sie haben ein falsches Zeugnis ausgestellt." Das Wort ist zu schroff. Ich habe durch den jungen Mann in der Tat viel Geld erspart. Und dann und dann dieses verdorbene Genie ist der Sohn der einzige Sohn einer Primadonna. Ich schätzte seine Mutter als Künstlerin, war ihr ein uneigennütziger Freund. Gott wer das Schicksal der Kinder voraus wüßte!"

Anna blickte ängstlich auf den Sprecher. In seinen letzten Reden störte sie ein falscher Ton.

Vergessen wir die traurige Geschichte! Da Schaden hab ich längst verschmerzt. Die Unsern stehen in Ehren da und heut ist unser Hochzeitstag."

Er blickte wieder aus Anna, und der Zweifel in ihrer Miene entging ihm nicht.Meine liebe, gute Anna," rief er verwirrt,du darfst mir nicht mißtrauen es bliebe noch etwas darüber zu sagen, und du sollst er auch von mir erfahren, aber )nicht heut an unserem Hochzeitstage 1"

Der Alte murmelte in sich hinein.Tausende einem

Führung und Befähigung jedes einzelnen, sowie von der Er­füllung der vorgeschriebenen Bedingungen abhängig.

4. Ehemalige Schiffsjungen dienen für die genossene Aus­bildung einschließlich der Ausbildungszeit und der gesetz­lichen dreijährigen Dienstpflicht im Ganzen 9 Jahre.

II. Aufnahmebedingungen. 1. Der einzustellende Junge soll in der Regel 15V2, Jahre alt sein, darf jedoch weder jünger als 141/2, noch älter als 15 Jahre sein. Die Einstellung un­ter 15 Jahre setzt besonders kräftige Körperentwickelung voraus.

2. Der Junge muß vollkommen gesund, im Verhältnis zu seinem Alter kräftig gebaut, von starkem Knochenbau und kräftiger Muskulatur, frei von körperlichen Gebrechen und Anlagen zu chronischen Krankheiten sein, eine gute Sehleistung, normales Farbenunterscheidungsoermögen, gutes. Gehör auf beiden Ohren und eine fehlerfreie (nicht stotternde) Sprache haben. Der Einzustellende muß eine Größe von mindestens 1,47 m und einen Brustumfang von mindestens 0,73 m, nach dem Ausatmen gemessen, besitzen.

3. Der Junge muß leserlich und ziemlich richtig schreiben, ohne Anstoß lesen und die 4 Grundrechnungsarten gebrauchen können.

4. Der Junge muß mit der zum Marsch nach dem Ge­stellungsorte erforderlichen Bekleidung versehen sein. Ferner sind 6 Mk. zur Beschaffung des nötigen Putzzeuges spätestens am Tage der Absendung des Jungen dem Bezirkskommando behufs Uebermittelung an die Schiffsjungendivision zu über­geben. Auf dem Postabschnitt ist der Name des Einzahlers anzugeben.

5. Der Junge muß sich bei seiner Ankunft am Orte der Einstellung zu der unter I. 4 dieser Bestimmungen bezeichneten Ausbildungszeit und aktiven Dienstzeit verpflichten.

III. Anmeldung. 1. Wer die Aufnahme in die Schiffs- jungendioision wünscht, hat sich persönlich bei dem Komman­deur des Landwehrbezirks seiner Heimat (oder, wer dazu Ge­legenheit hat, persönlich bei dem Kommando der Schiffsjungen­division zu Friedrichsort bei Kie9 zu melden.

2. Dabei sind folgende Papiere zur Stelle zu bringen: a. Geburtsurkunde, b, schriftliche, von der Ortspolizeibehörde bescheinigte Einwilligung des Vaters oder Vormundes.

3. Zunächst erfolgt die ärztliche Untersuchung und wenn diese günstig ausfällt, eine Prüfung im Lesen, Schreiben und Rechnen. Wenn nach Untersuchung und Prüfung der Junge zur Aufnahme in der Schiffsjungendivision geeignet erscheint, erfolgt seine Anmeldung bei dieser durch das Bezirks-Kom- mando.

IV. L a n f b a h n e n. 1. Nach dem Eintritt als Schiffs­junge braucht der Deckoffizier-Anwärter keinerlei Zuschuß von Hause erwird wenigstens nicht verlangt wenngleich in den ersten Jahren als Schiffsjunge, Matrose oder Obermatrose immerhin ein kleines Taschengeld von etiva 3 Mk. monatlich, je nachdem die Eltern es leisten können, erwünscht sein dürfte.

Im April 1905 können noch Jungen in die Schiffs- jungendivifion eingestellt werden.

Die ausführlichen Bestimmungen werden beim Bezirks­kommando bekannt gegeben.

Hersfeld, am 15. November 1904.

Königliches Bezirkskommando.

Hallunken schenken, dem Gericht einen Dieb entziehen, weil seine Mutter beim Theater gewesen!? Nur noch in der Bureaukratie gibt es ein RechtSgefühl."---

Als Anna mit ihrem Vater allein war, bat sie ihn, sogleich an Hans ein paar warme Worte zu schreiben. Er weigerte sich.

Was soll ich ihm abbitten? Ich hab' ihn ja nicht beschuldigt." Er sah ihre schmerzliche Miene.Nun meinethalben wenn du heul oder nächstens an ihn schreibst lass' seine Frau grüßen."

Anna ging betrübt in ihr Zimmer. Ahnt denn ihr Vater so ganz und gar nichts von ihrem Innern? Sie hat schwer gesümpft und tapfer. Jetzt verwirrt ihr die Enthüllung aufS neue die Gefühle. Um nicht ge« hört zu werden, barg sie den Kopf in die Arme und weinte weinte an ihrem Hochzeitsmorgen bittere Tränen.

^ *

*

Der Kommerzienrat ging unterdessen durch seine Staatszimmer, blieb vor diesem und jenem Stücke stehen und fragte sich, was seine Zukünftige dazu sagen werde. Anna hatte den ersten Stock nur einmal, nur flüchtig durchwandert. Es war ihm doch zweifelhaft, ob sie seinen Geschmack in allen Stücken teilen werde. Zum Beispiel für die dekolletierten, gepuderten Damen, die Porträte Unbekannter, Freundinnen der Pompadour ober Dubany ober Seiner Majestät.

Da prangte die Sänfte der Pompadour.

Seine erste Frau nahm nicht den geringsten Anstoß

Nichtamtlicher Teil.

Zu den Vorgängen in Deutsch-Tüdwest-Asrila.

Ueber die Ermordung des Bezirksamtmanns v. B u r g s- d 0 r f f und des Missionstechnikers Holzapfel sind bei der Rheinischen Misstonsgesellschast nähere Nachrichten einge­gangen. Danach erhielten, wie dieKöln. Ztg." mitteilt, am Sonntag den 2. Oktober der Unterkapitän Samuel Jsaak und Petrus Tod in Gibeon einen Brief des Hendrik Witboi aus Rietmond mit der Mitteilung, daß er, Hendrik, jetztaufhören" wolle, der deuffchen Regierung zu folgen. Die beiden Brief­empfänger gingen darauf zu dem Bezirksamtmann v. Burgs- dorff, um es ihm mitzuteilen. In welcher Absicht sie das ge­tan haben, ist nicht klar; Missionar Spellmeyer vermutet, um ihn aus Gibeon herauszulocken, was ihnen nur allzu gut gelang. Herr v. Burgsdorff ritt mit Samuel Jsaak und Petrus Tod nach Rietmond, um womöglich den Hendrik noch von seinem tollkühnen Schritt zurückzuhalten. Er mußte seinen Versuch mit dem Tode büßen. Etwa 10 Kilom. von Riet­mond (Rietmond liegt etwa 80 Kilom. nördlich von Gibeon), in Marienthal, wo er Dienstag den 4. Oktober Mittags an- kam, wurde er von den dort versammelten Witboileuten nur kurz gefragt, ob er den Brief des Kapitäns erhalten habe. Zu gleicher Zeit bekam er, eben vom Pferde gestiegen, von hinten einen Schuß und war sofort tot. An demselben Tage wurde auch der Missionstechniker Holzapfel erschaffen. Er hatte am Sonntag in Rietmond noch wie gewöhnlich Gottesdienst abgehalten, wobei es ihm aufgefallen war. daß von den Männern nur die Gemeindeältesten und die Dienst, jungen erschienen waren, während sonst auch die Männer ziemlich zahlreich in die Kirche kamen. Am Montag, 3. Ok­tober früh, erhielt Herr Holzapfel folgenden Brief vom Kapi­tän :Rietmond, den 3. Oktober 1904. An Ludwig Holzapfel. Ihr wißt selbst, welche Zeit es ist, die wir haben. Den Haupt­punkt, weshalb ich Euer Gewehr genommen habe, habt Ihr gesehen. Ich habe nun abgebrochen mit der deutschen Regier­ung; denn die Zeit ist voll, da Gott der Vater die Hotten­totten erlösen soll. So gib mir nun Patronen und Pulver, alles was Ihr habt. Ich bin der Kapitän Hendrik Witboi." Holzapfel ging sofort zum Kapitän, um ihn zu warnen und von seinem Vorhaben abzubringen. Hendrik aber erklärte: Es bleibt bei dem, was ich geschrieben habe," und verlangte noch einmal die Herausgabe seiner Patronen und des Pulvers, was Holzapfel entschieden verweigerte; er werde es niemals freiwillig tun. In sein Haus zurückgekehrt, bemerkte er, daß seine Gewehre aus seinem Studierzimmer gestohlen waren. Das Pulver verbrannte er, und die Patronen verbarg er an einem sicheren Ort. Den Tag über blieb alles ruhig auf dem Platz. Als am andern Morgen Holzapfels beim Kaffee saßen, schickte der Kapitän einen Wagen und ließ sagen, sie möchten sofort aufsteigen ; sie sollten nach Marienthalzu der Buren­frau" gebracht werden. Sie durften nichts mitnehmen, kaum für ihr jüngstes, erst acht Wochen altes Kind etwas Milch. Als er in Mariental ankam, wurde zu Holzapfel wörtlich

daran. Sie betrachtete den vergoldeten Kasten durch ihre Lorgnette und sagte:Wie interessant!"

Seine erste Frau! An ihrem Hochzeitstage war der Himmel ebenso blau wie heute. Die Kirche in der die Trauung stattfand, war überfüüt; es gab zu sehen und zu hören: es war mehr Festoper als Gottesdienst I Wagen reihte sich an Wagen, um die Hochzeitsgäste heim, zuführen. Das Haus des Bräutigams war bekränzt ; im Speisesaal waren die Büffetts mit Leckerbissen beladen, Reden wurden gehalten und Champagnerfloß in Strömen".

Welcher Gegensatz zwischen damals und heute! Nur Faber und sein ältester Kollege werden dar Brautpaar zum Standesamt und in die Sakristei begleiten; denn der Schwiegerpapa besteht natürlich! auf kirchliche Trauung. Man fährt in einem Mietwagen hin; denn Schäfer hat in der ersten Bußbegeisterung Wagen und Pferde verkauft.

Doch was war der Prunk jenes ersten Hochzeitstages gegen die Sonne von heute! Damals saß Schäfer an der Seite einer unschönen, unliebenswürdigen, ungelieb. ten Frau. Sie hatte ein Wappen, aber keine Reize, hatte einen Titel, aber kein Herz. Anna ist gesund, schön und hat Gemüt; sie ist die Jugend, und der Jugend gehört die Welt!

Für die vielköpfige Hochzeitsgesellschaft bereiteten Kathi und eine Hilfsköchin ein gutbürgerliches Mahl.

Droben.

Er wird einige Armleuchter und sehr viele Blumen