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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Die Jusertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzelle 10Pfg., im amtlichen Theile 15Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Abonncmcntspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. excl. Postaufschlag.

ÄS- Fernsprecher Nr. 8. ^s

Sr. IN.AkOz it» 22. RodMer M.

Amtlicher Teil.

Herrfeld, den 14. November 1904.

In letzter Zeit soll im hiesigen Regierungsbezirk häufiger nach fahrenden Eisenbahnzügen geworfen worden sein. Abgesehen von der Beschädigung des Materials sind hierdurch wiederholt Reisende und das Fahrpersonal verletzt worden.

Die Ortspolizeibehörden und Königliche Gendarmerie werden angewiesen, auf die nach Lage der örtlichen Verhältnisse in Betracht kommenden Stellen der Bahn­strecken, namentlich aus Wegeübergänge, Ueber- und Unterführungen, ihr Augenmerk zu richten, und zu ihrer Kenntnis gelangende Fälle zur Anzeige zu bringen. Die Königlichen Etsenbahndirektionen haben sich bereit erklärt, für die Ermittelung der Täter im Falle ihrer rechts­kräftigen Verurteilung Belohnungen zu gewähren.

I. I. 8324. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T H a m e r.

Hersfeld, den 18. November 1904.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher der« jenigen Gemeinden und Gutsbezirke, welche noch mit Einzahlung der am 15. d. Mts. fällig gewesenen dritten Rate der für das laufende Etatsjahr zu entrichtenden Kretssteuer im Rückstände sind, werden hierdurch veran. laßt, dafür Sorge tragen zu wollen, daß die Zahlung noch bis spätestens zum 2 6. d. M t s. erfolgt.

Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Zufolge Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten vom 9. November b. Js. A. II. 15282, wird der Ge- werbebetrieb in offenen Verkaufsstellen an den zwei letzten Sonntagen vor Weihnachten, nämlich am 11. und 18. Dezember d. Js. bis 8 Uhr abends für die Dauer von 10 Stunden unter Wahrnehmung der für den Hauptgottesdienst festgesetzten Pause freigegeben.

Während des übrigen Gottesdienstes dürfen an den genannten Tagen die Geschäfte geöffnet sein.

Am drittletzten Sonntag vor Weihnachten also am 4. Dezember d. Js. ist nach Bekanntmachung vom 22.

Die Durchgängen

Roman von Karl von Heigel.

(Nachdruck verboten). (Fortsetzung.)

9. Kapitel.

Annas Hochzeitsmorgen war angebrochen, Der alte Faber hatte ihr in den vier Wochen seit der Verlobung eine Zärtlichkeit bewiesen, die nur sie an ihm verstanden und dadurch vergalt, daß sie ihre leisen Zweifel und Sorgen wegen der Zukunft sorgfältig in der Brust ver­schloß.

Als Anna mit dem Morgenkaffee in das Zimmer der Vaters trat, stand er schon gestiefelt und in feierlichem Schwarz vor dem Wetterglas, obwohl die Witterung nach einem erquickenden Nachtgewitter nichts zu wünschen ließ,

Guten Morgen, mein Kind I Unbesorgt, da» Wetter bleibt schön! Eigentlich nebensächlich, doch an deinem Hochzeitstage jedenfalls keine üble Vorbedeutung."

Im nächsten Augenblick lag Anna an seiner Brust. Er streichelte ihr Haar.Fühlst dich ein biffel gedrückt. Begreis' ich vollkommen es ist ja der ernsteste Schritt im Leben! Aber unzufrieden bist du nicht? Schaust couragiert in die Zukunft? Ich hoff' das Beste. Und wie ich mich freu', ist nicht zu sagen. Ich geb' dem Millionär mehr als eine Million ja, ja, mein lieber Rommeritenrat, Geld tut's nicht allein. Sie kriegen eine richtige Faber!"

August 1892 (Amtsblatt 1892 S. 208 in allen Zweigen des Handelsgewerbes die Beschäftigung von Gehülfen, Lehrlingen und Arbeitern sowie der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen bis 7 Uhr abends zulässig.

Die Ortspolizeibehörden weise ich hierdurch an, Vor­stehendes alsbald auf ortsübliche Weife bekannt machen zu lassen.

I. I. 8355. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Heff.-Naff. landw. Berufs-

Genoffenschaft.

Sektion Hersfeld.

Tageb. A. Nr. 4190.

Hersfeld, den 19. November 1904.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche mit der Erstattung der Anzeige über die im I. I. vorge­kommenen Betriebsveränderungen im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 25. b. Mts. erinnert.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 17. November 1904.

Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Peter Mosebach in Lautenhausen ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 8377. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 17. November 1904.

Die unter den Schweinen des Zimmermanns Heinrich Wolfs in Schenklengsseld ansgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.

I. 8378. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 10. November 1904.

Im Verlage des Herrn Hosbuchhändlers Ernst Hühn in Cassel ist erschienenHessisches Heimatsbuch" von Rektor A. Gild in Cassel, Preis 1,20 M.

Und mit verschränkten Armen ging er ein paarmal auf und ab. Anna war sonst so feinfühlig, aber für die Selbstsucht ihre» Vater» hatte sie kein Gefühl. Sie blickte andächtig auf ihn.

Es muß gut gehen," begann er nach einer Weile. Du bist ebenso klug wie brav. Auch habe ich Schäfer meine Bedingungen gemacht. Bleibe hier oben, unkünd­bar, nicht zudringlich, aber als Wächter über dein Glück!"

Anna hatte schönere Pläne. Vater wird in den zweiten Stock ziehen und mit ihnen Tag für Tag zu­sammen sein. Vater wird sich in den Ruhestand be- geben und sein Leben genießen.

Die Gute malte mit den wärmsten Farben, doch die Miene des Alten wurde immer finsterer; zuletzt war sein Gesicht ganz böse und verkniffen.Daran» wird nicht»!" sagte er barsch,Die Miete für den zweiten Stock kann nur ein Ministerialdirektor zahlen. Geschenkt nehme ich nichts, und in den Ruhestand versetzen lass' ich mich nicht. Allerdings könnte ich von mir sagen: Otium cum digi digni, na der Lateiner findet den Müßiggang eines pensionierten Beamten würdevoll. Aber ich bin zu einem Schlaraffenleben noch zu jung. Ich fühl' mich Gott sei Dank sehr wohl. Meine Augen sind noch so gut, meine Hand so fest wie die irgend eines Kollegen. Ich werde mein fünfzigstes Dienst, jähr feiern I"

Aber so sei doch nicht böse"

Wenn ihr'« nicht verderben wollt mit mir, kommt mir nicht mit solchen Geschichten. Beamte oder Soldaten wer freiwillig die Fahne verläßt: pfui! Wenn ich

Ich kann dieses Buch nur wärmstens zur Anschaffung für Schul- und Volks-Bibliotheken empfehlen.

Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

ASnigUches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

Nichtamtlicher Teil.

Zm Wischen Thmschchreit

Nach der einstimmigen Annahme des zwischen Schaum­burg-Lippe und Lippe geschlossenen Schiedsvertrag» im Bundesrat wird der lippische Thronfolgestreit im ordent­lichen Rechtswege vor dem obersten Gericht des Reiche» erledigt werden. Gleichzeitig ist bestimmt worden, daß die gegenwärtige Regentschaft des Grafen Leopold zur Lippe-Biesterfeld in Detmold auch für den Fall fort be­stehen soll, daß der geisteskranke Fürst von Lippe noch vor der Entscheidung des Reichsgerichtes abscheide. Mit dieser unter den energischen Bemühungen des Grafen von Bülow herbeigeführten Regelung der Angelegenheit im Rechtswege kann man allerseits im höchsten Grade zufrieden sein.

Gleich wohl finden sich noch einige Blätter, die an Einzelheiten herummäkeln und insbesondere nicht gelten lassen wollen, daß der Kaiser in seiner Depesche vom 18". November an den Regenten Leopold mit der Ankündigung der Vereidigung der Truppen auf die nunmehr geklärte Rechtslage verweist. Die Rechtslage soll auch schon zur Zeit der Romintener Depesche, die die vorläufige Nicht- Vereidigung der Truppen ankündigte, geklärt gewesen sein. Das ist nicht mehr Verteidigung des Rechts, son­dern Rechthaberei.

Nach dem Tade des Gras-Regenten Ernst wurde so­fort von schaumburgischer Seite die Thronfolgefähigkeit des Grafen Leopold und sein Recht zuc Regentschaft be- stritten. Die schaumburgische Regierung beantragte beim

nicht gehen muß, dien' ich dem Staat bis zum letzten Schnaufer. Hoch die Getreuen, nieder mit den Um­sturzmännern I"

Er war aus dem Häuschen. Glücklicherweise kam eine Anfrage von unten, ob Papa Faber schon zu sprechen sei. Der Herr Kommerzienrat habe eine wichtige und angenehme Nachricht für ihn.

Hans kommt zur Hochzeit!" sagte Anna freudig.

Auch das war gegen Fabsrs Wünsche.Hoffentlich nicht I rief er.Das tät' mir den ganzen Tag ver. derben."

Mir zu lieb', heut mir zulieb' mußt du Hans ver- zeihen I*

Niemals!"

Niemals ein hartes Wort, auch im Munde eines Cato ein gewagtes.---

Der Kommerzienrat drückte Faber beide Hände. Er trug einen Hausrock soie öcrue war aber sonst zum Ausgang bereit, sah sehr frisch und gesund aus und roch nach Kölnischem Wasser. Er setzte sich zum Schwiegerpapa auf das Sofa und schenkte ihm, damit er frühstückte, eigenhändig den Kaffee ein.

Ist Aennchen nebenan?'

Meine Anna horcht nicht."

Natürlich nicht; sie ist in allen eine Ausnahme. Meine Selige und Ebba horchten immer. So war's auch nicht gemeint. Meine Mitteilung geht uns alle an. Es ist die Geschichte meiner gestrigen Reise."

Sie hatten Geschäfte in Stuttgart?"

Geschäfte eigentlich nicht. Da« heißt es fing