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Gratisbeilagen:Jllnstrirtes Sonntagsblatt" undJünstrirte Landwirtschaftliche Beilage."

JKg- Sernsprecher Nr. 8. ^i

Sr. IM.

Mittwoch ittli 16. Remter

1904.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 12. November 1904.

Die unter dem Schweinebestande des Fabrikarbeiters Wilhelm Heyer in Kathus ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.

I. I. 8321. Der Königliche Landrat

Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 12. November 1904.

Die unter dem Schweinebestande des Ackermanns Hein­rich Kleinkanf zn Wallenstein (Kreis Homberg) ausge­brochene Rotlaufseuche ist erloschen.

I. I. 8306. Der Königliche Landrat

Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rat.

Zugelaufen : ein mittelgroßer Hund, schwarz mit weißem Hals, weißer Brust und weißen Läufen. Der Eigen­tümer kann denselben gegen Erstattung der Futterkosten bei dem Handelsmann George Schmidt in Wölfershausen in Empfang nehmen.

Asnigliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

Nichtamtlicher Teil.

V u st t a g.

Des Jahres ernsteste und stillste Zeit ist gekommen. Das fröhliche Sonnenleuchten und die bunte Pracht des Sommers sind entschwunden. Leblos starren die schwarzen, entblätterten Wipfel der Bäume hinaus in das wehmütige Grau der kalten Luft. Die frohen Lerchenlieder sind ver­stummt, die Blumen verwelkt, und gespenstige Nebel lagern auf der Erde. Dämmerung verhüllt unsern Blicken die Ferne, rauhe Stürme schlagen düstere Akkorde, und ein weh­

Die Durchgänger.

Roman von Karl von Heigel.

(Nachdruck verboten).

(Fortsetzung.)

Ebba sah auf den nervösen, kleinen Mann mit einem ironischen Lächeln.Mein guter Hans, du bist und bleibst der Sohn deines Vaters. Schnell, wie stets mit dem Mittagsmahl?"

Unser Mädchen scheint eine etwas vorlaute, aber sonst tüchtige Person zu sein."

Wär's nicht besser gewesen, du hättest mich unsere Häuslichkeit einrichlen lassen?"

Auch in der Großstadt giebt es böse Nachbarn und üble Nachrede."

Ebba zuckte die Schultern.

* *

Sie waren die letzten auf dem Standesamt. Der Beamte vollzog die Trauung sozusagen mit der Uhr in der Hand, denn er war um zwei zu einem Taufschmaur geladen. Hans war nichts desto weniger ergriffen und schüttelte im Vorzimmer den glückwünschenden Freunden immer wieder die Hände, während Ebba vor dem Spiegel mit aller Ruhe ihren Hutschleter ordnete.----

Das Zimmer der zukünftige Salon in dem da» Hochzeitsmahl für die vier gerüstet wurde, war mit Möbeln auf Abschlagzahlung dürftig ausgestattet. Doch Blumengaben von Hans und den Freunden machten es festlich.

mütiges Gedenken an die Vergänglichkeit des Irdischen durchzieht unser Gemüt. In diese Tage haben die meisten deutschen Landeskirchen den allgemeinen Buß- und Bettag gelegt; just die geeignete Zeit, uns zur Einkehr und Umkehr zu bestimmen.

Gewiß wird jeder einzelne im Laufe des Jahres weit öfter denn einmal die Notwendigkeit gründlicher Buße empfinden und er wird dann seiner Stimmung am besten Rechnung tragen können, wenn er in sein Kämmerlein geht und die Tür hinter sich zuschließt. Und doch ist es not­wendig, daß unser gesamtes Volk sich an einem bestimmten Tag zu gemeinsamer Buße zusammenfindet und sich der gemeinsamen Schuld und der Unerläßlichkeit gemeinsamer innerlicher Erneuerung bewußt wird. So rufen am Bußtage allerorten in überfüllten Kirchen die reuigen Herzen:Aus tiefer Not schrei ich zu dir!"

Leider steht auch am Bußtage ein Teil unseres Volkes abseits und lehnt die Aufforderung, gleichfalls Buße zu tun, vermessen ab. Die einen glauben, reuiges Bekennen nicht nötig zu haben, denn sie sagen, der Mensch sei nichts als das Erzeugnis seines sogenannten Milieus. Werde der Mensch geboren, dann seien auch schon sein Schicksal und seine Schuld festgelegt. Was der Mensch auch tue und lasse, er trage dafür nicht die Verantwortung. In dieser Moral, die im Menschen nur das willenlose Herdentier sieht, ist natürlich kein Raum für Buße, denn diese Moral kennt nicht den Begriff der Sünde. Die andern aber kennen kein Gesetz als den eigenen Willen, kennen kein Ziel als das rücksichtslose Ansleben der eigenen Persönlich­keit. Auch diese Uebermoral des Uebermenscheutums hat keinen Platz für Buße, denn auch der auf sich selbst gestellte Herrenwille mag von Sünde nichts wissen.

Die Religion bekämpft diese beiden Weltanschauungen, die den nach sittlicher Vollkommenheit strebenden Menschen, das Ebenbild Gottes, nicht befriedigen, in gleicher Weise. Sie lehrt uns, daß wir das Heil ebensowenig in der Moral des dem Verhängnis unrettbar verlorenen, im Tiere endenden Sklaventums suchen dürfen, wie im Größen­wahns des Herrentums, Die Religion macht den Menschen verantwortlich für sein Tun und Lassen, aber sie entlastet ihn auch durch die Buße und die ihm dann von Gott zugesagte Vergebung.

Mögen die angeblich auf der Höhe der Zeit stehenden modernen" Menschen meinen, die ernsten Klänge der Bußtagsglocken passen nicht zu dem lauten Lärm der

Auf dem Teller Ebbas lag ein verschlossener Brief. Vom Onkel!" sagte sie beklommen.

Also doch I" rief freudig Faber. Hunderttausend Mark!" sagte der Maler. Das Schreiben war kurz:

Liebe Nichte! Ich bin nicht belesen. Au« meiner Jugendzeit haftet nur das eine und andere klassische Zitat in meinem Gedächtnis. Und so rufe ich Euch mit meinen besten Wünschen das Wort Schillers zu:

,Unser Schuldbuch sei vernichtet!'

Bitte, es buchstäblich zu nehmen und mich in freundlichem Andenken zu behalten I

Euer wohlgesinnter

Onkel Schäfer."

Eine Pause trat ein. Ebba schloß sekundenlang die Augen; dann richtete sie sich kerzengerade.

Es geht nichts über zärtliche Verwandte," sprach sie und warf den Brief unter den Tisch.

Er verzeiht," meinte die Schmasow,noch ist Polen nicht verloren."

Hunderttausend Mark Geld wären mir lieber als Brief", sagte der Maler,aber der Segen eines Millionärs ist auch nicht zu verachten. Ich schlage ein Hoch auf den Erbonkel vor.

Der junge Dichter seufzte.

Eine Drahtnachricht, die beim Gänsebraten eintraf, herzliche Worte Annas, machte nach der großen Ent­täuschung, keinen Eindruck auf da« Brautpaar.

Die Schmasow hatte so unrecht nicht: Maler Werner

Maschinen, zu dem wilden Feilschen des Marktes und zu der ergötzlichen Musik der Zerstreuung. Wir wollen uns deshalb der Notwendigkeit der Einkehr und der innerlichen Erneuerung doppelt bewußt sein. Unzweifelhaft stellt die Gegenwart höhere Anforderungen an die Menschen, als die Vergangenheit es getan hat. Aber so bewegt und stürmisch auch oft der Kampf ums Dasein ist, unter den Fragen der Zeit fei die Frage der Ewigkeit nicht vergeffen. Die irdischen Aufgaben können uns nur klein erscheinen, wenn wir des hohen Zieles gedenken, das jenseits des Grabes unserer harrt. Da mahnt uns gerade der Bußtag, nicht in den Sorgen um die Aufgaben der Gegenwart auf- zugehen, sondern uns hinaufzuschwingen in die Regionen, in denen der Kampf um die Ewigkeit geführt wird.

Der Arieg zwischen Japan und Rußland.

Auch auf japanischer Seite rechnet man jetzt damit, daß sich Port Arthur noch eine Reihe von Wochen halten kann. Wie eine Meldung aus Tschifu berichtet, erklären dortige japanische Beamte, es sei nicht optimistisch, wenn angenommen werde, daß die Festung noch vor Weihnachten erobert werde. Der. Zustand dar I.ruison fei schrecklich, sie leide unter der Kälte und dem ununter­brochenen Granatfeuer der Japaner, das fast alle Fenster der Stadt zertrümmert habe. Obgleich noch Vorräte vorhanden seien, könnten sie doch nicht lange reichen. Mehrere Dschunken, die mit Pelzen beladen von Rint« schau einen Durchbruch versuchten, fielen in die Hände von Seeräubern. Das große Zentrum für Handel mit Kriegskonterbande sei Kintschau. Einige Dschunken mit Lebensmitteln erreichten jüngst Wladiwostok und entlasteten so die Eisenbahn.

Bei den H a u p t a r m e e n hat sich die Lage bis­her noch nicht verändert. Eine Meldung aus Kuroki« Hauptquartier berichtet, daß die Russen immer noch nörd­lich vom Schahs in ihren Verschanzungen stehen. Ihr Artilleriefeuer habe in den letzten Tagen nachgelassen. Es sei von Anfang an überraschend erfolglos gewesen, obgleich fast jeden Tag 1000 Granaten verschossen wurden. Kein Japaner sei getötet, nur wenige seien verwundet worden.

Die Zahl der russischen Verwundeten, die im Rücken der Armee auf der Strecke von Mukden

war ein Schwiemeler, aber unterhaltend und für Ebba mit seinem leichten Geplauder, seinen gepfefferten Schnur- ren der wünschenswerteste Gast. Nach Tisch saßen die vier bei einer Bowle, dienicht alle" wurde. Herren und Damen rauchten wie Türken, Faber aus Verzweiflung, nicht zum Vergnügen. Denn als der Maler die schon Morgen« mitgebrachte Mandoline hervorholte und zu spielen und zu singen begann, Schnadahüpfeln, Arien und Brettel-Lieder war Ebba für die flehenden Blicke ihres Gatten blind. Wenn die Schmasow von Aufbruch sprach, wurde sie von der jungen Hausfrau und vom angehenden Hausfreund überstimmt.

Es war spät in der Nacht, als sich das Ehepaar in die Schlafstube zurückzog. Sie war frisch tapeziert.

Es riecht nach Kleister," war das erste Wort Ebbas.

Hans ließ sich auf den Rohrstuhl vor seinem Bett fallen und starrte geknickt vor sich hin.

Das viele Rauchen bekommt dir nicht," sagte Ebba.

Es ist nicht da«," erwiderte er düster.Ach, Ebba, wenn uns der Onkel auf meinen Brief aus Regensburg geantwortet, versöhnlich wie heule geschrieben hatte, wären wir nach München zurückgekehrt, und alles, alles würde anders, besser, schöner geworden sein."

Ich versteh' dich nicht."

Er schaute nach ihr hin, die mit ihrem aufgelösten Haar das gewohnte Spiel begann.

Wir hätten dann hätten," sagte er stockend,eine andere Hochzeit gefeiert."