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XS- Fernsprecher Nr. 8. "$$
AeOz Heil 15. Ndbmher
1964.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 4. November 1904.
Nach dem Ausschreiben vom 15. November 1900, I 6376 (Kreisblatt Nr. 135) ist den Herren Ortsvorständen des Kreises je 1 Anweisung, betreffend die Errichtung von Testamenten vor dem Gemeinde- oder Gutsvorstand, zur Benutzung in vorkoinmenden Fällen übersandt worden.
Es ist jedoch verschiedentlich vorgekommen, daß von Ortsvorständen bei Errichtung von sogenannten Nottestamenten nicht die in der vorerwähnten Anweisung empfohlenen Formulare, sondern Formulare verwendet worden sind, welche von anderer Seite den Ortsvorständen zur Verfügung gestellt bezw. zugesandt wurden, was zur Folge hatte, daß die Rechtsgültigkeit des Testaments in Zweifel gezogen wurde.
Da jeder Formmangel in einem Testamente zur Aufhebung und schon jeder Zweifel an der Richtigkeit der Form zur Anfechtung und Aufhebung des Testaments führen kann, liegt es im Interesse aller Beteiligten und ist es als ein unbedingtes Erfordernis zu erachten, daß künftighin bei der Errichtung von Nottestamenten nur das von den Herren Ressortministern empfohlene, der oben erwähnten An- Weisung als Anlage beigegebeneFormular benutzt wird.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche etwa nicht mehr im Besitze der mehrgedachten Anweisung sein sollten, haben mir solches alsbald einzuberichten.
l. 7978. Der Königliche Landrat
Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersseld, den 7. November 1904.
An Stelle des bisherigen Bürgermeisters B r a n d a u zu Ransbach ist der Schuhmacher Christian S ch e e r daselbst gewählt und am heutigen Tage eidlich verpflichtet worden.
A. 3812. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Erledigung.
Das Ausschreiben vom 20. Oktober d. Js. I. Nr. P.
Die Durchgänger.
Roman von Karl von Heigel.
(Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.)
An einem Sonntag war Faber zum Frühstück in den ersten Stock gebeten worden. Das Mittagsmahl daheim wurde deshalb auf 5 Uhr nachmittags verlegt. Mit dem Glockenschlag trat Faber wieder in seine Wohnung ein. Er war der nüchterne, zugeknöpfte alte Herr wie immer, nur sein Gesicht farbiger als gewöhnlich. „Hast du dich gut unterhalten, Vater?"
„Ausgezeichnet. Wie der Lateiner sagt: Dulcis est, dissipere — desipere in loco. Aber essen kann ich nicht» mehr. Beim Kaffee halt' ich mit. Es ist zwar meine zweite Tasse, doch von unserem Kaffee werde ich nicht nervös werden."
„Papa scherzt," dachte Anna, „vielleicht hat er gute Nachrichten aus Hamburg."
Beim Kaffee schob Faber seiner Tochter einen schwarz- geränderten Zettel hin.
„Das kam heut an mich. Der Papa des Herrn Hilmar ist todt. Ein Mann in den besten Jahren — erst siebzig."
Es war die Anzeige vom plötzlichen Ableben seiner Erlaucht de» Grasen Ludwig von Jfflingen, Obersten o. D. Geheimen Kämmerer» usw.
„Ich bedauere den Sohn von ganzem Herzen," sagte Anna bedrückt.
8474, betreffend den Goldarbeiter Karl Trapp von hier, ist erledigt. Hanau, den 3. November 1904.
Königliche Polizei-Direktion. * *
*
Wird veröffentlicht. Hersseld, den 5. November 1904.
I. 8103. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Gefundene Gegenstände: Ein Spazierstock und eine schwarze Tuchmütze. Meldung bei dem Ortsvorstand in HillartShausen.
Nichtamtlicher Teil.
Der Arieg zwischen Japan und Rußland.
Im Lager der russischen Armee bei Mukden wechseln die Stimmungen; bald erwartet man einen nahe bevorstehenden Angriff des Gegners, bald wieder rechnet man diesem Nachteile in seiner Stellung nach, die seine Opera- tionskrast vermindern. Fürs erste dauert die Kampfpause an, unterbrochen nur von Scharmützeln und Geschützfeuer.
Aus Mukden meldet Oberst Madritow, daß die japanische Armee viele chinesische Freiwillige eingestellt hat. Ueber 3000 Mann werden von den Japanern speziell in der Vorhut benutzt. Madritow ist überzeugt, daß die japanische Armee im Rücken wenig gedeckt ist. In Schahedsu haben die Japaner große Proviantniederlagen eingerichtet; doch sind kürzlich 190 dazu benutzte Häuser niedergebranut, worauf sich zwei die Verwaltung führende Offiziere aus Verzweiflung den Leib aufschlitzten. — Chinesen werden übrigens auch von den Russen benutzt, sie leisten gute Dienste als Dolmetscher und Boten, sind dabei zuverlässig und kühn und werden häufig dafür dekoriert.
Vor Port Arthur haben die Japaner in den letzten Tagen offenbar keine weiteren Fortschritte gemacht. Man glaubt jetzt wieder vielfach an eine noch lange Dauer der Belagerung, zumal die Festung neuerdings Zufuhren von der Seeseite erhalten hat.
Es liegen nur wenig Nachrichten vor, und die wenigen sind unzuverlässig. Die japanische Gesandtschaft in London erhielt keinerlei Bestätigung, daß Uebergabe-Verhandlungen
„Er ist auch zu bedauern. Bedauern kann man auch einen Spitzbuben, wenn er verdientermaßen gehängt wird. Papa Jfflingen war vorgestern noch frisch und gesund. Gestern hat man ihn tot im Bett gesunden, Herzschlag. Da« wär nun unter Umständen nicht bas schlimmste für unsern Kavalleristen in spe. Herr Schäfer aber kennt die geschäftlichen Gepflogenheiten bes alten Grasen und hält e» für ausgeschlossen, daß er ein Testament gemacht. Und es wird schon so sein. Der Totenzettel ist nur vom legitimen Sohn gezeichnet, Die Adreffe ist von Herrn Hilmar» Hand. Wenn er einer Erbschaft sicher wäre, hätt' er uns keine Anzeige geschickt. Jetzt im Unglück errinnert er sich seiner alten Freundschast. Begreifst du ? Es wird mich nicht wundern, wenn er uns demnächst besucht."
„Das" — rief Anna mit einem sonderbaren Auf, leuchten der Augen, unterbrach sich jedoch.
Faber betrachtete seine Tochter. Sollte er sich doch einmal in ihr täuschen? Sie war bisher ein gehorsame» wackeres Mädchen, doch ein Bargerkind alten Stils ist sie nicht. Also unberechenbar auch sie.
„Nun zur Hauptfach'! Unser Kommerzienrat hat bei mir um deine Hand angehalten. Bei mir I Nicht modern, doch mir gefällt'«. — Morgen holt er sich deine Antwort.
7. Kapitel.
Da» schöne Hamburg war am Trauungsmorgen de« Liebespaare» Hans und Ebba nicht schön. Es lag in einem nassen Nebel, der einem Londoner Nebel nichts
im Gange seien. Nach Meldungen aus Tschisu soll Stössel um einen kurzen Waffenstillstand zur Beerdigung seiner Toten gebeten haben, was die Japaner abschlugen auf Grund des angeblichen Mißbrauchs des Roten-Kreuz-Abzei^7us seitens der Russen. Stössel soll entschlossen sein, die Festung bis Anfang nächsten Jahres zu halten. Die Garnison sei durch das Eintreffen von Vorräten in jüngster Zeit sehr ermutigt. Die japanischen Behörden in Tschisu erklären, daß die Russen wegen des gut gezielten Bombardements alle weiteren Versuche der Reparatur von Kriegsschiffen im Hafen eingestellt haben. — Die japanische Regierung betreibt mit großer Beschleunigung die Vorbereitungen zur Bekämpfung der B a l t i s ch e n Flotte. Alle Flot^i- offiziere, die nicht an aktiven Operationen beteiligt sind und ihre Posten verlassen können, wurden nach Japan berufen, um von dort an vorher geplante Bestimmungsorte abzugehen.
Zu den Vorgängen in Deutsch-Südwest-Afrika.
Ueber dar Gefecht der Abteilung Heyde am Waterbergamil. August bringt das Militär,Wochen - blatt jetzt folgende interessante Schilderung:
„Als die 5. und 6. Feldkompagnie vorgetrabt waren, hatte die Artillerie nur im Schritt folgen können, Da die Gespanne durch die voraufgegangenen Anstrengungen aufs äußerste erschöpft waren und der sandige Paad die Vorwärtsbewegung außerordentlich erschwerte. So hatte sich zwischen den vorderen Kompagnien und der Artillerie ein Zwischenraum von etwa 600 m gebildet. Der Kommandeur der Artillerie, Major Osterhaus, halte deshalb sogleich die Hälfte der 6. Kompagnie — ungefähr 20 Mann — an die Spitze der Artillerie vorgezogen, während die andere Hälfte an ihrem Ende folgte. Als bei den vorderen Kompagnien das Gefecht begann, griff der an der Spitze der Artillerie befindliche Teil der 6. Feldkompagnie unter Leutnant v. Frankenberg rechts neben der 5. Feldkompagnie in das Gefecht ein, er teilte auch den Rest des Tages die Schicksals dieser Kompagnie.
Bei ihm befand sich auch der Führer der Abteilung, Major v. der Heyde. Der Rest der 6. Kompagnie unter Hauptmann Freiherrn v. Wangenheim verblieb bei den Batterien und bildete als diese — kurze Zeit nach dem Angriffe der Herero auf die 5. Feldkompagnie — eben- falls angegriffen wurden, im Verein mit den Bedienungsmannschaften Karree um sie.
nachgab. Die Braut stand in Erwartung des Bräutigams am triefenden Fenster; die gastfreundliche Schmasow an einem Stehpult las Korrekturbogen. Nach einem Blick auf die Schiffsuhr über dem Pult wandle sie sich an Ebba: „Es geht auf Mittag; um elf wollten sie uns abholen."
„Faber selber ist pünktlich, wahrscheinlich läßt ihn der Maler warten."
„Dieser Werner ist ein Schwiemeler. Für mich kommen sie immer noch zu früh. Ja, ja, Ebba, heute schlafen Sie in ihrem eigenen home !*
Home 1 Zwei Stuben und eine Küche!" „Sie haben keine Illusionen, liebe Ebba." „Ich hatte sie!"
„Schaffen Sie sich neue; sie sind uns notwendig."
Das alte Mädchen beugte sich wieder über die Korrektur.
„Was korrigieren Sie denn?" „Meinen Modebericht für den Salon."
Ebba sah unwillkürlich auf bas verwackelte Frauchen mit dem zerzausten graublonden Haar, in einem Talar von verschossener lila Seite.
„Ach ja, die kleinen Aufsätze füllen weder mein Herz noch meinen Beutel, aber zum Roman habe ich zu starkes RealttätSbewußtsein. Nebligen«, wie weit seit ihr mit eurem Roman I'
„Mit unserm? Hans Faber» Krähenfüße sind für mich Hyroglyphen. Ich werde das Ganze in der Maschinenschrift lesen. Wenn ich'« erlebe. Denn Hans muß angeblich auf die richtige Stimmung warten.