Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal 0 Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

AbonncmentSpreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl. Postausschlag.

Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltkeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

------ -

GratisLeilagcll: .Llluslrirtes Sonntagsblatt" undJllustrirtc LalldwittschasUichc Beilage.

ÄS* Fernsprecher Nr. 8. *$x

Jh. M.

eoiitinbenö St« U. Sotrember

1904.

Amtlicher Teil.

Her-feld, den 7. November 1904.

In Stelle der bisherigen Bürgermeisters Branöau ist der Schuhmacher Christian Scheer daselbst gewählt nb am heutigen Tage eidlich verpflichtet worden.

A. 8312. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schlei » itz , Geheimer Regierungt-Rat.

Hersfeld, den 8. November 1904.

As Stelle des verstorbenen Orttfchätzer» Heinrich Nuppel zu Dünkelrode ist der Ackermann Johannes Roll :,selbst in Borschlag gebracht und am heutigen Tage eidlich verpflichtet worden.

J. I. 8222. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schletnitz, Geheimer Regierungt-Rat.

Hersfeld, den 7. November 1904.

Die unter dem Schweinebestande des Landwirts A. Gutberlet in Rasdorf ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.

I. 8167. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schletnitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Hersfeld, den 7. November 1904.

Unter dem Schweinebestande des Landwirts August Sauer in Asbach ist die Rotlaufseuche ausgebrochen, I. 8143. Der Königliche Landrot

Freiherr von Schletnitz, Geheimer RegierungS Rat.

Hersfeld, den 9. November 1904.

Der auf Donnerstag den 24. November 1904 in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seit­her bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.

Mit dem Austrieb darf um 7Va Uhr morgens be« gönnen werden.

I 8216. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schletnitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Königliches Landratsamt.

eprethÄuMOe: Ti-lich von 912 Uhr

an den Vrcher.ua gen »nreittngs.

SteLbrief.

Gegen den unten b schriebroev Rekruten Fahr« duschen Heinrich Huja, zuletzt rrohohajt gewesen in Gagel, welcher flüchtig ist oder n$ verborgen hält, wird hiermit wegen unerlaubter Entfernung und Fahnenflucht Steckbrief erlassen.

Es wird ersucht ihn festzunehmen und an die nächste Militärbehörde zum Weitertransport hierher abzuliefern.

Beschreibung: Alter 22 Jahre (geboren am 5. Sep­tember 1882 zu Wippershain, Kreis Hersfeld )

Größe! 1 m 67 cm.

Besondere Kennzeichen : Narbe am Kopse, Nagelglied de» linken Mittelfinger» fehlt.

Cafsel, den 8. November 1904.

Königliche» Bezirk-kommando I Cossel.

Nichtamtlicher Teil.

Politischer Wochenbericht.

Mit großer Befriedigung ist allenthalben in Deutsch­land die Nachricht von der Einigung in dem l i p p i s ch e n E r b s o l g e st r e i t ausgenommen worden. Der glück­

lichen, erfolgreichen Hand des Reichskanzlers ist es ge­lungen, entwirrend in' den unliebsamen Streit einzu- greisen. Die Vertreter der Lippe-Schaumburgichen und der Lippe-Biesterselder Linie haben einen Schiedsvertrag unter­zeichnet, dessen Hauptinhalt dahin geht: der Bundesrat wird von den beidmeinzen Regierungen unter Verzicht auf die frühern Anträge ersucht, sich mit der schiedsgerichtlichen Erledigung der Sache durch das Reichsgericht Unverstanden zu erklären. Stimmt der Bundesrat dem Anträge der beiden Linien zu es ist wohl kaum daran zu Kveifeln, daß dies einstimmig geschehen wird, ihren Streit durch ichiedsrichterlichen Svruch aus der Welt zu Ich asten, so wird unter den beiden Linien durch den für-tigen Schiedschruch unantastbares Recht geschaffen werden.

Wie vorauszuseben war, hat die Präsidenten­wahl indenVereinigtenStaaten vonNord- a m e r i k a mit einem großen Siege der republikanischen Partei und ihres Kandidaten Roosevelt geendet. Der Kandidat der Republikaner hatte von Anfang an den großen Vorteil voraus, daß er sich aus den gewaltigen Aufschwung berufen konnte, der den Vereinigten Staaten unter der Leitung der republikanischen Partei beschieden war. Auch ist der von Roosevelt geschaffene moderne amerikanische Imperialismus ungemein populär, weil er der Eitelkeit des Volkes schmeichelt und die Machtsphäre der nordamerika- nischen Republik gewaltig ausgedehnt hat. Deutschland hat keinen Anlaß, mit dem Ausfall der Wahl jenseits des Ozeans unzufrieden zu sein, da Roosevelt stets das Be­streben gezeigt hat, mit dem deutschen Reiche in Frieden zu leben und das krankhafte Mißtrauen vieler seiner Lands- lente gegen die Politik Deutschlands zu beschwichtigen.

In Italien haben während der verflossenen Woche die Parlaments-Wahlen stattgesunden. Soweit sich der Wahlansfall bis jetzt übersehen läßt, steht eine be­trächtliche ministerielle Mehrheit außer allem Zweifel. Be­merkenswert ist einmal, daß die Sozialisten und Republikaner in den großen Städten, wie Mailand, Genua, Neapel. Parma, Turin, Ancona, Livomo usw., starke^Niederlagen erlitten haben. Der Generalstreik hat hier offenbar seine Wirkung geäußert, indem er weiten Steifen des städtischen Bürgertums die Augen über die so^ali'tiiche Gefahr öffnete. Sodann verdient es Beachtung, daß fich an den eben voll­zogenen Vablm zum ersten Male eine größere An^ibl von Anfängern der klerikalen Partei beteiligt hat. Pins X. bat die italien >chen Bi'chä'e ermächtigt, in besonderen Fällen nach ihrem Ermeffen den Gläubigen die Teilnahme an den Parlaments-Wahlen zu gestatten. Es ist nicht ausge- fchlofiep, daß er das Wabloerbot bei der nächsten SaH überbau vt au strebt und den Klerikalen auch die Bildung einer eigenen Parrei in der Kammer glättet. Das wurde mr die künftige Entwicklung ZuTens vor. weinrag-nder Bedeutung sein.

In Innsbruck endlich kem eS bei Gekruendest der Erö^rwnz der italienischen Rechiskakultät zu recht fressen fluftrinen. Der nationale Gegensatz zwischen deutschen und italienischen Studenten spitzte nch zu einer regulären Schlacht zu, in der die italienischen Studenten von ihren Schuß- wasten Gebrauch machten und -chlreiche Verwundungen herbei führten. Das Militär mußte eingreifen und suchte die Ruhe mit dem Bajonett wieder Heizustcllen, wobei ein junger Maler erstochen wurde. Mehrere Verwundete find gestorben. Ganz Oesterreich nimmt an den Unruhen teil, teils für teils gegen die Italiener. Allgemein werden die armen Opfer des Kampfes bedauert. Vorläufig soll auf Ansuchen des Dekans die italienische Fakultät in Innsbruck geschloffen werden.

Der Arieg zwischen Japan und Rußland.

Am Schaho liegen sich die großen Armeen noch immer gegenüber, ohne daß e» zu mehr als kleinen Zusammenstößen gekommen wäre. Zwar meldet eine Tientsiner Depesche, er fände noch Berichten, die über Sinmintung gesandt würden, südlich von Mulden ein ernRer Kamps statt, und der russische linke Flügel sei

stark engagiert; dem widersprechen aber direkte Mek- düngen, nach denen die Lage unverändert ist und nur das Artilleriefeuer ununterbrochen anbauert. Im russischen Hauptquartier beabsichtigt man jedenfalls bis auf weiteres feinen großen neuen Angriff und verzichtet auf die Hoffnung, Port Arthur noch entsetzen zu können ; aber auch jgpauischerseitS deutet nichts auf eine baldige Offensive.

Die russische 15, em - BelagerungSbatteri« beschoß neuerdings die Hügelposition süLlich des Putilomberges uns zwang ben Feind, feine Schanzarbeit«» einjuüeQen. Die Japaner antwortete» mit Brifanzgranaten aus Feldgeschützen, ihr heftiges Feuer war aber gegen die verdeckte Aufstellung der russischen Mörser erfolglos Die Tuffen beunruhige« derart ben Gegner täglich durch Mörserfeurr und Jagdkommaodo», sonst dauert bet Stillstand in den Operationen an. Die Hauptfrage, die hier allgemein erörtert wird, ist die, ob die Ja­paner vor ober nach dem Fall von Port Arthur angreifen werden. Letzterer wird a l S unausbleib­lich angesehen. Man glaubt nicht, daß die Festung bis zur Ankunft der Baltischen Flotte aushalten wird.

Es bestätigt sich durchaus, daß die Japaner bisher nur Außenwerke von Port Arthur einnehmen und sich am Fuße der Hauptforts einnisten konnten, ohne eines von diesen selbst in ihre Gewalt zu bringen. Ferner wird wiederholt berichtet, daß General Stoffel auf die Herstellung innerer Verteidigungsstellungen be­dacht ist, die die Fortsetzung des Widerstandes auch nach dem Falle der Forts ermöglichen würden.

Aus Tschifu wird gemeldet: Chinesen, die Liau- tischan vor drei Tagen in einer Dschunke verließen, berichten, daß die russischen HauptfortS noch un­versehrt find. Die jüngsten Kämpfe drehen sich um die äußeren Berteibigungswetfe. Die Verluste waren groß, am schwersten bei den Japanern. Die Garnison besteht jetzt noch aus 9000 Mann. Auf Liautischan wurden neue Befestigungen errichtet. 500 Matrosen und Mariassoldaten bemannen diese Werke. Die Japaner halten die Stellungen, die sie auf halber Höhe bet Hügel Jtzuschan, Suogschuschaa und Erlung- schon erobert haben, fest.

Politische Nachrichten.

Berlin, 10. November.

Ihre Kaiserlichen Majestäten etapängei gestern nachmittag im Königlichen Schloße zum Thee en Besuch der Königi» Carola vo» Sachse». Heute rorm.lwg härte Se. Majestät der Kaiser vo» S Uhr ab die Borträge des Rultutminifiirl uns bet Fias»,mi»istrr». nahm vo» 10 Uhr ab militärische «ek- tungen entgegen. Bon 10* 2 Uhr ab hörte Se M»j-siSt tu Borträge bei Sriegsminist-r« unb bei Chr>S Del General, stöbe» der Armee. Um 2 Uhr 52 Minute» jahr Se. Majestät zur Hofjagd nach König». muBerbaufen.

Wie aus Königtberg l. Pr. gemeldet wird, haben fich der kommandierende General bes preußischen 1. Armeekorps General bet Infanterie Frhr. v. b. S 0 ltz und der Oberpräfident der Provinz Ostpreußen v. Mollke gestern nach Suwalki begeben, um im Auf­trage des Kaisers Wilhelm ben Kaiser von Ruß­land zu begrüßen. Die Gouvernements-Hauptstadt Suwalki ist etwa 20 Kilometer von der preußischen Grenze entfernt; es garnifoniert dort die aus 4 Regi­mentern bestehende fünfte Schützenbrigade, die der Zar vor ihrer Ausreise nach dem Kriegsschauplatze besich­tigen wird.

Es ist jetzt als sicher anzunehmen, daß die Regierung den Reichstag zum 29. b. Mts. einberufen wird. Die Tagesordnung für die erste Sitzung steht noch nicht fest, sie wirb erst nach der offiziellen Einberufung besannt gegeben. Der Etat wirb in den ersten Tagen nach dem Zusammentritt vorgelegt werden, feine erste Lesung dürste