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Hersscker Kreisblatt.
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ST Fernsprecher Nr. 8. ^3
k. M.
$mtritag den 10
1964.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 1. November 1904.
An Stelle des aus dem Gemeindeamt geschiedenen Nikolaus H e l l w i g zu Obergeia ist der Beigeordnete Heinrich Ernst daselbst zum Stellvertreter des Standesbeamten füt den Standesamtsbezirk Obergei« ernannt worden.
A. 4053. Der Königliche Landrat
Freiherr von Echleinitz, Geheimer RegierungS Rat.
Nichtamtlicher Teil.
% Regelung des liggischen Streites.
Es ist nunmehr dank dem Eingreifen des Reichskanzlers gelungen, in der lippeschen Frage eine Einigung herbeizu- führen, die den leidigen Streit aus der Welt schaffen wird. Nach schwierigen Verhandlungen ist ein Vertrag zwischen den beiden Fürstentümern Lippe-Detmold und Schaumburg- Lippe zustande gekommen, nach welchem zwei Senate des Reichsgerichts endgültig entleiben sollen, ob die Linie des Graf-Regenten Leopold zu Lippe-Biesterfeld nach dem Tode des geisteskranken Fürsten die nächstberechtigte zur Erbfolge ist. Beide Regierungen werden ihre Anträge beim Bundesrat zurückziehen und statt dessen die Zustimmung des Bundesrats zu dem Schiedsvertrage beantragen. Der Reichskanzler wird dann gemäß dem Schiedsvertrage und dem § 14 der Geschäftsordnung des Reichsgerichts die Entscheidung der Rechtsfrage dem Reichsgericht übertragen. Eines Reichsgesetzes bedarf es dazu nicht, da eben die Geschäftsordnung des Reichsgerichts die Uebertragung von Schiedssachen an den obersten Gerichtshof durch den Reichskanzler Vorsicht.
Da es der Bundesrat nur mit Angelegenheiten von Bundesregierungen zu tun hat, so ist der Anspruch der Weißenfelder Linie in dem Vertrage nicht erwähnt. Deren Rechte bleiben gleichwohl ganz unberührt. Denn wenn vom Reichsgerichte die Frage der Thronfolge zu Gunsten von Biesterseld entschieden wird, so ist damit auch entschieden, daß Biesterseld das bessere Recht vor Weißenfeld hat; wird die Frage vom Reichsgericht verneint, so bleibt es
Die Durchgänger.
Roman von Karl von Heigel.
(Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.)
„Sie haben mir gekündigt," begann Faber.
„Es handelt sich um Ihren Sohn! Wie es scheint, spann sich hier oben zwischen ihm und meiner Ebba das zärtliche Verhältnis an."
„Was spann sich hier oben?"
„Er hielt um die Hand Ebba» bei mir an und wurde von mir abgewiesen."
„Bravo!" sagte der alte Faber mit grimmiger Freude. Bravo! Ich an Ihrer Stelle hätt' es auch getan. Und wenn die Frauenzimmer um den Mann anhielten, was vielleicht auch noch Mode wird, würd' es Fräulein von Röder genau so bei mir erge&n wie meinem Hans bei Ihnen."
Diese freudige Zustimmung kam dem Kommerzienrat unerwartet. „Erlauben Sie, da» wäre denn doch was andres."
„Durchaus nichts andres. Mein Sohn soll kein Echmarotzerleben führen, wenigstens nicht mit meinem Willen."
„Ah, insofern — leider nur findet unsere bessere Einsicht keinen Dank. Ihr Sohn hat gestern mein Mündel entsührt."
„Hans — entführt! Da» heißt, sie sind miteinander durchgegangen?"
Weißenfeld unbenommen, sich mit Schaumburg über das bessere Recht auseinanderzusetzen.
Es wird natürlich längere Zeit vergehen, bis der Spruch gefällt wird. Inzwischen blxjbt die Regentschaft des Grafen Leopold bestehen, der auch in dem Schiedsvertrage ausdrücklich als Regent bezeichnet ist. War die Rechtslage beim Tode des Grasen Ernst ungeklärt, so ist sie jetzt wenigstens in so weit geklärt, als der gegenwärtige Züstand in Lippe-Detmold anerkannt und eine definitive Erledigung des Erbanspruchs der Biesterselder Linie mit Zustimmung von Schaumburg einem ordentlichen Gericht überwiesen wird. Das Verdienst dafür, daß diese unparteiische rechtliche Regelung des Erbfolgestreites gefunden worden ist, gebührt in erster Linie dem Reichskanzler Grafen Bülow. Nun werden hoffentlich auch die erregten Erörterungen in der Presse verstummen. w.
Zu den Vorgängen in Deutsch-Südwest-Afrila.
Ein längeres Telegramm des Generals v. Trotha aus Windhuk, 6. d. M., bringt Nachrichten über Einzelvorfälle in den Kampfgebieten. Aus dem Gebiet des Hottentottenaufstande» wird gemeldet:
„Am 1. November Oberleutnant v. Brandt, 15 Gewehre auf Marsch nach Gibeon bei Seeis-Kameelbaum von 5 0 Witb 0 is angegriffen. Nach miß. glücktem Umgehungsversuch zog sich der Feind unter Verlust von 3 Toten zurück. Diesseits ein eingeborener Polizist, zwei Buren gefallen, der Rest der Patrouille erreichte Gibeon, wo Brandt das Kommando übernimmt.
Am 5. November rückte die 2. Kompagnie des Feldregiment» 1 unter Oberleutnant Ritter von Rehoboth nach Kub ab.
Die Heliographenverbindung mit KeelmanShop ist wieder hergestellt."
General v. Trotha hatte in feiner Meldung vom 30. v. M. mitgeleilt, daß Major v. Mühlenfel«, der den Oberbefehl gegen die Herero übernommen hat, angewiesen worden sei, durch Streifkolonnen die Gegend zu säubern, in welcher jetzt die au» der Omaheke westwärts zurückziehenden Aufständischen sich umhertreiben. Ueber zwei Kämpfe mit derartigen Banden, von denen der eine den Herero ganz bedeutenden Abbruch getan hat, berichtet folgender Teil des Telegramms des General« v. Trotha:
„Am 3. November hatte K litzin g mit der 9. Kom
„Ja, sind heute schon über alle Berge. E« ist ein Wunder, daß Sie den Skandal nicht schon von meinem Gesinde gehört haben."
»Ich spreche niemals mit andrer Leut' Dienstboten." Faber trommelte auf die Knie. „Da haben wir die Früchte der heutigen Erziehung! Gleich verliert so ein überbildetes Fräulein nicht nur das Herz, sondern auch die Haltung, fragt nach Familie und Kirche nicht», führt sich wie eine Komödiantin aus I*
„Herr! Der Hauptschuldige ist Ihr Sohn."
„Ein« so schuldig wie da« andre. — Halb und halb. — Mein Hans taucht eben auch nichts, auch ein Moderner 1*
„Sie können sich leichter trösten als ich. Meine Mündel ist entehrt. Sie m ü s s e n sich jetzt heiraten."
„Das ist klar. Aber passen Sie auf, das wird auch die Straf' fein I"
„Ebba nahm sich die Mitgift voraus. Zehntausend Mark, die gestern in meiner Hauskasse waren, sind heute nicht mehr drin."
Faber schoß empor. „Sie haben Sie bestohlen?" schrie er. „Diebel? Man muß sie steckbrieflich verfolgen I"
„Wa« fällt Ihnen ein!"
„Steckbrieflich1 Sie werden, Sie müssen! Wenn Sie sich weigern, mach' ich die Anzeige!"
Nun sprang auch Schäfer anf und vertrat dem Rasenden den Weg. „So hören Sie doch!"
„Hab' genug gehört! Schon der Gedanke, daß mein Sohn dazu die Hand geboten — ich möcht' ihn hier
pagnie des Feldregiment« 1 östlich von Okunjahi ein erfolgreiches Gefecht mit einem größeren Hererotrupp, der etwa 250 Köpfe stark war. Der Feind ließ 6 Tote zurück. Weitere Verfolgung wegen Dunkelheit unmöglich. Am 4. November folgte Klitzing den nach Norden führenden Spuren, zersprengte zwei kleinere Hererobanden. 4 Herero erschossen, 1 Gewehr erbeutet.
Gleichfalls am 3. November lockte Oberleutnant von B e e st e n Herero bei Ombakaha in Hinterhalt. Vier Großleute gefallen. Außerdem mehrere Vor- männer und zahlreiche Orlogleute. Erbeutet 16 Pferde, 2 Reitochsen, zahlreiche Gewehre. Diesseits keine Verluste.
Major v. Mühlenfels hat Anweisung, unablässig mit Streifkolonnen alle Wasserstellen der Umgegend abstreifen zu lassen."
General v. Trotha meldet aus Windhuk unter dem 7. November: Hauptmann Wehle hat mit Leutnant v. Rheinbaben und 25 Reitern von Keetmanshoop aus die Slationsbefatzung Koas und mehrere Ansiedler unversehrt eingeholt.
Hans Hendrik, Veldschoendrager, nach Meldung vom 20. Oktober bis jetzt noch treu, will den Ausstand angeblich nicht mitmachen.
9er Arieg zwischen Japan und Rußland.
Die Zweifel an der Tschifuer Meldung, daß die Hauptfort« der Nord- und Ostfront von Port Arthur bereits in den Händen der Japaner seien, erweisen sich als berechtigt. Noch immer find es nicht die eigentlichen Fort«, welche die Belagerer genommen haben, sondern nur Außen- und Zwischenwerke, Stellungen allerdings, die in unmittelbarster Verbindung mit jenen Zentren der Verteidigung stehen und, im Besitz der Belagerer den weiteren Angriff sehr erleichtern. Auf den nahe bevorstehenden Fall der Forts hat sich denn auch General Stössel vorbereitet, indem er dahinter einen neuen Verteidigung-abschnitt anlegen ließ.
Amtliche Nachrichten über Port Arthur liegen nicht vor. Meldungen aus Tschifu bestätigen, daß die Japaner die Zugänge zu mehreren Hauptsorts eroberten und sich in deren Glacis eingruben. In den Trancheen finden fortwährende Kämpfe statt, und die Vorposten sind nur vierzig Fuß voneinander getrennt. Der
haben, unter meinen Fäusten haben! Man muß sie einholen. Meinen Hut Anna, meinen Hut! Anna!"
„Fräulein Anna !" rief Schäfer in seiner Ratlosigkeit durch die Tür. „Nehmen Sie doch Verstand an!" bat er den Wütigen, der mit den Händen fuchtelnd umherlief.
„Er handelt sich um meine Ehr', nicht um meine Vernunft. Ach Anna!" rief Faber der Eintretenden entgegen. „Anna!" Der Schmerz übermannte ihn; er sank auf einen Stuhl und weinte in die Hände.
„Das ist unmöglich I" rief Anna empört, als ihr der Kommerzienrat den Fall kurz erklärte. „Unser Hans ist kein Dieb."
„Lassen wir Ihren Bruder aus dem Spiel I" sagte Schäfer ängstlich. „Ich spreche von Ebba." „Es liegt ein Irrtum vor." „In Geldsachen irre ich mich nie." „Ein anderer ist der Dieb."
„Auch unmöglich. Das Schloß ist unversehrt, und nur Ebba hatte den Schlüssel."
Faber stand auf. „Es ist so. Fräulein von Röder hat ihren Wohltäter beraubt und verlassen, und mein Sohn ist der Mitschuldige. — Vergeben Sie mir, Herr Kommerzienrat — im ersten Zorn ist man unbedacht!
— Wir dürfen den Zeitungen keinen Stoff liefern. — Unser Name — aber Recht muß doch Recht bleiben! Ich seh' keinen Ausweg."
„Sie nehmen die Sache zu tragisch. Ich kann den Verlust tragen."
„Aber wir sind arm! Eine solche Summe — wie soll ich, wie mein Sohn sie ersetzen! Wenn sich die