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KerUN Kreisblatt.
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Amtlicher Teil.
Hersseld, den 13. Oktober 1904.
Es wird hierdurch veröffentlicht, daß der KreiSauS- schuß des hiesigen Kreises in seiner Sitzung am 13. Oktober d. I«. gemäß § 18 des Gesetze» vom 12. März 1881 betreffend die Abwehr und Unterdrückung der Vieh- fluchen, aus den sachverständigen Eingesessenen des Kreises für das Jahr 1905 folgende als Schiedsmänner zu den Schätzungskommissionen heranzuziehende Personen gewählt hat:
Oekonom Peter Heil zu Hersfeld, „ Friedrich Friedrich zu Hersfeld, Gutsbesitzer Richard Braun zu Oberrode, Amterat greife zu Bingartes, Königl. Oberamtmann Suntheim zu Hersseld, Gutsbesitzer Franz Roll zu Hersfeld, Landwirt Johannes Claus zu Mecklar, Oekonom Philipp Schäfer zu Mengshausen, „ Meister zu Beiersgraben, „ Johannes Jakob Schenk zu KerSpenhausen, Bürgermeister a. D. Ruhn in Aöbach, Landwirt George Weitz zu Harnrode, Gutsbesitzer Führer jun. zu Lautenhausen,
„ Hoßbach zu Hof Weisenborn,
N Gliemerolh sen. zu WölferShausen,
Gastwirt Ruch zu Widdershausen, Landwirt Heinrich Rüger zu Unterweisenborn, Oekonom Adolph Reinhard „ „ Ackermann Heinrich Burghardt I. zu Ransbach, Echmied Scheer zu SchenklengSfeld, Ackermann Rudolph zu Ausbach, Bürgermeister Lingemann zu PhilippSthal, * Mohr zu Conrode, Friedrich Boß zu Kirchheim, Bürgermeister Brandenstein zu Heimboldshausen, „ Bätz zu Kalkobes.
Aus der Zahl dieser Personen hat die Ortspolizei, ä behörde die Schiedsmänner für jeden einzelnen Schätz- ungsfall zu ernennen. Die Schätzung erfolgt durch die aus dem beamteten Tierarzt und zwei Schiedsmännern ’ gebildete Kommission und sind die Schiedsmänner von der Ortspolizeibehörde eidlich zu verpflichten. Dasselbe gilt, wenn an Stelle eines beamteten Tierarztes ein
Die Durchgänger.
Roman von Karl von Heigel.
(Nachdruck verboten).
d . (Fortsetzung.)
I Die algebraischen Gleichungen waren zwar keine Musik, immerhin auch von wohltätiger Wirkung auf die gequälte Seele: Anna schlief über ihnen ein.
Ein schrilles Klingeln weckte sie. Anna sprang aus und warf einen verstörten Blick auf die brennende Lampe, dar unberührte Bett. Da klingelt es wieder.
Jetzt erinnert sie sich an das Fest unten und bildet sich blitzschnell eine Erklärung: Ebba ist erkrankt. Ebba verlangt nach der Freundin I Noch halb im Schlaf, eilt Anna hinaus und fragt an der Flurtür.
»Ich, der Hausherr — Kommerzienrat Schäfer," antwortet eine erregte Stimme. „Ich muß Herrn Faber sprechen."
»Herrn Faber? Meinen Bruder?"
Er lachte grimmig. Diese Schlange I »Keine scherze! Ich habe mit dem Sekretär ein Wort zu reden." Erschrocken trat Anna aus der Tür in da» volle Licht der elektrischen Flurlampe. Bei allem Zorn wurde Schäfer von ihrer Erscheinung überrascht. Die Wangen vom Schlaf gerötet, im weichen, fließenden Haurkleide kam ihm Ann I jugendlicher und doch voller, reifer vor als das Fräulein Faber, dem man zuweilen im Hause ■ begegnete I
.Ach bitte, Herr Rat, bitte leise! Vater schläft schon."
nicht beamteter Tierarzt zugezogen wird, für diesen, sofern derselbe nicht im Allgemeinen als Sachverständiger beeidigt ist.
Die den Schiedsmännern als Ersatz für Reisekosten und Auslagen zu gewährende Vergütung wird im Verwaltungswege festgesetzt und aus der Staatskasse bestritten.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben die vorstehend genannten Personen alsbald von der auf sie gefallenen Wahl in Kenntnis zu setzen und denselben zugleich zu eröffnen, daß sie verpflichtet seien, auf amtliche Requisition erforderlichen Falles an allen Orten des Kreises Abschätzungen vorzunehmen.
A. 3836. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 2. November 1904.
Mit der aushilfsweisen Ausübung der Jagdpolizei in den Gemarkungen Mecklar, ReiloS, Rohrbach und Tann habe ich bis auf Weiteres den Königlichen HilfS- jäger Herrn Schaumburg in ReiloS beauftragt.
J. I. 8036. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
UZnigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr
an den Wochentagen vormittags.
Gefundene Gegenstände: Eine Pferdedecke. Meldung bei dem Ortsvorstand in Stärklos.
Nichtamtlicher Teil.
Der Arieg zwischen Japan und Rußland.
In dem erbitterten Ringen um Port Arthur ist eine vermutlich nur kurze Pause eingetreten. In großer Zahl gelangen jetzt Berichte über die gewaltigen Be-
„Schläst? Wer's glaubt! — Wo ist Ihr Bruder?" „Er wohnt nicht mehr bei uns." „Aber war heute im Hause!" „Bei mir." „Um Abschied zu nehmen!" „Abschied? Er verreist nicht."
„Er ist verreist — durchgebrannt mit Ebba. Und deshalb muß ich Ihren Vater sprechen."
Anna war tödlich erschrocken. „Um Himmels willen — ich bitte Sie — nicht jetzt — nicht im ersten Zorn! — Wenn Vater das unvorbereitet hört" —
Die flehende Stimme ging Schäfer zu Herzen, doch er verhärtete sich: „Sie wollen mich täuschen, um Zeit zu gewinnen. Ausflüchte! Ich muß meiner armen, verführten Nichte nachsetzen. Ihr Vater wird beichten!"
Sie trat in ihrer Verzweiflung dicht an ihn heran. „Ich schwöre Ihnen: Vater weiß nicht», ahnt nicht» — ich schwöre Ihnen!"
„Und wenn es so wäre, so wissen Sie" —
Sie erfaßte seine Hände. „Sehe ich wie eine Lügnerin aus ? Wie soll — wie kann ich Ihnen unsere Schuldlosigkeit beweisen? Fußfällig bitte ich Sie, schrecken Sie meinen Vater nicht mit dieser Nachricht aus dem Schlaf! Vielleicht sind die beiden nicht so schuldig, wie sie glauben — ist Ebba bei Verwandten — kommt morgen heim!"
Bei dem Druck ihrer Hände war'» ihm, als ergösse sich das junge, warme Blut in das seine. Schon milder erwiderte er: „Wir haben hier keine Verwandtschaft. Und wenn ich bis morgen warte, ist der Riß unheilbar."
lagerungskämpfe an die Oeffentlichkeit, die im Laufe der letzten Monate vor Port Arthur tobten.
Ueber das Ergebnis der letzten Tage ist Klarheit noch nicht zu gewinnen; am wahrscheinlichsten bleibt, daß die Japaner unter großen Verlusten den letzten Rest der vorgeschobenen Stellungen genommen und am Fuße der Hauptforts liegen, diese selbst aber bisher noch im Besitz der Russen sind.
Nach einer Meldung aus Tschifu wird dort von amtlicher Seite die Lage bei Port Arthur vor zwei Tagen wie folgt beschrieben: Nach mehreren erbitterten Angriffen haben die Japaner alle äußeren Ver- teidigungSwerke und Laufgräben bis auf 300 Meter vor den Forts Jtjchan, Sangschuschan, Batterie B und Fort Erlungschan genommen. Ihre Absicht ist jetzt, Stellungen zu erringen, von wo sie die Schiffe durch Geschützfeuer aus dem Hafen treiben können. Die Lage der Japaner unter dem Feuer der gorts ist nicht beneidenswert. — Nach einem noch unbestätigten Gerücht eroberten die Japaner die chinesische Stadt, 2400 Meter nördlich vom eigentlichen Port Arthur, und verschanzten sich dort schleunigst. Dann wäre die Lage der Garnison ernst, wenn auch nicht kritisch. Die Stellung der Japaner in der chinesischen Stadt kann andererseits durch den sie umgebenden Fortring unhaltbar werden. Alle Anzeichen deuten daher auf den festen Entschluß der Japaner, wenigsten» die nördlichen gorts zu erobern, um die Kooperation der gorts zu durchbrechen. Es verlautet in Tschifu, daß Kaiser Nikolaus dem General Stössel volle Freiheit seiner künftigen Entschlüsse überließ; die Botschaft kann ihm aber nicht übermittelt werden. Es herrscht jedoch kein Zweifel, daß Stö ssel bei seinem Wort „keine Ue b ergäbe' bleiben wird. — Ferner wird aus Tschifu gemeldet, daß nach Beobachtung von einem Schiffe aus gestern abend bis sechs Uhr in Port Arthur alles still war. Weder fielen Schüsse, noch waren Bewegungen zu sehen. Togos Flotte war 10 bis 30 Seemeilen entfernt. Später in der Nacht sah man Scheinwerfer um ganz Port Arthur blitzen.
Aus Tschifu wird gemeldet, daß der Sturm auf Port- Arthur abermals zurückgeschlagen wurde unter großen Verlusten für die Japaner. Die Japaner bauen neue Trancheen gegenüber den Ostforts von Port Arthur.
„Doch mein Vater wäre ebenso ratlos wie ich. Was Sie gegen die Flüchtlinge unternehmen, wird er billigen — er ist ein Ehrenmann."
Tränen flossen ihr über die Wangen.
Ihr stilles Weinen entwaffnete ihn vollend».
„Beruhigen Sie sich — ich will Ihnen ja glauben. — E» geht auf Mitternacht — lassen wir Ihren Vater schlafen und die Durchgänger laufen. — Aber morgen vormittag spreche ich mit Ihrem Vater I" Sie drückte seine Hand. „Ich danke Ihnen I"
Er fühlte sich versucht, ihre Hände zu küssen. Ver- wirrt stotterte er: „Nicht weinen! — Sie find schuldlos — verzeihen Sie mir!"--
Der blindwütend aus dem leeren Zimmer seiner Nichte heraufgestürmt war, stieg hinab, langsam, leise. Auf dem nächsten Absatz vor der Wohnung der alten Fräulein» drehte er sich um und verneigte sich vor Anna, die noch unter dem Eindruck der schrecklichen Neuigkeit bleich und starr ihm nachsah.--
Unten stand Franz, doppelt mit Würde geloben. Er übergab seinem Herrn einige Schlüssel. „Ich habe das fremde Personal fort- und da» unserige zu Bett geschickt, im Speisesaal und im Dubarry-Zimmer ließ ich alle», wie es liegt und steht, bis morgen."
Sie gingen von Zimmer zu Zimmer. Im Salon Louis XV. schnupperte Herr Schäfer. „Hier hat jemand geraucht! Oeffnen Sie das Fenster!"
Da» Nachtgetöse aus dem Herzen der Stadt war schon am Ende. Schäfer saß scheinbar müde im Lehn, stuhl. Der Kammerdiener Hüstelte.